{"id":326,"date":"2021-10-13T17:47:37","date_gmt":"2021-10-13T15:47:37","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=326"},"modified":"2023-10-24T11:47:02","modified_gmt":"2023-10-24T09:47:02","slug":"schauprozess-des-polizeistaats","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/wegmarken-der-stadtgeschichte\/schauprozess-des-polizeistaats\/","title":{"rendered":"Schauprozess des Polizeistaats"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"schauprozess-des-polizeistaats\">Schauprozess des Polizeistaats<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Die Zeichnung dokumentiert einen \u00f6ffentlichen &#8220;Kommunistenprozess&#8221; im Jahr 1852 &#8211; vier Jahre nach&nbsp;dem Revolutionsjahr&nbsp;1848.&nbsp;Richter,&nbsp;Staatsanw\u00e4lte, Angeklagte, Verteidiger&nbsp;und Geschworene sind bei der Sitzung&nbsp;im&nbsp;Appellationsgerichtshof ebenso anwesend wie interessierte B\u00fcrger im Vordergrund der Darstellung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/49__2250960_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist die Zeichnung einer Prozessszene. Das Bild zeigt einen Gerichtssaal mit vielen Menschen.\" class=\"wp-image-854\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/49__2250960_lo.jpg 800w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/49__2250960_lo-300x221.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/49__2250960_lo-768x566.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Georg Osterwald:&nbsp;Feder- und Bleistiftzeichnung, 1852<\/strong>.&nbsp;Foto: rba_d033407<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Showdown in K\u00f6ln: Im Gericht, mit \u00d6ffentlichkeit und Geschworenen wie in einem Kinofilm. Den Revolution\u00e4ren von 1848 wird der Prozess gemacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Anklage: Verschw\u00f6rung zum Umsturz. Die Angeklagten: Mitglieder und vermeintliche Anh\u00e4nger des \u00bbBundes der Kommunisten\u00ab. Der Bund, 1847 in London gegr\u00fcndet, beteiligte sich unter anderem mit Marx und Engels an der K\u00f6lner Revolution, war aber seit 1850 zerstritten. Da wurde der Schneider Peter Nothjung mit belastenden Unterlagen aufgegriffen. Man sammelte Beweise. Im Oktober 1852 begann der Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Links erkennt man die Verteidiger, darunter \u00bbDr. Schneider II\u00ab, hinter Gittern \u00bbdie 11 Angeklagten \u00ab: von links nach rechts die \u00c4rzte Roland Daniels und \u00bb\u00fcber dem Kopf der Sphinx\u00ab Abraham Jabobi, der Zigarrenarbeiter Peter Gerhard R\u00f6ser, der Publizist Heinrich B\u00fcrgers, Nothjung und der Verleger Hermann Becker. Angeklagt waren auch der Schneider Friedrich Lessner, der Chemiker Carl Wunibald Otto, der Arzt Johann Jacob Klein, der B\u00fcroangestellte Wilhelm Joseph Reiff und der Bankangestellte Albert Erhard. Der Dichter Ferdinand Freiligrath war nach London gefl\u00fcchtet. Hier lebte auch Marx und lie\u00df sich aus K\u00f6ln berichten, bis die Briefschreiber verhaftet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte sieht man die Richter und die Staatsanw\u00e4lte von Seckendorff und Seadt, rechts die Geschworenen, in der Mehrheit K\u00f6lner Kaufleute. Vorn unter den Zuschauern sind viele Frauen, darunter die Braut Lessners.<\/p>\n\n\n\n<p>Man wollte die Urheber der Revolution entlarven. L\u00e4cherlich, so wurde entgegnet: Dann m\u00fcsse die eine \u00bbH\u00e4lfte der Stadt K\u00f6ln \u00fcber der anderen H\u00e4lfte (&#8230;) zu Gericht sitzen\u00ab. Marx witterte einen \u00bbTendenzproze\u00df\u00ab der Klassenjustiz. Doch einige Geschworenen unterst\u00fctzten die Angeklagten. Preu\u00dfen zeigte sich als Polizeistaat, Varnhagen von Ense \u2013 kein extremer Linker \u2013 notierte: \u00bbpreu\u00dfische Richter, preu\u00dfische Geschworne! Mir ist sehr weh!\u00ab Der Prozess wurde zur Farce, als aufflog, dass das Hauptbeweisst\u00fcck gegen die \u00bbPartei Marx\u00ab gef\u00e4lscht war. Demonstrationen und Solidarit\u00e4tsbekundungen folgten. Die Anklage scheiterte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig tobte: Die Linke habe \u00bbnur in C\u00f6ln &amp; am Rhein Anhang, nicht im alten Preu\u00dfen\u00ab. Die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr politische Straftaten wurde sp\u00e4ter nach Berlin verlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 12. November 1852 war das Gericht vom Milit\u00e4r umstellt. Die Urteile richteten sich gegen politische Gesinnungen. R\u00f6ser, Nothjung und B\u00fcrgers wurden zu sechs, Becker, Otto und Reiff zu f\u00fcnf, Lessner zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, die \u00dcbrigen freigesprochen. Die Staatsanw\u00e4lte wurden vom K\u00f6nig mit dem Adlerorden ausgezeichnet. Daniels starb 1855 an den Folgen der Haft. R\u00f6ser und Nothjung engagierten sich im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, Lessner gr\u00fcndete in London die Labour Party, Jacobi wurde in den USA zum Vater der Kinderheilkunde. Andere machten in K\u00f6ln Karriere: Klein wurde K\u00f6lner Stadtverordneter, Erhard er\u00f6ffnete ein Bankgesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>Becker und B\u00fcrgers, einst Staatsfeinde, wurden im Kaiserreich Wortf\u00fchrer der Fortschrittspartei. Der \u00bbrote Becker\u00ab, so genannt wegen seiner Haarfarbe und politischen Vergangenheit, wurde 1870 Oberb\u00fcrgermeister von Dortmund. 1875 kehrte er triumphal in die ihm einst verbotene Stadt zur\u00fcck: als K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeichnung ist bis heute in Geschichtsb\u00fcchern verbreitet. Das Museum erwarb sie 1897 im K\u00f6lner Auktionshaus Lempertz f\u00fcr 15 Mark. Der Zeichner ist vielleicht Georg Osterwald (1803\u20131884), mit dessen Nachlass sie erworben wurde \u2013 ihr Stil \u00e4hnelt einer anderen Prozesszeichnung aus diesem Konvolut, die von ihm stammt. Der Zeichner nahm die Rolle eines Gerichtsreporters, weniger eines K\u00fcnstlers ein. Er dokumentierte in Bild und Wort ein weit \u00fcber K\u00f6ln hinaus beachtetes Ereignis. Auch der Holzstich, der nach dieser Vorlage am 20. November 1852 in der Leipziger Illustrierten Zeitung erschien, befindet sich im K\u00f6lnischen Stadtmuseum.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><em>Georg Osterwald (?), K\u00f6ln 1852,&nbsp;Bez. unten rechts: IM,&nbsp;Feder- und Bleistiftzeichnung, Blatt: H: 21 cm, B: 32 cm, Motiv: H: 16,3 cm, B: 22,7 cm.&nbsp;Inv.-Nr. HM 1897\/27.&nbsp;Erworben im Auktionshaus Lempertz 1897 f\u00fcr 15 Mark.&nbsp;Foto: rba_d033407<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Mario Kramp<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schauprozess des Polizeistaats Die Zeichnung dokumentiert einen \u00f6ffentlichen &#8220;Kommunistenprozess&#8221; im Jahr 1852 &#8211; vier Jahre nach&nbsp;dem Revolutionsjahr&nbsp;1848.&nbsp;Richter,&nbsp;Staatsanw\u00e4lte, Angeklagte, Verteidiger&nbsp;und Geschworene sind bei der Sitzung&nbsp;im&nbsp;Appellationsgerichtshof ebenso anwesend wie interessierte B\u00fcrger im Vordergrund der Darstellung. 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