{"id":185,"date":"2021-10-13T16:57:29","date_gmt":"2021-10-13T14:57:29","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=185"},"modified":"2022-02-18T08:05:59","modified_gmt":"2022-02-18T07:05:59","slug":"sekt-im-raumschiff","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/wirtschaft\/sekt-im-raumschiff\/","title":{"rendered":"Sekt im Raumschiff"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"sekt-im-raumschiff\">Sekt im Raumschiff<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Wenige Ereignisse des letzten halben Jahrhunderts blieben den Menschen so in Erinnerung wie die Herstatt-Pleite von 1974. Ein halbes Jahr vorher noch hatte Bankier Iwan-D. Herstatt seinen 60.&nbsp;Geburtstag als rauschendes Fest gefeiert.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"447\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/585__7116897_lo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1549\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/585__7116897_lo.jpg 447w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/585__7116897_lo-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption><strong>Zwei leere Sektflaschen von der Feier zu Iwan D. Herstatts 60. Geburtstag<\/strong>, K\u00f6ln, 16. Dezember 1973,&nbsp;KSM 1988\/655.&nbsp;Foto: rba_d033513<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>\u00bbEs liegt der seltene Fall vor, da\u00df es dem z\u00e4hen Streben eines Nachfahren gelungen ist, eine sehr alte, doch vor zwei Generationen erloschene Bankfirma neu zu etablieren und ihr einen ansehnlichen Rang im Kreditwesen zu gewinnen\u00ab, schrieb Hans Ulrich Freiherr von Wangenheim 1963 im \u00bbVolkswirt\u00ab. Das 1955 wiedergegr\u00fcndete Bankhaus I. D. Herstatt machte auf die zeitgen\u00f6ssischen Fachbeobachter einigen Eindruck. Noch mehr Eindruck \u2013 jetzt auch auf ein internationales Publikum \u2013 machte das Bankhaus, als es 1974 v\u00f6llig zusammenbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1955 war Herstatts Bankhaus in atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen: Die Bilanzsumme lag 1956 bei 72 Millionen DM und wuchs bis 1973 auf 2 Milliarden. Gleichzeitig erh\u00f6hte sich die Zahl der Mitarbeiter von 15 auf 850. Einer davon war Dany Dattel, der 1958 als Lehrling in das Unternehmen kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem das Devisengesch\u00e4ft entwickelte sich zu einem Standbein. Erst seit 1971 waren die europ\u00e4ischen W\u00e4hrungen vom Dollar entkoppelt, was eine Spekulation auf Devisen zulie\u00df. Herstatt geh\u00f6rte zu einer der wenigen Privatbanken, die an diesem riskanten Gesch\u00e4ft auf eigene Rechnung teilnahmen. Iwan Herstatt f\u00f6rderte diese Art der Spekulation und machte Dattel zum Leiter der Devisenabteilung. Im \u00bbRaumschiff Orion\u00ab, wie das futuristische B\u00fcro der Abteilung intern hie\u00df, wurden Millionen verdient. Das riskante Zocken mit Devisen wurde Teil der Unternehmenskultur.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAls ich am 16. Dezember 1973 meinen 60. Geburtstag feiern konnte, glaubte ich, alles erreicht zu haben, was ich mir in meinen k\u00fchnsten Tr\u00e4umen vorgestellt hatte\u00ab, schrieb Iwan Herstatt 1992. Es war ein (be-)rauschendes Fest mit rund 900 G\u00e4sten, der Sekt floss in Str\u00f6men. Die hier gezeigten Flaschen wurden dem K\u00f6lnischen Stadtmuseum 1988 geschenkt. Schon zwischen 1782 und 1888 hatte es ein Bankhaus Herstatt in K\u00f6ln gegeben. Doch w\u00e4hrend die vielen in der Sammlung vorhandenen Portr\u00e4t-Gem\u00e4lde aus dem 18. bis 20. Jahrhundert die gro\u00dfe Zeit des Bankhauses andeuten, versinnbildlichen diese beiden leeren Flaschen gerade dessen Niedergang.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass im Dezember 1973 schon die ersten N\u00e4gel in den Sarg des Bankhauses getrieben wurden, ahnte noch niemand. Herstatt hatte wegen des schwankenden Dollar-Kurses das Investitionsvolumen im Devisenhandel auf 25 Millionen Dollar pro Transaktion begrenzt. Tats\u00e4chlich investierten Dattel und seine Mitarbeiter oft mehrere hundert Millionen Dollar. \u00dcber eine Abbruchtaste am Computer konnten solche Gesch\u00e4fte (und deren Verluste) aus den Bilanzen herausgehalten werden. Ein Vergleich der Kurse mit den Gewinnen h\u00e4tte diese Praxis schon fr\u00fch aufdecken k\u00f6nnen, doch wom\u00f6glich wollte die Chefetage bei Herstatt es so genau auch nicht wissen \u2013 solange nur der Rubel rollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 1974 kam es dann zum Zusammenbruch des Unternehmens. Die Verluste hatten sich zu einem Schuldenberg von rund 500 Millionen DM angeh\u00e4uft. Gespr\u00e4che zwischen dem Gerling-Konzern, dem ein Gro\u00dfteil der Herstatt-Aktien geh\u00f6rte, und verschiedenen Gro\u00dfbanken verliefen ergebnislos. Die Abwicklung der Pleite dauerte bis 2006. Es konnten gro\u00dfe Teile der Verm\u00f6genseinlagen an die Schuldner zur\u00fcckgezahlt werden. Herstatt und einige seiner Devisenh\u00e4ndler wurden zu Bew\u00e4hrungsstrafen verurteilt. Dany Dattel ging wegen eines Traumas, das er durch die Internierung im Konzentrationslager Auschwitz erlitten hatte, straffrei aus. Bis heute ist nicht klar, wer die Hauptschuld am Zusammenbruch des Bankhauses tr\u00e4gt. Herstatt und Dattel beschuldigten sich gegenseitig und wiesen die Verantwortung von sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSie [die Herstatts] zogen gegen\u00fcber den st\u00fcrmischen, stets von neuen Ideen und Pl\u00e4nen beherrschten Konsorten die Risiken n\u00fcchtern in Rechnung. Diese abw\u00e4gende Art war Ausdruck einer \u00e4u\u00dferst soliden Gesch\u00e4ftshandhabung, die sp\u00e4ter geradezu sprichw\u00f6rtlich werden sollte.\u00ab Das Zitat aus der Festschrift zum 50. Geburtstag von Iwan Herstatt wirkt aus heutiger Sicht fast zynisch. Das Abschlusskapitel des Bankhauses Herstatt erlangt durch die aktuellen Geschehnisse im Bankensektor traurige Aktualit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Zwei leere Sektflaschen von der Feier zu Iwan D. Herstatts 60. Geburtstag mit diversen Autogrammen, K\u00f6ln, 16. Dezember 1973,&nbsp;dunkelgr\u00fcnes Glas; H: 30 cm, Dm: 8,5 cm,&nbsp;Inv.-Nr. KSM&nbsp;1988\/655.&nbsp;Foto: rba_d033513<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Sascha Pries<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sekt im Raumschiff Wenige Ereignisse des letzten halben Jahrhunderts blieben den Menschen so in Erinnerung wie die Herstatt-Pleite von 1974. Ein halbes Jahr vorher noch hatte Bankier Iwan-D. 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