{"id":242,"date":"2021-10-13T17:27:02","date_gmt":"2021-10-13T15:27:02","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=242"},"modified":"2023-10-24T11:18:21","modified_gmt":"2023-10-24T09:18:21","slug":"kleiner-zuender-verheerende-folgen","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/militaria\/kleiner-zuender-verheerende-folgen\/","title":{"rendered":"Kleiner Z\u00fcnder \u2013 verheerende Folgen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"kleiner-zunder-verheerende-folgen\">Kleiner Z\u00fcnder \u2013 verheerende Folgen<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Das Fragment wurde am 8. Mai 1915 vom K\u00f6lner H\u00e4ndler Alfred Werther f\u00fcr 100 Mark erworben, zusammen mit einem Teil der Bombenwand und kleinen Sprengst\u00fccken zu je 15 Mark. War es berechtigt, so viel zu zahlen f\u00fcr ein auf den ersten Blick unbedeutendes St\u00fcck Metall?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/265__4671760_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist der Z\u00fcnder einer Fliegerbombe.\" class=\"wp-image-1427\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/265__4671760_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/265__4671760_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Z\u00fcnder einer Fliegerbombe,&nbsp;<\/strong>Gro\u00dfbritannien, 1914. Foto: rba_d033532<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Das Objekt hat eine geradezu welthistorische und traurige Bedeutung, deren Tragweite 1915 noch gar nicht erfasst werden konnte. Es ist der \u00bbZ\u00fcnder der von einem feindlichen Flugzeug in C\u00f6ln E\u2018feld (&#8230;) abgeworfenen Bombe\u00ab \u2013 und damit eines der \u00e4ltesten Zeugnisse des Luftkriegs. Leider verr\u00e4t das Inventarbuch nicht, wann der erw\u00e4hnte Angriff auf Ehrenfeld stattfand. Doch dies l\u00e4sst sich rekonstruieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. August 1914 marschierten die Deutschen in das neutrale Belgien ein, um rasch den Krieg im Westen zu gewinnen und dann alle Kr\u00e4fte an die Ostfront zu senden. Bald standen sie an der Marne kurz vor Paris. Doch die Belgier leisteten erbitterten Widerstand, die Briten kamen den Franzosen zur Hilfe. Man ging zum Gegenangriff \u00fcber, die Deutschen wichen zur\u00fcck, der Stellungskrieg begann. M\u00f6glich wurde dies, weil franz\u00f6sische Piloten eine L\u00fccke in der deutschen Front entdeckt hatten. Zwar hatte H. G. Wells im Roman \u00bbThe War in the Air\u00ab 1908 Visionen eines Luftkriegs weit im Feindesland beschrieben, doch noch dienten Flugzeuge lediglich der Aufkl\u00e4rung als Ersatz f\u00fcr die Kavallerie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Zeppeline konnten mehr Lasten transportieren als Flugzeuge, waren aber verwundbarer. Von K\u00f6ln aus verbreiteten sie Angst und Schrecken. Ihr erster Angriff startete aus der Luftschiffhalle in Bickendorf am 5. August 1914 mit dem Luftschiff \u00bbC\u00f6ln\u00ab, das \u00fcber L\u00fcttich Sprengbomben und Granaten abwarf. Die besch\u00e4digte \u00bbC\u00f6ln\u00ab musste auf der R\u00fcckfahrt in Walberberg notlanden und wurde verschrottet. Als Ersatz kam das Luftschiff \u00bbSachsen\u00ab nach Bickendorf, das am 23. August \u00fcber Antwerpen den Gasometer traf&nbsp;und 27 Tote hinterlie\u00df. Deshalb \u2013 und nicht nur, weil diese deutsche Gro\u00dfstadt in Reichweite lag \u2013 geriet K\u00f6ln ins Visier der&nbsp;Briten. Am 22. September 1914 wurden erstmals deutsche St\u00e4dte angegriffen. Ziel waren die Luftschiffhallen in K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf. Unser Bombenfragment stammt wohl vom zweiten Angriff in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1914 auf&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln. Hier wird Ehrenfeld explizit genannt, mit der dortigen Wasserstoff-Gasanstalt, die der Betankung der Luftschiffe der Firma Clouth in der benachbarten Bickendorfer Halle diente. Die britischen Marinepiloten der beiden Doppeldecker vom Typ Sopwith Tabloid berichteten, der Einsatz sei misslungen, und man habe dann als Ausweichziel den Hauptbahnhof angeflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch gab es keine gro\u00dfen Sch\u00e4den: Piloten warfen Fliegerpfeile, Handgranaten oder kleine Bomben aus dem Cockpit. Deutsche Luftschiffe griffen mit gr\u00f6\u00dferen Bomben an: franz\u00f6sische und britische Hafenst\u00e4dte ebenso wie Warschau. Am 24. Dezember 1914, als es in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben zum sogenannten Weihnachtsfrieden und zu Verbr\u00fcderungen kam, bombardierten die Deutschen Dover und die Briten Cuxhaven.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Luftangriffe auf K\u00f6ln erfolgten 1917. Nun warnten Sirenenanlagen die K\u00f6lner, die sich aber nicht an die Vorschriften hielten, sondern neugierig auf die Stra\u00dfe liefen. Die Opfer des Luftangriffs vom Pfingstsamstag 1918 besuchte Oberb\u00fcrgermeister Adenauer im Krankenhaus. Jetzt verf\u00fcgten alle Seiten \u00fcber gro\u00dfe Bomber, die Zeppeline hatten ausgedient. Die Bombardierung der Rhein-Ruhr-Region und Berlins war f\u00fcr Anfang 1919 schon beschlossen, als am 11. November der Waffenstillstand verk\u00fcndet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die D\u00e4mme waren gebrochen, ein \u00bbtotaler Krieg\u00ab unter Einbeziehung der Zivilbev\u00f6lkerung denkbar. Zwanzig Jahre sp\u00e4ter k\u00fcnden Namen wie Warschau, Rotterdam, Coventry, Hamburg und Dresden von der barbarischen Zerst\u00f6rungskraft des Luftkriegs \u2013 ebenso wie der Name K\u00f6lns. Hier wird in Ehrenfeld noch im September 2012 eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entsch\u00e4rft. Vor diesem Hintergrund verblassen die Erinnerungen daran, wie einst alles anfing \u2013 mit einem kleinen St\u00fcck Metall, abgeworfen \u00fcber Ehrenfeld 1914.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Z\u00fcnder einer Fliegerbombe, Gro\u00dfbritannien, 1914. Teilst\u00fcck, Stahl, L: ca. 17 cm, Dm: 4 cm,&nbsp;Inv.-Nr. HM 1915\/84.&nbsp;Erworben 1915 vom K\u00f6lner H\u00e4ndler Alfred Werther f\u00fcr 100 Mark. Foto: rba_d033532<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Mario Kramp<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleiner Z\u00fcnder \u2013 verheerende Folgen Das Fragment wurde am 8. Mai 1915 vom K\u00f6lner H\u00e4ndler Alfred Werther f\u00fcr 100 Mark erworben, zusammen mit einem Teil der Bombenwand und kleinen Sprengst\u00fccken zu je 15 Mark. 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