{"id":260,"date":"2021-10-13T17:29:26","date_gmt":"2021-10-13T15:29:26","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=260"},"modified":"2022-03-14T10:44:09","modified_gmt":"2022-03-14T09:44:09","slug":"unter-den-talaren","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/mode-textiles\/unter-den-talaren\/","title":{"rendered":"Unter den Talaren"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"unter-den-talaren\">Unter den Talaren<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Die Uniformierung der wilhelminischen Gesellschaft umfasste alle Bereiche, auch das Justizwesen. Darum lie\u00df sich der Wirkliche Geheime Oberjustizrat Dr. Albrecht N\u00fcckel als Zeichen seiner neuen W\u00fcrden eine Hoftracht bei dem darauf spezialisierten Unternehmen Mohr &amp; Speyer anfertigen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"421\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/499__3128342_lo.jpg\" alt=\"Man sieht eine Hoftracht eines Wirklichen Geheimen Oberjustizrats. Er ist in einem dunklen Stoff gehalten und hat am Revier silberne Verzierungen.\" class=\"wp-image-1373\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/499__3128342_lo.jpg 421w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/499__3128342_lo-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><figcaption><strong>Hoftracht des Wirklichen Geheimen Oberjustizrats N\u00fcckel,&nbsp;<\/strong>K\u00f6ln, Mohr &amp; Speyer, 1910. Foto: rba_d033462<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Das Wilhelminische Zeitalter neigte sich dem Ende zu und der Erste Weltkrieg warf schon seine langen Schatten voraus, als ein verdienter K\u00f6lner Jurist am 5. Dezember 1910 in Stettin zum Wirklichen Geheimen Oberjustizrat erhoben wurde. Und sich damit das Recht erwarb, diese neue Hoftracht Erster Klasse, Halbgala, zu festlichen Gelegenheiten zu tragen. Vermutlich gleich am Tag danach ging Dr. Albrecht N\u00fcckel zum Schneider, um sich diese besondere Ausstattung anfertigen zu lassen. Sie folgte den hohen Anspr\u00fcchen und Vorlieben des Kaisers f\u00fcr Uniformen, wie dieser sie im sogenannten Wartburg-Erlass am 1. Mai 1890 festgelegt hatte: Wilhelm II. w\u00fcnschte, dass \u00bbin Beziehung auf die Trachten die sch\u00f6nen Sitten und Gebr\u00e4uche fr\u00fcherer Zeit wiederum zur Geltung gelangen\u00ab \u2013 wobei g\u00e4nzlich offenblieb, welche Sitten und Gebr\u00e4uche Ihre Majest\u00e4t da genau meinte. F\u00fcr die Schneiderzunft war es n\u00e4mlich nur ein \u00bbm\u00e4\u00dfig anliegendes Phantasie-Jacket\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Wunsch seines Monarchen entsprach der stets als treu ergeben bezeichnete N\u00fcckel wohl nur zu gern, waren doch Auszeichnung und Hoftracht h\u00f6chste Anerkennung f\u00fcr ein Leben im Dienste des Kaiserreichs und seiner Rechtsprechung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie N\u00fcckel war der Domstadt und der Jurisprudenz seit vielen Generationen eng verbunden. Schon Albrecht N\u00fcckels Vorfahr Johann Caspar \u2013 aus Westfalen stammend \u2013 hatte sich im 18. Jahrhundert um die Universit\u00e4t zu K\u00f6ln als Dekan der juristischen Fakult\u00e4t verdient gemacht und diente der Stadt in \u00f6ffentlichen \u00c4mtern. Nachfahre Albrecht, obwohl im fernen Bremen am 6. Oktober 1849 als Sohn eines Kaufmanns geboren, eiferte dem ber\u00fchmten Familienmitglied nach. Das Jurastudium schloss er in Heidelberg mit Auszeichnung ab und machte dann eine steile Karriere. Nach ersten Stationen in Remscheid und Elberfeld erreichte er 1890 als Landgerichtsrat K\u00f6ln, die Stadt seiner Vorfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Juristen war die ehrw\u00fcrdige Domstadt als f\u00fchrender Gerichtsstandort der Rheinprovinz ein lohnendes Bet\u00e4tigungsfeld. Innerhalb weniger Jahre stieg N\u00fcckel auf vom Oberlandesgerichtsrat \u00fcber den Senatspr\u00e4sidenten bis zum Pr\u00e4sidenten des Landgerichts K\u00f6ln 1902. 1906 vor\u00fcbergehend als&nbsp;Oberlandesgerichtspr\u00e4sident nach Stettin gerufen, kehrte er am 1. Januar 1914 zur\u00fcck: als Pr\u00e4sident des K\u00f6lner Oberlandesgerichts \u2013 mit neuen Ehren als Geheimer Wirklicher Oberjustizrat und schicker neuer Einkleidung. Man mag sich lebhaft vorstellen, wie er in dieser Hoftracht die repr\u00e4sentative Treppe im gerade fertiggestellten monumentalen neubarocken Justizgeb\u00e4ude am Reichenspergerplatz hinaufschritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch N\u00fcckel konnte den Ruhm nicht lange genie\u00dfen: Mitten im Ersten Weltkrieg zwang ihn ein Nierenleiden am 1. Oktober 1916 in den vorzeitigen Ruhestand, am 17. Januar 1917 verstarb er in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Hoftracht verblieb jahrzehntelang wohlverwahrt in Familienbesitz. Zusammen mit anderen Objekten und zahlreichen Graphiken aus dem Besitz von Albrecht N\u00fcckels verschiedenen Nachkommen fand das einst stolz getragene repr\u00e4sentative Gewand des Juristen aus der Kaiserzeit den Weg in das Museum. Ist es eine Ironie der Geschichte, dass es ausgerechnet im Jahr 1968, als die aufbegehrenden Studenten andernorts den \u00bbMuff aus tausend Jahren unter den Talaren\u00ab anprangerten und ein konservatives Weltbild ersch\u00fcttert wurde, von seiner Nachfahrin Elisabeth N\u00fcckel dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum geschenkt wurde?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Hoftracht des Wirklichen Geheimen Oberjustizrats N\u00fcckel, K\u00f6ln, Mohr &amp; Speyer, 1910,&nbsp;Frack und Hose: blauer Wollstoff, Sprengtechnik, Silberstickerei.&nbsp;Weste: cremefarbene Seide und Baumwolle, Litzenbesatz.&nbsp;Zweispitz: schwarzer Filz mit Strau\u00dfenfedern.&nbsp;Degen: Metallklinge, Perlmutt, Lederscheide.&nbsp;Ma\u00dfe des Anzugs: Jacke RL: 97 cm, Hose L: 110 cm; Zweispitz: H: 15 cm, B: 45 cm.&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1968\/801 = T 535.&nbsp;Schenkung von Elisabeth N\u00fcckel, Porz, 1968. Foto: rba_d033462<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Beate Dorfey<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter den Talaren Die Uniformierung der wilhelminischen Gesellschaft umfasste alle Bereiche, auch das Justizwesen. 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