{"id":375,"date":"2021-10-13T17:58:08","date_gmt":"2021-10-13T15:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=375"},"modified":"2022-03-08T11:45:32","modified_gmt":"2022-03-08T10:45:32","slug":"missbrauchte-geschichte","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/wegmarken-der-stadtgeschichte\/missbrauchte-geschichte\/","title":{"rendered":"Missbrauchte Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-ksm-featured-image-page\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"missbrauchte-geschichte\">Missbrauchte Geschichte<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Diese Ratsgest\u00fchlwange mit Intarsienarbeiten ist ein Lehrbeispiel f\u00fcr den ideologischen Umgang mit Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus. Hergestellt hat sie der Steinmetz, Bildhauer und Maler Jacob Pabst (1879 bis 1950), der vor dem Machtwechsel 1933 noch f\u00fcr den progressiven Deutschen Werkbund arbeitete, danach aber Auftr\u00e4ge f\u00fcr die Nationalsozialisten \u00fcbernahm. 1938, im Jahr der Annexion \u00d6sterreichs, wurde diese Ratswange in das originale Gest\u00fchl der Renaissance im K\u00f6lner Rathaus eingef\u00fcgt.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"857\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15485__4791731_lo.jpg\" alt=\"Das Bild zeigt eine Intarsienarbeit aus der Zeit des Nationalsozialismus. Zu sehen ist eine Landkarte sowie verschiedene Nationalsozialistische Symboliken.\" class=\"wp-image-857\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15485__4791731_lo.jpg 857w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15485__4791731_lo-257x300.jpg 257w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15485__4791731_lo-768x896.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 857px) 100vw, 857px\" \/><figcaption><strong>Joseph Jacob Pabst: Ratsgest\u00fchlwange, K\u00f6ln, 1938<\/strong>, KSM 1975\/340. Foto: rba_KSM1975_340<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die Ratsgest\u00fchlwange ist ein Lehrbeispiel f\u00fcr den ideologischen und bornierten Umgang mit Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus in K\u00f6ln. In den Jahren 1878\/79 hatte man bei einer Restaurierung des Renaissancegest\u00fchls im politisch durchaus korrekten R\u00fcckgriff auf die Thematik der Innenausstattung des Senatssaales, die dem Status K\u00f6lns als Freie Reichsstadt und der Kaisertreue gewidmet war, noch eine Wange mit dem \u00bbK\u00f6lschen Boor\u00ab eingepasst. Bei der erneuten Instandsetzung 60 Jahre sp\u00e4ter fr\u00f6nte man dem braunen Zeitgeist: \u00bbIm 5. Jahr Adolf Hitlers\u00ab, so beginnt der auf die Annexion \u00d6sterreichs 1938 anspielende Satz, der Hitlers Machtergreifung 1933 und den Einmarsch in \u00d6sterreich mit der \u00bbErneuerung\u00ab des altehrw\u00fcrdigen Saales verkn\u00fcpfte. Die dazugeh\u00f6rigen Daten wurden gleich mitgeliefert \u2013 in den Zwickeln \u00fcber dem Bogenfeld. Das Intarsienfeld einer Landkarte zeigt darunter das um \u00d6sterreich erweiterte \u00bbGro\u00dfdeutschland\u00ab. Signethaft verk\u00fcrzt dargestellte Denkm\u00e4ler symbolisieren die gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte, nicht zu \u00fcbersehen der K\u00f6lner Dom sowie rechts neben Breslau das K\u00f6lner Stadtwappen. Bezeichnend f\u00fcr den Zeitgeist sind das Kanonenboot auf der Ostsee und der \u00fcber allem schwebende Adler, der das unvermeidliche Hakenkreuz in seinen F\u00e4ngen h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Den \u00bbehrenvollen\u00ab Auftrag f\u00fcr die Verunstaltung des Renaissancegest\u00fchls erhielt der K\u00fcnstler Joseph Jacob Pabst (1879\u20131950), der sich in K\u00f6ln seit 1909 in zahlreichen Ausstellungen einen Namen gemacht hatte. Pabst, der noch in der Weimarer Republik zum Gruppenvorsitzenden im Deutschen Werkbund avancierte, hatte mit dem Machtwechsel 1933 und der neuen Kunstpolitik offenbar keine Probleme. Er empfahl sich den Nationalsozialisten 1937 mit einer Beteiligung an der Ausstellung des \u00bbHilfswerks f\u00fcr die deutsche bildende Kunst in der NS-Volkswohlfahrt\u00ab im K\u00f6lnischen Kunstverein. Der ausgebildete Steinmetz, Bildhauer und Maler hatte schon 1929 bei der Innenraumgestaltung des Caf\u00e9 Wien am Hohenzollernring und der CharlottBar in der Br\u00fcckenstra\u00dfe mit Holzintarsien gearbeitet. Als Folgeauftrag nach der Gest\u00fchlwange wurde ihm die Ausf\u00fchrung einer verschollenen Intarsienarbeit f\u00fcr den Speisesaal des st\u00e4dtischen Motorschiffes \u00bbHansestadt K\u00f6ln\u00ab erteilt, das Thema: \u00bbKarte des Gro\u00dfdeutschen Reiches\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Wiederaufstellung des Ratsgest\u00fchls in den 1970er Jahren wurde die Wange begreiflicherweise nicht mehr ber\u00fccksichtigt und an das K\u00f6lnische Stadtmuseum abgegeben. Dort wanderte die historische \u00bbAltlast\u00ab erst einmal ins Depot, denn die museale Aufarbeitung des Nationalsozialismus stand damals noch nicht auf der Tagesordnung, das Museum pr\u00e4sentierte noch die Inszenierung des Jahres 1958, welche das 20. Jahrhundert bewusst ausklammerte. Die j\u00fcngsten Objekte einer Zimmerinszenierung waren Jugendstilm\u00f6bel! Erst mit der Neueinrichtung des Hauses 1984 stellte sich das Museum als eines der ersten historischen Museen im Rheinland in einer eigenen Abteilung dem Thema \u00bb\u203aDrittes Reich\u2039 und Nachkriegszeit 1933\u20131948\u00ab. Die heute stark restaurierungsbed\u00fcrftige Wange wurde folgerichtig als markantes Relikt nationalsozialistischer Ideologie in die Dauerausstellung integriert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><em>Ratsgest\u00fchlwange, K\u00f6ln, Joseph Jacob Pabst, 1938.&nbsp;Inschriften: \u00bb30. Januar 1933\u00ab (Zwickelfeld o. l.),&nbsp;\u00bb12. M\u00e4rz 1938\u00ab (Zwickelfeld o. r.), \u00bbIm 5. Jahr Adolf Hitlers\u00ab (Bogenfeld u. l.)&nbsp;\u00bbin der Zeit der Vereinigung aller Deutschen zu einem Gro\u00dfdeutschland wurde dieser Saal erneuert\u00ab (Bogenfeld u. r.)&nbsp;Eiche, div. Intarsienh\u00f6lzer, H: 120 cm, B: 103 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1975\/340.<\/em> <em>Foto: rba_KSM1975_340<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Ulrich Bock<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Missbrauchte Geschichte Diese Ratsgest\u00fchlwange mit Intarsienarbeiten ist ein Lehrbeispiel f\u00fcr den ideologischen Umgang mit Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus. 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