{"id":195,"date":"2021-10-13T16:58:54","date_gmt":"2021-10-13T14:58:54","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=195"},"modified":"2023-10-24T11:38:42","modified_gmt":"2023-10-24T09:38:42","slug":"vision-der-emanzipation","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/religioeses\/vision-der-emanzipation\/","title":{"rendered":"Vision der Emanzipation"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"vision-der-emanzipation\">Vision der Emanzipation<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Als bedeutende Erg\u00e4nzung der Judaica-Sammlung wurde 1963 dieses Gedenktuch geschenkt. Es zeigt einen j\u00fcdischen Jom-Kippur-Gottesdienst im deutschen Heer vor dem belagerten Metz im Oktober 1870. Allerdings ist dieses Tuch weniger eine Erinnerung an ein Ereignis als vielmehr Zeugnis des j\u00fcdischen Strebens nach Gleichberechtigung.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"561\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/479__6459100_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein rotes Tuch. Darauf zu sehen ist ein j\u00fcdischger Gottesdienst. Viele Menschen sind zu sehen.\" class=\"wp-image-1527\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/479__6459100_lo.jpg 561w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/479__6459100_lo-265x300.jpg 265w\" sizes=\"(max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Gedenktuch an den Gottesdienst am Vers\u00f6hnungstage des Jahres 1870 im Lager vor Metz.<\/strong> Foto: rba_KSM1963_329<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Auf einer Anh\u00f6he in einem von bewaldeten H\u00fcgeln umgebenen Gel\u00e4nde steht ein Tora-Schrein mit Tora-Vorhang, bekr\u00f6nt mit den Gesetzestafeln und dem erh\u00f6ht stehenden, in den Tallit geh\u00fcllten Feldrabbiner, der aus der Tora liest. Inmitten der versammelten Gemeinde befinden sich auch einige Soldaten mit Pickelhauben und Gebetst\u00fcchern. Abgeschirmt werden sie von christlichen Soldatenkameraden, die im Halbkreis um die Betenden herumstehen. Neben dem Rabbiner erinnert ein aufgebahrter Sarg mit aufgepflanztem Schwert an die Toten des Krieges. \u00dcber der Darstellung steht in Hebr\u00e4isch und Deutsch: \u00bbHaben wir nicht alle einen Vater, hat nicht ein Sch\u00f6pfer uns geschaffen?\u00ab (Mal. 2,10) und unten in einer gro\u00dfen Kartusche, ebenfalls in Hebr\u00e4isch und Deutsch: \u00bbGottesdienst am Vers\u00f6hnungstage des Jahres 5631 im Lager vor Metz\u00ab. In den vier Ecken findet sich ein Hymnus von Rabbiner Ludwig Philippson (1811\u20131889), der endet: \u00bbErhoben durch den Glauben, ermutigt zu der Pflicht, sind sie bereit zum Kampfe, sie steh\u2018n und wanken nicht.\u00ab Allerdings fand dieser Jom-Kippur-Gottesdienst am 4.\/5. Oktober 1870 vor dem belagerten Metz, das am 27. Oktober 1870 kapitulierte, keineswegs vor \u00bb1.200\u00ab Beteiligten auf offenem Feld statt, wie die Inschrift suggeriert. F\u00fcr dieses Datum sind lediglich Gottesdiensthandlungen durch den aus Mannheim entsandten jungen Rabbiner Dr. Isaak Blumenstein (1843\u20131903) bezeugt, jedoch nicht unter freiem Himmel, sondern in einem Bauernhaus mit 60 bis 70 j\u00fcdischen Soldaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses sp\u00e4ter produzierte Erinnerungstuch, das in eine ganze Reihe \u00e4hnlicher Druckerzeugnisse zum Krieg gegen die Franzosen geh\u00f6rt, zeigt nicht das wirkliche Geschehen, sondern illustriert den Wunsch nach Gleichberechtigung. Man kann es fast als \u00bbVision der Emanzipation\u00ab bezeichnen. Beschworen wird \u2013 einmal mehr \u2013 die Bef\u00e4higung der Juden, in der deutschen Armee zu dienen, also die Religion mit den Anforderungen der Nation in Einklang zu bringen \u2013 und dies in den Zeiten des Krieges. Das Motiv der die j\u00fcdischen Kameraden sch\u00fctzenden [man fragt sich: vor wem?] christlichen Soldaten stellt die Integration als Faktum dar und lobt zugleich die religi\u00f6se Toleranz des K\u00f6nigs, der diesen Gottesdienst erlaubt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die j\u00fcdischen Einwohner des franz\u00f6sisch besetzten Rheinlands schon ab 1798 volle B\u00fcrgerrechte genossen, blieb ihnen dies in Preu\u00dfen noch lange verwehrt. 1812 erhielten sie in Preu\u00dfen zwar die Staatsb\u00fcrgerrechte, waren auch von der 1814 eingef\u00fchrten allgemeinen Wehrpflicht betroffen, aber alle Armeer\u00e4nge blieben ihnen verwehrt. Der Vereinigte Landtag erreichte 1847 eine weitere Ann\u00e4herung der Rechtsstellung der j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger, vom Offiziersberuf blieben sie weiterhin ausgeschlossen. Erst die 1848er Verfassungen brachten die vollst\u00e4ndige Gleichberechtigung. Im Herbst 1848 gab es auch in Preu\u00dfen die ersten Offiziersernennungen von j\u00fcdischen Milit\u00e4r\u00e4rzten. Doch bald galten wieder Einschr\u00e4nkungen. Ein Gesetz des Norddeutschen Bundes \u00fcber die Gleichberechtigung der Konfessionen von 1869 bedeutete die v\u00f6llige Aufhebung der b\u00fcrgerlichen Beschr\u00e4nkungen der Juden, das Offizierskorps blieb ihnen weiterhin verwehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch waren die j\u00fcdischen Preu\u00dfen 1870 genauso eifrige Patrioten wie ihre christlichen Mitb\u00fcrger. Eine Erhebung von 1894 ermittelte 4.700 j\u00fcdische Teilnehmer des Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieges, 483 Verwundete oder Gefallene sowie 373 Auszeichnungen mit dem Eisernen Kreuz oder \u00c4hnlichem \u2013 das entsprach ihrem Bev\u00f6lkerungsanteil. Es gab zahlreiche j\u00fcdische Sanit\u00e4tsoffiziere, \u00fcber 100 Juden wurden zu Reserveoffizieren bef\u00f6rdert, aber nur ein einziger brachte es in der aktiven Armee zum Oberstleutnant. Doch danach setzte erneut ein R\u00fcckfall in reaktion\u00e4re Ansichten ein \u2013 j\u00fcdische Offiziere waren im wilhelminischen Deutschland unerw\u00fcnscht. Um 1910 gab es in der preu\u00dfischen Armee keinen einzigen j\u00fcdischen Offizier, die Habsburger-Monarchie hingegen hatte 2.179, darunter sogar einen Feldmarschall.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erinnerungstuch gelangte wohl im Zuge der durch die Ausstellung Monumenta Judaica hervorgerufenen Aufmerksamkeit als Geschenk von H. H. Katzenstein aus Z\u00fcrich ins Museum.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Gedenktuch an den Gottesdienst am Vers\u00f6hnungstage des Jahres 1870 im Lager vor Metz, u. re. monogrammiert: GM,&nbsp;Deutschland, 1870.&nbsp;Baumwolle, rot und braun bedruckt; H:&nbsp;67,7&nbsp;cm, B:&nbsp;69,2&nbsp;cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1963\/329.&nbsp;Schenkung von H. H. Katzenstein, Z\u00fcrich, 1963. Foto: rba_KSM1963_329<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Rita Wagner M. A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vision der Emanzipation Als bedeutende Erg\u00e4nzung der Judaica-Sammlung wurde 1963 dieses Gedenktuch geschenkt. Es zeigt einen j\u00fcdischen Jom-Kippur-Gottesdienst im deutschen Heer vor dem belagerten Metz im Oktober 1870. 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