{"id":379,"date":"2021-10-13T17:58:49","date_gmt":"2021-10-13T15:58:49","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=379"},"modified":"2023-10-24T10:09:26","modified_gmt":"2023-10-24T08:09:26","slug":"sieben","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/sieben\/","title":{"rendered":"Sieben"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"sieben\">Sieben<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Im territorialen Bereich der deutschen Hanse in Nord- und Nordosteuropa wurden zahlreiche Bronzeschalen gefunden. Hanseschalen dienten zumeist als Handwaschbecken. Im profanen Bereich zeigen sie eine verfeinerte Tischkultur zu einer Zeit an, als man zu mehreren Personen ohne Besteck in dieselbe Speisesch\u00fcssel griff. Sakrale Funktionen hatten sie als Auffangbecken f\u00fcr das Wasser bei einer Taufe oder f\u00fcr Handwaschungen w\u00e4hrend der Messe.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/573__5071122_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist eine goldene Schale.\" class=\"wp-image-1204\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/573__5071122_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/573__5071122_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong><strong>Hanseschale,&nbsp;<\/strong><\/strong>Rheinland, 2. H\u00e4lfte des 12. Jahrhunderts,&nbsp;KSM 1985\/141.&nbsp;Foto: rba_KSM1985_141<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die romanische Bronzeschale geh\u00f6rt einer Gef\u00e4\u00dfgattung an, die zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert in Europa vor allem im Ostseegebiet verbreitet war. Da dort der wirtschaftliche Kernraum der sp\u00e4teren Hansest\u00e4dte lag, bezeichnet man sie als \u00bbHanseschalen\u00ab, obwohl zum Zeitpunkt ihrer Entstehung die Hanse noch nicht existierte. Die Bronzeschalen haben als mobile Handwaschbecken gedient und konnten bei zeremoniellen wie allt\u00e4glichen Handlungen eingesetzt werden. Bei der Taufe, bei Handwaschungen im liturgischen Vollzug, bei h\u00f6fischen Festbanketten, bei der morgendlichen Toilette, vor allem aber zur Reinigung der H\u00e4nde vor den Mahlzeiten standen sie in wohlhabenden Haushalten bereit. Sie sind hier nicht zuletzt Ausdruck der Verfeinerung einer Tischsittenkultur in einer Zeit, als man noch zu mehreren mit den H\u00e4nden in ein und dieselbe Speisesch\u00fcssel zu langen pflegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit der Hanseschalen besteht in den mit dem Tremolierstich ausgearbeiteten Motiven, die den Beckenboden und die Wandung zieren. Zur Ausf\u00fchrung kamen mythologische Themen, biblische Geschichten und Heiligenlegenden und \u2013 mit 60 Belegen die gr\u00f6\u00dfte Gruppe \u2013 Tugend- und Lasterdarstellungen mit bezeichnenderweise deutlich \u00fcberwiegendem Interesse an Letzteren, wof\u00fcr auch das vorliegende Exemplar ein Beleg ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schale zeigt mittig eine weibliche Figur, Personifikation der Tods\u00fcnde Superbia, wie die Umschrift ausweist. Sie h\u00e4lt in der Linken einen Spiegel oder sinnigerweise eben eine Hanseschale. Sechs weitere namentlich bezeichnete weibliche Personifikationen bilden um sie einen Kreis und vollenden die Siebenzahl der Tods\u00fcnden. Ihre steil aufgerichteten Haare erinnern an modische Punkerfrisuren, verweisen in ihrer Zeit aber an die dem Teufel bzw. dem Wahnsinn verfallenen Seelen der S\u00fcnder. In den Fl\u00e4chen zwischen diesen Halbfiguren wachsen stilisierte B\u00e4ume zur Beckenwandung hoch. Sie tragen anstelle von Fr\u00fcchten je drei weitere Lasternamen. Der ausf\u00fchrende K\u00fcnstler war offenkundig des Lateinischen nicht m\u00e4chtig; so schlichen sich hier Auslassungs- und Endungsfehler in die Rechtschreibung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Zufall ist die zentrale Darstellung der Superbia, galt sie doch seit Augustinus als aller S\u00fcnde&nbsp;Anfang, als \u00bbWurzel\u00ab allen B\u00f6sen, versinnbildlicht in Luzifers Hochmut und Fall. Erst mit der Scholastik des Hochmittelalters setzte sich aber die Siebenzahl der im \u00dcbrigen variierenden Hauptlaster durch. Bei Hugo von St. Victor (um 1096\u20131141), Lambert von St. Omer (um 1060\u20131125) oder im beliebten \u00bbSpeculum virginum\u00ab (Spiegel der Jungfrauen) entfaltet sich in dieser Zeit das literarische Bild der Tugend- und Lasterb\u00e4ume mit ihren spezifischen Fr\u00fcchten. Das Speculum fand seit der Mitte des 12. Jahrhunderts im Rheinland Verbreitung und kommt folglich als literarisches Vorbild f\u00fcr die Gestaltung der Schale in Betracht. Ein um 1150 in Maria Laach entstandenes, heute im Historischen Archiv der Stadt K\u00f6ln befindliches Exemplar zeigt die Miniatur eines sich aus dem Haupt der Superbia entfaltenden Lasterbaumes, an dem in zahlreichen Beischriften die Lasternamen h\u00e4ngen. Mit solchen den literarischen Stoff umsetzenden Buchmalereien wird auch der Terminus post quem festzulegen sein, ab dem das Thema auch auf andere Gattungen \u2013 und nicht zuletzt unsere Hanseschale \u2013 \u00fcbersprang.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu beantworten bleibt noch die Frage: Warum muss ausgerechnet an einem \u00fcberwiegend im profanen Haushalt benutzten Gef\u00e4\u00df an all die Laster erinnert werden? Die Antwort liegt in der das Seelenheil gef\u00e4hrdenden Nutzungsm\u00f6glichkeit begr\u00fcndet, etwa bei der Morgentoilette der selbstverliebte Blick in den Spiegel bzw. in das spiegelnde Wasser der Schale oder beim H\u00e4ndewaschen die Aussicht auf ein in V\u00f6llerei und Trunkenheit ausartendes Mahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrhunderte im Erdreich des Hafenareals verborgen, kam die Bronzeschale 1984 wieder zum Vorschein \u2013 ein geradezu perfektes Timing: Positionierte sich das Stadtmuseum doch gerade auch mit seiner Mittelalterabteilung neu und stand noch dazu das \u00bbJahr der romanischen Kirchen\u00ab vor der T\u00fcr.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Hanseschale, Rheinland, 2. H\u00e4lfte des 12. Jahrhunderts,&nbsp;Bronze, graviert, H: 6 cm, Dm: 30,2 cm, Gewicht: 435 g. Beschriftung in Schalenboden und Wandung, mittig: SUPERBIA (Hochmut); umlaufend: LIBIDO (Begierde), AVARICIA (Geiz), IDOLATRIA (G\u00f6tzendienst), INVIDIA (Neid), IRA (Zorn), LUXURIA (Prunk-, Genusssucht)&nbsp;Wandung, umlaufend: PECCATU[M] (S\u00fcnde), DOLUM (Hinterlist), ODLUS [Odium] (Rachsucht) | [VAN]AG[LO]RIA (Eitelkeit), PIGRICIA (Tr\u00e4gheit),&nbsp;<\/em><em>[D]E[S]PERATIA [-IO] (Verzweiflung) | [DIS]SENSIO (Zwietracht), TRISTICIA (Traurigkeit), [F]UROR (Wut, Raserei) | [I]N[M]UNDICIA (Unehrlichkeit),&nbsp;MALICIA (Bosheit), EBRIETAS (Trunksucht) | FRAUS (Verbrechen, Betrug), CRAPULA (V\u00f6llerei), [A]EMULATIO (Eifersucht) | AMBICIO (Ehr-, Ruhmsucht),&nbsp;<\/em><em>CONTENTIA [-IO] (Streitsucht), SUSPICIO (Argwohn),&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1985\/141.&nbsp;Anfang 1984 beim Aushub Rheinufertunnel gefunden, 1985 Ankauf von Antiquit\u00e4ten O. Schmitt K\u00f6ln, f\u00fcr 48.000 DM mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Freunde des K\u00f6lnischen Stadtmuseums e.&nbsp;V.&nbsp;<\/em><em>Foto: rba_KSM1985_141<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Ulrich Bock<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im territorialen Bereich der deutschen Hanse in Nord- und Nordosteuropa wurden zahlreiche Bronzeschalen gefunden. 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