{"id":187,"date":"2021-10-13T16:57:53","date_gmt":"2021-10-13T14:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=187"},"modified":"2023-10-24T11:37:40","modified_gmt":"2023-10-24T09:37:40","slug":"museum-mit-migrationshintergrund","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/religioeses\/museum-mit-migrationshintergrund\/","title":{"rendered":"Museum mit Migrationshintergrund"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"Man sieht einen gemalten Blick auf die alte Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"museum-mit-migrationshintergrund\">Museum mit Migrationshintergrund<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Migration ist nicht ein Ph\u00e4nomen der letzten Jahre, sondern ein Dauerph\u00e4nomen, das sich seit der Antike bis heute in je unterschiedlicher Gestalt ausgepr\u00e4gt hat. Stra\u00dfennamen zeugen von wandernden Volksst\u00e4mmen des Mittelalters in K\u00f6ln, Kaufleute aus Italien oder Frankreich wie die Farina oder die Foveaux lie\u00dfen sich im 18. Jh. in Deutschland nieder und die Nachkriegseinwanderung begann schon vor dem ersten Anwerbeabkommen mit Italien 1955.<br>Doch erst seit den 1990er Jahren ist das Thema Migration Gegenstand musealen Interesses. So kam dieser Gebetsteppich 1995 ins K\u00f6lnische Stadtmuseum.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"410\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/615__4199718_lo.jpg\" alt=\"Man sieht einen Gebetsteppich mit einem orientalischen Muster. Die Farbe rot dominiert.\" class=\"wp-image-1514\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/615__4199718_lo.jpg 410w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/615__4199718_lo-194x300.jpg 194w\" sizes=\"(max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Gebetsteppich<\/strong>,T\u00fcrkei, um 1990.&nbsp;Foto: rba_d033526<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Das Eingest\u00e4ndnis, dass wir in einem Einwanderungsland leben, ist ziemlich neu. Noch in einer Regierungserkl\u00e4rung von 1989 lie\u00df Helmut Kohl verlauten, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei und auch keines mehr w\u00fcrde. Eine ahistorische Aussage schon in Anbetracht der Arbeitsmigration des 20. Jahrhunderts und den 4,8 Millionen Migranten, die 1989 in Deutschland lebten. Die Einwanderung endete nicht mit dem Anwerbestopp von 1973, und sie begann weit vor dem ersten Anwerbeabkommen mit Italien 1955. Schon viel fr\u00fcher gab es Migrationsstr\u00f6me ins und im Gebiet der heutigen Bundesrepublik: die \u00bbHeimatvertriebenen\u00ab der direkten Nachkriegszeit, Zwangsmigration im Nationalsozialismus, \u00bbRuhrpolen\u00ab, Wanderziegler und italienische Industriearbeiter w\u00e4hrend der Industrialisierung, Glaubensfl\u00fcchtlinge zur Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges, Wanderungen infolge der Pestepidemie im 14. Jahrhundert, V\u00f6lkerwanderungen im \u00dcbergang von Antike zum Mittelalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Museen haben einen entscheidenden Anteil daran, die Migration nicht als singul\u00e4re Erscheinung des 20. Jahrhunderts darzustellen, sondern als das, was sie ist: ein Dauerzustand der Menschheitsgeschichte. In den letzten Jahren haben sie damit begonnen, das Thema Migration als Sammlungsgebiet zu entdecken. Insbesondere Objekte aus der Migrationsgeschichte seit den 1950er Jahren werden vielfach aktiv (durch Aufrufe in Zeitungen oder im Rahmen von Ausstellungsprojekten) gesammelt. Im K\u00f6lnischen Stadtmuseum wurde Mitte der 1990er Jahre erstmals eine Mitarbeiterin mit dieser Aufgabe betraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig wurden und werden die eigenen Sammlungen zum Thema Migration befragt: Der Dombau kam im Mittelalter und im 19. Jahrhundert nicht ohne die Hilfe von \u00bbreichsfremden\u00ab Europ\u00e4ern voran, und im 18. Jahrhundert hie\u00dfen einflussreiche K\u00f6lner Kaufleute Farina, Foveaux und DuMont. Zehntausende Pilger aus ganz Europa pr\u00e4gten das Stra\u00dfenbild im Mittelalter. Ganz zu schweigen von den R\u00f6mern und Germanen, die vor rund 2.000 Jahren als Ortsfremde die Colonia gr\u00fcndeten. Zu all diesen Migrationsgeschichten gibt es im K\u00f6lnischen Stadtmuseum Objekte, die Auskunft dar\u00fcber geben, wie sich das Leben von Migranten in den letzten zwei Jahrtausenden gestaltete \u2013 und wie die Migranten die Stadt gestalteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1995 befindet sich dieser Gebetsteppich im Bestand des K\u00f6lnischen Stadtmuseums. Die fr\u00fchere Besitzerin Hise Ibrahimov ist Roma und lebte mit ihrer Familie lange in der T\u00fcrkei. Ein befreundeter T\u00fcrke schenkte ihr den Teppich aus Freude dar\u00fcber, dass sie sich zum Islam bekannte. Doch obwohl die Ibrahimovs Muslime waren, feierten sie auch christliche Feste. Auf dem Teppich betete Hise jeden Tag zu Allah, weshalb sie ihn \u00bbcam?a\u00ab (t\u00fcrk. etwa: Gottesreich) nannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der rote Teppich ist mit schwarz-wei\u00df-roten Mustern und floralen Motiven verziert. Im inneren Feld des Teppichs findet sich die kennzeichnende vereinfachte Darstellung einer Gebetsnische (Mihrab) in der Moschee. Diese muss beim Gebet nach Mekka ausgerichtet sein. Gebetsteppiche sind nach islamischem Recht von den Betenden zu benutzen, um zu verhindern, dass ein Gebet durch Verunreinigungen des Bodens (z. B. durch Urin oder Blut) ung\u00fcltig wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere und deutschlandweit einzigartige&nbsp;Sammlung von Schriftgut und mehreren tausend Objekten zur Geschichte der Migration seit dem ersten Anwerbeabkommen von 1955 befindet sich im K\u00f6lner \u00bbDokumentationszentrum und Museum \u00fcber die Migration in Deutschland\u00ab (DOMiD). Seit 1990 sammelt der von Einwanderern gegr\u00fcndete Verein Objekte \u00bbmit Migrationshintergrund\u00ab. Das langfristige Ziel: ein deutsches Migrationsmuseum.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Migranten sind f\u00fcr das Stadtmuseum nicht nur als \u00bbThema\u00ab bedeutend, sondern auch als Besucher. Rund 160.000 Menschen leben in K\u00f6ln, die selbst oder deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden. Im Rahmen der Projekte \u00bbZweite Heimat K\u00f6ln\u00ab (2007\u20132012) und \u00bbBlickwinkel\u00ab (seit 2012) wurden Sprachbarrieren abgebaut und eine st\u00e4rkere Vernetzung mit den einzelnen Communitys geschaffen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Gebetsteppich, T\u00fcrkei, um 1990, Synthetik; L: 125 cm, B: 70 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM 1995\/40.&nbsp;Ankauf von Hise Ibrahimov, K\u00f6ln. Foto: rba_d033526<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Sascha Pries M.A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Museum mit Migrationshintergrund Migration ist nicht ein Ph\u00e4nomen der letzten Jahre, sondern ein Dauerph\u00e4nomen, das sich seit der Antike bis heute in je unterschiedlicher Gestalt ausgepr\u00e4gt hat. 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