{"id":410,"date":"2021-10-13T18:06:54","date_gmt":"2021-10-13T16:06:54","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=410"},"modified":"2022-03-12T10:21:24","modified_gmt":"2022-03-12T09:21:24","slug":"die-welt-zu-gast-bei-freunden","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/die-welt-zu-gast-bei-freunden\/","title":{"rendered":"Die Welt zu Gast bei Freunden"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"die-welt-zu-gast-bei-freunden\">Die Welt zu Gast bei Freunden<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 fand in Deutschland die 18. FIFA-Fu\u00dfballweltmeisterschaft statt. Vier Wochen lang stand in der Bundesrepublik alles im Zeichen des Sports. W\u00e4hrend vor Turnierbeginn nicht einmal als sicher galt, ob die deutsche National-Elf \u00fcberhaupt die Vorrunde \u00fcberstehen w\u00fcrde, \u00fcberraschte die junge Mannschaft von Trainer J\u00fcrgen Klinsmann mit temporeichem Offensivfu\u00dfball. Dem 4:2 im Auftaktspiel gegen Costa Rica folgten das 1:0 gegen Polen und der 3:0-Sieg gegen Ecuador. Mit dem folgenden 2:0 gegen Schweden und dem 4:2 gegen Argentinien im Elfmeterschie\u00dfen r\u00fcckte der Titelgewinn in greifbare N\u00e4he.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/659__6276695_lo.jpg\" alt=\"Man sieht eine Autofenster-Deutschlandfahne aus dem WM-Jahr 2006.\" class=\"wp-image-1289\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/659__6276695_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/659__6276695_lo-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/659__6276695_lo-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption><strong>Autofenster-Deutschlandfahne zur WM 2006.<\/strong>&nbsp;Foto: rba_d033515<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Es wurde ein Sommer grenzenloser Fu\u00dfballliebe. Millionen feiernde Menschen bev\u00f6lkerten bei mediterranen Temperaturen die Fanmeilen im ganzen Land. Jedes Spiel des deutschen Teams wurde zum Volksfest, \u00bbPublic Viewing\u00ab zum gefl\u00fcgelten Wort. Das Magazin \u00bbDer Spiegel\u00ab sprach von einer \u00bbnationalen Love Parade\u00ab. Selbst nicht eingefleischte Fu\u00dfballfans wurden von einem euphorischen Wir-Gef\u00fchl erfasst und f\u00fchlten sich eins mit \u00bbihrer\u00ab Mannschaft. Der Aufschrei, als der gerade erst eingewechselte Oliver Neuville die bislang torlose Partie gegen Polen in der Nachspielzeit in&nbsp;ein 1:0 verwandelte, war Medienberichten zufolge&nbsp;wom\u00f6glich einer der lautesten, den die Bundesrepublik&nbsp;je geh\u00f6rt hatte. W\u00e4hrend des Elfmeterkrimis&nbsp;gegen Argentinien stand das ganze Land still&nbsp;\u2013 und debattierte anschlie\u00dfend hingebungsvoll&nbsp;\u00fcber DEN Spickzettel. Zwar beendete Italien im&nbsp;Halbfinale den Traum vom WM-Sieg, doch nach&nbsp;der \u00dcberwindung des ersten Schreckens bejubelten&nbsp;die deutschen Fans den dritten Platz wie einen&nbsp;Titelgewinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch K\u00f6ln befand sich 31 Tage lang im WM-Ausnahmezustand.&nbsp;Bis zu 300.000 Fans feierten an&nbsp;den Spieltagen vor den Gro\u00dfleinw\u00e4nden am Heumarkt,&nbsp;Roncalliplatz, am Schokoladenmuseum&nbsp;und am Deutzer Rheinufer. Die gesperrte Altstadt&nbsp;und die bald ebenfalls gesperrte Z\u00fclpicher Stra\u00dfe&nbsp;verwandelten sich nach den deutschen Spielen&nbsp;in eine einzige gro\u00dfe Partyzone. Von dem fr\u00fcheren,&nbsp;aus der Vergangenheit resultierenden relativ<br>zur\u00fcckhaltenden Umgang der Deutschen mit&nbsp;den Nationalfarben war w\u00e4hrend der WM-Feierlichkeiten&nbsp;wenig zu sp\u00fcren. Deutschlandfahnen,&nbsp;schwarz-rot-goldene Schals, T-Shirts, Blumenketten,&nbsp;abwaschbare Tattoos, Aufkleber, Per\u00fccken&nbsp;und Ohrringe pr\u00e4gten allerorts das Bild. W\u00e4hrend&nbsp;bei der WM vier Jahre zuvor kaum jemand mit einem&nbsp;schwarz-rot-goldenen Wimpel an seinem&nbsp;Auto \u00fcber die Stra\u00dfen gefahren war, vermeldete&nbsp;die Flaggenindustrie nun Rekordums\u00e4tze. Bis zu&nbsp;f\u00fcnf Millionen Flaggen wurden insgesamt verkauft.&nbsp;Noch nie seit 1945 haben die Deutschen \u00bbso&nbsp;begeistert und selbstverst\u00e4ndlich ihre Nationalfahnen&nbsp;geschwenkt\u00ab, res\u00fcmierte der SPIEGEL.&nbsp;Selbst die fr\u00fcher eher schweigend verfolgte Nationalhymne&nbsp;wurde von vielen Fans offen mitgesungen.&nbsp;Waren 1994 noch 44 Prozent der Bev\u00f6lkerung&nbsp;\u00fcberzeugt, dass es sich aufgrund der deutschen&nbsp;Geschichte weitgehend verbiete, Nationalgef\u00fchle&nbsp;zu demonstrieren, teilten 2006 nur noch 22 Prozent&nbsp;diese Meinung. Vor allem j\u00fcngere Fans betrachteten&nbsp;die bundesweite Beflaggung als ein normales&nbsp;WM-Ph\u00e4nomen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Feuilletons und Talkshows fand als Reaktion auf&nbsp;das Fahnenmeer eine intensive Debatte \u00fcber den&nbsp;\u00bbneuen Patriotismus\u00ab statt. Ein Gro\u00dfteil der Politiker<br>sprach sich ausdr\u00fccklich dagegen aus, in der&nbsp;fl\u00e4chendeckenden \u00bbBeflaggung\u00ab den Vorboten eines&nbsp;neuen Nationalismus zu sehen, und erkl\u00e4rte&nbsp;die schwarz-rot-goldene Euphorie vielmehr zum&nbsp;Zeichen einer positiven Identifikation mit dem eigenen&nbsp;Land. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler&nbsp;bezeichnete die patriotischen Bekundungen als&nbsp;\u00bbParallelerscheinung zum rheinischen Karneval\u00ab.&nbsp;Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die&nbsp;zeitgleich zur WM vor einem unreflektierten Umgang&nbsp;mit der Nationalhymne warnte, zog breite Kritik&nbsp;beispielsweise vonseiten der BILD-Zeitung auf&nbsp;sich. Unber\u00fchrt von diesen Diskussionen, blickten&nbsp;die meisten Deutschen mit dem \u00bbSportfreunde&nbsp;Stiller\u00ab-Song \u00bb\u201954, \u201974, \u201990, 2010\u00ab hoffnungsvoll auf&nbsp;die n\u00e4chste WM.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ausgestellte Autofensterwimpel wurde 2006&nbsp;dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum von Georg Sch\u00e4fke,&nbsp;dem Sohn des damaligenen Direktors, geschenkt.&nbsp;So bewahrt das Museum einige der \u00e4ltesten und&nbsp;j\u00fcngeren schwarz-rot-goldenen Fahnen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Autofenster-Deutschlandfahne zur WM 2006. Aufschrift: Willkommen in K\u00f6ln \/ EXPRESS.&nbsp;Synthetikfasern; H: 43 cm, B: 61 cm.&nbsp;Inv.-Nr. KSM 2006\/195.&nbsp;Schenkung von Georg Sch\u00e4fke, K\u00f6ln. Foto: rba_d033515<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Wibke Becker<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 fand in Deutschland die 18. FIFA-Fu\u00dfballweltmeisterschaft statt. 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