Kölle, du bes e Jeföhl: Worauf hoffen wir?

„Et hätt noch emmer jot jejange!“ So heißt es im Kölschen Grundgesetz. Das bedeutet auf Hochdeutsch „Es ist noch immer gut gegangen“ und fasst eine Gefühlslage der Menschen optimal zusammen: Es ist die Hoffnung auf das Positive.

Im Mittelalter hoffen die Menschen (nicht nur in Köln) auf das Jenseits, auf ein besseres Leben nach dem Tod. Doch während die mächtige Kirche so ihre „Schäfchen“ für lange Zeit perfekt „unter Kontrolle“ hält, wächst auch gleichzeitig im Laufe der Jahrhunderte die Hoffnung auf mehr. Auf ein besseres Leben bereits hier unten auf der Erde. Auf mehr Wohlstand, auf Gleichberechtigung, auf Frieden, auf mehr Demokratie, auf alles.

Wie verändert sich das, worauf wir hoffen? Unsere neue Dauerausstellung wirft ab März 2024 darauf einen spannenden Blick.

Vieles worauf unsere Vorfahren hofften, ist für uns heute in Mitteleuropa Selbstverständlichkeit. Wir wählen – wenn natürlich mit individuellen Einschränkungen – frei unseren Beruf, unsere Lebenspartner*innen, unseren Glauben, ja sogar unseren Lebensmittelpunkt. All das verdanken wir einer Demokratie, die vor allem in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet und erkämpft wurde. Unsere Demokratie ist in vieler Hinsicht die Erfüllung früherer Hoffnungen.

Doch unsere Demokratie ist nicht statisch und bleibt nicht einfach so selbstverständlich. Wir alle müssen an ihr jeden Tag weiterarbeiten und auch um sie kämpfen. Wie wichtig das ist, zeigen aktuelle Ereignisse überall auf der Welt und auch bei uns im eigenen Land.

KAMPF GEGEN ERZBISCHOF

1288 erkämpfen die Kölner*innen ihre Unabhängigkeit vom Erzbischof. Doch wer darf am Rhein politisch regieren? Erst 1396 kommen größere Teile der Bürgerschaft an die Macht.

Die damals gegründeten Gaffeln entsenden Ratsleute und Bürgermeister in den Rat der Stadt. Noch sind es die wohlhabenden Geschäftsleute, die die Stadt regieren. In dieser politischen Elite haben Frauen dabei noch lange ebenso wenig Rechte und Chancen wie Menschen ohne Bürgerrecht.

FRANZOSEN BRINGEN FREIHEITEN

Die ersten großen Freiheiten bringen erst 1794 die Franzosen an den Rhein. Napoleon Bonaparte verkündet mit 1804 den „Code Civil“. Von nun an gelten vor dem Gesetz Gleichheit, Gewerbefreiheit und die Trennung von Staat und Kirche.

Diese Regeln reichen bis ins Jahr 1900 und werden teilweise ins „Bürgerliche Gesetzbuch“ übernommen. Klingt alles prima, gilt aber nur für die Männer. Die Frauen dürfen weiterhin nichts – und nur auf mehr Freiheit hoffen.

Das Gemälde zeigt Soldaten auf Pferden, französische Flaggen und Kölner Bürgerinnen und Bürger.
Am 6. Oktober 1794 besetzen französische Revolutionstruppen Köln. Die Stadt ergibt sich kampflos. Drei Tage später wird diese „Befreiung“ mit der Errichtung eines ersten Freiheitsbaumes auf dem Neumarkt gefeiert (Errichtung des Freiheitsbaums auf dem Neumarkt, F. Rousseau, Bonn 1794/95 (KSM, Foto: RBA)

HOFFNUNG DER FRAUEN

Die Frauen müssen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs warten, um endlich am 30. November 1918 ein Wahlrecht zu erhalten. Gehofft darauf haben sie über Jahrhunderte. Doch auf Dauer können die Männer sie nicht mehr aufhalten. Im Krieg haben die Frauen in den Fabriken viele ursprünglich männliche Arbeiten übernommen. Sie haben das Land versorgt und erheben Ansprüche. Endlich wird ein Traum wahr. Da auch das Wahlalter von 25 auf 20 Jahre gesenkt wurde, stieg die Zahl der Wahlberechtigten um etwa 20 Millionen.

Das Bild zeigt vier Frauen, welche in die Kamera schauen. Das Bild ist schwarz weiß.
Der Erste Weltkrieg verleiht Forderungen nach mehr Rechten für Frauen zusätzlichen Schub: Sie übernehmen Berufe von den an der Front kämpfenden Männern, arbeiten in Munitionsfabriken und sorgen für ihre Familien (Briefträgerinnen des Kölner Postamts 1, Köln 1915/18 (KSM, Foto: RBA)

Dass Hoffnungen auch sehr schnell wieder zerstört werden können, beweisen die Nationalsozialist*innen. Die Weimarer Republik als erster Demokratie-Versuch wird kurzerhand abgewickelt. Der Todesstoß der Freiheit wird von den Nazis später sogar als demokratisch legitimiert bezeichnet.

Es folgt mit ihnen eine diktatorische Machtstruktur, die Deutschland in den politischen Untergang führt. Der Zweite Weltkrieg reicht mit all seinen schrecklichen Auswirkungen bis heute tief ins Menschheitsgedächtnis. Die (geo-)politischen und moralischen Folgen sind und bleiben allgegenwärtig.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kann von einer wirklichen Gleichberechtigung noch nicht die Rede sein. So darf z.B. noch viele Jahre eine Frau nur mit Zustimmung ihres Mannes heiraten.

Alice Schwarzer und die von ihr 1977 in Köln gegründete feministische Zeitschrift EMMA gelten als Ikonen der (zweiten) Frauenbewegung. Die EMMA ist noch heute ein wichtiges Sprachrohr des deutschen Feminismus. Die bisweilen radikalen Positionen der EMMA stoßen dabei nicht selten auf rüde Kritik.

RATHAUSTURM WIRD WEIBLICHER

In den 1980er-Jahren zählt die Partei der „Grünen“ bei den Figuren am Rathausturm einmal kritisch durch. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von den 124 Figuren der Kölner Geschichte sind nur fünf weiblich.

Die Partei setzt durch, dass die Zahl der Frauen-Figuren am Rathausturm auf 18 steigt. Eine von ihnen ist Mathilde Franziska Anneke. Während der März-Revolution 1848 wird ihr Haus zum Hauptquartier der Bewegung. Nach der Niederlage flieht sie in die USA, wo sie sich Frauenrechte und gegen die Sklaverei einsetzt.

Wie sehr kölsche Männerbündnisse noch oft Bestand haben zeigt auch: Erst 2015 gibt es mit Henriette Reker erstmals eine Frau als Kölner Stadtoberhaupt.

Neugierig auf weitere Geschichten rund um die Frage „Worauf hoffen wir?“ Besucht unsere neue Dauerausstellung!

Ein sehr schönes Lied über Hoffnung hat übrigens die kölsche Band „Brings“ geschrieben. Der Song eroberte während der Corona-Krise erst die Herzen und dann die Charts.

„Wir werden frei sein
Wenn wir uns lieben
Es wird vorbei sein
Mit all den Kriegen
Wir sind Brüder
Wir sind Schwestern
Ganz egal wo wir sind
Glaub mir
Die Liebe gewinnt“

Band “Brings”

Autor: Michael Bischoff