{"id":218,"date":"2021-10-13T17:23:51","date_gmt":"2021-10-13T15:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=218"},"modified":"2023-10-24T11:43:14","modified_gmt":"2023-10-24T09:43:14","slug":"luegenmaul-propaganda-im-ersten-weltkrieg","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/skulptur-objektkunst\/luegenmaul-propaganda-im-ersten-weltkrieg\/","title":{"rendered":"L\u00fcgenmaul: Propaganda im Ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"lugenmaul-propaganda-im-ersten-weltkrieg\">L\u00fcgenmaul: Propaganda im Ersten Weltkrieg<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Am 13. Juni 1957 als Bestandteil eines Konvoluts von Plastiken des K\u00f6lner Bildhauers Georg Grasegger (1873\u20131927) erworben, ist die 1914 entstandene Holzskulptur \u00bbJohn Bull\u00ab oder \u00bbDas L\u00fcgenmaul\u00ab ein zeittypisches Zeugnis hemmungslos-naiver Kriegspropaganda.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/455__3493111_lo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1472\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/455__3493111_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/455__3493111_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Georg Grasegger: \u00bbJohn Bull\u00ab oder Das L\u00fcgenmaul,&nbsp;<\/strong>1914. Foto: rba_d033561<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>In nie vorher gekanntem Ausma\u00df wurden die milit\u00e4rischen Handlungen bei allen kriegsbeteiligten M\u00e4chten im Ersten Weltkrieg von massiven Propagandaaktionen begleitet, deren Ziel es war, die jeweiligen Gegner in Wort, vor allem aber auch im Bild zu diffamieren. Als deutsches Beispiel steht hier die neue Charakterisierung des englischen John Bull als \u00bbL\u00fcgenmaul\u00ab mit geradezu entstelltem, hassverzerrtem Gesichtsausdruck mit weit aufgerissenem Mund. Die Figur des John Bull entstand in Gro\u00dfbritannien zu Beginn des 18.&nbsp;Jahrhunderts als Typ eines untersetzten, gutm\u00fctigen und mit sich selbst zufriedenen Landadeligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bildhauer Georg Grasegger (1873\u20131927) war offensichtlich 1914, zum Zeitpunkt der Herstellung der Plastik, die nicht als Auftragsarbeit, sondern frei entstand, noch an der \u00bbHeimatfront\u00ab dem hohlen Pathos der reichsdeutschen Gehirnw\u00e4sche erlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem Zeitpunkt stand Grasegger auf dem H\u00f6hepunkt seines k\u00fcnstlerischen Schaffens. Aufgewachsen in Partenkirchen, begann, was dort f\u00fcr jeden k\u00fcnstlerisch Begabten unumg\u00e4nglich war, eine vierj\u00e4hrige Ausbildung (1886\u20131890) als Holzschnitzer an der \u00f6rtlichen Schnitzschule, in der katholische Innerlichkeit mit handwerklich soliden Kenntnissen miteinander verbunden wurde. Danach folgte der \u00bbFeinschliff\u00ab an der Kunstakademie in M\u00fcnchen (1890\u20131893) mit einer Gehilfent\u00e4tigkeit bei dem angesehenen, aber hoffnungslos konservativen und deshalb mit offiziellen Auftr\u00e4gen \u00fcberh\u00e4uften M\u00fcnchner Monumentalbildhauer Wilhelm Ruemann. Grasegger war dessen Kunststil bereits v\u00f6llig entfremdet, als er 1899 seinem Lehrer den R\u00fccken kehrte und als selbstst\u00e4ndiger K\u00fcnstler einen kurzen Abstecher in die wilde Linienwelt des floralen Jugendstils wagte (Entw\u00fcrfe f\u00fcr die K\u00f6lner Metallwarenfabrik \u00bbOrivit\u00ab). Doch schon bald danach fand er in der Bevorzugung kompakter, straffer Formgebung seinen eigenen Stil.<\/p>\n\n\n\n<p>1901 wurde er an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in K\u00f6ln berufen. 1904 war er in K\u00f6ln der Initiator zur Gr\u00fcndung der K\u00fcnstlergruppe \u00bbDer Stil\u00ab, die in etablierten b\u00fcrgerlichen Kreisen als eher anr\u00fcchig galt. Der unaufhaltsame Aufstieg in ebendiese Kreise wurde von zahlreichen ehrenvollen Ausstellungsbeteiligungen und Medaillen&nbsp;begleitet. Sogar den Olymp allen k\u00fcnstlerischen Treibens konnte er erklimmen: die mehrfache Teilnahme an den j\u00e4hrlichen Kunstausstellungen in M\u00fcnchen nebst Auszeichnungen. Seine Beteiligung an der Ausstellung des \u00bbDeutschen Werkbundes\u00ab 1914 in Deutz empfand er als ehrenvoll, obwohl sie nur kurz andauerte, da die viel beachtete Ausstellung durch den Ausbruch des Krieges vorzeitig geschlossen wurde. In diese Zeit fiel die Herstellung des \u00bbJohn Bull\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 1917 wurde Grasegger als Landsturmmann als \u00bbBerater f\u00fcr k\u00fcnstlerischen Grabschmuck\u00ab eingezogen und an die Ostfront geschickt. Im \u00bbLand Ober Ost\u00ab (Litauen), von deutschen Truppen besetzt, konnte er nicht nur den deutschen Soldatenfriedhof von Vilnius mit einem Steinl\u00f6wen zieren (um 1995 im Erdreich wiedergefunden und neu aufgestellt), sondern auch die unmenschlich harte Besatzungspolitik der deutschen Milit\u00e4rs vor Ort erfahren, die vielleicht desillusionierend auf Grasegger wirkte. Jedenfalls f\u00e4llt auf, dass bei seinen sp\u00e4teren k\u00fcnstlerischen Beitr\u00e4gen zu \u00bbKriegerehrungen\u00ab die bei vielen seiner Kollegen auff\u00e4llige Tendenz zur Heroisierung des Krieges eher verblasst. Sein bedeutendstes Werk nach 1918 ist zweifellos das Ehrenmal aus Holz im K\u00f6lner Dom \u2013 \u00bbHeiliger Michael\u00ab \u2013, zu dem er nach der Teilnahme an einem beschr\u00e4nkten Wettbewerb (1919) am 3.&nbsp;M\u00e4rz 1920 den Auftrag erhielt und gleichsam als Anklage eine mahnende Inschrift zum Andenken an die im Kriege untergegangene \u00bbKaiserglocke\u00ab anf\u00fcgte: \u00bbAuch mich zerschlugen sie \/ Kaiserglocke \/ Koeln 1918\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJohn Bull\u00ab wurde zusammen mit den Skulpturen Graseggers \u00bbDas Schneiderlein\u00ab (1919) und \u00bbDer Sieger\u00ab (1921) am 13. Juni 1957 von Dr. med. Heinrich Schneider, K\u00f6ln-Holweide, f\u00fcr 400 DM erworben, wobei leider die n\u00e4heren Umst\u00e4nde, wie die Werke in dessen Besitz gelangten, im Dunkeln bleiben.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Georg Grasegger: \u00bbJohn Bull\u00ab oder Das L\u00fcgenmaul, 1914,&nbsp;Holz, geschnitzt, H:&nbsp;37 cm (mit Sockel), Inv.-Nr. HM 1957\/38.&nbsp;Ankauf von Dr. Heinrich Schneider, K\u00f6ln. Foto: rba_d033561<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Johannes Ralf Beines<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcgenmaul: Propaganda im Ersten Weltkrieg Am 13. 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