{"id":391,"date":"2021-10-13T18:02:13","date_gmt":"2021-10-13T16:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=391"},"modified":"2022-03-12T10:27:07","modified_gmt":"2022-03-12T09:27:07","slug":"noch-alle-tassen-im-schrank","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/noch-alle-tassen-im-schrank\/","title":{"rendered":"Noch alle Tassen im Schrank?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"noch-alle-tassen-im-schrank\">Noch alle Tassen im Schrank?<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Diese Porzellantasse mit dem schlichten Brustportr\u00e4t eines Geistlichen geh\u00f6rt zu den fr\u00fchen Zeugnissen von Tourismusware und Massenkitsch. Erst die Inschrift verr\u00e4t, wer dargestellt ist:&nbsp;<em>Johannes von Geissel \u2013 Zur Erinnerung an d[en] 23ten Juni 1842<\/em>. Damit erh\u00e4lt die Tasse eine (kirchen)politische Brisanz: 1837 war der Vorg\u00e4nger von Geissels, der K\u00f6lner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering, wegen der Spannungen mit der preu\u00dfischen Regierung um die Frage interkonfessioneller Ehen verhaftet worden, der Stuhl des K\u00f6lner Erzbischofs war vakant.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/111__7834920_lo.jpg\" alt=\"Eine Porzellantasse mit dem schlichten Brustportr\u00e4t eines Geistlichen.\" class=\"wp-image-1243\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/111__7834920_lo.jpg 450w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/111__7834920_lo-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption><strong>Tasse mit Portr\u00e4t von Erzbischof von Geissel,&nbsp;<\/strong>1842.&nbsp;Foto: rba_d033516<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Ob Neuschwanstein in der Schneekugel, der Papst als Wetterm\u00e4nnchen oder der K\u00f6lner Dom als Zigarettenanz\u00fcnder: Die Andenkenl\u00e4den dieser Welt sind voll von Massenware und Kitsch. Was wir f\u00fcr eine Erscheinung des Massentourismus unserer Tage halten, hat eine lange Tradition. Schon die Pilgerzeichen des Mittelalters dienten nicht nur religi\u00f6sen Zwecken, sondern ganz profan auch der Erinnerung an den Besuch der heiligen St\u00e4tte. Im 19.&nbsp;Jahrhundert schlie\u00dflich wurden in Massen Andenken produziert, bei denen allt\u00e4gliche Gebrauchs- oder Schmuckgegenst\u00e4nde wie Schnupftabakdosen, Blumenvasen oder eben Teller, Gl\u00e4ser und Tassen mit einem Abbild oder einer Form verkn\u00fcpft wurden, die an ein wichtiges Ereignis, eine prominente Pers\u00f6nlichkeit oder eine Sehensw\u00fcrdigkeit erinnerten. Das Souvenir erhielt den Charakter einer Troph\u00e4e im Sinne eines \u00bbIch war da(bei)\u00ab als Selbstbest\u00e4tigung und f\u00fcr die Umwelt. Die kunstgewerbliche Produktion nahm \u2013 nicht zuletzt durch den beginnenden Tourismus \u2013 einen gro\u00dfen Aufschwung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob aus der Tasse mit dem Portr\u00e4t des K\u00f6lner Erzbischofs jemals getrunken wurde, ist fraglich. Wom\u00f6glich stand sie neben anderen lediglich zur Dekoration in einem Vitrinenschrank eines b\u00fcrgerlich-katholischen Haushalts.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso erinnert aber die Tasse mitsamt Untertasse laut Inschrift an den K\u00f6lner Erzbischof Johannes von Geissel im Zusammenhang mit dem 23. Juni 1842? Das entsprechende Ereignis ist aus heutiger Sicht alles andere als spektakul\u00e4r: Von Geissel hatte Bonn besucht und verlie\u00df an diesem Tag wieder die Stadt. Nun hatte ein Bischofsbesuch an den verschiedenen Orten einer Di\u00f6zese einen v\u00f6llig anderen Stellenwert als heute und wurde als festliches Ereignis begangen. Von Geissels Bonner Aufenthalt war nach seinem Amtsantritt in K\u00f6ln sein erster Besuch au\u00dferhalb der Bischofsstadt und ist zudem vor dem Hintergrund der damaligen kirchenpolitischen Situation zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorangegangen waren die \u00bbK\u00f6lner Wirren\u00ab, bei denen sich an der Mischehenfrage sowie der Aufsicht \u00fcber die Bonner Theologenfakult\u00e4t ein Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem preu\u00dfischen Staat entz\u00fcndet hatte. H\u00f6hepunkt war 1837 die spektakul\u00e4re Verhaftung des K\u00f6lner Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering, wodurch die Leitung des Erzbistums K\u00f6ln faktisch verwaist war. Die L\u00f6sung des Konfliktes zog sich in z\u00e4hen Verhandlungen zwischen der preu\u00dfischen Regierung und der r\u00f6mischen Kurie bis 1842 hin. Am Ende wurde von Geissel, seit 1837 Bischof von Speyer, f\u00fcr das Erzbistum K\u00f6ln zum Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge bestellt; er trat dieses Amt am 4. M\u00e4rz 1842 an. Erst nach dem Tod von Droste (1845) konnte von Geissel auch formell Erzbischof von K\u00f6ln werden. Mit dem Amtsantritt 1842 waren die K\u00f6lner Wirren beigelegt, und so- wohl bei der preu\u00dfischen Regierung als auch bei weiten Teilen der Katholiken machte sich Erleichterung breit. Kein Wunder also, dass der Besuch von Geissels im Juni 1842 in Bonn besonders feierlich begangen wurde. Am Vorabend seiner Abreise bereiteten die Bonner dem Koadjutor einen eindrucksvollen Fackelzug, und am 23. Juni verlie\u00df er unter Gel\u00e4ut aller Glocken die Stadt. An diesen gl\u00e4nzenden Bonn-Besuch von Geissels sollte die Tasse die Zeitgenossen und Nachwelt erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Geissel, bis 1864 im Amt, regierte ausgesprochen autorit\u00e4r und ging mit unerbittlicher Strenge, ja kompromissloser H\u00e4rte vor. Kirchenpolitisch agierte er hingegen ma\u00dfvoll und verstand es, Konflikte mit dem Staat zu vermeiden. Als unbestrittene Leitfigur im deutschen Episkopat erhielt von Geissel als erster K\u00f6lner Erzbischof 1850 die Kardinalsw\u00fcrde verliehen \u2013 wie seitdem und bis heute fast alle K\u00f6lner Erzbisch\u00f6fe.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Tasse mit Portr\u00e4t von Erzbischof von Geissel und Untertasse, Bonn (?), 1842,&nbsp;Aufschriften: \u00bbJohannes von Geissel\u00ab; \u00bbZur Erinnerung an d[en] 23ten Juni 1842\u00ab,&nbsp;Porzellan, Tasse Dm:&nbsp;11&nbsp;cm, H: 9 cm, Untertasse Dm: 16,5 cm,&nbsp;Inv.-Nr. HM&nbsp;1910\/21 a + b.&nbsp;Ankauf von Wilh. Leufgens, K\u00f6ln, 1910 f\u00fcr 25 Mark. Foto: rba_d033516<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Joachim Oepen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Porzellantasse mit dem schlichten Brustportr\u00e4t eines Geistlichen geh\u00f6rt zu den fr\u00fchen Zeugnissen von Tourismusware und Massenkitsch. 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