{"id":318,"date":"2021-10-13T17:46:39","date_gmt":"2021-10-13T15:46:39","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=318"},"modified":"2022-03-08T11:43:52","modified_gmt":"2022-03-08T10:43:52","slug":"wiedervereinigung-1813","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/wegmarken-der-stadtgeschichte\/wiedervereinigung-1813\/","title":{"rendered":"Wiedervereinigung 1813"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-ksm-featured-image-page\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"wiedervereinigung-1813\">Wiedervereinigung 1813<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Nach der kampflosen \u00dcbergabe des Stadtschl\u00fcssels an die Franzosen 1794 war f\u00fcr K\u00f6ln die Zeit der Freien Reichsstadt beendet. Seit dem Frieden von Lun\u00e9ville von 1801 geh\u00f6rte K\u00f6ln auch v\u00f6lkerrechtlich zu Frankreich. Die K\u00f6lner mussten nun nicht nur Franz\u00f6sisch lernen, sondern sich auch an zweisprachige Stra\u00dfenschilder gew\u00f6hnen. Mit der \u00dcbersetzung der Stra\u00dfennamen wurde Professor Ferdinand Franz Wallraf beauftragt. Der aufkl\u00e4rerische Wallraf nutzte die Gelegenheit zu einer Bereinigung vormals vulg\u00e4rer oder ihm l\u00e4cherlich erscheinender Stra\u00dfennamen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"782\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15319__0897313_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein altes K\u00f6lner Stra\u00dfenverzeichnis. Dieses ist sehr eng beschrieben.\" class=\"wp-image-848\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15319__0897313_lo.jpg 782w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15319__0897313_lo-235x300.jpg 235w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/15319__0897313_lo-768x982.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 782px) 100vw, 782px\" \/><figcaption><strong>Franz\u00f6sisches Stra\u00dfenverzeichnis f\u00fcr K\u00f6ln, K\u00f6ln, Januar 1813<\/strong>. Foto: rba_d033413<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Vielleicht war es ein Fehler, ausgerechnet Ferdinand Franz Wallraf ein franz\u00f6sisches Stra\u00dfenverzeichnis f\u00fcr K\u00f6ln anlegen zu lassen. Die Beh\u00f6rden ahnten nicht, wie weit der emsige Gelehrte gehen w\u00fcrde. So viele Um- und Neubenennungen hatten sie gar nicht gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als die Deutschen nach 1871 bei der Germanisierung des Elsass gingen die Franzosen im Rheinland, das 1812 schon 18 Jahre unter ihrer Herrschaft stand, eher oberfl\u00e4chlich vor. Ein \u00bbRue\u00ab vor dem alten Stra\u00dfennamen gen\u00fcgte. Der Unterpr\u00e4fekt des Rur-Departements Klesp\u00e9 und der K\u00f6lner Maire von Wittgenstein entzogen dem n\u00f6rgelnden Wallraf das Manuskript und \u00fcbergaben es der Druckerei Thiriart zur Revision.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher: Die Neuordnung der Adressen im Gassengewirr der 45.000-Einwohner-Stadt war n\u00f6tig. Schon seit 1760 hatte die Verwaltung erfolglos versucht, H\u00e4user nummerieren zu lassen. Die Stra\u00dfennamen orientierten sich mehr oder weniger an alten Flurbezeichnungen, an der N\u00e4he zu Kirchen oder an Berufen der hier einst Ans\u00e4ssigen. Ein Wunder, dass Briefe aus Rom und Paris \u00bban Prof. Wallraf \/ C\u00f6ln\u00ab ohne jede weitere Information \u00fcberhaupt ankamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verzeichnis von 1813 folgt der neuen Aufteilung K\u00f6lns in \u00bbSectionen\u00ab nach Pariser Vorbild. Links steht jeweils der neue franz\u00f6sische Stra\u00dfenname in lateinischen Lettern, daneben in Fraktur als Orientierung die deutsche Bezeichnung \u2013 und rechts der alte, nun abgeschaffte Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Wallraf nutzte die Gelegenheit f\u00fcr umfassende Umbenennungen. Die Verbundenheit K\u00f6lns mit der romanischen Kultur und mit Frankreich sollte betont werden. Also hob er die r\u00f6mischen Wurzeln hervor: aus dem Malzb\u00fcchel wurde Place Agrippine\/Agrippinaplatz (erste Spalte Mitte), aus dem G\u00fclichplatz der Place Jules C\u00e9sar\/Juliusplatz (dritte Spalte Mitte). Den Anschluss des Rheinlands an Frankreich sah er als \u00bbWiedervereinigung\u00ab \u2013 schlie\u00dflich seien auch die K\u00f6lner Franken. So hie\u00df der Domhof nun Place Charlemagne\/ Kaiser-Karls-Platz (dritte Spalte oben) und mit der&nbsp;Umbenennung des Elogiusplatzes in Place Clovis\/ Clovis-Platz (erste Spalte Mitte) erhielt K\u00f6ln seinen ersten Chlodwigplatz \u2013 schlie\u00dflich sei K\u00f6ln durch Chlodwigs Sieg bei Z\u00fclpich 496 \u00bbdie Wiege der fr\u00e4nkischen Monarchie\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wallraf schaffte auch alte Stra\u00dfennamen ab, die \u00bbvulg\u00e4r, l\u00e4cherlich oder weder in Franz\u00f6sisch noch in gutes Deutsch \u00fcbersetzbar\u00ab seien. Wichtiger als historische Wahrheit war ihm die historische W\u00fcrde K\u00f6lns: \u00bbKostga\u00df, Kotzga\u00df, Trankga\u00df sind P\u00f6belerfindungen! Als wenn man dort gegessen oder hier getrunken und dort gekotzt h\u00e4tte!\u00ab So wurde aus der Kotzgasse, wo die Kotzmenger im Armenviertel minderwertiges Fleisch feilboten, ein Areal f\u00fcr Feinschmecker: die Kostgasse bzw. Rue des Traiteurs (rechte Spalte oben).<\/p>\n\n\n\n<p>Ironie der Geschichte: Als K\u00f6ln 1813 franz\u00f6sische Stra\u00dfennamen erhielt, war das Ende der Franzosenzeit besiegelt. 1816 lie\u00dfen die Preu\u00dfen manches r\u00fcckg\u00e4ngig machen: Der Napoleonsplatz\/ Place Napol\u00e9on (linke Spalte unteres Drittel) hie\u00df nun wieder Augustinerplatz, auch Malzb\u00fcchel, Neumarkt, Alter Markt und G\u00fclichplatz erhielten ihre alten Namen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch vieles blieb, etwa die Rue de l\u2018Arsenal, die bis heute Zeughausstra\u00dfe hei\u00dft \u2013 am K\u00f6lnischen Stadtmuseum ist die steinerne zweisprachige Stra\u00dfenbezeichnung erhalten, wie auch an Hahnenpforte, Eigelsteintor und der Krebsgasse. Das Stra\u00dfenverzeichnis von 1813 ist ein Paradigmenwechsel. Seitdem benannte man Stra\u00dfen nach historischen Themen und Gestalten. Wallrafs Methode setzte sich durch: Die Stadt als Geschichtsbuch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Stra\u00dfenverzeichnis stammt aus dem Besitz von Gustav Michels, einem K\u00f6lner Gro\u00dfb\u00fcrger und Kaufmann. Er war in Aufsichtsr\u00e4ten mehrerer Bankh\u00e4user vertreten und seit 1891 Pr\u00e4sident der K\u00f6lner Handelskammer. Der Nationalliberale war Stadtverordneter, geh\u00f6rte dem ProvinzialLandtag und dem preu\u00dfischen Herrenhaus an.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwerpunkte seiner Arbeit waren Verkehr und Stadtentwicklung K\u00f6lns \u2013 vielleicht r\u00fchrt daher sein Interesse an diesem wertvollen Dokument der Franzosenzeit, das er 1902 dem Historischen Museum schenkte. Sein eigenes Portr\u00e4t von der Malerin Sophie Koner wurde \u00fcbrigens 1964 dem Museum geschenkt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em><em>Franz\u00f6sisches Stra\u00dfenverzeichnis f\u00fcr K\u00f6ln: \u00bbTableau des noms de rues, places, quais, boulevards et remparts de la ville de Cologne, suivant l\u2019arr\u00eat\u00e9 de Monsieur le Maire en date du 16 d\u00e9cembre 1812,&nbsp;approuv\u00e9 par l\u2019Autorit\u00e9 d\u00e9partementale le 18 janvier 1813 \/ Namen=Verzeichnis der Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze, Werfte, Graben und W\u00e4lle der Stadt K\u00f6ln, gem\u00e4\u00df dem&nbsp;Beschlu\u00df des Herrn Maire vom 16. Dezember 1812, genehmigt von der Departemental=Autorit\u00e4t den 18. Januar 1813\u00ab.&nbsp;Druckerei Th. F. Thiriart, K\u00f6ln, Januar 1813, Druck auf Papier, H: 59,4 cm, B:&nbsp;45,5&nbsp;cm,&nbsp; Inv.-Nr. HM 1902\/240. Foto: rba_d033413<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Mario Kramp<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiedervereinigung 1813 Nach der kampflosen \u00dcbergabe des Stadtschl\u00fcssels an die Franzosen 1794 war f\u00fcr K\u00f6ln die Zeit der Freien Reichsstadt beendet. Seit dem Frieden von Lun\u00e9ville von 1801 geh\u00f6rte K\u00f6ln auch v\u00f6lkerrechtlich zu Frankreich. 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