{"id":208,"date":"2021-10-13T17:22:22","date_gmt":"2021-10-13T15:22:22","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=208"},"modified":"2022-03-14T09:43:16","modified_gmt":"2022-03-14T08:43:16","slug":"der-zerstoerung-entgangen","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/koelner-silber\/der-zerstoerung-entgangen\/","title":{"rendered":"Der Zerst\u00f6rung entgangen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"der-zerstorung-entgangen\">Der Zerst\u00f6rung entgangen<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>F\u00fcr das mittelalterliche K\u00f6ln ist ein prunkvolles Ratssilber \u00fcberliefert, das jedoch im Lauf der Jahrhunderte nach und nach verloren ging. Ende des 19. Jahrhunderts wurde entschieden, das verlorene Silber zu ersetzen. Die letzten Prunkst\u00fccke, darunter der Tafelaufsatz \u00bbJan und Griet\u00ab nach dem Entwurf von Fritz M\u00fcller und ausgef\u00fchrt von August Rohrm\u00fcller, wurden 1926 zur Erinnerung an den Abzug der britischen Besatzungstruppen durch den Stadtverordneten Louis Hagen gestiftet. Mit der \u00dcberweisung des weitaus gr\u00f6\u00dften Teils des historischen Ratssilbers 1969 an das K\u00f6lnische Stadtmuseum gelangte auch dieser Tafelaufsatz in die Best\u00e4nde des Museums.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"447\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/503__4212465_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein Tafelaufsatz aus Silber. Zu sehen sind verschiedene Personen und Tiere, die aufeinanderstehen und an der Spitze eine Kugel halten.\" class=\"wp-image-1506\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/503__4212465_lo.jpg 447w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/503__4212465_lo-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption><strong><strong>Tafelaufsatz \u00bbJan und Griet\u00ab<\/strong><br>K\u00f6ln, 1929. <\/strong>Foto: rba_d033547<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Auch das alte K\u00f6ln verf\u00fcgte \u00fcber ein Ratssilber. Davon war nur noch ein einziger Pokal erhalten, als man sich Ende des 19. Jahrhunderts entschloss, ein neues zu fertigen. Gestiftet von K\u00f6lner Familien, entstand der Schatz, pr\u00e4chtiger als je zuvor, geschaffen im Geist und Stil des Historismus. 1913 war das Ensemble vorerst abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erinnerung an den Abzug der Besatzungstruppen und die Befreiungsfeier mit Reichspr\u00e4sident Hindenburg in K\u00f6ln stiftete der Stadtverordnete Louis Hagen am 21.&nbsp;M\u00e4rz 1926 f\u00fcr die Erg\u00e4nzung des Ratssilbers um vier Tafelaufs\u00e4tze und acht Leuchter 30.000 Mark. Aus einem Wettbewerb Anfang 1927 ging Fritz M\u00fcller als Sieger hervor, Meistersch\u00fcler an den K\u00f6lner Werkschulen unter der Leitung von Richard Riemerschmid. Es folgten Angebote der ausf\u00fchrenden Ateliers, den Zuschlag f\u00fcr den Tafelaufsatz \u00bbJan und Griet\u00ab erhielt die Werkstatt A. Rohrm\u00fcller. Allein dieses Werk kostete 10.550 Mark \u2013 und war noch das preiswerteste. Da Hagen die Summe nicht erh\u00f6hen wollte, verzichtete man auf die Leuchter.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Tafelaufs\u00e4tze hatten beliebte K\u00f6lner Legenden zum Thema \u2013 dieser hier die Sage von Jan und Griet. Die Geschichte von Jan von Werth, des aus dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg siegreich zur\u00fcckkehrenden Helden und seiner Griet, um die er warb, die ihn abwies und dies sp\u00e4ter bereute, ist von unten nach oben abzulesen und wird durch Inschriften kommentiert: \u00bbJan wirbt vergeblich um Griet. Er wird Soldat. Der tapfere Jan wird Feldmarschall.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema war popul\u00e4r. Die moderne Ausf\u00fchrung weniger. M\u00fcller orientierte sich nicht an den \u00fcbrigen St\u00fccken des Ratssilbers im Stil des Historismus oder zuletzt eines verhaltenen Jugendstils, sondern schuf etwas v\u00f6llig Neues. Sein Aufsatz ruht auf einer Kuh, besteht aus abstrahierten Figuren, und wird von einer durchbrochenen Kugel bekr\u00f6nt, die Blumenschmuck aufnehmen konnte. An diesem turmartigen Gebilde im leicht expressionistischen Stil mit geometrischen Formen des Art d\u00e9co schieden sich die Geister.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fachpresse lobte K\u00fcnstler und Werk. \u00bbFreilich\u00ab, r\u00e4umte man ein, sei es \u00bbeine bei allem Ideenreichtum und allem handwerklichen K\u00f6nnen tief problematische Arbeit, und es ist nicht zu verwundern, da\u00df sie viel Kritik und Ablehnung erfahren hat. Aber zugleich ist sie ein Beweis f\u00fcr den sch\u00f6nen Mut und den Glauben an die Jugend.\u00ab \u2013 wovon Direktor Riemerschmid \u00bbbeseelt\u00ab sei. Sein Nachfolger wurde 1931 der K\u00f6lner Museumsdirektor Karl With, protegiert von Adenauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten mussten 1933 Direktor und Oberb\u00fcrgermeister ihre Stellung r\u00e4umen. Nun wehte ein anderer Wind. Die Werkschulen verloren ihre Bedeutung. Im Oktober 1933 verurteilte die NS-Presse die Tafelaufs\u00e4tze. Man sah \u00bbAufl\u00f6sung und Verzerrung der Formen\u00ab und witterte \u00bbden Einflu\u00df bolschwikischer Kunstanschauung\u00ab. Entartete Kunst also, zudem gestiftet von einem Juden \u2013 und dies auf der Festtafel des Oberb\u00fcrgermeisters. Die Tafelaufs\u00e4tze \u00bb10.000 Jungfrauen\u00ab und \u00bbRichmodis\u00ab wurden nach 1936 zerst\u00f6rt, unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung des NSOberb\u00fcrgermeisters Schmidt und seines Stiefvaters Berthold, des neuen Leiters der Werkschulen. Warum der Tafelaufsatz \u00bbJan und Griet\u00ab der Zerst\u00f6rung entgangen ist, l\u00e4sst sich nicht rekonstruieren. Niemand hat sich diesem Akt der Barbarei entgegengestellt \u2013 \u00bbJan, wer et h\u00e4tt gewo\u00df. Griet, wer et h\u00e4tt gedonn.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Den Tafelaufsatz \u00fcberwies 1969 die K\u00e4mmerei der Stadt K\u00f6ln mit dem gesamten historischen K\u00f6lner Ratssilber an das K\u00f6lnische Stadtmuseum. Sein gr\u00f6\u00dfter Teil wird in der Dauerausstellung pr\u00e4sentiert, ausgew\u00e4hlte St\u00fccke befinden sich in der Prophetenkammer des Rathauses und werden nach wie vor zu besonderen Anl\u00e4ssen auf der Festtafel im Hansasaal pr\u00e4sentiert. Seit 1970 wird das Ratssilber nach und nach erg\u00e4nzt durch zeitgen\u00f6ssische Silber- und Goldschmiedearbeiten \u2013 auch heute noch gestiftet von K\u00f6lner B\u00fcrgern. Auf diese modernen Entw\u00fcrfe verst\u00e4ndigt man sich in Wettbewerben, die Ergebnisse des letzten stellte der Oberb\u00fcrgermeister im Januar 2008 der Presse vor.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Tafelaufsatz \u00bbJan und Griet\u00ab, K\u00f6ln, 1929, graviert: \u00bbFritz M\u00fcller, Ausf\u00fchrung A. Rohrm\u00fcller\u00ab,&nbsp;Silber, gegossen, und Elfenbein, H: 93 cm, ohne Marken,&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1969\/415,6.&nbsp;\u00dcberweisung der K\u00e4mmerei an das K\u00f6lnische Stadtmuseumm, 1969.&nbsp;<\/em><em>Foto: rba_d033547<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Mario Kramp<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zerst\u00f6rung entgangen F\u00fcr das mittelalterliche K\u00f6ln ist ein prunkvolles Ratssilber \u00fcberliefert, das jedoch im Lauf der Jahrhunderte nach und nach verloren ging. Ende des 19. Jahrhunderts wurde entschieden, das verlorene Silber zu ersetzen. Die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":2148,"parent":155,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-208","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/208\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4685,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/208\/revisions\/4685"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/155"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}