{"id":204,"date":"2021-10-13T17:21:44","date_gmt":"2021-10-13T15:21:44","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=204"},"modified":"2023-10-24T11:00:24","modified_gmt":"2023-10-24T09:00:24","slug":"wein-weib-und-gesang","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/koelner-silber\/wein-weib-und-gesang\/","title":{"rendered":"Wein, Weib und Gesang"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"wein-weib-und-gesang\">Wein, Weib und Gesang<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong>Was hat die Stifter der Silberschmiedearbeit Anfang Juni 1838 wohl bewogen, dem ber\u00fchmten Musiker und Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy in K\u00f6ln dieses merkw\u00fcrdige Geschenk zu \u00fcberreichen?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/677__9523528_lo.jpg\" alt=\"Man sieht ein Modell des K\u00f6lner Bayenturm aus dem Jahr 1838. Das Modell ist aus silber.\" class=\"wp-image-1493\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/677__9523528_lo.jpg 446w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/677__9523528_lo-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Augustin Kramer: Modell des K\u00f6lner Bayenturms f\u00fcr Felix Mendelssohn Bartholdy<\/strong>, K\u00f6ln, 1838. Foto: rba_d033553<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Zun\u00e4chst der Anlass: das 20. Niederrheinische Musikfest. Es fand seit 1818 statt \u2013 allj\u00e4hrlich zu Pfingsten in wechselnden rheinischen St\u00e4dten, zuletzt zwischen Aachen, D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln. Mendelssohn Bartholdy leitete das Musikfest sieben Mal, in K\u00f6ln erstmals 1835. Am 3. und 4. Juni 1838 war er hier erneut Festspielleiter und dirigierte im gro\u00dfen Saal des G\u00fcrzenichs Werke von Ferdinand Ries, H\u00e4ndel, Mozart, Bach, Beethoven und Cherubini. Danach \u00fcberreichten \u00bbdie dankbaren Theilnehmer\u00ab dem gefeierten Musiker das Geschenk: ein Turmmodell aus Silber auf achteckigem Sockel im neugotischen Dekor, mit imitierten Steinen, Fenstern, Zinnen und Schilden mit K\u00f6lner Wappen auf fein gepr\u00e4gten und gravierten Turmw\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf alte Zeiten verweist auch eine verborgene Funktion: Der obere Teil des Turmes ist abnehmbar, innen befindet sich ein Gef\u00e4\u00df zur Aufnahme eines Getr\u00e4nks. Die Silberschmiedearbeit f\u00fchrt damit die auf das 16. Jahrhundert zur\u00fcckgehende Tradition der Willkomm-Pokale fort, aus denen Z\u00fcnfte einst den zu ehrenden G\u00e4sten den Wein reichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederentdeckung des Mittelalters bestimmte auch das Motiv. Die Silberschmiedearbeit ist das Modell des K\u00f6lner Bayenturms, erbaut um 1220 am Rheinufer als s\u00fcdlicher Eckturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. 1838 war er immer noch eingebunden in die Befestigungsanlagen. Der 35 Meter hohe Bayenturm war Erkennungszeichen im Panorama der Stadt, zuletzt auf den malerischen Rheinansichten der Romantiker. Dies d\u00fcrfte dem umjubelten Dirigenten gefallen haben, er war dem Rheinland verbunden und oft zu Gast auf dem Landsitz seines Onkels in Koblenz. 1833 wurde er in D\u00fcsseldorf nach seinen Auftritten beim dortigen Niederrheinischen Musikfest Generalmusikdirektor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rheinromantik verfallen war auch Prinz Friedrich von Preu\u00dfen, Kommandeur der preu\u00dfischen Truppen in D\u00fcsseldorf, der sich Burg Rheinstein bei Bingen als Residenz ausbauen lie\u00df. Einer seiner bevorzugten K\u00fcnstler war Augustin Kramer (1786\u20131864), der schon seit einigen Jahren seine Werkstatt in K\u00f6ln Am Malzb\u00fcchel 13 f\u00fchrte \u2013 als des Prinzen \u00bbHof-Juwelier u. Hof-Goldschmied u. Silberarbeiter\u00ab. Kramers Karriere begann 1817 mit einer Methode, goldene und silberne Epauletten f\u00fcr preu\u00dfische Uniformen zu pr\u00e4gen. Sp\u00e4ter fertigte er sakrales Ger\u00e4t f\u00fcr den K\u00f6lner Dom und St. Severin sowie ein Kruzifix f\u00fcr den Paderborner Dom. Er arbeitete mit gro\u00dffl\u00e4chigen, fein ziselierten Pr\u00e4gest\u00f6cken und zur\u00fcckhaltenden neugotischen Formen. So auch beim Modell des Bayenturms, das die K\u00f6lner Musikfreunde bei ihm in Auftrag gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter wurde der Bayenturm durch den entstehenden Rheinauhafen zunehmend isoliert und nach der Niederlegung der Stadtmauern Ende des 19. Jahrhunderts als Denkmal erhalten. 1907 er\u00f6ffnete darin das Museum f\u00fcr Vor- und Fr\u00fchgeschichte, was an Exponaten den Kriegszerst\u00f6rungen entging, befindet sich im R\u00f6misch-Germanischen Museum. Der Bayenturm ist inzwischen restauriert und beherbergt heute als FrauenMediaTurm ein Archiv und Dokumentationszentrum zur historischen und aktuellen Frauenbewegung \u2013 sowie das B\u00fcro von Alice Schwarzer mitsamt der Redaktion der Zeitschrift \u00bbEMMA\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kunst- und kulturhistorisch bedeutende Modell des Bayenturms wurde 2010 im Auktionshaus Lempertz mit Mitteln der Stiftung Fassbender und der Freunde des K\u00f6lnischen Stadtmuseums e. V. ersteigert. Ein \u00e4hnliches, ebenfalls silbernes Modell des G\u00fcrzenichs, einst ein Geschenk an den K\u00f6lner Stadtbaumeister Johann Peter Weyer, befindet sich im Besitz der Familie Adenauer. Noch 1980 wurde bedauert, dass von Kramers \u00bbhistorisierenden Arbeiten\u00ab wenig bekannt sei \u2013 nun ist diese L\u00fccke unseres Wissens und der Museumssammlung geschlossen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Augustin Kramer: Modell des K\u00f6lner Bayenturms f\u00fcr Felix Mendelssohn Bartholdy, K\u00f6ln, 1838. Bez. auf dem Sockel: \u00bbBAYEN-THURM zu C\u00d6LN A\/R.\/AUG. KRAMER. FEC. COL. AGRIP.\u00ab, kein Beschauzeichen, Widmungsgravur:&nbsp;\u00bbDem verehrten Leiter des 20. niederrheinischen Musikfestes, DR. FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY\/Die dankbaren Theilnehmer\/C\u00f6ln, am 3. und 4. Juni 1838.\u00ab&nbsp;Silber, gepr\u00e4gt, gewickelt und graviert; H: 43 cm, Dm Sockel: 14,5 cm,&nbsp;<\/em><em>Inv.-Nr. KSM 2010\/81,&nbsp;Erworben bei Lempertz, K\u00f6ln, Auktion 968 Kunstgewerbe am 19.11.2010 f\u00fcr 5.818,60 Euro mit Mitteln der Stiftung Fassbender und der Freunde des K\u00f6lnischen Stadtmuseums e. V. Foto: rba_d033553<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Mario Kramp<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wein, Weib und Gesang Was hat die Stifter der Silberschmiedearbeit Anfang Juni 1838 wohl bewogen, dem ber\u00fchmten Musiker und Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy in K\u00f6ln dieses merkw\u00fcrdige Geschenk zu \u00fcberreichen? 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