{"id":320,"date":"2021-10-13T17:46:54","date_gmt":"2021-10-13T15:46:54","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=320"},"modified":"2023-10-24T10:08:32","modified_gmt":"2023-10-24T08:08:32","slug":"ritterschlag-oder-tod-ein-spiel-fuer-die-jugend","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/alltagsobjekte\/ritterschlag-oder-tod-ein-spiel-fuer-die-jugend\/","title":{"rendered":"Ritterschlag oder Tod \u2013 ein Spiel f\u00fcr die Jugend"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"ritterschlag-oder-tod-ein-spiel-fur-die-jugend\">Ritterschlag oder Tod \u2013 ein Spiel f\u00fcr die Jugend<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Das Mittelalter war im 19.&nbsp;Jahrhundert beliebt. Bei diesem Spiel wartete am Ende der Tod \u2013 oder der Ritterschlag auf die Spieler. Der Jugend wurden nebenbei spielerisch b\u00fcrgerliche Bildung und angemessenes Sozialverhalten vermittelt.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"408\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/159__9361776_lo.jpg\" alt=\"Ein Brettspiel aus dem Jahr 1845.\" class=\"wp-image-1088\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/159__9361776_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/159__9361776_lo-300x193.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong><strong>\u201eRITTER-SPIEL \u2013 ein Gesellschaftsspiel f\u00fcr die Jugend\u201c,<\/strong><\/strong>&nbsp;um 1845. Foto: rba_d033557_02<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Im 19. Jahrhundert war die Kindheit als eigenst\u00e4ndiger Lebensbereich so weit in Ober- und Mittelschichten verankert, dass sich die Produktion von Spielzeug in h\u00f6heren Auflagen, also jenseits des handwerklich oder privat hergestellten Einzelprodukts, lohnte: Das Spiel musste erst einmal entwickelt, f\u00fcr Ritterfiguren aus Keramik Modelle hergestellt, der Spielplan nach einem k\u00fcnstlerischen Entwurf gedruckt, ansprechende Verpackungen produziert werden \u2013 das rechnete sich erst ab einer gewissen Verkaufsmenge. Dabei muss man sich aber vor Augen halten, dass die \u00fcberwiegende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung sich nichts Derartiges leisten konnte. In Deutschland lebten erst nach der Reichsgr\u00fcndung 1871 h\u00f6chstens zehn Prozent der Familien ohne materielle Sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGesellschaftsspiele\u00ab \u2013 namentlich solche \u00bbf\u00fcr die Jugend\u00ab (womit meist die m\u00e4nnliche Jugend gemeint war) \u2013 hatten neben dem Aspekt des (kontrollierten) Zeitvertreibs auch erzieherische Aufgaben: Sie vermittelten \u00bbb\u00fcrgerliches Bildungswissen\u00ab, aber auch angemessenes Sozialverhalten beim Gewinnen und Verlieren, das Einhalten ziemlich willk\u00fcrlich gesetzter Regeln, das Vermitteln b\u00fcrgerlicher Moralvorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei orientierte man sich aber durchaus am Zeitgeist, und der schw\u00e4rmte \u2013 nicht zuletzt im Zuge der Thronbesteigung des \u00bbRomantikers auf dem Thron\u00ab, des preu\u00dfischen K\u00f6nigs Friedrich Wilhelm IV. \u2013 f\u00fcr alles, was mit Mittelalter und Rittern zu tun hatte, seien es Rheinburgen, der K\u00f6lner Dom oder eben Ritter. Bis zum Ende des Zweiten Kaiserreichs blieb zudem die Nobilitierung, also quasi der \u00bbRitterschlag\u00ab, der Wunschtraum vieler Deutscher.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Spielplan, der zusammengeklappt in einem Pappschuber aufbewahrt wurde und der in der Mitte im Weinlaub Lanze, Helm und Schwert zwischen K\u00f6lner Stadt- und Reichswappen zeigt, kann man in 62 Spielfeldern den Weg zum Ritter gehen. Bis dahin begegnen den Spielern allerlei mittelalterliche Gestalten wie Jakobspilger, Zwerg, Bettelm\u00f6nch, Eremit sowie Baulichkeiten wie Gasth\u00e4user und Burgen. Auch K\u00f6ln erscheint mit Dombaustelle und Bayenturm. Die Spieler k\u00f6nnen positive \u00dcberraschungen erleben, aber ebenso im Kerker landen. Am Ende gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Springt man auf Spielfeld 60, f\u00e4llt man auf dem&nbsp;Feld der Ehre und wird ritterlich beerdigt. Spielfeld 61 hingegen bietet den Ritterschlag, so kann man in Feld 62 zwischen die Turnierschranken treten. Leider fehlt die Spielanleitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die acht wei\u00dfen Spielfiguren sind aus Porzellan, alle stehen auf gr\u00fcnem Gras, haben einen schwarzen Bart, grauen Helm und einen grau-orangfarbenen Schild. Die Zahlen \u00bb1\u00ab bis \u00bb8\u00ab sind nicht nur aufgemalt, jede einzelne Zahlen-Figur wurde in einer eigenen Form hergestellt. M\u00f6glicherweise stammen sie aus einer der K\u00f6lner Porzellanmanufakturen: Engelbert Cremer &amp; Sohn in Nippes, J. W. Bruckmann S\u00f6hne in Deutz oder Wirz &amp; Riffart, ebenfalls in Nippes. Der Verleger \u00bbFriedr. Werner\u00ab ist in K\u00f6lner Adressb\u00fcchern nicht nachweisbar, m\u00f6glicherweise nutzte jemand ein Pseudonym.<\/p>\n\n\n\n<p>Hingegen handelt es sich bei dem Gestalter des Spielbretts, David Levy Elkan, um den renommiertesten K\u00f6lner Lithographen seiner Zeit. Er wurde 1808 als David Levy in K\u00f6ln geboren, seine Eltern hatten sich drei Jahre zuvor in K\u00f6ln niedergelassen. Im Zuge der napoleonischen Verordnungen nahm der Vater, ein j\u00fcdischer Privatlehrer, den Familiennamen Elkan an. David absolvierte eine handwerkliche Ausbildung, die er 1834\/35 mit dem Meistertitel abschloss. Um 1837 gr\u00fcndete er eine Steindruckerei, die er sp\u00e4ter um Kupfer- und Stahlstichateliers erweiterte. Schnell wurden seine kolorierten Arbeiten im Stil mittelalterlicher Miniaturen beliebt. Seine bedeutendsten Auftraggeber waren die katholische Kirche und der ZentralDombau-Verein. Der Lokalpatriot David Levy Elkan engagierte sich zeitlebens nicht nur f\u00fcr die j\u00fcdische Emanzipation, er war auch ein aktiver 1848er. 1859 zog er mit seiner gro\u00dfen Familie nach D\u00fcsseldorf, wo er das bankrotte Unternehmen Arnz &amp; Cie \u00fcbernommen hatte und es als Lithogr. Inst. Levy Elkan, B\u00e4umer &amp; Cie bis 1864 fortf\u00fchrte. In diesem Jahr kehrte er nach K\u00f6ln zur\u00fcck. Hier erlag er am 1. Juli 1865 beim Besuch des Sabbatgottesdienstes in der Synagoge einem Schlaganfall.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Figuren und W\u00fcrfel zum RITTER-SPIEL. Acht bemalte Ritterfiguren, nummeriert 1 bis 8, und zwei W\u00fcrfel aus Porzellan in einem Pappkarton mit blauem Etikett mit goldener Aufschrift, Karton B: 12,8 cm, T: 4,3 cm, H: 2,2 cm, Inv.-Nr. HM 1892\/67. Tausch mit Frhr. Bart. Marx, K\u00f6ln-Nippes [dort aber 1891\/92 nicht nachweisbar] gegen Kinderspielzeug-Figuren und einen Steinzeug-Krug im Wert von 52 Mark.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>zugeh\u00f6rig: Das RITTER-SPIEL \u2013 ein Gesellschaftsspiel f\u00fcr die Jugend. Spielplan auf Pappe, auseinandergeklappt 54,2 x 37,9 cm, Schuber 26 x 20 cm, Farblithografie von David Levy Elkan, hg. v. Friedrich Werner, Koln, um 1845, Inv.-Nr. HM 1910\/307. Spielplan: Ankauf von Wilh. Volck, K\u00f6ln-Lindenthal.&nbsp;<br><\/em><em>Foto: rba_d033557_02<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Rita Wagner M. A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Mittelalter war im 19.\u00a0Jahrhundert beliebt. Bei diesem Spiel wartete am Ende der Tod \u2013 oder der Ritterschlag auf die Spieler. Der Jugend wurden nebenbei spielerisch b\u00fcrgerliche Bildung und angemessenes Sozialverhalten vermittelt.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1088,"parent":141,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-320","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10911,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/320\/revisions\/10911"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}