
Das Kölner Stadtmodell: So sah Köln um 1580 aus.
4,20 Meter Stadtgeschichte: Eine ganze Stadt im Kleinformat
Das Stadtmodell ist mit 3,20 × 4,20 Metern außergewöhnlich groß und zeigt die Situation in der Stadt Köln um 1580.
Angefertigt wurde es 1913 vom aus Bensberg stammenden Modellbauer Gerhard Fischer (1883–1935). Als Vorbild diente der sogenannte Mercator-Plan, ein um 1571 im Auftrag der Stadt entstandener großer und äußerst genauer Plan Kölns, der als 16-teiliger Kupferstich herausgegeben wurde – und noch heute in vielen Ausführungen erhalten ist.

Große Detailtreue – auf dem neuesten Stand der damaligen Forschung
Das Modell orientiert sich sehr genau am Mercator-Plan und nahm, wie der Kölner Historiker Georg Mölich unterstreicht, direkt auf die „historische Spitzenforschung“ der damaligen Zeit Bezug.
Jedes der rund 8.000 Häuser, jede Straße und jede Kirche wurde sorgsam nachgebaut. Man erkennt Platzflächen, Klöster, den Hafen und die Stadtmauer, römische Überreste, Obst- und Gemüsegärten. Auch geographische Besonderheiten werden deutlich.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Größe: 3,20 × 4,20 Meter
- Maßstab: 1:750
- Es besteht aus sechs Teilen und wiegt über 600 Kilogramm.
- Es ist über 110 Jahre alt und selbst schon ein historisches Kunstwerk.
- Dargestellt sind ca. 8.000 Häuser, 12 große Stadttore, rund 40 Kirchen und Klöster sowie rund 70 Schiffe.
- Es zeigt die Überreste der römischen und die mittelalterliche Stadtmauer sowie den lebendigen Hafen, der Köln zu einer der reichsten und wichtigsten Städte Europas machte.
- Der Kölner Dom ist als unvollendete Bauruine zu sehen.
- Deutlich wird auch die topografische Lage Kölns auf einem Hügel.
Wo findet ihr das Modell?
Das Modell befindet sich im ersten Obergeschoss unserer Dauerausstellung. Eine taktile Station ermöglicht es, wichtige Gebäude genauer zu betrachten, und erläutert außerdem die Phasen der Stadterweiterung.
Für digitale Entdecker*innen gibt es zusätzlich eine Augmented-Reality-Anwendung auf Tablet-PCs, in der viele Zusatzinhalte vorhanden sind.

Auf Spurensuche am Modell
Das Modell ist unglaublich detailliert. Wer genau hinschaut, entdeckt darin viele Strukturen, die das Kölner Stadtbild bis heute bestimmen. Gut zu erkennen sind beispielsweise noch heute vorhandene Straßenverläufe in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung. Dazu zählt die Trasse Eigelstein, Hohestraße, Severinstraße und im rechten Winkel dazu die Breite Straße, Schildergasse und die heutigen Bachstraßen entlang des geschwungenen Duffesbachs.
Die rechtwinklige Anordnung zeigt, dass es sich um Überreste der römischen Stadtplanung handelt. Diese Straßenverläufe gibt es also schon seit 2.000 Jahren!
Wenn man neben dem Modell in die Knie geht und über die Dächer schaut, kann man sogar den Hügel erkennen, auf dem die römischen Stadtplaner ihre Kolonie errichteten. Das römische Köln war so vor Rheinhochwasser geschützt.
Von der mittelalterlichen Stadtmauer zu den Kölner Ringen
Eingerahmt wird die Stadt von der mittelalterlichen Stadtmauer, die in einem etwa halbkreisförmigen Bogen von der Severinstorburg zur Eigelsteintorburg verläuft. Dieser Bogen entspricht dem Verlauf der heutigen Ringstraße („Kölner Ringe“ – Kaiser-Wilhelm-Ring, Sachsenring usw.), die nach 1881 – nach dem Abbruch der Stadtmauer – genau hier gebaut wurde. Einige Straßennamen wie Friesenwall und Pantaleonswall erinnern noch heute an die frühere Funktion.
Das Gebiet außerhalb der Stadtmauer gehörte damals zum Kurfürstentum Köln, über das der Kölner Erzbischof von Bonn aus herrschte. Die Stadt Köln bildete innerhalb dieses Fürstentums seit 1288 eine autonom agierende „Insel“.
Gärten und Weinberge?
Die zahlreichen großen Grünflächen innerhalb der Stadtmauer dienten dem Anbau von Lebensmitteln, aber auch der Produktion eines sauren Weins, der mit Wasser verdünnt wurde. Das Wasser wurde durch den Alkohol entkeimt. Die Frischwasserzufuhr aus der Eifel, für die in römischer Zeit Aquädukte gebaut worden waren, bestand im Mittelalter nicht mehr.

Das Heilige Köln mit Bauruine
Köln bezeichnete sich selbst seit dem Mittelalter als das Heilige Köln. Die zahlreichen Klöster, romanischen Kirchen und der noch unfertige Kölner Dom – mit Baukran auf dem Südturm – sind im Modell gut zu erkennen.
Bekannte Plätze und ein einflussreicher Hafen
Die für Köln wichtigen, großen Platzflächen bestanden – so erkennt man deutlich im Modell – bereits im Mittelalter. Alter Markt, Heumarkt und Neumarkt waren schon damals wichtige Markt- und Veranstaltungsflächen, auf denen sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben abspielte.
Hinter Alter Markt und Heumarkt erkennt man im Modell unmittelbar den Kölner Hafen und die dort stehenden Stapelhäuser, die der Durchführung des sogenannten Stapelrechts dienten. Dieses Recht erlaubte es den Kölner*innen seit 1259, von auswärtigen Schiffen Abgaben zu erheben und den bevorzugten Zugriff auf Waren von höchster Qualität zu haben.

Dabei machten sich die Kölner*innen auch geografische Gegebenheiten zunutze: Mit den bauchigen Koggen – den sogenannten Niederländern – konnten Waren über die Nordsee und dann rheinaufwärts transportiert werden; die Schiffe wurden von Pferden gezogen. In Köln mussten diese dann auf eher floßartige Schiffe – Oberländer – mit weniger Tiefgang umgeladen werden, die besser durch die engen und flachen Passagen etwa am berühmten Loreley-Felsen navigiert werden konnten. Ein Stopp in Köln war somit oft unvermeidlich. Im Hafen des Modells liegen beide Schiffstypen vor Anker.
Warum wurde das Modell angefertigt?
Gerhard Fischer war Mitarbeiter des Historischen Archivs der Stadt Köln. Er sollte das Modell für die Ausstellung „Alt- und Neu-Köln“ anfertigen, die seit 1911 geplant und in einer großen Ausstellungshalle gezeigt wurde, die im Bereich des heutigen Aachener Weihers entstand. Diese Ausstellung sollte die historische Bedeutung Kölns würdigen und gleichzeitig ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Worum ging es bei der Ausstellung „Alt- und Neu-Köln“ genau?
Die Ausstellung zog eine Linie von der römischen Antike bis zur reichsstädtischen Zeit ab dem Spätmittelalter, in der Köln eine der mächtigsten Städte Europas gewesen war. In einer großen Vitrine wurde daher auch das Ratssilber gezeigt, das zwar erst in der Zeit um 1900 neu angefertigt worden war, aber stilistisch und repräsentativ ebenfalls auf diese Epoche der Stadtgeschichte Bezug nahm.
Im Bereich, in dem das aktuelle Köln dargestellt wurde, waren beispielsweise der Haushaltskunde-Unterricht der Volksschule zu sehen, die Entwicklung der Kölner Straßenbeleuchtung oder die Aufgaben der Feuerwehr. Aber auch noch heute sehr aktuelle Themen wie der Ost-West-U-Bahn-Bau wurden damals bereits verhandelt.
Im historischen Teil waren übrigens neben dem großen Modell und vielen Schaubildern auch zahlreiche Gemälde und Kunstwerke aus den Beständen des Kölnischen Stadtmuseums ausgestellt.


Häufige Fragen zum Kölner Stadtmodell
Was zeigt das Stadtmodell im Kölnischen Stadtmuseum?
Das Modell zeigt Köln um das Jahr 1580. Zu sehen sind unter anderem rund 8.000 Häuser, Straßen, Kirchen, Klöster, Märkte, der Hafen, die mittelalterliche Stadtmauer und der damals noch unfertige Kölner Dom.
Wie groß ist das Stadtmodell?
Das Modell misst etwa 320 mal 420 Zentimeter. Es besteht aus sechs Teilen und wiegt insgesamt mehr als 600 Kilogramm.
In welchem Maßstab wurde das Modell gebaut?
Das Stadtmodell wurde im Maßstab 1:750 angefertigt. Dadurch lassen sich zahlreiche Einzelheiten der historischen Stadtstruktur erkennen.
Wer hat das Modell angefertigt?
Der Modellbauer Gerhard Fischer schuf das Modell im Jahr 1913. Fischer stammte aus Bensberg und war beim Historischen Archiv der Stadt Köln beschäftigt.
Woraus besteht das Modell?
Das Modell besteht größtenteils aus Holz und einer farbig bemalten Kittmasse.
Gibt es zusätzliche Angebote zum Stadtmodell?
Eine taktile Station ermöglicht es, wichtige Gebäude und die verschiedenen Phasen der Stadterweiterung genauer zu erkunden. Zusätzlich steht eine Augmented-Reality-Anwendung auf Tablet-PCs zur Verfügung.
Warum wurde das Stadtmodell gebaut?
Das Modell entstand für die Ausstellung „Alt- und Neu-Köln“. Diese sollte sowohl die historische Bedeutung Kölns als auch die Leistungsfähigkeit der damals schnell wachsenden Großstadt zeigen.


