{"id":191,"date":"2021-10-13T16:58:20","date_gmt":"2021-10-13T14:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=191"},"modified":"2022-03-14T10:53:35","modified_gmt":"2022-03-14T09:53:35","slug":"die-vier-soehne-der-haggada","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/religioeses\/die-vier-soehne-der-haggada\/","title":{"rendered":"Die vier S\u00f6hne der Haggada"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"die-vier-sohne-der-haggada\">Die vier S\u00f6hne der Haggada<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Der Sederteller ist fester Bestandteil des j\u00fcdischen Pessach-Festes; der Seder-Abend bildet den Auftakt der Feierlichkeiten. \u00bbSeder\u00ab bedeutet Ordnung, insbesondere dieser erste Abend unterliegt \u00fcber Jahrhunderte gelebten Regeln. Neben Mazzoth, Salzwasser und Weinbecher wird mit dem Sederteller der Tisch f\u00fcr die G\u00e4ste gedeckt, auf ihm werden sechs verschiedene Gaben (Speisen) angeordnet. Jeder Gast hat eine Haggada (Erz\u00e4hlung) an seinem Platz liegen, aus der am Sederabend vorgelesen wird. Der Abend dient der religi\u00f6sen Unterweisung der n\u00e4chsten Generation und hat auch deshalb einen hohen Stellenwert unter den Feiertagen.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/334__4531575_lo.jpg\" alt=\"Zu sehen ist ein Sederteller.\" class=\"wp-image-1519\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/334__4531575_lo.jpg 628w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/334__4531575_lo-297x300.jpg 297w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/334__4531575_lo-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/334__4531575_lo-120x120.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><figcaption><strong>Sederteller,&nbsp;<\/strong>18. Jahrhundert. Foto: rba_d033568<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Der Sederteller wird beim Pessach-Fest zur symbolhaften Anordnung von Speisen benutzt. Pessach ist neben Chanukka das j\u00fcdische Familienfest, das auch oft von s\u00e4kular lebenden Juden begangen wird. An dem achtt\u00e4gigen Fest (in Israel sieben Tage) im Fr\u00fchlingsmonat Nissan gedenken die Juden des Auszugs aus \u00c4gypten und des Endes der Sklaverei. Das Fest soll das Ged\u00e4chtnis an den Widerstand gegen die Unterdr\u00fcckung der Juden aufrechterhalten. Vor dem Fest wird das gesamte Haus gereinigt und alle Sauerteigreste sowie damit in Verbindung gekommene Gegenst\u00e4nde entfernt. Gegessen wird zu Pessach nur unges\u00e4uertes Brot, Mazze oder Mazzoth. Der Sederabend bildet den Auftakt. Auf dem Tisch wird neben den Mazzoth Salzwasser als Erinnerung an die Tr\u00e4nen bei der Zerst\u00f6rung des Tempels in Jerusalem, Weinbecher und der Sederteller zurechtgestellt. Sechs Gaben werden auf ihm angeordnet: Maror (Bitterkraut), Karpas (Sellerie, Petersilie oder Radieschen), Chaseret (Meerrettich), Charosset (Mischung aus \u00c4pfeln, N\u00fcssen und Feigen), Sroa (Lamm- oder H\u00fchnerkeule) und Bejza (ger\u00f6stetes Ei in Schale). Seder bedeutet \u00bbOrdnung\u00ab \u2013 das Fest und insbesondere der erste Abend unterliegen \u00fcber Jahrhunderte gelebten Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Teller sind eingraviert die vier S\u00f6hne der Haggada. Jeder Gast hat eine Haggada (\u00bbErz\u00e4hlung\u00ab) an seinem Platz liegen, aus der am Sederabend vorgelesen wird. Darin ist auch die Geschichte vom Auszug aus \u00c4gypten enthalten. Bei Beginn des Festes fragt traditionell der j\u00fcngste Anwesende nach der Bedeutung des Rituals. Es ist eine Herausforderung f\u00fcr den Hausherrn, meist der Vater, die Erz\u00e4hlung so interessant wie m\u00f6glich zu gestalten, damit die Kinder den Sinn der Ordnung verstehen. Da Kinder verschieden fragen, muss der Erz\u00e4hler f\u00fcr alle eine passende Antwort&nbsp;haben. Die verschiedenen Fragen gehen auf die&nbsp;Tora, den wichtigsten Teil des Tanach \u2013 der religi\u00f6sen Schriften \u2013, zur\u00fcck und werden durch die vier&nbsp;S\u00f6hne der Haggada dargestellt: \u00bbder Weise, der&nbsp;B\u00f6se, der Einf\u00e4ltige und der nicht zu fragen versteht\u00ab (so im Fond des hier vorgestellten Tellers). Die religi\u00f6se Unterweisung der n\u00e4chsten Generation dient der Weitergabe des Glaubens und des Zusammenhalts. Daher kommt dem Fest eine hohe Wertigkeit in der religi\u00f6sen Unterweisung zu. \u00dcber Jahrhunderte hinweg kam es in der Pessach-Zeit oft zu Pogromen, da Christen w\u00e4hrend ihres fast zeitgleich stattfindenden Osterfestes die Juden als \u00bbGottesm\u00f6rder\u00ab verfolgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zentrale Charakter des Pessach-Festes hat viele Sederteller erhalten lassen. Dieses Exponat stammt aus dem 18. Jahrhundert. Am Rand ist in Hebr\u00e4isch das Sederritual beschrieben. Der Teller erinnert \u2013 neben anderen Exponaten \u2013 an die j\u00fcdische Geschichte K\u00f6lns.<\/p>\n\n\n\n<p>Urkundlich erw\u00e4hnt ist die j\u00fcdische Gemeinde in einem Dekret Kaiser Konstantins I. von 321, der auf eine fr\u00fchere Regelung hinweist. Somit ist die Gemeinde \u00e4lter und die \u00e4lteste n\u00f6rdlich der Alpen. Im Mittelalter gab es eine gro\u00dfe j\u00fcdische Gemeinde mit einem eigenen Stadtviertel am Rathaus. Die derzeit entstehende Arch\u00e4ologische Zone erinnert daran. 1424 wurden die Juden aus der Stadt vertrieben. 1794 besetzte die franz\u00f6sische Revolutionsarmee K\u00f6ln, aber es dauerte noch vier weitere Jahre, bis die B\u00fcrgerrechte der Juden wiederhergestellt wurden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden neue Gemeinden. 1890 kam Max Bodenheimer nach K\u00f6ln, einer der Gr\u00fcnder der deutschen zionistischen Bewegung. Er musste 1933 emigrieren. Zu diesem Zeitpunkt waren 15.000 K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner j\u00fcdischen Glaubens. W\u00e4hrend der NSZeit wurden sie verfolgt und drangsaliert. Mehr als 7.000 von ihnen wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Nach dem Krieg gr\u00fcndete sich die Synagogengemeinde neu. Mit der \u00d6ffnung der osteurop\u00e4ischen Staaten und der daraus folgenden Einwanderung in den 1990er Jahren wuchs die Gemeinde auf \u00fcber 5.000 Mitglieder heran. Sie ist heute ein fester Bestandteil der Stadtgesellschaft und des religi\u00f6sen Lebens in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Teller gelangte 1930 als Ankauf von dem H\u00e4ndler Albert Italiander aus Krefeld als \u00bbj\u00fcdische Zinnsch\u00fcssel\u00ab ins Museum, zum Aufbau der Sammlung von Objekten zur j\u00fcdischen Geschichte des Rheinlands nach der Jahrtausendausstellung 1925. Die heute \u00fcber 350 Objekte umfassende&nbsp;Sammlung zum Judentum umfasst vorwiegend&nbsp;Gegenst\u00e4nde des religi\u00f6sen Kultus, aber auch solche des Alltags.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der zentrale Charakter des Pessach-Festes hat viele Sederteller erhalten lassen. Dieses Exponat stammt aus dem 18. Jahrhundert. Am Rand ist in Hebr\u00e4isch das Sederritual beschrieben. Der Teller erinnert \u2013 neben anderen Exponaten \u2013 an die j\u00fcdische Geschichte K\u00f6lns.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Sederteller, K\u00f6ln, 18. Jahrhundert (K\u00f6lner Marke: drei Kronen, Monogramm \u00bbS I L\u00ab mit Rad und Zahl \u00bb95\u00ab in geschweiftem Schild).&nbsp;Zinn, graviert; H:&nbsp;3,2&nbsp;cm, Dm:&nbsp;35,1&nbsp;cm,&nbsp;Inv.-Nr. RM&nbsp;1930\/2.&nbsp;1930 Ankauf von Albert Italiander aus Krefeld als \u00bbj\u00fcdische Zinnsch\u00fcssel\u00ab zum Aufbau der Sammlung von Objekten&nbsp;zur j\u00fcdischen Geschichte im Rheinischen Museum nach der Jahrtausendausstellung 1925. Foto: rba_d033568<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Dr. Ulrich S. So\u00e9nius<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vier S\u00f6hne der Haggada Der Sederteller ist fester Bestandteil des j\u00fcdischen Pessach-Festes; der Seder-Abend bildet den Auftakt der Feierlichkeiten. \u00bbSeder\u00ab bedeutet Ordnung, insbesondere dieser erste Abend unterliegt \u00fcber Jahrhunderte gelebten Regeln. 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