{"id":262,"date":"2021-10-13T17:29:44","date_gmt":"2021-10-13T15:29:44","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=262"},"modified":"2023-10-24T11:32:19","modified_gmt":"2023-10-24T09:32:19","slug":"aufstand-im-strandbad-britz-und-zwickelerlass","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/mode-textiles\/aufstand-im-strandbad-britz-und-zwickelerlass\/","title":{"rendered":"Aufstand im Strandbad \u2013 Britz und Zwickelerlass"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"aufstand-im-strandbad-britz-und-zwickelerlass\">Aufstand im Strandbad \u2013 Britz und Zwickelerlass<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Im 19. Jahrhundert kam das Schwimmen in Mode \u2013 auch f\u00fcr die Damenwelt. Anf\u00e4nglich&nbsp;in lange Beinkleider, Str\u00fcmpfe, Blusen und H\u00e4ubchen gekleidet, durften&nbsp;die Schwimmerinnen im Laufe der Jahrzehnte immer mehr nackte Haut zeigen. Bis 1900 hatte sich die Mode liberalisiert und um 1910 trug die sportbegeisterte Frau dann schon solche gewagten Einteiler, die Arme und Beine teilweise unbedeckt lie\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"447\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/507__7207696_lo.jpg\" alt=\"Man sieht einen roten Stoffanzug. Dieser hat R\u00fcschen an den \u00c4rmeln.\" class=\"wp-image-1377\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/507__7207696_lo.jpg 447w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/507__7207696_lo-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Damenbadeanzug,&nbsp;<\/strong>um 1912.&nbsp;Foto: rba_d033459<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Bereits 1817 er\u00f6ffnete in Deutz eine Rhein-Badeanstalt. Allerdings war die nicht zum Schwimmen, sondern diente der K\u00f6rperpflege. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten gerade einmal f\u00fcnf Prozent der K\u00f6lner Bev\u00f6lkerung schwimmen. Um die Mitte des Jahrhunderts boten die Rheinbadeschiffe auch Schwimmbahnen an, zun\u00e4chst jedoch nur f\u00fcr M\u00e4nner. Frauen wurde das Schwimmen durch unpraktikable Kleidung noch zus\u00e4tzlich erschwert: Ihr Badekost\u00fcm bestand aus langen Beinkleidern, Str\u00fcmpfen, Blusen oder Leibchen und nat\u00fcrlich H\u00e4ubchen. Trotzdem durften sie nur schwimmen, wenn es keine m\u00e4nnlichen Zuschauer gab. Um die Jahrhundertwende hatte sich die Situation ver\u00e4ndert. Die Anf\u00e4nge des Frauensports im Allgemeinen markieren den Aufbruch der Frauen aus der Isolation der Privatsph\u00e4re und der Ausgrenzung aus dem \u00f6ffentlichen Leben: \u00bbDie geistige Befreiung des weiblichen Geschlechts war untrennbar verbunden mit seiner k\u00f6rperlichen Befreiung.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>1903 wurde in K\u00f6ln der Erste Damen-SchwimmVerein gegr\u00fcndet, 1909 folgte der DamenSchwimm-Klub \u00bbRheingold\u00ab, 1911 die Damenabteilung des Schwimm-Vereins \u00bbRhenus\u00ab und 1913 schlie\u00dflich der Damen-Schwimm-Verein \u00bbPoseidon\u00ab. Aber selbst Schwimmwettk\u00e4mpfe durften nur ohne m\u00e4nnliche Zuschauer stattfinden. R\u00fcckenschwimmen galt gar als schamlos und war verp\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo schwamm man und frau? 1886 \u00f6ffnete in K\u00f6ln mit dem Hohenstaufenbad das erste Hallenbad \u2013 hier gab es nicht nur gesonderte Becken f\u00fcr \u00bbHerren\u00ab und \u00bbDamen\u00ab, sondern auch noch eines f\u00fcr das \u00bbVolk\u00ab, womit gleich klar war \u2013 Frauen der Unterschicht schwammen nicht. Neben den Rheinbadeschiffen gab es zahlreiche Badestellen direkt am Rhein, die aber durchweg nur von M\u00e4nnern genutzt wurden. \u00d6ffentlich badende Frauen riefen jedes Mal emp\u00f6rte Reaktionen hervor. Gleichzeitig wurde \u00bbwildes Baden\u00ab im Zuge der Lebensreformbewegung zum Massenph\u00e4nomen. Baden und Schwimmen im offenen Wasser, ohne Absperrung und ohne Aufsicht, nahmen viele als neue Freiheit wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Da immer wieder Todesopfer unter den Schwimmern zu beklagen waren, gab es bald auch Strandb\u00e4der mit streng nach Geschlechtern getrennten&nbsp;Schwimmbereichen. 1912 \u00f6ffnete das Strandbad in Rodenkirchen, wegen des langen Sandstrands bis heute als \u00bbRodenkirchener Riviera\u00ab bekannt. Hier trennte ein Zaun, die \u00bbBritz\u00ab, den M\u00e4nner- vom Frauen- und Kinderteil. Am 3. August 1913 wagten die m\u00e4nnlichen G\u00e4ste den Aufstand \u2013 sie rissen die \u00bbBritz\u00ab nieder und verlebten einen sch\u00f6nen Sommertag mit ihrer Familie. Zehn Tage sp\u00e4ter stand der Zaun wieder. Zum Familienbad wurde Rodenkirchen erst 1919.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcdlich von K\u00f6ln, im Strandbad Langel auf der Sch\u00e4l Sick, zeigte man mehr Toleranz. Hier befand sich ein richtiges Familienbad, zu dem die K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner mit dem Dampfer \u00fcbersetzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile war die Bademode auch f\u00fcr Damen funktionaler geworden. Weiterhin bestand sie aber aus Jacke und Hose \u2013 das war nicht nur eine Frage von Sitte und Anstand, die Dame von Welt wollte ihre Porzellanhaut bewahren. Noch war Sonnenbr\u00e4une kein Zeichen f\u00fcr M\u00fc\u00dfiggang, sondern eines f\u00fcr harte Feldarbeit. Allm\u00e4hlich setzten sich Einteiler durch, Hosenbeine und \u00c4rmel verk\u00fcrzten sich zusehends \u2013 zun\u00e4chst gab es noch Fl\u00fcgel\u00e4rmchen, etwas weitere Ausschnitte und knielange Hosen mit Volants.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wilden Zwanziger brachten auch in der Bademode viel Freiz\u00fcgiges. Dies war den konservativen Kreisen in Deutschland nicht geheuer, sie sahen die Moral in Gefahr. 1932 wurde zwar die Geschlechtertrennung in den \u00f6ffentlichen Badeanstalten aufgehoben, aber dieser Freiz\u00fcgigkeit gleich wieder Einhalt geboten und mit dem \u00bbZwickelerlass\u00ab festgelegt, welche Teile des K\u00f6rpers beim Baden zu verh\u00fcllen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser f\u00fcr seine Zeit durchaus gewagte einteilige Badeanzug wurde von der 1872 geborenen Mutter der Schenkerin Inge Wilkens aus Bonn-Langsdorf in den deutschen Nordseeb\u00e4dern getragen.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Damenbadeanzug, Norddeutsch?, um 1912. Roter Baumwoll-K\u00f6per, L:&nbsp;110&nbsp;cm,&nbsp; Inv.-Nr. KSM&nbsp;1970\/225.&nbsp;Schenkung von Inge Wilkens, Bonn-Langsdorf, aus Familienbesitz, 1970. Foto: rba_d033459<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Rita Wagner M. A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufstand im Strandbad \u2013 Britz und Zwickelerlass Im 19. Jahrhundert kam das Schwimmen in Mode \u2013 auch f\u00fcr die Damenwelt. 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