{"id":381,"date":"2021-10-13T17:59:08","date_gmt":"2021-10-13T15:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=381"},"modified":"2022-03-12T10:21:46","modified_gmt":"2022-03-12T09:21:46","slug":"ein-gluecksfund-an-den-poller-koepfen","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/ein-gluecksfund-an-den-poller-koepfen\/","title":{"rendered":"Ein Gl\u00fccksfund an den \u00bbPoller K\u00f6pfen\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"ein-glucksfund-an-den-poller-kopfen\">Ein Gl\u00fccksfund an den \u00bbPoller K\u00f6pfen\u00ab<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>F\u00fcr K\u00f6ln hatte immer wieder die Gefahr bestanden, dass sich der Rhein, die Lebensader der Stadt, ein neues Flussbett weiter im Rechtsrheinischen suchte. Darum war die Sicherung des Poller Ufers von enormer Bedeutung. Bei der Arbeit an den \u00bbPoller K\u00f6pfen\u00ab ging dabei einem Handwerksmeister ein wertvoller Zinnl\u00f6ffel verloren, der erst bei Baggerarbeiten f\u00fcr den Deutzer Hafen 350 Jahre sp\u00e4ter wiedergefunden wurde.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"464\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/245__2504023_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein Essl\u00f6ffel aus Zinn.\" class=\"wp-image-1209\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/245__2504023_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/245__2504023_lo-300x220.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption><strong><strong>Essl\u00f6ffel, K\u00f6ln um 1500.&nbsp;<\/strong><\/strong>Foto: rba_d033551<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Man stelle sich folgendes Szenario vor: K\u00f6ln im Jahr 2500: Die Karnevalsz\u00fcge gehen durch die Stadt, der \u00bbDecke Pitter\u00ab l\u00e4sst seinen vertrauten Gong ert\u00f6nen, und in K\u00f6ln braucht niemand mehr eine Br\u00fccke zu benutzen, um nach Deutz, Poll oder M\u00fclheim zu gelangen. Und das nicht, weil es einen Tunnel gibt, sondern weil der Rhein seinen Flusslauf ge\u00e4ndert hat und jetzt eben durch Kalk flie\u00dft und nicht mehr an der Altstadt vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>So w\u00e4re es vielleicht geschehen, zumindest fast: Vor rund 500 Jahren waren die K\u00f6lner genau mit diesem Problem konfrontiert. Bei Hochwasser trat der Rhein bei Poll regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber das Ufer und bildete hinter Deutz einen Seitenarm. F\u00fcr K\u00f6ln bestand die Gefahr, dass der Rhein sich ein neues Flussbett suchen und die Stadt damit von ihrer Lebensader abschneiden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Rhein kein Hafen, ohne Hafen keine Wirtschaftsmetropole K\u00f6ln, die ihren Reichtum der g\u00fcnstigen Lage am Rhein zu verdanken hatte. Also versuchte der K\u00f6lner Rat, die nat\u00fcrliche \u00c4nderung des Rheinlaufs zu verhindern. Doch Poll geh\u00f6rte damals noch gar nicht zur Stadt K\u00f6ln, sondern zu Kurk\u00f6ln. Es war im Besitz des Erzstifts, mit dem die K\u00f6lner nicht erst seit 1268 \u2013 als sie den Erzbischof aus der Stadt vertrieben \u2013 im Streit lagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch dem Erzstift war nicht daran gelegen, dass bei Hochwasser seine Felder \u00fcberflutet wurden, und so einigte es sich mit dem K\u00f6lner Rat darauf, dass auf Kosten der K\u00f6lner B\u00fcrger Weiden entlang des Poller Ufers gepflanzt wurden. Erst 1557 wurde jedoch eine bessere, endg\u00fcltige L\u00f6sung gefunden. Das Domkapitel vererbpachtete der Stadt K\u00f6ln die beiden Rheininseln Poller Werth und Osterwerth. Zwischen 1577 und 1583 wurden dort drei gro\u00dfe Buhnen aus m\u00e4chtigen Eichenpf\u00e4hlen mit Querverstrebungen und Basaltbl\u00f6cken angelegt, die die Str\u00f6mung am Poller Ufer minimierten und die Umleitung des Rheins bei Hochwasser verhinderten. Die Aufsicht \u00fcber die&nbsp;\u00bbPoller K\u00f6pfe\u00ab hatte mit dem \u00bbWeidenh\u00fcter\u00ab ein&nbsp;st\u00e4dtischer Beamter, dem seitens des Erzbischofs&nbsp;sogar ein Wohnhaus auf der Anlage zugestanden wurde. Der Stadtchronist und Ratsherr HerrmannWeinsberg schrieb 1582 \u00fcber die Anlage, es \u00bbwirt ein kostlich kleinat vor die stat Coln sin, den Rhein hart dran zu behalten\u00ab. Die Pacht: j\u00e4hrlich zwei Tonnen Hering und f\u00fcr jeden neuen Erzbischof ein vergoldetes Silbergeschirr.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Genuss, von Geschirr oder mit Besteck aus vergoldetem Silber zu essen, kamen im Sp\u00e4tmittelalter indes nur Adlige und reiche Kaufleute. \u00c4rmere Schichten nutzten Teller und L\u00f6ffel aus Holz. Standesbewusste B\u00fcrger konnten sich gegossene Zinnl\u00f6ffel wie den hier gezeigten leisten, die seit dem 15. Jahrhundert Verbreitung fanden. Die runde Form der Laffe (von mittelalterlich \u00bblaffen\u00ab = schl\u00fcrfen) ist typisch f\u00fcr das Sp\u00e4tmittelalter, ovale Formen, wie wir sie heute benutzen, verbreiteten sich erst im 18. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die meisten Speisen der normalen Bev\u00f6lkerung in Form von Suppen oder Breien konsumiert wurden, war der L\u00f6ffel das meistgebrauchte Hilfsmittel. Allerdings benutzte man meist \u00fcberhaupt kein Besteck und a\u00df mit den Fingern. Messer geh\u00f6rten zur allt\u00e4glichen Grundausstattung und kamen auch beim Essen zum Einsatz. Die Gabel war als Strafwerkzeug des Teufels verp\u00f6nt. Martin Luther soll 1518 gesagt haben: \u00bbGott beh\u00fcte mich vor G\u00e4belchen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anlage der \u00bbPolle K\u00f6pfe\u00ab war ein teures und aufw\u00e4ndiges Unterfangen. Auch viele Handwerkermeister werden am Bau beteiligt gewesen sein. Gut m\u00f6glich, dass einer von ihnen nach der Mittagspause \u2013 zu der meist auch eine geh\u00f6rige Menge Bier oder Wein geh\u00f6rte \u2013 unbemerkt seinen Zinnl\u00f6ffel verlor, der dann f\u00fcr die n\u00e4chsten 400 Jahre unter Steinen, Erde und Holzbohlen begraben blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst bei Baggerarbeiten zum Bau des neuen Deutzer Hafens (1904\u20131907) wurde der L\u00f6ffel von Josef Gibony, einem Tagel\u00f6hner aus der Follerstra\u00dfe 46 (S\u00fcdstadt) wiedergefunden. Er wird den L\u00f6ffel beim Graben entdeckt und mitgenommen haben und verkaufte ihn einige Jahre sp\u00e4ter dem Historischen Museum f\u00fcr 3 Mark. Bei einem Stundenlohn f\u00fcr ungelernte Arbeiter von durchschnittlich rund 40 Pfennigen war der Fund f\u00fcr ihn ein absoluter Gl\u00fccksgriff.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Essl\u00f6ffel, K\u00f6ln um 1500,<strong>&nbsp;<\/strong>Zinn, L: 15 cm,&nbsp;Inv.-Nr. HM 1911\/183.&nbsp;Ankauf von Josef Giborny, der den L\u00f6ffel bei Baggerarbeiten gefunden hatte, f\u00fcr 3 Mark. Foto: rba_d033551<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Sascha Pries<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr K\u00f6ln hatte immer wieder die Gefahr bestanden, dass sich der Rhein, die Lebensader der Stadt, ein neues Flussbett weiter im Rechtsrheinischen suchte. Darum war die Sicherung des Poller Ufers von enormer Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1209,"parent":141,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-381","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/381","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/381\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4545,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/381\/revisions\/4545"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1209"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}