{"id":402,"date":"2021-10-13T18:04:54","date_gmt":"2021-10-13T16:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=402"},"modified":"2023-10-24T10:01:58","modified_gmt":"2023-10-24T08:01:58","slug":"ein-weltstar-geht-am-stock","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/ein-weltstar-geht-am-stock\/","title":{"rendered":"Ein Weltstar geht am Stock"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"ein-weltstar-geht-am-stock\">Ein Weltstar geht am Stock<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Als der K\u00f6lner S\u00e4nger und Besitzer dieses Stocks, Michael Bohnen, 1964 zur\u00fcckgezogen und verarmt starb, war der einstige Opernstar und \u00bbK\u00f6niglich preu\u00dfischer Hofoperkammers\u00e4nger\u00ab schon in Vergessenheit geraten. Nach Abschluss seiner Ausbildung als Bassbariton am K\u00f6lner \u00bbSteinbach-Konservatorium\u00ab gab er 1910 sein Deb\u00fct am D\u00fcsseldorfer Stadttheater. Dies war der Auftakt f\u00fcr eine eindrucksvolle Karriere: In Folge spielte er am Hoftheater in Wiesbaden, an der Hofoper Berlin, in Bayreuth und Wien. 1920 wechselte er erst zum Metropolitan-Ensemble nach New York und dann zum Film.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/627__8389815_lo.jpg\" alt=\"Man sieht einen Spazierstock aus Hlz aus dem Jahr 1914.\" class=\"wp-image-1263\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/627__8389815_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/627__8389815_lo-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/627__8389815_lo-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Spazierstock von Michael Bohnen<\/strong>, K\u00f6ln, um 1914. Foto: rba_d033535<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Allein eine Gedenktafel am Geburtshaus am Friesenwall 102 a erinnert heute noch an ihn. Doch wer war dieser Michael Bohnen? Geboren am 2. Mai 1887, wurde er am 26. Mai desselben Jahres in St. Gereon getauft. Taufpate war August Bebel, der Begr\u00fcnder der organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, mit dem Bohnens Vater, ein Volksschullehrer, sympathisierte und eine enge Freundschaft unterhielt. Bohnen besuchte eine H\u00f6here Schule, die er jedoch im Alter von 16 Jahren \u2013 kurz vor dem sogenannten \u00bbEinj\u00e4hrigen\u00ab \u2013 verlie\u00df. Bereits als Sch\u00fcler wusste er durch seine wundersch\u00f6ne Stimme aufzufallen und vor allem zu gefallen. Der Entschluss, S\u00e4nger zu werden, war gefasst. Mit Hilfe eines Stipendiums studierte er ab 1904 am K\u00f6lner \u00bbSteinbach Konservatorium\u00ab beim ber\u00fchmten Gesangsp\u00e4dagogen Professor Richard Schulz-Dornburg. Nach Abschluss der Ausbildung zum Bassbariton, mit einem seltenen Stimmvolumen von drei Oktaven, gab Bohnen 1910 am \u00bbD\u00fcsseldorfer Stadttheater\u00ab sein B\u00fchnendeb\u00fct als J\u00e4gerbursche Kaspar im \u00bbFreisch\u00fctz\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Von nun an gab es f\u00fcr den aufstrebenden Operns\u00e4nger kein Halten mehr. Bereits 1912 wechselte er, trotz noch laufenden Vertrags, von D\u00fcsseldorf an das Hoftheater in Wiesbaden. Parallel spielte er an der Hofoper in Berlin, wo ihm, als Ersatz f\u00fcr einen erkrankten Kollegen, in der Rolle des Gurnemanz in Wagners \u00bbParsifal\u00ab der endg\u00fcltige Durchbruch gelang. Vorausgegangen war bereits im Jahr 1913 die Ernennung durch Kaiser Wilhelm II. zum \u00bbK\u00f6niglich preu\u00dfischen Hofoperkammers\u00e4nger\u00ab. Von nun an spielte Bohnen in Bayreuth, Wien, Berlin, New York und London. Aber auch seine Heimatstadt verga\u00df er nicht. Anl\u00e4sslich einer Festvorstellung zugunsten der K\u00f6lner Kriegswaisenf\u00fcrsorge sang er den Escamillo in der Oper \u00bbCarmen\u00ab unter der Leitung von Alfred Nickisch, der ihn \u00bbeinen Gott\u00ab nannte. Als Bohnen in den 1920er Jahren in New York auftrat, geh\u00f6rte er mit Benjamino Gigli und Fjodor Schaljapin zu den ber\u00fchmtesten Namen des Metropolitan-Ensembles.<\/p>\n\n\n\n<p>1919 aber schockierte er \u2013 der K\u00f6niglich preu\u00dfische Kammers\u00e4nger \u2013 sein Publikum, als er zum Film wechselte. In zahlreichen Stummfilmen mimte Michael Bohnen und trat sp\u00e4ter auch in Dutzenden Tonfilmen auf. Hierzu geh\u00f6ren \u00bbAugust der Starke\u00ab, \u00bbAchtung, Feind h\u00f6rt mit\u00ab und \u00bbM\u00fcnchhausen\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Bohnens Weigerung, in weiteren nationalsozialistischen Propagandafilmen mitzuspielen, soll sein Sohn als Frontpriester eingezogen worden sein, um, nach eigenen Aussagen, Druck auf den Opernstar auszu\u00fcben. Am 8. Oktober 1942 fiel der Sohn w\u00e4hrend eines Fronteinsatzes im Kaukasus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg kostete ihn die Falschaussage seines Sch\u00fclers Hans Beirer im Zuge der Entnazifizierung seine Stelle als Intendant der Deutschen Oper Berlin. Es ist unklar, ob Bohnen mit dem NS-Regime sympathisierte oder nicht. Er selbst gibt an, zur Mitwirkung bei den Filmen gezwungen worden zu sein. Doch auch nach der Rehabilitierung kann er kaum noch Fu\u00df fassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allm\u00e4hlich rehabilitiert, trat er ab 1950 an der Deutschen Oper Berlin auf, wo er 1951 seine Karriere beendete. Verarmt und zur\u00fcckgezogen starb Michael Bohnen \u2013 \u00bbder deutsche Schaljapin\u00ab \u2013 am 26. April 1965 an Herzversagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1998 hat Josef Kley, ein gro\u00dfer Verehrer und Kenner Bohnens, diesen Spazierstock dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum geschenkt. Kley bekam 1964 bei einem Besuch des inzwischen zur\u00fcckgezogen lebenden Bohnen acht verschiedene Gehst\u00f6cke, die in dessen Besitz waren, zum Geschenk. Kley schenkte verschiedenen Institutionen die Gehst\u00f6cke, um das Andenken an Bohnen aufrechtzuerhalten. Den Gehstock, den er dem Stadtmuseum geschenkt hat, hatte Bohnen im Jahr 1914 in London von Startenor Enrico Caruso erhalten. Es war ein Dankgeschenk, da Bohnen Caruso w\u00e4hrend eines Schw\u00e4cheanfalls helfend zur Seite stand. Caruso selbst hatte den Stock bei einem Aufenthalt in K\u00f6ln gekauft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Spazierstock von Michael Bohnen, K\u00f6ln, um 1914.&nbsp;Holz, Leinenbezug; L: 91 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1998\/396.&nbsp;Geschenk von Josef Kley, 1998. Foto: rba_d033535<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Stefan Lewejohann<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als der K\u00f6lner S\u00e4nger und Besitzer dieses Stocks, Michael Bohnen, 1964 zur\u00fcckgezogen und verarmt starb, war der einstige Opernstar und \u00bbK\u00f6niglich preu\u00dfischer Hofoperkammers\u00e4nger\u00ab schon in Vergessenheit geraten.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1263,"parent":141,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-402","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/402\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10904,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/402\/revisions\/10904"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}