{"id":222,"date":"2021-10-13T17:24:25","date_gmt":"2021-10-13T15:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=222"},"modified":"2022-02-18T07:52:44","modified_gmt":"2022-02-18T06:52:44","slug":"ein-klavier-ein-klavier","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/skulptur-objektkunst\/ein-klavier-ein-klavier\/","title":{"rendered":"Ein Klavier, ein Klavier"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"ein-klavier-ein-klavier\">Ein Klavier, ein Klavier<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Die K\u00fcnstlerin Mary Bauermeister war Mitglied der Happening- und Fluxusbewegung, die in den 1960er-Jahren im Rheinland einen Schwerpunkt hatte. In ihrem Atelier in der K\u00f6lner Altstadt versammelte sie regelm\u00e4\u00dfig namhafte K\u00fcnstler ihrer Zeit wie Nam June Paik oder Joseph Beuys zu \u00bbKonzertaktionen\u00ab mit Happening-Charakter, bei denen Klaviere nicht nur gespielt, sondern auch traktiert und umgeworfen wurden. 1962 zog sie mit ihrem Mann Karlheinz Stockhausen nach New York, wo sie mit ihren \u00bbLinsenk\u00e4sten\u00ab, solch einer zum Thema Piano ist hier zu sehen, gro\u00dfe Beachtung fand.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/631__5164159_lo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1480\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/631__5164159_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/631__5164159_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption><strong>Mary Bauermeister: pst piano<\/strong>, New York, 1964. Foto: rba_ksm1964<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Mary Bauermeisters Linsenkasten \u00bbpst piano\u00ab gibt R\u00e4tsel auf. Halb- und Viertelkugeln verschiedener Gr\u00f6\u00dfe sind auf einer quadratischen Platte montiert. In der rechten Ecke liegt ein wie hingeworfen wirkendes Band. Durch eine quadratische \u00d6ffnung in der Mitte blickt man in einen durch waagerecht eingesetzte Glasplatten unterteilten Schaukasten, in dem weitere Kugelformen locker verteilt sind. Auf den Scheiben sind strahlende Prismen aufgelegt, alles in gebrochenem Wei\u00df und zus\u00e4tzlich mit schwarzer Tusche und sparsam farbig bemalt. Man erkennt Worte, Buchstaben, Zahlen, organisch wirkende Formen, eine Klaviertastatur, H\u00e4nde auf Tasten und fratzenhafte Gesichter. Ein rechts an die Tafel angeh\u00e4ngter beweglicher Fl\u00fcgel zeigt die Mitteltafel wie ein traditionelles Gem\u00e4lde in perspektivischer Schr\u00e4gansicht, gleichsam ein ironischer Kommentar zur Mitteltafel, bei der die Grenze zwischen den klassischen Gattungen der zweidimensionalen Tafelmalerei und der dreidimensionalen Skulptur aufgehoben scheint. Das scheinbar spontan zusammengew\u00fcrfelte Ensemble erweist sich als \u00e4sthetisch geordneter, formal und inhaltlich durchdachter Mikrokosmos.<\/p>\n\n\n\n<p>Man f\u00fchlt sich erinnert an mittelalterliche Reliquienk\u00e4sten, miniaturisierte Kunst- und Wunderkammerk\u00e4sten der Renaissance- und Barockzeit, aber auch an die dadaistischen Merz-Collagen von Kurt Schwitters, die in den 1930er Jahren entwickelten \u00bbKoffermuseen\u00ab von Marcel Duchamps, die Schachtelassemblagen von J. Cornell aus den 1940er Jahren und an deren Nachfolger von Joseph Beuys, Wolf Vostell oder Daniel Spoerri seit den sp\u00e4ten 1950ern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Letztgenannten waren Mitbegr\u00fcnder der Happening- und Fluxusbewegung, die seit circa 1960 im Rheinland einen Schwerpunkt hatte und in der Mary Bauermeister (geb. 1934) und ihr 1957 bezogenes Atelier in der K\u00f6lner Altstadt (Lintgasse 28) eine zentrale Rolle spielten. Provokativ gegen die vom Warenwert bestimmte Hochkunst gerichtete Aktionen und Objekte zielten auf die formale und inhaltliche \u00dcberwindung traditioneller Kunstformen und eines ebenso traditionellen Kunstverst\u00e4ndnisses. Eine f\u00fchrende Position \u00fcbernahm dabei die Avantgardemusik, die in K\u00f6ln mit dem 1951 beim Westdeutschen Rundfunk gegr\u00fcndeten Studio f\u00fcr elektronische Musik und dem Komponisten Karlheinz Stockhausen (verheiratetet mit Mary Bauermeister seit 1967) weltweit f\u00fchrend war.<\/p>\n\n\n\n<p>Schl\u00fcsselereignisse der Happening- und Fluxusbewegung waren \u00bbKonzertaktionen\u00ab im Atelier Bauermeister im Jahr 1960, die die Anwesenden zu Lachst\u00fcrmen hinrissen. Hauptakteure waren unter anderen Nam June Paik, John Cage, Wolf Vostell und Joseph Beuys. Klassische Klavierst\u00fccke wurden verfremdet, das Piano mit verschiedenen Gegenst\u00e4nden traktiert, auch umgeworfen. John Cage wurde die Krawatte abgeschnitten und seine Haare von Paik shampooniert.<\/p>\n\n\n\n<p>1962 zogen Bauermeister und Stockhausen nach New York. Die Begegnung mit amerikanischen&nbsp;Pop-Art-K\u00fcnstlern f\u00fchrte Mary Bauermeister ins Zentrum der Avantgardekunst. Sie entwickelte die Kunstform der Linsenk\u00e4sten (sogenannt wegen der eingelegten Glasprismen), die gro\u00dfe Beachtung fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kasten im K\u00f6lnischen Stadtmuseum, entstanden 1964, ist ein charakteristisches Beispiel f\u00fcr die von ihr sogenannten \u00bbDenkk\u00e4sten mit verzerrten Gedanken\u00ab. Eindeutigkeit wird vermieden, aber die Textfragmente, die Bildk\u00fcrzel und der Titel verweisen auf ihre Intention. \u00bbPerhaps\u00ab und \u00bbno more memories\u00ab stehen f\u00fcr die Verweigerung der inhaltlichen Festlegung und der Tradition, die Zahlen k\u00f6nnten Anspielungen auf kosmologische Symbolik sein. Schwerpunkt ist jedoch die Anspielung auf das Klavier. Daf\u00fcr sprechen nicht nur der Titel \u00bbpst piano\u00ab, sondern auch die winzige, hieroglyphisch wirkende Schrift auf dem Kastenboden: \u00bbViola + Piano + PST + 3 is too much &#8230;\u00ab, die Zeichnungen einer Klaviertastatur und von klavierspielenden H\u00e4nden. Bauermeister spielt hier auf die Happeningaktionen in ihrem Atelier an, bei denen ein von Nam June Paik maltr\u00e4tiertes Klavier wohl als Symbol der abgelehnten b\u00fcrgerlichen Musikkultur im Zentrum des Geschehens stand. Damit ist ihr Linsenkasten im Stadtmuseum ein bedeutendes Zeugnis der Entwicklung K\u00f6lns zu einem weltweit beachteten Zentrum der Avantgardekunst in den 1960er und 1970er Jahren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Mary Bauermeister: pst piano, New York, 1964,&nbsp;Holz, Glas, Tusche, Farbe, H: 51 cm, B: 51 cm, T:&nbsp;17,2 cm, angeh\u00e4ngter Fl\u00fcgel H: 22 cm, B: 18 cm.&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1999\/176.&nbsp;Ankauf von der Galerie Sch\u00fcppenhauer, K\u00f6ln, mit Mitteln der K\u00f6lner Kulturstiftung der Kreissparkasse K\u00f6ln. Foto: rba_ksm1964<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Rolf Lauer<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Klavier, ein Klavier Die K\u00fcnstlerin Mary Bauermeister war Mitglied der Happening- und Fluxusbewegung, die in den 1960er-Jahren im Rheinland einen Schwerpunkt hatte. 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