{"id":404,"date":"2021-10-13T18:05:25","date_gmt":"2021-10-13T16:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=404"},"modified":"2023-10-24T10:10:59","modified_gmt":"2023-10-24T08:10:59","slug":"swing-aus-der-goebbelsschnauze","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/swing-aus-der-goebbelsschnauze\/","title":{"rendered":"Swing aus der \u00bbGoebbelsschnauze\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"swing-aus-der-goebbelsschnauze\">Swing aus der \u00bbGoebbelsschnauze\u00ab<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Mit der Wiederer\u00f6ffnung des Stadtmuseums 1984 wurde den Besuchern ein bislang in der Pr\u00e4sentation des Hauses v\u00f6llig unbehelligter Teil der K\u00f6lner Geschichte pr\u00e4sentiert: die Zeit des Nationalsozialismus. Einige Dutzend Exponate zeigten den Aufstieg der NSDAP, die Verfolgung j\u00fcdischer und anderer Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, Krieg und Zerst\u00f6rung. Im Gegensatz zu h\u00e4ufigen Behauptungen verlief diese Zeit in K\u00f6ln nicht anders als im \u00fcbrigen Deutschland. Die Nationalsozialisten fassten hier schnell und gut Fu\u00df, j\u00fcdische Gesch\u00e4fte wurden von K\u00f6lnern gemieden, Synagogen zerst\u00f6rt und mindestens 7.000 der 16.000 K\u00f6lner Juden und 4.000 weitere K\u00f6lner \u00bbVolksfeinde\u00ab ermordet. Die Gleichschaltung erfasste alle Lebensbereiche, Adolf Hitler wurde bei jedem seiner f\u00fcnf Besuche in K\u00f6ln frenetisch gefeiert, und obwohl die Jugendgruppe \u00bbEdelwei\u00dfpiraten\u00ab in K\u00f6ln ihre widerst\u00e4ndischen Aktionen durchf\u00fchrte, war K\u00f6ln kein Zentrum des Widerstands.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"447\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/569__6308269_lo.jpg\" alt=\"Man sieht einen deutschen Kleinempf\u00e4nger aus dem Jahr 1938.\" class=\"wp-image-1272\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/569__6308269_lo.jpg 447w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/569__6308269_lo-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Deutscher Kleinempf\u00e4nger<br>DKE 38<\/strong>, Deutschland, 1938,&nbsp;<br>KSM 1984\/72.&nbsp;Foto: rba_d033559<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Auch die Propaganda spielte in der neuen Museumsabteilung eine gro\u00dfe Rolle. Neben Zeitungen wie dem V\u00f6lkischen Beobachter war es insbesondere das Radio, das den Nationalsozialisten als Zugpferd der Massenpropaganda dienen sollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel war es, gemeinsam mit gro\u00dfen deutschen&nbsp;Technikherstellern ein Radioger\u00e4t zu produzieren,&nbsp;das so g\u00fcnstig war, dass es sich auch Arbeiterfamilien&nbsp;leisten konnten. Nach den ersten Erfolgen&nbsp;mit dem Volksempf\u00e4nger VE 301 wurden die Ger\u00e4te&nbsp;weiterentwickelt und vor allem noch g\u00fcnstiger.&nbsp;1938 wurde der (im Volksmund auch \u00bbGoebbelsschnauze&nbsp;\u00ab genannte) Deutsche Kleinempf\u00e4nger&nbsp;DKE 38 auf den Markt gebracht. Hatte der VE 301&nbsp;noch 76 RM gekostet, war der DKE 38 schon f\u00fcr&nbsp;35 RM zu haben. Zum Vergleich: 1938 verdiente ein&nbsp;m\u00e4nnlicher Arbeiter durchschnittlich 35 RM in der<br>Woche. F\u00fcr diese Summe konnte man in K\u00f6ln 1938&nbsp;auch rund 90 Roggenbrote kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00bbVolksempf\u00e4nger\u00ab war der DKE 38 streng genommen&nbsp;nicht, da nur Ger\u00e4te der Baureihe VE 301&nbsp;diesen Namen trugen. Doch beide Radioger\u00e4te erf\u00fcllten&nbsp;denselben Zweck: \u00bbGanz Deutschland h\u00f6rt&nbsp;den F\u00fchrer (&#8230;)\u00ab&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum VE 301 war der DKE 38 nicht&nbsp;hochrechteckig, sondern quadratisch. Entsprechend&nbsp;der preislichen Vorgaben blieb das Design&nbsp;schlicht und etwas bieder. Lediglich ein Reichsadler&nbsp;mit Hakenkreuz prangte nun \u00fcber dem Frequenzsucher, als ob die H\u00f6rer so noch beim Suchen gemahnt werden sollten, ja nicht das falsche Programm zu w\u00e4hlen. Denn entgegen h\u00e4ufigen Behauptungen konnten mit dem DKE 38 (wie mit dem VE 301) auch ausl\u00e4ndische Sender geh\u00f6rt werden. Mit teureren Markenger\u00e4ten war dies sogar noch leichter, da diese empfindlichere Empf\u00e4nger hatten. Sender wie die BBC, Radio Moskau oder Radio Oranje sendeten seit Kriegsbeginn deutschsprachige Programme auf Kurz- und Mittelwelle, um denjenigen Teil der deutschen Bev\u00f6lkerung mit Nachrichten zu versorgen, dem die gleichgeschaltete NS-Propaganda nicht ausreichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs waren den Ger\u00e4ten Warnungen beigef\u00fcgt, die auf die strafrechtlichen Folgen f\u00fcr das Abh\u00f6ren von \u00bbFeindsendern\u00ab hinwiesen. Die Strafen daf\u00fcr reichten von einfachen Verwarnungen (z. B. beim H\u00f6ren von Swingmusik) bis hin zu Todesstrafen f\u00fcr das Abh\u00f6ren und Verbreiten von Nachrichten aus dem Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die 1970er Jahre hatte es bis auf Einzelst\u00fccke&nbsp;im K\u00f6lnischen Stadtmuseum keinerlei&nbsp;Best\u00e4nde zur Zeit des Nationalsozialismus gegeben.&nbsp;Dementsprechend konnten auch die Ausstellungen&nbsp;\u00bbVor einer Generation. K\u00f6ln im Krieg\u00ab im&nbsp;Stadtmuseum und \u00bbWiderstand und Verfolgung in&nbsp;K\u00f6ln 1933\u20131945\u00ab im Historischen Archiv im Jahr&nbsp;1974 den Alltag unter dem Regime nur unzureichend&nbsp;zeigen. Allerdings war im Anschluss an die&nbsp;Ausstellungen ein sp\u00fcrbarer Anstieg an Zug\u00e4ngen&nbsp;zu verzeichnen. Aufrufe in Presse und Radio, dem&nbsp;Stadtmuseum Objekte aus der NS-Zeit zu \u00fcberlassen,&nbsp;sorgten au\u00dferdem f\u00fcr einen gro\u00dfen Zulauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielfach wurden die Objekte anonym abgegeben.&nbsp;Viele Spender waren offenbar froh, die Sachen&nbsp;losgeworden zu sein, und wollten mit dem \u00bbHitler-Kram\u00ab nichts mehr zu tun haben. So ist es nicht&nbsp;verwunderlich, dass die Stifterin Frau Mehlem, die&nbsp;1984 den Kleinempf\u00e4nger an das Stadtmuseum&nbsp;abgab, nichts als ihren Nachnamen hinterlie\u00df.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Deutscher Kleinempf\u00e4nger DKE 38, Deutschland, 1938,&nbsp;Bakelitgeh\u00e4use, H: 24 cm, B: 24 cm, T: 12 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1984\/72.&nbsp;Foto: rba_d033559<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Sascha Pries<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Wiederer\u00f6ffnung des Stadtmuseums 1984 wurde den Besuchern ein bislang in der Pr\u00e4sentation des Hauses v\u00f6llig unbehelligter Teil der K\u00f6lner Geschichte pr\u00e4sentiert: die Zeit des Nationalsozialismus.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1272,"parent":141,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-404","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/404","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/404\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10913,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/404\/revisions\/10913"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=404"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}