{"id":408,"date":"2021-10-13T18:06:34","date_gmt":"2021-10-13T16:06:34","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=408"},"modified":"2023-10-24T10:06:09","modified_gmt":"2023-10-24T08:06:09","slug":"miez-miez-miez","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/miez-miez-miez\/","title":{"rendered":"Miez, miez, miez &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"miez-miez-miez\">Miez, miez, miez \u2026<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Das Heizkissen \u00bbPussy\u00ab geh\u00f6rt zu den dinglichen Zeugen f\u00fcr eine neue Art der Freizeitgestaltung in den 1960er Jahren. Mit der Einf\u00fchrung der 5-Tage-Woche und dem 8-Stunden-Tag vergr\u00f6\u00dferte sich die freie Zeit der Menschen und w\u00e4hrend die Freizeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch haupts\u00e4chlich \u00f6ffentlich in Wirtsh\u00e4usern, Kinos und Parks genutzt wurde, zog man sich mit Aufkommen von Radio- und dann vor allem in den 1960ern von Fernsehger\u00e4ten mehr und mehr in die eigene Wohnung zur\u00fcck. Der Markt f\u00fcr zur\u00fcckgezogene Freizeitgestaltung boomte \u2013 und damit auch das Angebot an \u00bbWellness\u00abprodukten.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"523\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/639__4597897_lo.jpg\" alt=\"Man sieht ein Heizkissen aus den 60er Jahren in seiner Verpackung. Darauf ist eine Katze abgebildet.\" class=\"wp-image-1285\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/639__4597897_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/639__4597897_lo-300x247.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Heizkissen \u00bbPussy\u00ab mit Karton<\/strong>, Ulm, um 1960. Foto: rba_d033566.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>F\u00fcr die Entwicklung der Konsumgesellschaft, die in den 1930er Jahren aufkeimte und \u2013 durch den Zweiten Weltkrieg gehemmt \u2013 in den 1950er Jahren das Wirtschaftswunder befl\u00fcgelte, gab es zwei zentrale Voraussetzungen: Geld und Zeit. Die Menschen mussten sich die Waren leisten k\u00f6nnen, und sie brauchten Freizeit, um sie benutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Freizeitbegriff entwickelte sich erst in der Zeit um 1900. Die t\u00e4gliche Arbeitszeit sank von durchschnittlich zw\u00f6lf auf neun Stunden pro Tag. Allerdings wurde die Freizeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch traditionell, das hei\u00dft \u00f6ffentlich genutzt: Jahrm\u00e4rkte, Wirtsh\u00e4user und Kneipen, Kinos und Volksb\u00fchnen, aber auch Naherholungsgebiete und Parks waren die Hauptziele.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst im Verlauf des Jahrhunderts \u00bbprivatisierte\u00ab sich das Freizeitvergn\u00fcgen. Radios, Stereoanlagen, Fernsehger\u00e4te, elektrisches Spielzeug und elektrische Wellnessartikel wie das Heizkissen \u00bbPussy\u00ab waren f\u00fcr die Freizeit gedacht, die in der eigenen Wohnung stattfand. Mit der Einf\u00fchrung der 5-Tage-Woche und dem 8-Stunden-Tag in den sp\u00e4ten 1950er und 1960er Jahren vergr\u00f6\u00dferte sich die Freizeit sogar noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kissen stammt vermutlich aus der Zeit um 1960. Auf der Packung steht der Hinweis: \u00bbFernseh- und Radiost\u00f6rfrei\u00ab. Der Hersteller ging also davon aus, dass die K\u00e4ufer Fernseher besa\u00dfen, was jedoch im gro\u00dfen Ma\u00dfstab erst in den 1960er Jahren der Fall war: 1955 gab es 100.000, 1964 7 Millionen TV-Zuschauer. Zwischen 1954 und 1964 verdoppelte sich die Anzahl der in Deutschland produzierten Heizkissen und -decken von 750.000 auf 1,5 Millionen j\u00e4hrlich. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von sieben auf 36 Millionen DM.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entdeckung des \u00bbIch\u00ab durch die moderne Gesellschaft spiegelt sich insbesondere in solchen Ger\u00e4ten wider, die nicht nur das eigene Wohlbefinden steigerten, sondern auch nur allein benutzt werden konnten. Die Verbreitung von Wellnessartikeln trieb diese Entwicklung insofern auf die Spitze, da hier K\u00f6rper und Geist als Einheit ins Zentrum der Freizeitgestaltung gestellt werden. So gesehen ist dem Heizkissen in diesem Zusammenhang eine durchaus symbolische Stellung zuzuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 1919 in Ulm gegr\u00fcndete Firma Beurer stellte von Beginn an Heizkissen und B\u00fcgeleisen her. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gesch\u00e4ft&nbsp;wieder aufgenommen, und es erfolgte eine Spezialisierung auf Wellnessartikel. 1953 wurde eine Wort-Bild-Marke eingetragen, die aus dem Bild einer Katze und dem Slogan \u00bbMit dem Katzenkopf\u00ab bestand. Das Katzenmotiv findet sich in Comicform auch auf dem Originalkarton des Heizkissens, auf dem der Slogan \u00bbEin bew\u00e4hrtes Katzenkopf Erzeugnis\u00ab prangt. Die Firma Beurer besteht noch heute und stellt vornehmlich in Ungarn elektrische Wellness- und Hygieneartikel f\u00fcr einen weltweiten Markt her.<\/p>\n\n\n\n<p>Das englische Wort \u00bbpussy\u00ab ist im urspr\u00fcnglichen Sinn ein Kosename f\u00fcr Katzen und wird oft auch als \u00bbpussy-cat\u00ab (etwa: Miezekatze) verwendet. Damit ist der Begriff dem deutschen \u00bbMuschi\u00ab sehr \u00e4hnlich, der aber auch als Kosename f\u00fcr Frauen verwendet wird. Allerdings bezeichnen beide Begriffe auch \u2013 im Englischen vulg\u00e4r, im Deutschen eher salopp oder kindlich \u2013 das prim\u00e4re weibliche Geschlechtsorgan. Im Englischen kommt sogar noch die pejorative Bedeutung \u00bbSchlappschwanz\u00ab hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Heizkissen \u00bbPussy\u00ab stammt aus einer Zeit, in der diese Doppelbedeutung noch nicht im allgemeinen Bewusstsein war. Nichtsdestoweniger wirkt die Verpackung auf den heutigen Betrachter erheiternd bis verst\u00f6rend. Ebenso tun dies Menschen, denen die Doppelbedeutung der Begriffe nicht gel\u00e4ufig ist: So rief Edmund Stoiber im Bundestagswahlkampf 2002 vor laufenden Kameras laut \u00bbMuschi\u00ab \u2013 und meinte damit seine Frau Karin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kissen erhielt diesen Namen vermutlich, um Assoziationen des Schmusens und Kuschelns zu wecken \u2013 vielleicht sollten die Konsumenten auch an weiches Katzenfell denken. Das Kissen wurde dem Stadtmuseum 2001 von Herrn Bock geschenkt, der wohl auch der Meinung war, das ein solch skurriler Beweis konsumgeschichtlicher Namensgebung in einem Museum bewahrt bleiben sollte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Heizkissen \u00bbPussy\u00ab mit Karton, Ulm, um 1960.&nbsp;Kunststoff, Textil, Pappe; H: 30 cm,&nbsp;<br>B: 40 cm.&nbsp;Inv.-Nr. KSM 2001\/81. Foto: rba_d033566.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Sascha Pries M.A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Heizkissen \u00bbPussy\u00ab geh\u00f6rt zu den dinglichen Zeugen f\u00fcr eine neue Art der Freizeitgestaltung in den 1960er Jahren. 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