{"id":383,"date":"2021-10-13T18:00:48","date_gmt":"2021-10-13T16:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=383"},"modified":"2023-10-24T10:04:16","modified_gmt":"2023-10-24T08:04:16","slug":"feuer-ratsherren-und-caesaren","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/feuer-ratsherren-und-caesaren\/","title":{"rendered":"Feuer, Ratsherren und C\u00e4saren"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"feuer-ratsherren-und-casaren\">Feuer, Ratsherren und C\u00e4saren<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Der dickb\u00e4uchige Bartmannkrug ist ein Prachtexemplar seiner Art und ein Prunkst\u00fcck rheinischer T\u00f6pferkunst. Der geschichtstr\u00e4chtige Krug wurde 1937 im Tausch von Gustav Adolf Steengracht von Moyland erworben; im Gegenzug erhielt er eine unbekannte Menge Mobiliars f\u00fcr sein Schloss, das leider nach Kriegsende von kanadischen Soldaten verw\u00fcstet und zerst\u00f6rt wurde.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/365__4879832_lo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1217\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/365__4879832_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/365__4879832_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong><strong>Bartmannkrug,&nbsp;<\/strong><\/strong>Frechen, 1604.&nbsp;Foto: rba_055153<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>T\u00f6pferwaren wurden in K\u00f6ln seit r\u00f6mischer Zeit hergestellt, doch erst um 1500 entwickelten sie sich vom einfachen Gebrauchsgeschirr zum Spitzenerzeugnis. Die Absatzm\u00e4rkte und die guten Tonvorkommen im Umland machten K\u00f6ln zu einem attraktiven Produktions- und Handelsplatz. So lie\u00dfen sich nach 1500 zahlreiche T\u00f6pfer im K\u00f6lner Stadtgebiet nieder. Die zur Gaffel der Steinmetze geh\u00f6renden Handwerker bildeten drei Sparten. Die Duppenb\u00e4cker stellten bei niedriger Temperatur gebrannte Tongef\u00e4\u00dfe her, die als schlichte, unglasierte Waren zum Kochen, Braten und Backen dienten oder \u2013 farbig glasiert und reliefiert \u2013 als Ziergeschirr verwendet wurden. Ebenfalls im Niederbrand fertigten die Kachelb\u00e4cker ihre Ofenkacheln mit farbigen Glasuren, zudem setzten sie \u00d6fen. Die Kannenb\u00e4cker hingegen brauchten hohe Temperaturen f\u00fcr den Brand ihrer wasserundurchl\u00e4ssigen Trink- und Vorratsgef\u00e4\u00dfe. Dieses sogenannte Steinzeug mit seiner eingebrannten Salzglasur, die eingesprenkelte T\u00f6ne in Braun, Beige, Grau, Gelb oder Orange ergab, war entweder schlicht oder mit reichem Reliefdekor versehen, der zudem blau bemalt sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz guter Ausgangslage hatten die T\u00f6pfer widrige Rahmenbedingungen: Sie waren nicht willkommen. Feuergefahr, Hitze, Rauch, steigende Holzpreise und sp\u00e4ter Holzknappheit f\u00fchrten zu Spannungen zwischen T\u00f6pfern und ihren K\u00f6lner Mitb\u00fcrgern. Der Rat reagierte und versuchte ab 1531, das T\u00f6pferhandwerk zu beschr\u00e4nken, 1534 verordnete er einen generellen Brennstopp. Als die T\u00f6pfer gegen die Restriktionen und f\u00fcr den Erhalt ihrer Lebensgrundlage k\u00e4mpften, wurde&nbsp;das Verbot gelockert. Der anhaltende Zuzug von T\u00f6pfern f\u00fchrte in den Folgejahren zu wiederholten Brennverboten, denen wiederum Proteste folgten.&nbsp;Erst zur Jahrhundertmitte kam der Rat zu einer&nbsp;differenzierten Bewertung. Die Krugproduktion&nbsp;verbrauchte das meiste Holz, erzeugte die gr\u00f6\u00dfte&nbsp;Hitze und schuf wegen der beim Einwerfen der&nbsp;Salzglasur entstehenden Chlord\u00e4mpfe den gr\u00f6\u00dften&nbsp;Gestank \u2013 verschwinden sollten folglich die Kannenb\u00e4cker.&nbsp;1554 kam es zu einem mit allen T\u00f6pfern&nbsp;vereinbarten Vertrag. Die Zahl der Kannenb\u00e4cker&nbsp;auf K\u00f6lner Stadtgebiet wurde auf vier begrenzt,&nbsp;Neuansiedlungen verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Entscheidung verlor K\u00f6ln einen Exportschlager,&nbsp;denn das Steinzeug war im Reich und in&nbsp;Nordwesteuropa sehr begehrt. Die Meister wanderten insbesondere nach Frechen ab oder zur\u00fcck, das&nbsp;sich nun leicht als Steinzeugort profilieren konnte.&nbsp;Ein Produktionsschwerpunkt wurden die Bartmannkr\u00fcge, die als Massenprodukte jedoch oft wenig&nbsp;sorgsam gefertigt wurden, wie unser Krug zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber konkav geschwungenem Fu\u00df w\u00f6lbt sich ein Kugelbauch, der in einen engen Flaschenhals \u00fcbergeht. Die abschlie\u00dfende Lippe wird durch zwei Wulstringe und mittigen Zahnschnitt abgesetzt. Der Henkel ist aus drei W\u00fclsten gedreht. Auf Hals und Schulter sitzt mittig eine stilisierte Bartmaske mit mandelf\u00f6rmigen Augen, breiter Nase, grobem Mund und langem Schl\u00e4fenhaar. Axial darunter erscheint ein gro\u00dfes Rundmedaillon, das ein doppelk\u00f6pfiger Reichsadler mit genopptem K\u00f6rper f\u00fcllt. Vor seiner Brust befinden sich Reichsapfel und Kreuz, dar\u00fcber eine Kartusche mit Datierung: 1604. Die Fl\u00fcgel f\u00fcllen, dem Typus des Quaternionenadlers folgend, 14 Wappen der weltlichen St\u00e4nde und Kurf\u00fcrsten. Flankiert wird der Adler von zwei seitlichen Medaillons, die jeweils im Profil das Schulterbild eines r\u00f6mischen Kaisers mit grober Physiognomie zeigen: links Claudius, rechts Nero \u2013 dritter Ehemann respektive Sohn der Stadtgr\u00fcnderin Agrippina. Beide sind durch umlaufende Kapitalschriften identifizierbar und entstammen g\u00e4ngigem Formenrepertoire \u2013 allerdings hier sehr grob umgesetzt. So ist Nero gegen\u00fcber der Vorlage samt seiner Inschrift spiegelbildlich wiedergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bez\u00fcge zur r\u00f6mischen Wiege K\u00f6lns, die Kaisermedaillons, die als Bildprogramm auch die Kassettendecke des Ratssaales zierten, und der auf die Reichsunmittelbarkeit K\u00f6lns weisende Quaternionenadler lassen vermuten, dass der Krug zu einer Gruppe von Gef\u00e4\u00dfen geh\u00f6rte, die der K\u00f6lner Rat nutzte. W\u00e4ren die T\u00f6pfer nicht nach Frechen vertrieben worden, so h\u00e4tten die Ratsmitglieder wohl aus weniger grobem Steinzeug trinken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bartmannkrug gelangte 1937 durch einen Brennverboten, denen wiederum Proteste folgten. Tausch in das Haus der Rheinischen Heimat: Gustav&nbsp;Adolf Steengracht von Moyland (1902\u20131969) ben\u00f6tigte&nbsp;im Gegenzug Mobiliar in unbekannter Menge&nbsp;f\u00fcr sein Schloss. Steengracht war promovierter&nbsp;Jurist und seit 1933 NS-Kreisbauernf\u00fchrer von&nbsp;Kleve sowie ab 1936 in unterschiedlicher Funktion&nbsp;f\u00fcr das Reichsau\u00dfenministerium t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Schloss Moyland blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs&nbsp;unversehrt. Danach diente es als Quartier&nbsp;f\u00fcr den britischen Feldmarschall Montgomery.&nbsp;Erst nach dessen Abzug wurde Schloss Moyland&nbsp;von kanadischen Soldaten verw\u00fcstet und fast die&nbsp;gesamte Inneneinrichtung zerst\u00f6rt \u2013 darunter&nbsp;auch die im Tausch erworbenen M\u00f6bel.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Bartmannkrug, Frechen, 1604,&nbsp;Steinzeug, salzglasiert, grau, braun engobiert, mit Sprenkeln und Tr\u00e4nen, mit Kobaltblau bemalt.&nbsp;Kleiner Ausbruch an Lippe und Henkel; H:&nbsp;28&nbsp;cm, Dm M\u00fcndung: 4,7&nbsp;cm, Dm Boden: 14,5&nbsp;cm,&nbsp;Inv.-Nr. RM&nbsp;1937\/1045.&nbsp;Tausch mit Baron Steengracht, Schloss Moyland, Niederrhein (Wert 450 RM). Foto: rba_055153<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Matthias Hamann<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der dickb\u00e4uchige Bartmannkrug ist ein Prachtexemplar seiner Art und ein Prunkst\u00fcck rheinischer T\u00f6pferkunst. 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