Kölle, du bes e Jeföhl: Was verbindet uns?

Was wären wir ohne Freundschaften und Familie? Was wären wir ohne menschliche Bindungen? Wenn wir uns mit anderen Menschen verbunden fühlen, können wir gemeinsam Ziele verfolgen, feiern, aber auch trauern, Trost spenden. Einfach alles!

Ein verbindendes Element in Köln ist aber auch der Rhein.

Neugierig, was die Menschen in Köln besonders verbindet? Was der Rhein oder was die Medien hierbei für eine Rolle spielen? Spannende Antworten darauf gibt es ab dem 23. März 2024 in unserer neuen Dauerausstellung!

Zu sehen ist die alte Kölnbrücke. Im Vordergrund sind alte Holsdielen, darüber fährt ein Zug. Menschen stehen auf der Brücke.
Johann Heinrich Strack, Dombrücke (ehemalige), Köln 1855/1862 (Foto: RBA)

Der Brückenschlag in die Geschichte reicht bis in die Antike. Vor zwei Jahrtausenden bildet der Rhein die Grenze zwischen römischen und germanischen Herrschaftsgebieten – ein naturgegebener Schutzwall gegen die „wilden“ feindlichen Germanen auf der anderen Seite.

321 konstruieren römische Ingenieure erstmals die Brücke über den wilden Strom. Diese erste feste Brücke besteht aus Stein, befindet sich ungefähr auf der Höhe der heutigen Deutzer Brücke und verbindet die römische Colonia mit Divitia, dem Kastell Deutz.

Das Kastell dient als militärischer Militärposten der Sicherung des Römischen Reichs gegen Franken und andere Germanen. Das Sensationelle damals: Die gewaltige Brücken-Verbindung besteht bis ins 10. Jahrhundert und überlebt den Untergang des Römischen Reichs sogar noch um über ein halbes Jahrtausend.

Nach ihrem Verfall wird es viele Jahrhunderte dauern, bis Köln 1822 mit einer schwimmenden Pontonbrücke erstmals wieder eine mehr oder weniger feste Verbindung auf die andere Rheinseite schafft.

Im Jahr 1859 entsteht über den Rhein die erste Eisenbahnbrücke. Sie wird wegen ihrer geschlossenen Gitterkonstruktion von den Kölnern auch liebevoll „Muusfall“ (Mausefalle) genannt. Die Ausrichtung auf den Chor des Kölner Doms geht auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zurück, der das genauso wollte Noch heute ist die 45-Grad-Kurve zur Einfahrt in den Hauptbahnhof ein Problem für den europäischen Schienenverkehr.

Zu sehen ist eine der Rheinbrücken von der Seite. Pferdewagen und Menschen sind auf der Brücke zu sehen.
Die Deutzer Hängebrücke wird im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer beschädigt und stürzt am 28. Februar 1945 zusammen. Die Zahl der Todesopfer bleibt unbekannt (Deutzer Hängebrücke, A. Sander, Köln 1920er Jahre)
Zu sehen ist ein kleines Modellschiff´. Es ist in den Farben schwarz und gold gehalten, auf dem Segel ist ein Adlerwappen zu sehen.
Tafelaufsatz „Vater Rhein“, G. Hermeling, Köln 1900: Gefertigt wird der Aufsatz für die Pariser Weltausstellung, heute gehört er zum Kölner Ratssilber (KSM, Foto: RBA)

ÜBER ACHT BRÜCKEN MUSST DU GEH’N

Heute verbinden acht Bauwerke die beiden Rheinseiten der Millionenmetropole. Das sind von Norden nach Süden die Autobahnbrücke Leverkusen, die Mühlheimer Brücke, Zoobrücke, Hohenzollernbrücke (keine Autos), Deutzer Brücke, Severinsbrücke, Südbrücke (keine Autos) und die Autobahnbrücke Rodenkirchen.

Für Schlagzeilen sorgen sie fast alle. Und das nicht nur, weil einige von ihnen aktuell saniert, repariert oder erweitert werden müssen, sondern weil diese Verbindungen auch immer wieder für Giga-Staus sorgen. Für alle Autofahrer*innen gehören die Brücken zu den sensibelsten Nadelöhren der Stadt. Sie kosten Zeit, Nerven – und Geld.

Zu sehen ist die kleine Büste einer Frau. Das Material ist Metal.
Exportschlager aus Köln: Im Mittelalter blüht in Köln der Handel mit Knochen von Heiligen auf, den Reliquien. Büsten dieser Art dienen als kostbare Hülle für die Knochensplitter und gelangen von Köln aus nach ganz Europa (Reliquienbüste einer weiblichen Heiligen, Köln 1330/40 (Museum Schnütgen, Foto: RBA))

GLÜCK FÜR KÖLN

Die Lage der Stadt am Rhein ist ein Glücksfall. Im Mittelalter können hochseetaugliche Handelsschiffe aus den Niederlanden, Skandinavien oder den britischen Inseln von der Nordsee bis nach Köln schippern. Hier müssen die Waren umgelagert werden, weil die Schiffe sonst im felsigen Flussbett des Mittelrheins auf Grund laufen würden.

Das Umladen entpuppt sich übrigens aus beiden Richtungen zum „Goldesel“ für die Stadt. Alle Waren müssen hier seit 1259 für kurze Zeit gelagert (Stapelrecht) werden und dürfen in den Verkauf. So gelangen einheimische Händler*innen exklusiv an hochwertige Konsumgüter. Und das spült viel Geld in die Kassen der Stadt. An Köln kommt niemand mehr vorbei – eine Boom-Town des Mittelalters.

Zu sehen ist eine Zeichnung des Alter Markts.
Marktgeschehen auf dem Alter Markt. Verkauft werden Waren für den täglichen Gebrauch: Lebensmittel wie Kohl und Brot, Körbe, Töpferwaren und Tiere. Nicht zu übersehen ist der Pranger, der zur Bestrafung von Betrüger*innen dient (A. Aubry, J. Toussijn, Köln um 1660 (KSM, Foto: RBA)

BÜCHER UND ZEITUNGEN

Zu sehen ist eine aufgeklappte sehr alte Bibel.
Köln ist um 1600 mit seinen zahlreichen Verlagen ein Zentrum des Buchdrucks. Zu den wichtigsten Werken gehört die 1630 veröffentlichte Bibelübersetzung des 1617 verstorbenen Kölner Geistlichen Caspar Ulenberg (Biblia sacra, C. Ulenberg, J. Kreps, Köln 1630 (KSM)

Was verbindet uns alle sonst noch? Kommunikation und Medien! Auch dabei spielt Köln schon frühzeitig eine sehr wichtige Rolle.

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern 1445 ist die erste Medien-Revolution der Welt. Bücher werden nicht mehr exklusiv mühsam von Hand geschrieben und kopiert, sondern werden zur „Massenware“. Die kann sich auch ein wohlhabender Bürger leisten, sofern er bereits lesen kann. Um 1600 ist Köln mit seinen zahlreichen Verlagen ein Zentrum des Buchdrucks. Eines der wichtigsten und bedeutendsten Werke wird dabei die 1630 veröffentlichte Bibelübersetzung des Kölner Geistlichen Caspar Ulenberg. Bis ins 18. Jahrhundert gilt sie als katholischer Gegenentwurf zur protestantischen Bibelübersetzung.

Zu sehen ist die Titelseite einer Zeitung. Die verwendete Schrift ist rot.
Karl Marx, Karl, Neue Rheinische Zeitung, letzte rote Nummer vom 19. Mai 1849, Reprint (KSM, Foto: RBA)

Doch drucken kann man nicht nur Bücher, merken die Verleger. Man kann auch aktuelle Nachrichten verbreiten. Dafür steht im Mittelalter der Begriff „Zidunge“, die Botschaft. Das wird die Geburt eines Markenzeichens. Die erste Zeitung im heutigen Sinn erscheint in Köln 1620, zahlreiche weitere folgen. Die „Kölnische Zeitung“ als Vorläufer des heutigen „Kölner Stadtanzeigers“ wird um 1800 gegründet. Im 19. Jahrhundert ist Köln eine regelrechte Pressestadt. Einige Kölner Zeitungen liest man in ganz Deutschland.

Politisch berühmt und deutschlandweit einflussreich ist während der deutschen Revolution 1848/49 die „Neue Rheinische Zeitung“ mit Sitz am Heumarkt. Als die preußische Regierung 1849 das Blatt wegen seiner revolutionären Standpunkte verbietet, flieht ihr Chefredakteur Karl Marx rechtzeitig nach London. Dort schreibt er sein legendäres Werk „Das Kapital“.

RADIO UND FERNSEHEN

Auch das Radio verbindet. Die neue Technologie ist eine Sensation. Musik und Worte kommen im heimischen Wohnzimmer aus einem Kasten. Die ersten klingen zwar anfangs noch knarzig und verrauscht, doch sie sind live und aufregend. So etwas gab’s nie zuvor!

Zu sehen ist die Aufnahme aus einem WDR-Fernsehstudio. Ein Mann steht hinter einer Kamera und filmt eine Frau, die einen Zettel in der Hand hält.
WDR-Fernsehstudio, 3. November 1953 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv B 145 Bild-F001105-0004)

Auch bei der Entwicklung des Rundfunks spielt Köln eine wichtige Rolle. Die Rede von Konrad Adenauer 1926 zum Ende der Besatzungszeit ist die erste Radiosendung, die deutschlandweit von allen Sendern gleichzeitig übertragen wird.

Bald kommt zu den Tönen ein anderes Gerät mit einer Mattscheibe dazu: Das Fernsehen zieht Deutschland in seinen Bann – und macht Köln erneut zu einer Medienhauptstadt.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) im heutigen Sinne als öffentlich-rechtlicher Sender (Anstalt des Öffentlichen Rechts) wird 1956 gegründet und geht bald auch mit TV auf Sendung. Die Hör- und Fernsehprogramme sind gebührenfinanziert und sehr erfolgreich. In Köln entstehen legendäre TV-Hits wie die „Sportschau“, der „Internationale Frühschoppen“ oder die „Lindenstraße“.

Mit dem Start des Privatfernsehens in Deutschland wird der Medien-Markt ab Mitte der 1980er-Jahre noch einmal neu durchgemischt.

In der Silvesternacht 1987/88 zieht RTLplus (bald nur noch RTL) an seinen heutigen Standort in Köln und erreicht bald 6,5 Millionen Zuschauer*innen. Ab 1992 bietet RTL als erster Sender Fernsehen rund um die Uhr.
Heute gehört die RTL-Senderfamilie in den alten, umgebauten Messehallen direkt am Rhein und in Sichtweite zum WDR mit Vox, n-tv, Nitro & Co zu den wirtschaftlich erfolgreichsten in Deutschland.

Mit RTL-Serien wie „Das Dschungelcamp“ oder „Big Brother“ setzen die Macher*innen dabei auf Formate, die vielleicht nicht jedem Geschmack entsprechen, aber bundesweite Fernsehgeschichte schreiben. Das führt zu einem Medienboom in Köln mit neuen Studios und Produktionsfirmen, die jetzt im 21. Jahrhundert von bedeutenden IT-Firmen ergänzt werden.

Heute ist Köln mit seinen beiden Top-Sendern nicht nur optimal in die Welt verbunden. Auch die beiden großen Rheinseiten sind längst zusammengewachsen. Mit der Kölnmesse hat die sogenannte „Schäl Sick“ schon seit über 100 Jahren die Menschen auf die „andere“ Seite gezogen. Heute lockt gegenüber von Dom und Altstadt u.a. die LANXESS-Arena mit den berühmtesten Stars der Welt.

Die Verbindung steht. Außer, es ist wieder ein Stau auf den Brücken…

Autor: Michael Bischoff