{"id":322,"date":"2021-10-13T17:47:10","date_gmt":"2021-10-13T15:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=322"},"modified":"2023-10-24T10:55:40","modified_gmt":"2023-10-24T08:55:40","slug":"wer-den-schaden-hat-braucht-fuer-den-spott-nicht-zu-sorgen","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/grafik-fotografie\/wer-den-schaden-hat-braucht-fuer-den-spott-nicht-zu-sorgen\/","title":{"rendered":"Wer den Schaden hat, braucht f\u00fcr den Spott nicht zu sorgen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"wer-den-schaden-hat-braucht-fur-den-spott-nicht-zu-sorgen\">Wer den Schaden hat, braucht f\u00fcr den Spott nicht zu sorgen<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Dieses Spottblatt&nbsp;bezieht sich auf das&nbsp;Scheitern der Revolution in K\u00f6ln nach der kampflosen Aufgabe der Barrikaden am 25. September 1848.&nbsp;Mit ironischer&nbsp; Schadenfreude stellt der unbekannte K\u00fcnstler das Verhalten der&nbsp;K\u00f6lner Revolution\u00e4re&nbsp;als&nbsp;karnevalistische Belustigung dar.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"601\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/41__2530364_lo.jpg\" alt=\"Man sieht eine Lithografie des Scheiterns der Revolution in K\u00f6ln aus dem Jahr 1848.\" class=\"wp-image-1093\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/41__2530364_lo.jpg 800w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/41__2530364_lo-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/41__2530364_lo-768x577.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong><strong>1848 \u2013 Alaaf C\u00f6ln!<\/strong><br><\/strong>Deutsch, 1848\/49, Lithografie, H: 20 cm, B: 38<strong> <\/strong>cm, Inv.-Nr. HM 1895\/15, Schenkung von Joseph Trimborn, K\u00f6ln<br>Foto: rba_d033414<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Als&nbsp;das Spottblatt&nbsp;entstand, war die 1848er M\u00e4rzrevolution bereits gescheitert. Mit ihr hatte das Volk zwar das deutsche Parlament, die in Frankfurt tagende Nationalversammlung, erk\u00e4mpft, doch hatte die revolution\u00e4re Erhebung gegen die zu dieser Zeit vorherrschenden M\u00e4chte der Restauration und deren politische und soziale Strukturen immer mehr an Elan verloren. Auch in K\u00f6ln gewannen die konservativen Kr\u00e4fte wieder die Oberhand.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Titel \u00bbAlaaf C\u00f6ln!\u00ab bezieht sich der unbekannte Verfasser dieses Blattes auf die K\u00f6lner Ereignisse am 25. September 1848. Ganz bewusst bindet er durch diesen Titel die Rolle des K\u00f6lner Karnevals mit in seine Ironie ein. Seit 1823 galt K\u00f6ln als karnevalistische Hochburg in der Rheinprovinz, und das \u00bbAlaaf C\u00f6ln!\u00ab hatten sich die Jecken als signifikanten Ausruf zu eigen gemacht. Und in der Tat, die Revolution lie\u00df das karnevalistische Treiben in K\u00f6ln fast unber\u00fchrt. Als am 2. M\u00e4rz 1848 die politischen Auseinandersetzungen begonnen hatten, wurde in K\u00f6ln gefeiert, es war schlie\u00dflich Weiberfastnacht. Nat\u00fcrlich gab es in diesem Jahr auch einen Rosenmontagszug; er soll aber weniger witzig gewesen sein! Einziger revolution\u00e4rer Leuchtturm aus dem Bereich des Karnevals war Franz Raveaux (1810\u20131851). Er war nicht nur ein fr\u00fcher Reformer des Karnevals, sondern nutzte ihn geschickt als B\u00fchne der politischen Opposition. Wie auch immer \u2013 die K\u00f6lner hatten ihren Ruf weg, und die Barrikaden im September wurden \u00fcberregional als \u00bbPossenspiel\u00ab und als \u00bbCarnevalsscherz \u00ab karikiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Blatt arbeitet die K\u00f6lner Barrikadengeschichte mit bei\u00dfendem Spott in vier Bildern auf. Die erste Abbildung, oben links, dokumentiert die Vorf\u00e4lle am 25. September, kurz nachdem man erste Barrikaden errichtet hatte. W\u00e4hrend das Milit\u00e4r Kanonen auffahren lie\u00df, kam es zu Pl\u00fcnderungen. Hier sieht man vermutlich den Einbruch in einen \u00bbTuchladen in einer Nebenstra\u00dfe Ober Marspforten\u00ab, der ganz gepl\u00fcndert wurde, was \u00f6ffentlich f\u00fcr Furore sorgte. Sp\u00e4testens hier muss man sich fragen: Wo war die K\u00f6lner B\u00fcrgerwehr? Sie hatte doch schlie\u00dflich die Hauptaufgabe, mit n\u00e4chtlichen Kontrollen Ruhest\u00f6rungen, Krawalle und eben Einbr\u00fcche zu unterbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitglieder der B\u00fcrgerwehr galten in K\u00f6ln aber als Versager. Dies zeigt auch das zweite Bild unserer Lithografie. Mit \u00bbAch w\u00e4hrt ihr zu Hause geblieben\u00ab und \u00bbBarrikade an der Schildergasse\u00ab nimmt es Bezug auf den relativ chaotischen und wohl auch spontanen Bau von circa 30 bis 40 Barrikaden in K\u00f6ln. Anscheinend bestand aber an einer Verteidigung der Barrikaden vonseiten der K\u00f6lner Revolution\u00e4re kein Interesse. Sie gingen lieber nach Hause oder ins Wirts- bzw. Kaffeehaus. Inzwischen bauten Soldaten und st\u00e4dtische Arbeiter die Barrikaden wieder ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Festungskommandantur proklamierte am 25. September den Belagerungszustand \u00fcber K\u00f6ln und l\u00f6ste die B\u00fcrgerwehr am 26. September 1848 auf. Dieser Vorgang leitet \u00fcber zum dritten Bild. Die \u00dcberschrift \u00bbFreiheit und Republik\u00ab spielt hier ironisch mit der ersten Abbildung. Dargestellt ist die Abgabe der Waffen. Von \u00fcber 5.000 Gewehren wurden nur 240 nicht abgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vierte und letzte Bild zeigt einen Grabstein zum K\u00f6lner Barrikadenbau: \u00bbHier ruhen in Frieden die C\u00f6lner Barrikaden\u00ab. F\u00fcr die Zeit nicht ungew\u00f6hnlich sind die in den Bildern abgebildeten \u00bbpissenden\u00ab und \u00bbkackenden\u00ab Hunde oder der auf das Barrikadendenkmal urinierende preu\u00dfische Soldat. Diese deftigen Darstellungen gingen einher mit der damaligen Sprache. Schon 1845 konnte man auf einem Plakat in K\u00f6ln lesen: \u00bbBerliner Kotzw\u00fcrste (&#8230;) Man kann sie unverlangt umsonst haben (&#8230;) als laxativ, palliativ und purgativ zu empfehlen (&#8230;).\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich stammt das kleine \u00bbSpottblatt\u00ab aus der Hand eines K\u00fcnstlers, den man dem Mittelstand und\/oder dem B\u00fcrgertum zuordnen muss. Gerade hier hatte das preu\u00dfische Milit\u00e4r neue Sympathien gewonnen. Geschenkt wurde dieses Blatt dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum vom K\u00f6lner Rechtsanwalt und Justizrat Joseph Trimborn (1852\u20131922). Er ruht still auf der Mittelachse des K\u00f6lner Friedhofs Melaten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Michael Euler-Schmidt<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer den Schaden hat, braucht f\u00fcr den Spott nicht zu sorgen Dieses Spottblatt&nbsp;bezieht sich auf das&nbsp;Scheitern der Revolution in K\u00f6ln nach der kampflosen Aufgabe der Barrikaden am 25. 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