{"id":193,"date":"2021-10-13T16:58:36","date_gmt":"2021-10-13T14:58:36","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=193"},"modified":"2022-03-14T10:53:21","modified_gmt":"2022-03-14T09:53:21","slug":"als-in-koeln-die-synagogen-brannten","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/religioeses\/als-in-koeln-die-synagogen-brannten\/","title":{"rendered":"Als in K\u00f6ln die Synagogen brannten"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"als-in-koln-die-synagogen-brannten\">Als in K\u00f6ln die Synagogen brannten<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Dieses kleine, nur wenige Zentimeter gro\u00dfe Objekt ist ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte. Die Tefillin-Kapsel wurde nach dem Pogrom vom 9.\/10. November 1938 im Schutt der der Synagoge in der K\u00f6lner Glockengasse gefunden.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"505\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/491__7320478_lo.jpg\" alt=\"Man sieht eine Tefillin-Kapsel aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist durch den Brand der Synagoge besch\u00e4digt worden.\" class=\"wp-image-1523\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/491__7320478_lo.jpg 505w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/491__7320478_lo-239x300.jpg 239w\" sizes=\"(max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><figcaption><strong>Tefillin-Kapsel,&nbsp;<\/strong>verm. 18.&nbsp;Jahrhundert. Foto: rba_KSM1966_178<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Von Bedeutung ist bei diesem sehr kleinen Objekt der Umstand, wann und wo es gefunden wurde: Die hier gezeigte Tefillin-Kapsel wurde nach Angabe des Schenkers, Herrn Hartmann aus K\u00f6ln, am 10. November 1938 in der K\u00f6lner Synagoge in der Glockengasse gefunden. Es war das erste Objekt, das im Museum die Vorzeichen der Shoa repr\u00e4sentierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Tefillin \u2013 Gebetsriemen und -kapseln \u2013 befestigt ein Gl\u00e4ubiger und mit zunehmender Emanzipation auch eine Gl\u00e4ubige gem\u00e4\u00df dem biblischen Gebot mit schmalen Riemen an (linkem) Arm und Kopf, wenn er oder sie an Wochentagen das Morgengebet spricht. In den F\u00e4chern des Kubus finden sich vier Pergamentstreifen mit den vier Abschnitten aus der Tora, den f\u00fcnf B\u00fcchern Moses: Ex. 13,1\u201310; 13,11\u201316; Dtn. 6,4\u20139; 11,13\u201321. Bei dieser Tefillin-Kaspel sind die Buchstaben in hebr\u00e4ischer Quadratschrift mit brauner Tinte an einer markierten Linierung geschrieben. Auf zwei Seiten des Kubus findet sich der hebr\u00e4ische Buchstabe Schin als Abk\u00fcrzung f\u00fcr den Gottesnamen. Die Lederb\u00e4nder sind zerfallen und nicht mehr vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Liesel Franzheim, die lange Jahre die JudaicaSammlung des K\u00f6lnischen Stadtmuseums betreute, verortete die Entstehung in das K\u00f6ln des 18. Jahrhunderts. Leider gab sie keine weitere Erkl\u00e4rung hierzu. Es erscheint unwahrscheinlich, dass man in der intoleranten Atmosph\u00e4re K\u00f6lns w\u00e4hrend des Ancien R\u00e9gimes Tefillin-Kapseln oder hebr\u00e4ische Schriften herstellte. Da w\u00e4re schon eher an Deutz oder M\u00fclheim am Rhein zu denken. Dieses kleine Objekt j\u00fcdisch-rheinischer Geschichte gelangte vielleicht nach Niederlegung der Deutzer Synagoge in den 1880er-Jahren in die Obhut der Synagoge in der Glockengasse. Es ging vermutlich verloren, als religi\u00f6se Objekte von Gl\u00e4ubigen aus der brennenden Synagoge gerettet und auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Bocklem\u00fcnd vergraben wurden. Heute werden die kostbaren Relikte in der Synagoge in der Roonstra\u00dfe gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>In K\u00f6ln hatte es seit 1424, als alle Juden aus der Stadt vertrieben wurden, bis zum Ende der Reichsstadt keine Synagoge mehr gegeben. Erst die Eingliederung in das franz\u00f6sische Staatswesen 1797 f\u00fchrte auch in K\u00f6ln die Religions- und damit die Niederlassungsfreiheit f\u00fcr alle Nichtkatholiken ein. 1801 schlossen sich in K\u00f6ln 17 j\u00fcdische Familienv\u00e4ter zu einer Gemeinde zusammen. Eine erste, sehr bescheidene Synagoge konnten sie dank der finanziellen Unterst\u00fctzung des soeben aus Bonn zugezogenen Bankiers Salomon Oppenheim auf einem kleinen Grundst\u00fcck des s\u00e4kularisierten Klarissenklosters Maria-Tempel in der Glockengasse einrichten. Bis zur Jahrhundertmitte wuchs die j\u00fcdische Gemeinde kr\u00e4ftig an, sodass eine gr\u00f6\u00dfere und auch repr\u00e4sentativere Synagoge dringend n\u00f6tig wurde. Aber erst das Angebot des Bankiers Abraham Oppenheims, \u00bbeine der Stadt K\u00f6ln w\u00fcrdige Synagoge auf seine alleinigen Kosten erbauen zu lassen, um sie der Gemeinde als Geschenk zu \u00fcbergeben\u00ab, machte einen Neubau m\u00f6glich. Als Planungsarchitekten konnte Oppenheim den (protestantischen) Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gewinnen, der eine Synagoge im maurisch-neoislamischen Stil entwarf, die am 29. August 1861 feierlich mit einer gro\u00dfen Festgemeinde eingeweiht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Neubau signalisierte auch die starke Identifikation der K\u00f6lner Juden mit ihrer rheinischen Heimat. W\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges wurde die Kupferabdeckung der Kuppel demontiert und von der Gemeinde als freiwillige Edelmetallspende abgeliefert. In den 1920er-Jahren zeigten sich erste bauliche M\u00e4ngel. Da viele Gemeindemitglieder in die Neustadt und zur dortigen Synagoge abgewandert waren, erwog die Gemeinde einen Verkauf der Synagoge.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber w\u00e4hrend des Novemberpogroms wurde die Synagoge am 10. November 1938 durch Brandstiftung bis auf die Grundmauern zerst\u00f6rt. Die Reste mussten auf Anweisung der Bezirksregierung abgetragen werden. Das Tr\u00fcmmergrundst\u00fcck gelangte 1943 in den Besitz der Stadt K\u00f6ln. Auf einem Teil des Synagogengrundst\u00fccks erhebt sich heute das Opernhaus. Fundamente des Sakralbaus, m\u00f6glicherweise auch die luxuri\u00f6s ausgestattete Mikwe, sind unter dem Offenbachplatz erhalten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Tefillin-Kapsel, Gegend von K\u00f6ln, verm. 18. Jahrhundert,&nbsp;schwarzes Leder; Pergament.&nbsp;Kapsel: H:&nbsp;2,3&nbsp;cm, B: 3 cm, T: 2 cm.&nbsp;Pergament-Abschnitte: H:&nbsp;1,1&nbsp;cm, B:&nbsp;17,8\/17,5\/9,6\/20,1 cm.&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1966\/178.&nbsp;Geschenk von Herrn Hartmann, K\u00f6ln, 1966. Foto: rba_KSM1966_178<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Rita Wagner M. A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als in K\u00f6ln die Synagogen brannten Dieses kleine, nur wenige Zentimeter gro\u00dfe Objekt ist ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte. Die Tefillin-Kapsel wurde nach dem Pogrom vom 9.\/10. 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