{"id":226,"date":"2021-10-13T17:24:58","date_gmt":"2021-10-13T15:24:58","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=226"},"modified":"2023-10-24T11:25:57","modified_gmt":"2023-10-24T09:25:57","slug":"ein-haus-fuer-kinder","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/moebel\/ein-haus-fuer-kinder\/","title":{"rendered":"Ein Haus f\u00fcr Kinder"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"ein-haus-fur-kinder\">Ein Haus f\u00fcr Kinder<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Nachdem Kinder seit dem 18. Jahrhundert allm\u00e4hlich nicht mehr nur als kleine Erwachsene betrachtet wurden und der Kindheit eine eigene Entwicklungsstufe mit eigenen Bed\u00fcrfnissen zugesprochen wurde, entwickelte sich auch ein Bedarf an p\u00e4dagogischem, kindgerechtem Spielzeug. Dieses Puppenhaus aus den 1830er-Jahren orientiert sich an einem zeitgen\u00f6ssischen, franz\u00f6sischen Chalet und ist mit Glasfenstern, Papiertapeten, Teppichen und Miniatur- M\u00f6beln bestm\u00f6glich ausgestattet, damit die M\u00e4dchen im Spiel ihre k\u00fcnftige Rolle in Ehe, Familie und Gesellschaft ein\u00fcben k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/515__8226220_lo.jpg\" alt=\"Ein altes Holzpuppenhaus aus dem Jahr 1830.\" class=\"wp-image-1239\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/515__8226220_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/515__8226220_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Puppenhaus,<\/strong>&nbsp;Nordfrankreich um<strong>&nbsp;<\/strong>1830. Foto: rba_d033577<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Seilspringen, H\u00f6ppe M\u00f6tzche [K\u00e4stchenh\u00fcpfen], R\u00e4uber und Schanditz! Als sich M\u00e4dchen und Jungen noch relativ unbeschwert auf den Stra\u00dfen der wachsenden Gro\u00dfstadt bewegen konnten, geh\u00f6rten diese zu den popul\u00e4rsten Spielen der K\u00f6lner P\u00e4nz. Oder: \u00bbWer sich umdreht oder lacht, kriegt den Buckel schwarz gemacht\u00ab. Was durchaus passieren konnte, ging schlie\u00dflich mit einem Mal der \u00bbPlumpsack\u00ab um. \u00bbDrau\u00dfen spielen\u00ab, das war schon immer ein gutes St\u00fcck verwegener und wilder, denn hier entzog sich der Nachwuchs den strengen Blicken und den Gesetzen der Erwachsenenwelt. Hier konnten Kinder endlich das sein, was ihnen die \u00bbGro\u00dfen\u00ab \u00fcber einen langen Zeitraum gar nicht zugestehen wollten: Kinder! Denn diese Wesen galten in der Fr\u00fchen Neuzeit als \u00bbkleine Erwachsene\u00ab, die man im Familienverband auch nicht anders, schon gar nicht altersspezifisch zu behandeln hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst der Schriftsteller und Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712\u20131778) setzte mit seinen Schriften zur P\u00e4dagogik neue Ma\u00dfst\u00e4be: Man m\u00fcsse den Erwachsenen als Erwachsenen und das Kind als Kind betrachten, schrieb er 1762. Er mahnte an, dass Heranwachsende ihren eigenen Status und eigene Bed\u00fcrfnisse haben, die zu respektieren seien. Der Erziehung kam nach seiner Ansicht die Aufgabe zu, die nat\u00fcrlichen Anlagen und Talente des Nachwuchses zu entdecken und \u2013 behutsam lenkend \u2013 zu f\u00f6rdern. Diese revolution\u00e4re Sicht der Kindheit zog bald ihre Kreise: Zun\u00e4chst beim Adel und in den wohlhabenden B\u00fcrgerfamilien, sp\u00e4ter auch im st\u00e4dtischen B\u00fcrgertum und im Proletariat, wo die J\u00fcngsten schon fr\u00fch in den Arbeitsprozess der Erwachsenen involviert und nicht selten ausgebeutet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem erwachenden Interesse an den Eigenarten des Kindes entwickelte sich auch das stetige Bem\u00fchen, die Kinder in ihrer Entwicklungsphase m\u00f6glichst nachhaltig zu pr\u00e4gen. Daran versuchten sich dann nicht nur Generationen von Lehrern und Erziehern, sondern auch die Erzeuger selbst: beispielsweise indem sie ihren braven Spross mit \u00bbkindgerechter\u00ab Ausstattung bedachten: Fortan trugen die Kleinen nicht mehr \u2013 wie noch im Mittelalter \u00fcblich \u2013 denselben Zwirn, sondern ein \u00bbKinderkleidchen\u00ab. Und sie bekamen das kindgerechte Spielzeug an die Hand, die Puppe, den&nbsp;Teddyb\u00e4ren und \u2013 wenngleich in eher beg\u00fcterten Kreisen \u2013 ein Puppenhaus wie dieses auf den Gabentisch gestellt. Somit war das Toben in der Gosse ausgeschlossen, das Kind beim Spiel unter wohlwollender Beobachtung und die eigentliche Zielgruppe, das reifende M\u00e4dchen, auf ihre k\u00fcnftige Rolle in Ehe, Familie und Gesellschaft vorz\u00fcglich vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der p\u00e4dagogische Hintergedanke schm\u00e4lert allerdings nicht den Gesamteindruck: Bei dem Meisterst\u00fcck aus der Zeit um 1830 handelt es sich um ein Geb\u00e4ude nach dem Vorbild eines zeitgen\u00f6ssischen nordfranz\u00f6sischen Chalets. Das zweigeschossige Haus im l\u00e4ndlichen Stil ist charakterisiert durch gliedernde Fassadenverkleidungen mit Weidenst\u00f6cken und -ruten, auf dem Dach durch Spanschindeln. Innen gefielen (vor allem den Kleinen) die textilen Teppiche, Stickereien und gemusterten Papiertapeten und nicht zuletzt ein umfangreiches Inventar mit Liebe zum Detail: vom Rundtisch mit f\u00fcnf St\u00fchlen \u00fcber den Rollsekret\u00e4r und Kommoden bis zur Wiege mitsamt Babypuppe. Vom Hersteller und Fertigungsort ist nichts bekannt, allerdings gelangte das Puppenhaus im Jahr 1972 \u00fcber eine Luzerner Galerie als Ankauf in die Best\u00e4nde des K\u00f6lnischen Stadtmuseums, wo zu jener Zeit eine eigene Ausstellung zum Thema \u00bbSpielen\u00ab in Vorbereitung war.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Puppenhaus, Nordfrankreich, um 1830,&nbsp;Holz, Scheiben: Glas; Innenausstattung: Textil, Papier; H:&nbsp;95&nbsp;cm, L: 52 cm, B: 42 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1972\/221.&nbsp;Ankauf Galerie Fischer, Luzern, f\u00fcr 800 SFR = 657,60 DM. Foto: rba_d033577<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: R\u00fcdiger M\u00fcller<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Haus f\u00fcr Kinder Nachdem Kinder seit dem 18. 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