Unser Museum

Seit der Gründung im Jahr 1888 sammelt und bewahrt das Kölnische Stadtmuseum Objekte zur Geschichte Kölns vom Mittelalter bis in die Gegenwart, um das reichhaltige historische Erbe der Stadt für heutige und zukünftige Generationen zu erhalten und zu präsentieren.

Wir nehmen Sie mit auf immer neue, spannende Zeitreisen! Nach mehreren Jahrzehnten im historischen Zeughaus wird unser Museum im Herbst 2023 im ehemaligen Modehaus Franz Sauer in der Minoritenstraße 13 neu eröffnet. Es ist nicht nur ein Standortwechsel: Wir stellen uns mit ungewöhnlichen Formaten, modernen Inszenierungen, auffälligem Design und vielen digitalen Angeboten komplett neu auf.

Freuen Sie sich auf eine innovative, ungewöhnliche Dauerausstellung, die die Geschichte der Stadt Köln mit all ihren Facetten, Widersprüchen und unterschiedlichen Perspektiven ganz neu erzählt wird – und auch die Gegenwart und die Zukunft in den Fokus nimmt.


Unser Leitbild

„Wir sind Köln!“ – Wir, das Kölnische Stadtmuseum, verstehen uns als einen der zentralen Orte für die Kölner Geschichte und Identität.

An diesem Ort wird die Stadtgeschichte Kölns auf eine neue und moderne Weise in all ihren Facetten und Widersprüchen erzählt: interessant, spannend, originell und fundiert.

Für uns ist Geschichte kein statischer Zustand, vielmehr unterliegt sie einem stetigen Wandel. Deshalb hören wir nicht auf, immer wieder neue Fragen an die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu stellen. Dabei vermeiden wir eindimensionale Antworten zugunsten multiperspektivischer Ansätze, denn wir verstehen uns als Ort, der zum Denken und Gestalten anregen soll.

Das Foto zeigt das neue Museumsgebäude von außen.
Unser neuer Standort, Minoritenstraße 13 (© C. Ehrchen)

Wir erzählen nicht nur Geschichte FÜR alle, wir verstehen die Stadtgeschichte Kölns auch als Geschichte VON allen. Unser Ziel ist es, die Diversität der Stadtgesellschaft in unserem Haus abzubilden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder Nationalität. Was uns dabei verbindet: Wir ALLE sind Köln.

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Innerhalb des Hauses sorgen wir dafür, dass Klarheit über die Ziele besteht, Informationen fließen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten geregelt und Vereinbarungen eingehalten werden. Dabei schaffen wir ein größtmögliches Maß an Verlässlichkeit und Transparenz. Probleme können offen angesprochen werden. Auch kontroverse Diskussionen bringen uns voran, wenn sie fair, persönlich und zeitnah geführt werden. Ziel ist es, uns gegenseitig zu stärken und nach außen abgestimmt aufzutreten.


Ein Museum für alle

Das Kölnische Stadtmuseum ist ein offener Ort, an dem sich Menschen willkommen fühlen.

In unserem Haus sind verschiedenste soziale und kulturelle Gruppen, Menschen mit unterschiedlichen geistigen und körperlichen Voraussetzungen eingeladen, sich mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt Köln auseinanderzusetzen.

Besucherorientierung, Barrierefreiheit, Inklusion, Integration und unterschiedliche Perspektiven sind wichtige Orientierungspunkte unserer Arbeit. Unser Museum kann ohne Vorkenntnisse besucht werden. Die Inhalte erschließen sich den Besucher*innen durch die Ausstellung und einen Multi-Media-Guide, der verschiedene Führungen durch die Ausstellungen anbietet. Wir sorgen so für einen gleichberechtigten Zugang zu unseren Bildungsangeboten.

Wir verstehen gelebte Integration als Auftrag unseres Museums. Wir wollen dazu beitragen, dass Menschen mit Migrationshintergrund Interesse an der Kölner Stadtgeschichte entwickeln und sich selbst darin auch wiederfinden.

Das Kölnische Stadtmuseum soll sich zu einem „Must see“ für Tourist*innen entwickeln. Wir bieten Gästen Kölns einen spannenden Einblick in unsere Stadt und ihre Geschichten.


Museum mitten in Köln

Wir sind nicht nur ein Ort für eine kritische Auseinandersetzung mit der Kölner Geschichte, sondern verstehen uns auch als ein Forum der Stadtgesellschaft.

Unser Museum ist ein Ort für Diskussionen über Gegenwart und Zukunft, über Chancen und Perspektiven Kölns bei der Entwicklung hin zu einer sozial und ökologisch ausgewogenen Metropole.

Mit unseren partizipativen Projekten und Veranstaltungen bieten wir der urbanen Gesellschaft eine offene Plattform und fördern bürgerschaftliches Engagement. So regen wir zur Auseinandersetzung mit der Stadt und ihrer Identität an, stärken die Identifikation der Menschen mit ihrer Heimatstadt und leisten einen wichtigen Beitrag für die Zukunft Kölns. Denn alle, die hier leben, haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Wir alle sind Köln.


Bildung und Vermittlung

Wir sind für Köln ein zentraler Ort mit einem wichtigen Bildungsauftrag, den wir gemeinsam mit dem Museumsdienst der Stadt Köln erfüllen wollen.

Im Bereich der Bildung und Vermittlung setzen wir auf eine lebendige, spannende Wissensvermittlung. Unsere Themen stehen in enger Verbindung mit dem Leben der Menschen. Deshalb ist uns ein offener Dialog mit den Besucher*innen wichtig, in dem wir respektvoll miteinander kommunizieren.

Dabei machen wir die Faszination der Vergangenheit begreifbar, vermitteln komplexe Zusammenhänge verständlich und verknüpfen Bildung mit Unterhaltung. Innovative digitale Medienkonzepte unterstützen die Wissensvermittlung.


Forschung und Dialog

Wir suchen den interdisziplinären fachlichen Austausch. Wir initiieren einen aktiven Dialog mit Museen und Hochschulen, anderen wissenschaftlichen Institutionen sowie weiteren Partnern.

Durch diesen Dialog erweitern wir unseren eigenen Horizont, unsere Kompetenzen und unseren Handlungsspielraum und können uns gegenseitig fördern und unterstützen.

Wir sehen unseren Auftrag in der Erforschung der Stadtgeschichte und der eigenen Sammlung. Dabei setzen wir auf eine enge Kooperation mit externen Wissenschaftler*innen und sehen uns als Teil des Verbundes der nationalen und internationalen Stadtmuseen.


Unser Weg in die Zukunft

Wir verstehen das Stadtmuseum als Labor, in dem experimentiert werden darf und das stetig neue Entwicklungen hervorbringt.

Das bedeutet für unsere Arbeit, dass auch Zukunftsforschung, Urbanität und Nachhaltigkeit eine Rolle spielen.

Wir sind uns bewusst, dass sich die Wünsche der Besucher*innen, aber auch die Methoden und Möglichkeiten der Vermittlung in rascher Folge verändern. Wir messen die Ergebnisse unserer Arbeit und entwickeln unsere Ziele und Methoden systematisch weiter. Um relevant zu bleiben, wird das Museum ein aktiver Teil der Veränderungen sein. Das bedeutet auch, dass wir reflektieren, wie unsere Arbeit wirkt, dass wir unsere Methoden und dieses Leitbild weiterentwickeln und den neuen Realitäten anpassen werden.


Unsere Publikationen

Zu den Ausstellungen des Kölnischen Stadtmuseums sind zahlreiche wissenschaftlich fundierte und spannende Begleitbände erschienen, die unterschiedlichste Aspekte des Kölnischen Stadtmuseums abbilden.
Eine tolle Sammlung für alle, die sich für kölnische Stadtgeschichte interessieren!  

Ausstellungskataloge

Yvonne Katzy, KÖLN 1945. Alltag in Trümmern, Köln 2020, 2. erweiterte Auflage, Köln 2021, 133 S.
ISBN 978-3-940042-16-3


Rita Wagner, Köln am Rhein. Oder: Von Zeit zu Zeit, Mainz 2019, 112 S., Nünnerich-Asmus Verlag
ISBN: 978-3-96176-090-9


Mario Kramp, Köln an der Seine, Der Kölner Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1937, Köln 2019, 272 S., Greven Verlag Köln
ISBN 978-3-7743-0902-9


Michaela Keim/Stefan Lewejohann (Hgg.): KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation, Mainz 2018, 495 S., Nünnerich-Asmus Verlag
ISBN 3961760489


Johanna Cremer (Hgg.): Bretter, die die Welt bedeuten. Spielend durch 2000 Jahre Köln, Köln 2018, 123 S.
ISBN 978-3-00-059213-3


Eusebius Wirdeier (Hgg.): Trotzdem Alaaf! Kölner Rosenmontag 1991 + 2017, Köln 2018, 144 S.
ISBN 978-3-00-057659-1


Rita Wagner (Hgg.): Konrad der Große: Die Adenauerzeit in Köln 1917 bis 1933, Nünnerich-Asmus, Köln 2017, 192 S.
ISBN 3961760063 


Mario Kramp / Marcus Trier (Hgg.): Drunter und Drüber: Der Heumarkt, Schauplatz Kölner Geschichte 3, J. P. Bachem Verlag, Köln 2016, 272 S.
ISBN 978-3-7616-3099-0


Marion Kranen, Irene Schoor, Kino in Köln – Von Wanderkinos, Lichtspieltheatern und Filmpalästen. Köln, Emons Verlag, 2016, 360 S.


Rita Wagner und Mario Kramp: Köln ungeschönt. Wilhelm Scheiner als Fotograf. Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2015,
128 S.
Der Katalog ist leider ausverkauft.


Michael Euler-Schmidt (Hg.), Endstation Ubierring. Das Aus der Freien Kunst an der Fachhochschule Köln. Köln 2015, 94 S.


Stefan Lewejohann und Sascha Pries (Hgg.), Achtung Preußen! Beziehungsstatur: Kompliziert – Köln 1815-2015. Köln 2015, 168 S.


Stefan Lewejohann (Hg.), Köln in unheiligen Zeiten. Die Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Köln, Böhlau Verlag, 2014, 260 S.


Petra Hesse, Mario Kramp und Ulrich S. Soénius (Hgg.), Köln 1914. Metropole im Westen. Köln, Bachem Verlag, 2014, 208 S.
231 Farb- und 115 Schwarzweißabb.
7,20 € (Antiquariat)


Mario Kramp, KÖLN/NIL – Die abenteuerliche Orient-Expedition des Kölners Franz Christian Gau 1818-1820. Köln, Wienand Verlag 2013, 128 S.


Mario Kramp (Hg.), 125 Jahre Kölnisches Stadtmuseum 125mal gekauft – geschenkt – gestiftet. Köln, Emons Verlag, 2013, 296 S.


Mario Kramp und Marcus Trier (Hgg.), Drunter und Drüber: Der Eigelstein Schauplatz Kölner Geschichte 2. Köln, Bachem Verlag, 2013.
272 S.


Mario Kramp, Sascha Pries und Rita Wagner, Revolution! Dem Maler Wilhelm Kleinenbroich zum 200. Geburtstag (Revolution! Dekoration … Köln im 19. Jahrhundert, 1), Köln, Emons Verlag 2012


Sybille Fraquelli, Ein bunter Traum. Kölns romanische Kirchen im Historismus (Revolution! Dekoration … Köln im 19. Jahrhundert, 2), Köln, Emons Verlag 2012


Mario Kramp und Marcus Trier (Hgg.), Drunter und Drüber. Der Waidmarkt. Schauplatz Kölner Geschichte 1, Köln, Bachem Verlag 2011
Leider ausverkauft.


Petra Metzger, Georg Bungarten, Manfred Linke, Nadja Fernandes (Hgg.), Karneval instandbesetzt?, Köln 2009, 192 S.


Heinzelmännchen. Beiträge zu einer Kölner Sage. Mit Beitr. von Beatrix Alexander u. a., Köln 2001, 138 S.
Leider ausverkauft.


Bestandskataloge

Mario Kramp / Ulrich S. Sóenius (Hgg.), Made in Cologne. Kölner Marken für die Welt. 2. aktualisierte und stark erweiterte Neuauflage
Köln 2015. 216 S.


August Sander – Köln wie es war. 2. Aufl., Köln 2013. 448 S.



Mario Kramp, Michael Euler-Schmidt, Barbara Schock-Werner (Hgg.), Der kolossale Geselle. Ansichten des Kölner Doms vor 1842 aus dem Bestand des Kölnischen Stadtmuseums
, Köln 2011. 192 S.



Werner Schäfke / Marcus Trier unter Mitarb. v. Bettina Mosler (Hgg.)., Mittelalter in Köln. Eine Auswahl aus den Beständen des Kölnischen Stadtmuseums
, Köln 2010. 416 S.



Rita Wagner (bearb. v.), Kölnischer Bildersaal. Die Gemälde im Bestand des Kölnischen Stadtmuseums einschließlich der Sammlung Porz und des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds
, Köln 2007. 472 S.   


Liesel Franzheim (bearb. v.), Judaica, Köln 1980. 483 S.
Leider ausverkauft.


Werner Schäfke (vearb. v.), Das Ratssilber der Stadt Köln, Köln 1980. 189 S.



Unsere Geschichte: Ein Überblick

Das Kölnische Stadtmuseum zeigt nicht nur Geschichte – es blickt auch selbst auf eine äußerst bewegte Vergangenheit zurück!

1888 bis 1924: Bürgerstolz und altes Köln

Man sieht mehrere Gegenstände und Waffen einer Ritterrüstung. Diese hängen an einer Burgwand.
Arrangierte Waffen und Rüstungen in drangvoller Enge: ein Blick in das Historische Museum in der Hahnentorburg, 1929 (© Kölnisches Stadtmuseum)

In der Hahnentorburg und der Eigelsteintorburg

In Köln fehle „für die alte Stadt mit ihren vielen Erinnerungen eine gemeinsame Stätte“, beklagte 1888 der ehemalige Direktor des Kölner Stadtarchivs, Konstantin Höhlbaum – gemeint war ein historisches Museum. Die alten Städte Europas wurden damals zu modernen Metropolen. Vieles fiel der Spitzhacke zum Opfer. Es galt daher, Vergangenes zu bewahren. Landauf, landab wurden Museen gegründet, meist auf Initiative des Bürgertums, das stolz sein historisches Erbe zeigte.

Am 13. Juli 1888 beschlossen die Kölner Stadtverordneten eine Unterbringung des neu gegründeten historischen Museums in der mittelalterlichen Hahnentorburg, die man beim Abriss der Stadtmauer verschont hatte.

Die Leitung des im August eröffneten Museums übernahm Arthur Pabst, bereits Direktor des kurz zuvor eröffneten Kunstgewerbemuseums (des heutigen MAKK). Mit der doppelten Amtsführung jedoch überfordert, wurde er 1894 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensioniert.

Seine Nachfolge übernahm von 1894 bis 1924 Joseph Hansen, der auch das Stadtarchiv leitete. Er systematisierte die Sammlungen und vertrat einen breiten, auch soziologischen Kulturbegriff. Nicht die künstlerische Qualität sollte bei Erwerbungen des Historischen Museums leitend sein, sondern deren Bedeutung für die Geschichte Kölns.

Gezeigt wurden unter anderem historische Waffen und Gegenstände, die einst im Zeughaus gelagert und dort seit dem 17. Jahrhundert bereits museal präsentiert worden waren. Vieles hatten die Franzosen dann ab 1794 einschmelzen lassen oder nach Paris abtransportiert. Was übrig blieb, gelangte 1805 in die Sammlung von Ferdinand Franz Wallraf – und 1888 ins Stadtmuseum.

Hinzu kamen „städtische Alterthümer“ aus dem Ratsturm, der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv sowie von Anfang an zahlreiche Schenkungen und Ankäufe.

1902 gelang es Direktor Hansen, zusätzlich die Eigelsteintorburg als Museumsbau für die schnell wachsende Sammlung zu bekommen. Größere Sonderausstellungen waren jedoch in den Torburgen nicht möglich. 1913 und 1914 war man zwar an der Ausstellung „Alt- und Neu-Cöln“ in der temporären Ausstellungshalle am Aachener Tor beteiligt. Doch dann begann der Erste Weltkrieg, und die Ausstellung wurde vorzeitig geschlossen. Die Möglichkeit für eine Museumserweiterung ergab sich erst ab 1925 mit der Idee eines „Rheinischen Museums“ in Deutz.

1925 bis 1932: Ein Museum ohne Bleibe?

Man sieht das Burgtor der Hahnentorburg. Im Vordergrund steht ein Baum.
Hahnentorburg, um 1925
(© Kölnisches Stadtmuseum)

Seit dem 1. Januar 1925 war Wilhelm Ewald Direktor des Historischen Museums und gleichzeitig federführend beteiligt an der „Jahrtausendausstellung der Rheinlande“, die vom 16. Mai bis 15. August in den Kölner Messehallen stattfand. Mit dieser historischen Sonderausstellung, die die tausendjährige Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich betonte und so ihren Beitrag leisten wollte zur Stabilisierung der jungen Weimarer Republik, kam Bewegung in die Kölner Museumsszene.

Denn die gigantische Schau mit über 10 000 Objekten war ein Publikumsrenner. Konrad Adenauer wollte die Ausstellung in eine Art rheinisches Zentralmuseum mit überregionaler Ausstrahlung überführen. Auch die Sammlung des Historischen Museums sollte darin aufgehen. Als Ort für dieses Zukunftsprojekt wählte man 1926 die ehemalige Kürassierkaserne am Deutzer Rheinufer.

Adenauer beauftragte die Kölner Museumsdirektoren und einige Kustoden mit einem Konzept für das neue Haus und die Umstrukturierung der bestehenden Sammlungen. Interne Auseinandersetzungen zwischen den Kölner Museumsdirektoren verhinderten dies jedoch.

Dennoch trieb Adenauer den Ausbau der Kürassierkaserne voran. Zunächst fand von Mai bis August 1928 jedoch auch hier die Internationale Presseausstellung PRESSA statt.

Danach stand der Nutzung des Ausstellungsgebäudes für das Rheinische Museum eigentlich nichts mehr im Wege. Aber die Kölner Museumsdirektoren brachten die Gründung immer noch nicht auf den Weg. Dieses zögerliche Verhalten sollte sich rächen. Die städtischen Mittel zur Realisierung des Rheinischen Museums wurden wegen der Weltwirtschaftskrise eingespart.

Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer gab das Projekt noch nicht auf. Doch die geschichtlichen Ereignisse überrollten seine Pläne endgültig: Im März 1933 enthoben ihn die Nationalsozialisten seines Amtes als Oberbürgermeister.

Das Rheinische Museum blieb eine „Fata Morgana“ am rechten Rheinufer. Zwar hatte es einen Namen und einen umfangreichen Bestand, zu dem auch die Sammlung des ehemaligen Historischen Museums gehörte. Doch das Museum wurde nie offiziell eröffnet.

1933 bis 1951: Von Niedergang und Neuanfang

Man sieht eine breite einladende Treppe. Diese führt nach oben vorbei an großen Fensterfronten.
Treppenhaus im Südflügel des „Hauses der Rheinischen Heimat“ (© verm. Ruth Hallensleben)

Ab 1933 regierten die Nationalsozialisten in Köln. Sie wollten das noch immer nicht eröffnete Rheinische Museum im Sinne ihrer völkischen Ideologie zu propagandistischen Zwecken nutzen. Die Gesamtleitung wurde Wilhelm Ewald, dem bisherigen Direktor des Historischen Museums, übertragen.

Obwohl die Einrichtung niemals fertiggestellt wurde, öffnete das Rheinische Museum mit seinen circa 150 Themenräumen auf vier Etagen am 21. Mai 1936 seine Pforten. Zu diesem Ereignis kam sogar der Reichsminister für Volksbildung und Propaganda, Joseph Goebbels.

Es gab nie einen eigentlichen Katalog oder Führer des Museums mit einem Überblick über die Bestände, den Sammlungsauftrag und das Ausstellungskonzept, aber es existieren zwei kleine Broschüren. Darin wird der Rheinländer als „Träger besonderer völkischer Verantwortung“ charakterisiert. Der Text schließt mit der Bekräftigung: „Das Haus der Rheinischen Heimat ist ein deutsches Volksmuseum im besten Sinne und daher auch von nicht zu unterschätzender nationalpolitischer Bedeutung.“ Zusammen mit dem Berliner Kaiser-Friedrich-Museum und dem Pergamonmuseum vertrat das „Haus der Rheinischen Heimat“ das Deutsche Reich 1937 auf der Pariser Weltausstellung in der Klasse „Museumswesen“.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Besitz der Kölner Museen in über 50 Depots in ganz Deutschland ausgelagert. Hauptverantwortlich war Professor Wilhelm Ewald. Die Unterbringung fernab städtischer Kontrolle ermöglichte den bislang umfangreichsten Verkauf von Kölner Museumsbesitz. Betroffen waren unter anderem Hunderte Gemälde aus der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums. Auch Ewald hatte dabei seine Hände im Spiel. Nach Kriegsende war er dann an der Rückführung der ausgelagerten Bestände maßgeblich beteiligt. Da er kein NSDAP-Mitglied gewesen war, wurde er im Gegensatz zu den meisten anderen Museumsdirektoren nicht suspendiert.

1952 bis 1983: Neuer Ort – Neuer Name

Man sieht viele Menschen. Einige sind verkleidet. Sie stehen vor einem blauen Vorhang und haben verschiedene Museumsgegenstände dabei.
Sigmar Polke: Kölnisches Stadtmuseum, Siebdruck nach Fotografie, 1969

Das Kölnische Stadtmuseum zieht ins Zeughaus

Nach Kriegsende bemühte sich die Stadt Köln, das noch in Bundeseigentum befindliche Zeughaus zu erwerben, um das Historische Museum wieder in der Altstadt heimisch zu machen. Der Wiederaufbau des ausgebrannten spätmittelalterlichen Gebäudes verzögerte sich jedoch.

Zunächst eröffnete am 26. Juni 1953 das „Rheinische und Historische Museum“ unter der Direktion von Dr. Franz Brill in den bisherigen Räumlichkeiten in Deutz seine Pforten. Statt auf das ganze Rheinland konzentrierte man sich auf Köln als Metropole mit überregionaler Bedeutung. Als der Landschaftsverband Rheinland beschloss, seinen Sitz nach Köln in die alte Kürassierkaserne zu verlegen, wurde der Umzug des Museums ins Zeughaus in die Wege geleitet.

Dort konnte 1958 die Dauerausstellung eröffnen – jetzt erstmals unter dem Namen „Kölnisches Stadtmuseum“. Ein Teil des Depots zog 1964 in die Merlostraße, der Rest 1970 nach Bocklemünd in den Weyerhof.

Unter der Direktion von Dr. Günther Albrecht erfolgten ab 1966 eine Modernisierung des Museums und eine Erschließung neuer Publikumsschichten, zum Beispiel durch Sonderausstellungen zur jüngeren Stadtgeschichte. Am 21. Mai 1968 gründete sich der Förderverein der „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e. V.“

1971 erhielt das Kölnische Stadtmuseum mit dem Optischen Telegraphen in Flittard eine erste Außenstelle, der 1981 mit dem Wehrturm in Zündorf eine zweite folgte.

In den 1970er-Jahren gab es vermehrt Anstrengungen, Schulklassen zu erreichen, und Aktionen mit freien Eintritten. Mit der dem Zeughaus benachbarten Alten Wache, in der zuvor die „Schatzkammer des Römisch-Germanischen Museums“ beheimatet war, gewann das Stadtmuseum 1973 eigene Sonderausstellungsflächen.

1974 übernahm der spätere Generaldirektor der Kölner Museen, Professor Dr. Hugo Borger, die Leitung des Kölnischen Stadtmuseums. Er entwickelte ein Grundkonzept für eine Neueinrichtung, die auch das 19. und 20. Jahrhundert berücksichtigen sollte.

1980/1981 wurde das Zeughaus zunächst für die Ausstellung „Tutanchamun in Köln“ geräumt – mit 1,3 Millionen Besuchern und Besucherinnen ein wahrer Publikumsrenner. Die Dauerausstellung blieb anschließend wegen des geplanten Umbaus geschlossen.

Glück im Unglück hatte das Museum, als am 11. März 1983 nachmittags der Dachstuhl brannte. Dank einer wannenförmigen Eisenbetonkonstruktion im Dachstuhl war dieser zwar zum Teil zerstört, sonst aber nur geringer Schaden zu vermelden.

Die Wiedereröffnung des Museums zog sich wegen Finanzierungsschwierigkeiten weiter hin. 

1984 bis 2016: Ein Museum für alle

Man sieht eine Seitenaufnahme des Kölner Zeughaus. Auf dem Dach steht ein goldenes Auto mit goldenen Flügeln.
Das Kölnische Stadtmuseum mit Goldenem Vogel von HA Schult, um 1995 (© Rheinisches Bildarchiv)

Nach fast fünf Jahren Schließung konnten die Kölner ihr Kölnisches Stadtmuseum 1984 wieder in Besitz nehmen – mit einem damals innovativen Konzept: Bei dem Rundgang durch das Museum sollte man zunächst rückwärts bis in jene Zeit vorstoßen, über die man noch mit Zeitzeugen sprechen konnte. 1984 war das ungefähr das Jahr 1910. Einstiegszeit war die unmittelbare Nachkriegszeit. Damals war das Kölnische Stadtmuseum eines der ersten stadthistorischen Häuser, die so nahe an die Gegenwart herangingen.

Dann erst wurde der Erzählstrang wieder im klassischen Sinn chronologisch und reichte vom Mittelalter bis zum Zweiten Kaiserreich. Dank der fortlaufenden Sammel- und Ankaufspolitik unter der Direktion von Dr. Werner Schäfke ab 1984 wurden Lücken im historischen Erzählverlauf sukzessive verkleinert. Dabei war das Stadtmuseum eines der ersten Museen, die das „Dritte Reich“ thematisierten.

Im Obergeschoss folgte der Rundgang, beeinflusst durch die französische „Annales“-Schule, nicht der Chronologie, sondern einzelnen Themen mit ihren strukturgeschichtlichen Entwicklungen.

Bis heute jedoch wurde die Dauerausstellung keiner grundlegenden Neuordnung unterzogen; es fanden jedoch immer wieder punktuell Veränderungen statt.

Zunehmend mehr Gewicht erhielt zudem Vermittlung, z. B. mit einer kostenlosen Audioführung in verschiedenen Sprachen.

1985 wurde durch die Gründung zweier bis heute aktiver Arbeitskreise das Führungsangebot teilweise in die Hände engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeben. In dieser Zeit wurde auch eine Museumsschule eingerichtet, in der Kinder und Schulklassen bis heute historische Inhalte spielerisch vermittelt werden.

Unter Dr. Werner Schäfke realisierte des Stadtmuseum zahlreiche große Sonderausstellungen – wegen Platzmangels oft außerhalb der eigenen Räumlichkeiten, z.B. 1995 „Das Neue Köln 1945–1995“ in der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln. 1999 stellte sich das Stadtmuseum gemeinsam mit dem NS-Dokumentationszentrum den Diskussionen um die Wehrmacht mit der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944“.

Seit den 1980er-Jahren wurde zunehmend aktuelle sowie zeitgenössische Kunst mit Kölner Bezug angekauft und in kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen präsentiert.

Ebenso konzentrierte man sich auf das Sammeln von Objekten zur Alltagsgeschichte und bald auch zum Thema Migrationsgeschichte, ergänzt durch spezielle Vermittlungsangebote.

Im Juni 2007 wurden die Bewachung und der Besucherservice von Studierenden der Geschichte und Kunstgeschichte übernommen, die eigene Führungsangebote entwickeln und erheblich zur Verjüngung des Museums sowie zur verstärkten Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln beitragen.

Nachdem Dr. Werner Schäfke 2009 in den Ruhestand ging, übernahm sein Stellvertreter Euler-Schmidt die kommissarische Leitung des Hauses. Seit 2010 ist Dr. Mario Kramp Direktor des Museums. Am 24. November 2011 stimmte der Rat der Stadt Köln einstimmig Kramps Konzeptstudie für ein erweitertes und erneuertes Stadtmuseum zu und beauftragte die Verwaltung mit einem europaweiten Architektenwettbewerb für die Planung und Realisierung von Generalsanierung und Erweiterung.

2017 bis heute: Umbrüche und Neuanfänge

Man sieht die Außenfassade des neuen Museums mit einem roten Banner. Darauf steht "Ich bin ein Museum".
Das ehemalige Modehaus Franz Sauer in der Minoritenstraße während des Umbaus
(© KSM)

2017 zog ein Wasserschaden die vollständige Evakuierung und den Abbau der Dauerausstellung im historischen Zeughaus nach sich. Seitdem konnten nur noch die Sonderausstellungsflächen in der benachbarten Alten Wache für den Museumsbetrieb genutzt werden.

Eine Wiedereröffnung der Dauerausstellung am alten Standort schied aufgrund der schlechten baulichen Situation des historischen Gebäudes aus. Der Rat der Stadt Köln beschloss daher 2018 den Umzug des Kölnischen Stadtmuseums ins ehemalige Modehaus Franz Sauer in der Minoritenstraße – als Interimsquartier bis zum Umzug in die „Historische Mitte“, ein geplantes gemeinsames Gebäudeensemble des Kölnischen Stadtmuseums, des Römisch-Germanischen Museums und der Hohen Domkirche auf dem Roncalliplatz (Eröffnung Mitte 2029).

Nach der Erteilung der Baugenehmigung im November 2020 begannen 2021 alle notwendigen Umbaumaßnahmen zur Vorbereitung des Hauses auf die museale Nutzung vonseiten des Vermieters.

Bereits im Oktober 2021 konnten die Verwaltung und die Restaurierungswerkstätten den neuen Standort beziehen. Die Wiedereröffnung des Museums mit einer neuen Dauerausstellung ist für Herbst 2022 geplant.


Rückblick: Das Zeughaus

Man sieht eine alte Aufnahme eines Kellergewölbes in der Nachkriegszeit.
Das Erdgeschoss des Zeughauses, während des Umbaus für das Finanzamt, 1920 (© Kölnisches Stadtmuseum)

Von 1958 bis 2021 war das Kölnische Stadtmuseum in den historischen Gemäuern des ehemaligen Zeughauses der Stadt und in der benachbarten sogenannten Alten Wache untergebracht.

Das Zeughaus wurde zwischen 1594 und 1606 als städtisches Waffenarsenal errichtet. Das Wort „Zeug“ bezeichnete im damaligen Sprachgebrauch militärische Ausrüstungsgegenstände und Waffen. Die Südfassade des Gebäudes an der Straße „Burgmauer“ ruht auf Überresten der römischen Stadtmauer. An gleicher Stelle hatte zuvor das spätmittelalterliche Blidenhaus gestanden, benannt nach den „Bliden“, den mittelalterlichen Wurfmaschinen.  

Verantwortlich für den Bau des Zeughauses mit einer Länge von 66,80 Metern und einer Breite von 17,15 Metern waren der Stadtbaumeister Peter von Siberg, die Stadtsteinmetzen Peter von Blatzheim und Matthias von Gleen sowie der Stadtzimmermann Meister Clas.

Stilistisch ist der schlichte Backsteinbau von der niederländischen Renaissance beeinflusst. Das Schmuckportal auf der Nordseite des Gebäudes wurde um 1595 von Peter Cronenborch entworfen. Der 23,60 Meter hohe Treppenturm an der westlichen Giebelseite ist heute der letzte der spätmittelalterlichen Kölner Treppentürme. Ein von Melchior von Rheidt um 1600 geschaffenes Prunkportal, das vom Treppenturm in den Festsaal des Obergeschosses führte, gelangte im späten 19. Jahrhundert ins Rathaus, wo es heute den Zugang vom Hansesaal in die Prophetenkammer bildet. Lediglich das ursprünglich die Tür bekrönende Wappen konnte vor einigen Jahren für das Kölnische Stadtmuseum zurückerworben werden.

Nach dem Ende der reichsstädtischen Zeit nutzten die französischen und preußischen Machthaber das Gebäude ebenfalls als Waffenarsenal. Erst die 1919 erfolgte Entmilitarisierung der Rheinlande führte das im 19. Jahrhundert erheblich umgebaute Gebäude einem zivilen Zweck zu: So war dort ab etwa 1920 unter anderem das Landesfinanzamt untergebracht.

Bei zwei Luftangriffen 1942 und 1943 brannte das Gebäude aus, lediglich die Außenmauern blieben stehen. Zwischen 1954 und 1956 erfolgte der Wiederaufbau. Allerdings stellte man die historischen Gewölbe nicht wieder her, sondern baute in den unteren beiden Geschossen zwei durchgehende Hallen mit Rippendecken aus Beton ein. Sie werden von einer freitragenden Treppe im Stil der 1950er-Jahre miteinander verbunden, die 1984 von der Künstlervereinigung „Mülheimer Freiheit” und Toni May farbig gestaltet wurde.

Seit 1991 steht auf dem historischen Treppenturm der „Goldene Vogel“ des Künstlers HA Schult – ein weithin sichtbarer vergoldeter Ford Fiesta mit Flügeln.

Vor der östlichen Schmalseite des Zeughauses befindet sich der 1910–1915 von Franz Brantzky gestaltete und 1955 von Karl Band erneuerte Römerbrunnen aus Resten der römischen Stadtmauer. Diese setzt sich im Westen des Gebäudes fort und wurde durch ergänzendes Ziegelmauerwerk auf die ursprüngliche Höhe gebracht.

Westlich des Zeughauses schließt sich der klassizistische Bau der Alten Wache mit deutlichen Renaissance-Anleihen an, die 1840/1841 als preußisches Wachgebäude gegenüber dem Kölner Regierungspräsidium errichtet wurde. Verantwortlicher Architekt war der Ingenieurmajor Heinrich Ferdinand Schuberth. Das Gebäude hat sich als einziges von ursprünglich drei preußischen Wachgebäuden in der Stadt erhalten, nachdem es infolge der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden ist. Danach diente die Alte Wache zunächst als Ausstellungsfläche für das Römisch-Germanische Museum, bis die Räumlichkeiten 1973 vom Stadtmuseum übernommen wurden.

Das ursprünglich an die Alte Wache anschließende Militärwagenhaus wurde nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut. Die Ruine wurde abgetragen und an ihrer Stelle ein Parkplatz angelegt.