{"id":389,"date":"2021-10-13T18:01:34","date_gmt":"2021-10-13T16:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=389"},"modified":"2022-09-13T16:12:49","modified_gmt":"2022-09-13T14:12:49","slug":"linksdrehender-hase-gesucht","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/linksdrehender-hase-gesucht\/","title":{"rendered":"Linksdrehender Hase gesucht"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"linksdrehender-hase-gesucht\">Linksdrehender Hase gesucht<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Das ein wenig gramvoll schauende Tier ist ein Hase und die Schale, die er pr\u00e4sentiert, ist nicht f\u00fcrs Salz zum Fr\u00fchst\u00fccksei gedacht, sondern f\u00fcr Sand zum Trocknen der Tintenreste beim Schreiben mit der Feder.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/393__6292940_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein Sandschaltenhalter. Ein Hase h\u00e4lt eine Schale in welche Sand gef\u00fcllt werden kann.\" class=\"wp-image-1235\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/393__6292940_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/393__6292940_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption>Sandschalenhalter, 18. Jh.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Gramvoll blickt der Hase sein Gegen\u00fcber an. Wie er seine Schale pr\u00e4sentiert \u2013 aufrecht sitzend und mit angelegten Ohren, scheint er keineswegs Sinnen- oder Wolllust zu verk\u00f6rpern. \u00dcberhaupt die Schale, was sollte sie aufnehmen? Weihwasser, Gew\u00fcrze oder ein (flach liegendes) Ei? W\u00e4re er dann ein Osterhase und zum Frondienst am Fr\u00fchst\u00fcckstisch verdammt?<\/p>\n\n\n\n<p>Fragen \u00fcber Fragen, doch der Hase wird nichts sagen. Das wusste bereits Joseph Beuys (1921\u20131986), als er 1965 umgekehrt selbst die Kommunikation er\u00f6ffnete und die Besucher der Galerie Schmelka in D\u00fcsseldorf aussperrte, als er vorf\u00fchrte, \u00bbWie man dem toten Hasen die Bilder erkl\u00e4rt\u00ab. Mit Goldstaub und Honig einbalsamiert, trug er einen toten Hasen und f\u00fchrte ihm die Bilder vor. Die Kunstwelt war von der anr\u00fchrenden Aktion begeistert, lieferte sie doch einen anhaltend interessanten Deutungsraum f\u00fcr die Beziehung von K\u00fcnstler zu Hase.<\/p>\n\n\n\n<p>Der hier vorzustellende Hase tritt jedenfalls nicht als Symbol f\u00fcr Inkarnation (oder anderes), sondern als einfacher Gebrauchsgegenstand einer vergangenen Zeit auf: Die sprichw\u00f6rtliche Redensart \u00bbKonkurrenz belebt das Gesch\u00e4ft\u00ab traf bereits auf die Situation der Westerw\u00e4lder Kannenb\u00e4cker zu, die Anfang des 18. Jahrhunderts feststellen mussten, dass Porzellan fortan in Adelskreisen bevorzugt und keramisches Geschirr verschm\u00e4ht wurde. Und auch die b\u00fcrgerlichen Haushalte zogen das elegante Porzellanwei\u00df dem tristen Grau des Steinzeugs vor. Entsprechend entwickelten die T\u00f6pfer phantasievolle Interpretationen von \u00bbneuen\u00ab Gebrauchsgegenst\u00e4nden in hellem Ton, wie Schreibzeuge, Tee- und Kaffeekannen, Terrinen, Salzschalen oder Kerzenhalter.<\/p>\n\n\n\n<p>So auch diesen (raren) Hasen, der als Teil eines Schreibzeugs zu verstehen ist: Er h\u00e4lt die Sandschale, womit der Schreiber die Tinte l\u00f6schen kann. Im Gegensatz zu Schreibzeugen in Bank- oder Herzform, die immer Tintenfass und Sandstreuer zusammen beinhalten, ist dieses auf zwei Skulpturen konzipiert und braucht ein Pendant mit Tintenfass. Stellt man den nach rechts gewandten Hasen auf die linke Schreibtischseite, dass er dem Schreiber zugewandt die Sandschale pr\u00e4sentiert, m\u00fcsste rechter Hand ein nach links gewandtes Gegenst\u00fcck stehen, wie es zum Beispiel im Museum f\u00fcr Angewandte Kunst in K\u00f6ln in Form zweier L\u00f6wen existiert, die \u00fcbrigens gebr\u00e4uchlicher waren als unser Hase, wie ein weiteres Exemplar im British Museum belegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hase kam 1943 von \u00bbJ. Schrader im Tauschwege erworben\u00ab ins Rheinische Museum. Mit 2.300 Reichsmark bewertet, wird keine Gegengabe des Museums erw\u00e4hnt. H\u00e4ufige Eintr\u00e4ge in den Inventaren wie \u00bbabgegeben an Schrader\u00ab lassen jedoch vermuten, dass es eine oder mehrere Gegengaben gegeben haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Aufrecht sitzender Hase auf herzf\u00f6rmiger Bodenplatte mit Schale, Westerwald, 18.&nbsp;Jahrhundert, helles, salzglasiertes Steinzeug, H: 15,5&nbsp;cm, Inv.-Nr. RM&nbsp;1943\/12&nbsp;a. Tausch mit Josef Schrader, 1943. Foto: rba_d033563<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Beatrix Alexander<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ein wenig gramvoll schauende Tier ist ein Hase und die Schale, die er pr\u00e4sentiert, ist nicht f\u00fcrs Salz zum Fr\u00fchst\u00fccksei gedacht, sondern f\u00fcr Sand zum Trocknen der Tintenreste beim Schreiben mit der Feder.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":813,"parent":141,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-389","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/389\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7074,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/389\/revisions\/7074"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}