{"id":246,"date":"2021-10-13T17:27:29","date_gmt":"2021-10-13T15:27:29","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=246"},"modified":"2022-03-14T09:53:44","modified_gmt":"2022-03-14T08:53:44","slug":"krieg-im-kinderzimmer","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/militaria\/krieg-im-kinderzimmer\/","title":{"rendered":"Krieg im Kinderzimmer"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"krieg-im-kinderzimmer\">Krieg im Kinderzimmer<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In den 1930er-Jahren, aus denen diese Sammlung von Spielzeugsoldaten stammt, war solches Spielzeug in vielen Kinderzimmern zu finden. Gepr\u00e4gt durch Kriegs- und Gewalterfahrungen in der gesamten ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts passten sich die Spielgewohnheiten der Kinder an diese Realit\u00e4t an. Im Nationalsozialismus wurden sie in staatlich gelenkte Kinder- und Jugendorganisationen gezwungen und auf Krieg getrimmt. Dieses Spielzeug spiegelt die martialische Welt&nbsp;wider, realistisch gearbeitet mit Sanit\u00e4tswagen, Lazarettschwestern und Verwundeten.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"436\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/623__4247500_lo.jpg\" alt=\"Man sieht mehrere Spielzeugsoldaten. Zu sehen sind Soldaten, Sanit\u00e4tswagen, Lazarettschwestern und Verwundete.\" class=\"wp-image-1267\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/623__4247500_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/623__4247500_lo-300x206.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption><strong>Spielzeugsoldaten<\/strong>, Firma Lineol, Brandenburg, 1930er Jahre. Foto: rba_d033530<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts war f\u00fcr die Menschen von regelm\u00e4\u00dfigen Kriegs- und Gewalterfahrungen gepr\u00e4gt: Erster Weltkrieg, Putschversuche in der Weimarer Republik, Verfolgung und polizeiliche Gewalt im Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg. Die Verbreitung von Filmen und Fotos in Wochenschauen und Presse schon ab 1914 verst\u00e4rkten die Wahrnehmung der Kriege in der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der preu\u00dfische Militarismus lief seit der Reichsgr\u00fcndung zu neuen H\u00f6chstformen auf, und die intensive Aufr\u00fcstung der deutschen Marine war seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur eine der Auswirkungen. Der hohe Stellenwert des Milit\u00e4rs und die Begeisterung f\u00fcr die kaiserliche Marine zeigten sich nicht zuletzt in den Matrosenanz\u00fcgen, in die die Jungen bei den sonnt\u00e4glichen Familienspazierg\u00e4ngen gesteckt wurden. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs schlug sich die Kriegsbegeisterung auch in den Kinderzimmern nieder: M\u00e4dchen spielten mit Puppen, die aussahen wie Lazarettschwestern, Jungen stellten mit Blechsoldaten Grabenk\u00e4mpfe nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeit der Weimarer Republik bildete nur einen kurzen und relativ ruhigen \u00dcbergang zu dem gewaltt\u00e4tigen und radikalen Regime der Nationalsozialisten. Hier begann die Einflussnahme der Regierung schon im Kindergarten. 1935 steigerte das Kriegsspielzeug den Umsatz der Spielwarenindustrie um 25 Prozent. \u00bbUnd sie werden nie wieder frei ihr ganzes Leben\u00ab, versprach Hitler den deutschen Kindern, denn die absolute Einbindung in die staatlich gelenkten Kinder- und Jugendorganisationen war im Selbstverst\u00e4ndnis der Nationalsozialisten ein gro\u00dfer Gewinn. Sp\u00e4testens in der Hitlerjugend war es mit blo\u00dfen Spielzeugen vorbei: Zur Ausr\u00fcstung geh\u00f6rte auch das Fahrtenmesser mit 14 Zentimetern Klingenl\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Sammlung von Spielzeugsoldaten stammt aus den 1930er Jahren. Neben Soldaten mit Gewehren geh\u00f6ren zu dem Konvolut auch ein mobiles Gesch\u00fctz, ein Transport-Lkw und diverse Panzer. Das durchaus detailgetreue Spielzeug bleibt in seiner realistischen Form insofern konsequent, als neben den bewaffneten Truppenteilen auch ein Sanit\u00e4tswagen, diverse verletzte Soldaten, eine Trage samt verletztem Soldaten und Lazarettschwestern&nbsp;geh\u00f6ren. Die Uniformen und einzelne Fahnentr\u00e4ger zeigen, welche Staaten vertreten sind: Gro\u00dfbritannien mit dem Union Jack, das Deutsche Reich mit einer Truppenfahne, die ein Hakenkreuz auf einem preu\u00dfisch wei\u00df-blauen Feld zeigt, und Belgien mit der schwarz-gold-roten Trikolore.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch in den 1950er Jahren waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auch in den Kinderzimmern der Bundesrepublik zu sp\u00fcren: Kriegsspielzeug wie diese Soldaten landeten in Kartons im Keller oder wurden weggeworfen. In Aufrufen mahnte die Deutsche Friedensgesellschaft: \u00bbM\u00fctter! Erzieher! Schenkt Euren Kindern kein Kriegsspielzeug! Keine Waffen, mit denen sie ihren Spielgef\u00e4hrten Furcht einjagen, sie bedrohen! Keine Spielsoldaten, die den Geist der Feindschaft und Zerst\u00f6rung wecken! Keine Uniformen, die sie verleiten, sich aufzuspielen! Verge\u00dft es nicht!! Aus dem Kriegsspiel der Vergangenheit wurde das Tr\u00fcmmerfeld der Gegenwart!\u00ab Dennoch wurde weiterhin Kriegsspielzeug produziert und konsumiert: gem\u00e4\u00df der politischen Lage kamen britische und amerikanische Truppen und Fahrzeuge in Mode. In der DDR erkl\u00e4rte die Regierung milit\u00e4risches Spielzeug, das hier \u00bbpatriotisches Spielzeug\u00ab hie\u00df, f\u00fcr \u00bbstaatspolitisch wertvoll\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach \u00fcber 50 Jahren im Keller gelangte das Konvolut aus den 1930er Jahren wieder ans Tageslicht. Als Geschenke von H. und K. Schwering erg\u00e4nzt es seit 1997 die umfangreiche Spielzeugsammlung des Museums, die zuletzt 1989 in der gro\u00dfen Ausstellung \u00bbKindheit in K\u00f6ln\u00ab gezeigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 1906 in Brandburg gegr\u00fcndete Firma Lineol produziert heute im westf\u00e4lischen Marienm\u00fcnster \u00fcbrigens immer noch Figuren aus SpritzgussKunststoff \u2013 darunter auch Soldaten, Panzer und Gesch\u00fctze des Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Spielzeugsoldaten, Firma Lineol, Brandenburg, 1930er-Jahre.&nbsp;Figuren H: 7,5&nbsp;cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1997\/600\u2013614.&nbsp;Schenkung von H. und K. Schwering, K\u00f6ln, 1997. Foto: rba_d033530<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: Sascha Pries<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krieg im Kinderzimmer In den 1930er-Jahren, aus denen diese Sammlung von Spielzeugsoldaten stammt, war solches Spielzeug in vielen Kinderzimmern zu finden. Gepr\u00e4gt durch Kriegs- und Gewalterfahrungen in der gesamten ersten H\u00e4lfte des 20. 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