{"id":210,"date":"2021-10-13T17:22:36","date_gmt":"2021-10-13T15:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=210"},"modified":"2022-03-14T09:44:29","modified_gmt":"2022-03-14T08:44:29","slug":"wer-hat-die-kokosnuss-geklaut","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/koelner-silber\/wer-hat-die-kokosnuss-geklaut\/","title":{"rendered":"Wer hat die Kokosnuss geklaut?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"wer-hat-die-kokosnuss-geklaut\">Wer hat die Kokosnuss geklaut?<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Dieser durch ungew\u00f6hnliche Materialien und reiche Ikonografie exzentrisch anmutende Pokal war schon zur Zeit seiner Anfertigung im 16. Jahrhundert eine Rarit\u00e4t. Exotische Materialien wie Kokosn\u00fcsse waren sehr selten und, oft veredelt von K\u00f6lner Goldschmieden, Prunkst\u00fccke f\u00fcrstlicher Wunderkammern.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"447\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/589__8811235_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein Kokosnusspokal. Der Fu\u00df und die Spitze sind aus Gold, der Mittelteil ist eine Kokosnuss. Diese ist verziert.\" class=\"wp-image-1510\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/589__8811235_lo.jpg 447w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/589__8811235_lo-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption><strong>Kokosnusspokal<\/strong>, K\u00f6ln,&nbsp;um 1570\/80.&nbsp;Foto: rba_KSM_1989_255_B<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Der Kokosnusspokal war das prominenteste St\u00fcck eines seinerzeit sehr spektakul\u00e4ren Museumsdiebstahls: Anfang April 2001 \u00bbbeehrte\u00ab der international \u00fcberaus erfolgreiche Kunstdieb St\u00e9phane Breitwieser auch das K\u00f6lnische Stadtmuseum mit seinem zweifelhaften Besuch. Er brach w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten im Obergeschoss die von der \u00dcberwachungskamera damals nicht erfasste Vitrine mit den Schaust\u00fccken zum Thema \u00bbK\u00f6lner Silber\u00ab auf, entwendete den Pokal nebst weiteren wertvollen Silberschmiedearbeiten und hatte dann noch die Chuzpe, die zur\u00fcckgelassenen Objekte so geschickt umzugruppieren, dass der Diebstahl erst Tage sp\u00e4ter auffiel. Im folgenden Jahr wurde Breitwieser in der Schweiz auf frischer Tat ertappt. W\u00e4hrend seine Mutter daraufhin die meisten der von ihm gehorteten Sch\u00e4tze zerst\u00f6rte bzw. im Rhein-Rh\u00f4ne-Kanal versenkte, kehrte der Kokosnusspokal unversehrt nach K\u00f6ln zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der begehrte Pokal war schon zur Zeit seiner Anfertigung im 16. Jahrhundert eine kostbare Rarit\u00e4t. Exotische Naturprodukte wie Nautilusmuscheln, Strau\u00dfeneier und vor allem Kokosn\u00fcsse waren noch selten und \u2013 von Goldschmieden veredelt \u2013 Prunkst\u00fccke f\u00fcrstlicher Wunderkammern. Gerade K\u00f6lner Goldschmiede verstanden sich in dieser Zeit auf die Herstellung solcher Pokale.<\/p>\n\n\n\n<p>Der unbekannte Meister bedachte die Kokosnuss mit einem aufwendigen Rahmenwerk, bestehend aus reich profiliertem Fu\u00df mit graviertem Standring, vasenf\u00f6rmigem Griff mit durchbrochen gearbeiteten Voluten und einer Kokosnussfassung mit Spangen aus weiblichen Hermen sowie Manschetten aus stilisierten Akanthusbl\u00e4ttern. Den repr\u00e4sentativen Abschluss bildet ein breiter Deckel, dessen Buckelung sich am Fu\u00df wiederholt, mit einer weiblichen Figur (Kleopatra) als Bekr\u00f6nung des Deckelknaufs. Die Nuss selbst ist kunstvoll reliefiert und zeigt die Opferung Isaaks sowie die Kreuzigung und Auferstehung Christi.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich um eine typologische Bildfolge, die einen alttestamentlichen Typus, die Opferung Isaaks, als Vorwegnahme (Pr\u00e4figuration) dem neutestamentlichen Antitypus und Heilsereignis Kreuzigung und Auferstehung zuordnet. Ein solches Schema war in protestantischen Bilderbibeln der Zeit \u00e4u\u00dferst beliebt. Sie d\u00fcrften hier wohl vorbildhaft gewirkt haben. Besonders die Holzschnitte eines Virgil Solis, zum Beispiel in der bei David Zephelius, Johann Rasch und Siegmund Feyerabend 1561 erschienenen Frankfurter Lutherbibel, stehen den Abbildungen des K\u00f6lner Kokosnusspokals sehr nahe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als antikes Motiv typologisch deuten l\u00e4sst sich auch die Deckelfigur der Kleopatra mit der Schlange. Die letzte Pharaonin galt als Inkarnation der G\u00f6ttin Isis. Sie trug das Signum der als heilig erachteten K\u00f6nigskobra als Schmuck auf der Stirn. Ihr Tod durch Schlangenbiss wurde als ihr gem\u00e4\u00dfes Schicksal begriffen und erhob sie zu den unsterblichen G\u00f6ttern. Dies er\u00f6ffnete den Interpretationsspielraum, um sie als antiken Typus dem Opfertod und der Auferstehung Christi gegen\u00fcberzustellen. Mit solchen anspruchsvollen ikonographischen Bez\u00fcgen demonstrierten Auftraggeber damals gern ihre humanistische Bildung, und f\u00fcr die nicht minder belesenen Betrachter war die Entschl\u00fcsselung ein willkommener Zeitvertreib.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Kokosnusspokal, K\u00f6ln, um 1570\/80.&nbsp;K\u00f6lner Beschauzeichen, nicht identifizierte Meistermarke, Hausmarke und die Buchstaben GEV auf dem Schild der Kleopatra.&nbsp;Silber, Fassung vergoldet, Kokosnuss; H: 25,5 cm, Fu\u00df Dm: 7,7 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1989\/255. Ehem. Sammlung Pringsheim, M\u00fcnchen; Leihgabe aus der Sammlung F. W. Ockenfels an das Rheinische Landesmuseum Bonn; 1989 Ankauf von Klaus Edel, K\u00f6ln, f\u00fcr 225.000 DM mit Mitteln der K\u00f6lner Kulturstiftung der Kreissparkasse K\u00f6ln<\/em>.&nbsp;<em>Foto: rba_KSM_1989_255_B<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Ulrich Bock<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer hat die Kokosnuss geklaut? Dieser durch ungew\u00f6hnliche Materialien und reiche Ikonografie exzentrisch anmutende Pokal war schon zur Zeit seiner Anfertigung im 16. Jahrhundert eine Rarit\u00e4t. 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