{"id":356,"date":"2021-10-13T17:53:20","date_gmt":"2021-10-13T15:53:20","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=356"},"modified":"2022-03-12T11:56:26","modified_gmt":"2022-03-12T10:56:26","slug":"protokoll-einer-stadt-in-truemmern","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/grafik-fotografie\/protokoll-einer-stadt-in-truemmern\/","title":{"rendered":"Protokoll einer Stadt in Tr\u00fcmmern"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"protokoll-einer-stadt-in-trummern\">Protokoll einer Stadt in Tr\u00fcmmern<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Als der K\u00f6lner K\u00fcnstler Raffael Becker 1945 aus Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt zur\u00fcckkehrt, findet er K\u00f6ln zerst\u00f6rt vor: 1,5 Millionen Bomben waren w\u00e4hrend des Krieges auf die Stadt gefallen. In den Tr\u00fcmmern seines Elternhauses im Stadtteil S\u00fclz baut er sich eine provisorische Unterkunft, in der er in den folgenden zwei Jahren lebt und arbeitet. In dieser Zeit entstehen seine Zeichnungen vom Leben der K\u00f6lner in den Ruinen, von Not und Hunger, t\u00e4glichem M\u00fchsal, wiederwachendem Alltag, von Schwarzmarkt und Besatzungstruppen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"413\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/685__9193537_lo.jpg\" alt=\"Die Tuschzeichnung aus dem Jahr 1946 zeit zwei Kinder in den Kriegsruinen der Stadt K\u00f6ln. Im Hintergrund ist der K\u00f6lner Dom angedeutet.\" class=\"wp-image-1175\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/685__9193537_lo.jpg 413w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/685__9193537_lo-195x300.jpg 195w\" sizes=\"(max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><figcaption><strong><strong>Raffael Becker: De Mama h\u00e4t jesaat, wenn dr decke Pitter widder l\u00fcck, es alles widder jot<\/strong>, <\/strong>K\u00f6ln, 1946. Foto: rba_d030589<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Mit dem 1.000-Bomber-Angriff in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 begannen die gro\u00dfen Luftangriffe auf K\u00f6ln. Was die Luftwaffe im von Nazi-Deutschland entfesselten Krieg in Warschau, Rotterdam oder Coventry anrichtete, schlug nun auf die deutschen St\u00e4dte zur\u00fcck. In K\u00f6ln etwa beim Angriff am 29. Juni 1943, im Oktober 1944 und beim letzten gro\u00dfen Luftangriff auf die K\u00f6lner Altstadt am 2. M\u00e4rz 1945. Bis 1945 sollen 1,5 Millionen Bomben auf K\u00f6ln gefallen sein, was insgesamt etwa 20.000 Opfer gefordert haben soll. Vier Tage sp\u00e4ter, am 6. M\u00e4rz 1945, befreiten US-Truppen das linksrheinische K\u00f6ln, wo nur noch etwa 40.000 Menschen hausten. F\u00fcr sie war der Krieg zu Ende. Ab dem Sommer 1945 kehrten die K\u00f6lner zur\u00fcck in ihre Stadt. Wie w\u00fcrden sie zurechtkommen inmitten von Zerst\u00f6rung, Not und Hunger?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Raffael Becker kehrte im Jahr 1945 aus der&nbsp;Kriegsgefangenschaft zur\u00fcck. Als er \u00fcber die Neusser Stra\u00dfe auf den Adolf-Hitler-Platz (den heutigen Ebertplatz) zulief, fand er die Stadt in Tr\u00fcmmern. Allein der Dom \u00fcberragte, einem Torso gleich, die Tr\u00fcmmerw\u00fcste. \u00bbZutiefst ber\u00fchrt, erschrocken und ersch\u00fcttert kam dann sp\u00e4ter auch eine Art von Gl\u00fccksgef\u00fchl auf. Man war wieder zu Hause\u00ab \u2013 und man lebte. Sein Weg f\u00fchrte ihn direkt nach S\u00fclz, wo er und seine Familie vor dem Krieg gelebt hatten. Der junge Graphiker fing an, sich in den Tr\u00fcmmern seines Elternhauses eine notd\u00fcrftige Unterkunft aus Dachlatten und Linoleum zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier entstanden zwischen 1945 und 1947 seine Bilder vom Leben der K\u00f6lner in den Ruinen \u2013 Zeichnungen mit Bleistift und Tusche. Teils farbig aquarelliert und doppelseitig, versah er die Zeichnungen mit k\u00f6lschen Kommentaren, Titeln oder Dialogen. Das Papier hierzu tauschte oder fand Becker auf seinen \u00bbVersorgungswegen\u00ab quer durch die Stadt. Teilweise nutzte er auch die R\u00fcckseiten von Werken, die er vor dem Krieg anfertigte und die den Bombenkrieg in Mappen im Keller seines Elternhauses \u00fcberstanden hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Jahre hinweg fertigte er so ein pr\u00e4zises Protokoll der Lebensumst\u00e4nde der K\u00f6lner an. Ob Not und Hunger, t\u00e4gliche M\u00fchsal, wiedererwachender Alltag, Schwarzmarkt, \u00bbFringsen\u00ab, der Umgang mit den Besatzungstruppen oder einfach nur das&nbsp;Spiel der Kinder inmitten der zerst\u00f6rten Veedel \u2013 Becker dokumentierte seine Beobachtungen und Erlebnisse oder brachte aufgeschnappte Wortfetzen ins Bild.<\/p>\n\n\n\n<p>So entstand auch diese Tuschezeichnung, die zwei Geschwister, eingeh\u00fcllt in notd\u00fcrftig zusammengeklaubte Kleidungsreste, zeigt. Unterwegs zu einem unbekannten Ziel durch eine geschw\u00e4rzte Tr\u00fcmmerschlucht, die rechts und links entlang ihres Weges emporragt. Im Hintergrund ragt angedeutet die Silhouette des Doms aus den Tr\u00fcmmern dem Himmel entgegen. Unterschrieben ist das Bild mit den Worten, die zwischen den Geschwistern fielen: \u00bbDe Mama h\u00e4t jesaat, wenn d\u2018r decke Pitter widder l\u00fcck, es alles widder jot\u00ab (Die Mama hat gesagt, wenn der Dicke Pitter wieder l\u00e4utet, ist alles wieder gut). Keinesfalls wird hier das Geschehene der letzten Jahre bagatellisiert und mit dem L\u00e4uten des Dicken Pitter weggewischt und aus den K\u00f6pfen verdr\u00e4ngt. Vielmehr wird durch Bild und Satz, vor dem Grad der enormen Zerst\u00f6rung, Zeugnis abgelegt f\u00fcr die gro\u00dfe Hoffnung und heilende Kraft, die man mit dem Dom in diesen Zeiten verband.<\/p>\n\n\n\n<p>Anl\u00e4sslich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012 schenkte Raffael Becker 27 seiner Nachkriegszeichnungen dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum, darunter auch dieses Bild. Mal bedr\u00fcckend, mal von rheinischem Witz durchdrungen, sind die Bilder dieser Reihe authentische Dokumente der K\u00f6lner Geschichte und geben einen Einblick in eine Zeit, die uns heute so fern erscheint.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Raffael Becker: \u00bbDe Mama h\u00e4t jesaat, wenn dr decke Pitter widder l\u00fcck, es alles widder jot\u00ab, K\u00f6ln, 1946,&nbsp;Tusche auf Papier, H: 50 cm, B: 32,5 cm, Inv.-Nr. G 28341. Foto: rba_d030589<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Stefan Lewejohann<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll einer Stadt in Tr\u00fcmmern Als der K\u00f6lner K\u00fcnstler Raffael Becker 1945 aus Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt zur\u00fcckkehrt, findet er K\u00f6ln zerst\u00f6rt vor: 1,5 Millionen Bomben waren w\u00e4hrend des Krieges auf die Stadt gefallen. 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