{"id":181,"date":"2021-10-13T16:56:57","date_gmt":"2021-10-13T14:56:57","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/?post_type=sammlung&#038;p=181"},"modified":"2022-02-18T08:05:32","modified_gmt":"2022-02-18T07:05:32","slug":"politische-terrine","status":"publish","type":"sammlung","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/sammlung\/wirtschaft\/politische-terrine\/","title":{"rendered":"Politische Terrine"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-ksm-featured-image-page is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1260\" height=\"280\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2148\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1260x280.jpg 1260w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-300x67.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1024x228.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-768x171.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-1536x341.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sammlung_Headerbild-2048x455.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1260px) 100vw, 1260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\" id=\"politische-terrine\">Politische Terrine<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><strong><strong>Nach Aufl\u00f6sung der Gaffeln gelangte diese Prunkterrine in K\u00f6lner Privatbesitz und wurde mit dem Wappen der Familie Herweg graviert. Terrine, Schale und L\u00f6ffel waren im 18.&nbsp;Jahrhundert f\u00fcr die reiche K\u00f6lner Kaufmannsgaffel Himmelreich in Augsburg, dem Zentrum der deutschen Goldschmiedekunst, gefertigt worden.<\/strong><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"545\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/326__4714685_lo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1545\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/326__4714685_lo.jpg 634w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/326__4714685_lo-300x258.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption><strong>Terrine, Schale und L\u00f6ffel aus dem Gaffelhaus der Gaffel Himmelreich, <\/strong>Mitte des 18.&nbsp;Jahrhunderts.&nbsp;Foto: rba_d033533<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Mitte des 18. Jahrhunderts lie\u00dfen die Genossen der vornehmen Gaffel Himmelreich eine Terrine in Augsburg, einem Zentrum der deutschen Goldschmiedekunst und bekannt f\u00fcr seine phantasievollen Rokoko-Deckelterrinen, anfertigen. Die K\u00fcnste der K\u00f6lner Handwerker befriedigten offensichtlich die Anspr\u00fcche der weltgewandten Handelsherren nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Silberschmiede dieses Ensembles geh\u00f6rten zu den besten, die Augsburg in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufzuweisen hatte. Salomon Dreyer (1699\u20131762), seit 1714 in Augsburg als Gold- und Silberschmied nachweisbar, arbeitete unter anderem f\u00fcr den s\u00e4chsischen Hof. 1761 und 1762 war er Geschaumeister. Sein Kollege Emanuel Gottlieb Oernster (1718\u20131767) war seit 1733 in Augsburg t\u00e4tig. 1764 fertigte er den von der F\u00fcrst\u00e4btissin von S\u00e4ckingen gestifteten Fridolinsschrein f\u00fcr M\u00fcnster; von ihm stammen auch Teile des Tafelsilbers f\u00fcr Hildesheim und des F\u00fcrsten von Thurn und Taxis. Die Augsburger waren auch bekannt f\u00fcr ihre ausgezeichnete Emailmalerei. Das emaillierte Wappen im Griff der Deckelterrine zeigt das Wappen der K\u00f6lner Gaffel Himmelreich: Im himmelblauen Orbit erscheinen unter einer goldenen Krone die Sonne, ein Halbmond und Sterne, ebenfalls in Gold.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Weberherrschaft 1370\/71 hatten sich K\u00f6lner H\u00e4ndler nach dem Vorbild der Gaffel Eisenmarkt in weiteren Verb\u00e4nden zusammengeschlossen. W\u00e4hrend in der Gaffel Windeck vornehmlich Neub\u00fcrger anzutreffen waren, fand man in der Gaffel Himmelreich eher die (reichen) Weinh\u00e4ndler. Im September 1396 hatten die K\u00f6lner Kaufleute und Handwerker der Herrschaft der \u00f6rtlichen Geschlechter ein Ende gesetzt und sich mit dem Verbundbrief eine neue Verfassung gegeben. Nun erforderte die Reform der Ratsherrschaft eine Neuordnung der st\u00e4dtischen Gesellschaft, und da die Kaufleute die eigentlichen Gewinner des Umsturzes waren, hatten sie die Bedingungen der Neuordnung vorgegeben. Die gesamte B\u00fcrgerschaft wurde in 22 Gaffeln eingeteilt, die sich aus Kaufleuteverb\u00e4nden wie der Gaffel Himmelreich und Handwerkerz\u00fcnften, in K\u00f6ln \u00c4mter genannt, zusammensetzten und die ihrerseits das politische Personal w\u00e4hlten. Zentrum war das jeweilige Gaffelhaus, das entsprechend ausgeschm\u00fcckt wurde,&nbsp;sei es als Stiftung wohlhabender Gaffelgenossen oder aus der gemeinsamen Kasse. Das Gaffelhaus Himmelreich befand sich seit 1416 in der Stra\u00dfe Auf dem Himmelreich, die nach der Gaffel benannt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Auftraggeber dieses Silberensembles ist nicht bekannt \u2013 m\u00f6glicherweise war es die Gaffel selbst, vielleicht war es aber auch ein Geschenk eines der verm\u00f6genden Mitglieder. Diese kostbare Terrine gelangte \u00fcber den Nachlass von Franz Jacob von Herweg (1773\u20131848) nach D\u00fcsseldorf an die Familie von Weise. Nachdem das Ensemble den Besitzer gewechselt hatte, wurden L\u00f6ffel, Schale, Terrine und Terrinendeckel mit dem Familienwappen der von Herwegs \u2013 einem goldenen Schr\u00e4gbalken in schwarzem Feld, gekr\u00f6nt von einer Freiherrnkrone \u2013 versehen. Die wohl in K\u00f6ln erfolgten Gravuren weichen erheblich von der hochklassigen Augsburger Arbeit ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Franz Jacob Herweg stammte aus einer bedeutenden K\u00f6lner Kaufmanns- und B\u00fcrgermeisterfamilie, die der Gaffel Himmelreich angeh\u00f6rt hatte. Nach Aufhebung der Gaffeln kam die Terrine in seinen Besitz. Als verm\u00f6gender Rentier hatte er wohl gen\u00fcgend Zeit, sich unentgeltlich um die Belange seiner Vaterstadt zu k\u00fcmmern. So war er 1801 bis 1814 Munizipalrat zu K\u00f6ln und 1800 bis 1816 Beigeordneter, dann bis 1846 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Er war zudem langj\u00e4hriger Pr\u00e4sident der Armenverwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>1800 heiratete er Agatha von Weise (1773\u20131847). Das Ehepaar blieb kinderlos, sodass der Familienbesitz an die Familie von Weise kam. Mit Stefan Lochners \u00bbMuttergottes in der Rosenlaube\u00ab hinterlie\u00df Franz Jacob dem \u00bbSt\u00e4dtischen Museum\u00ab (Wallraf-Richartz-Museum) eines seiner wichtigsten Bilder. Vielleicht pflegte die Familie Herweg unter dem Blick der Madonna aus der Terrine zu speisen?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Terrine, Schale und L\u00f6ffel aus dem Gaffelhaus der Gaffel Himmelreich, Augsburg, Mitte des 18.&nbsp;Jahrhunderts.&nbsp;Schale: Salomon Dreyer, Augsburg, 1739,&nbsp;Silber, getrieben; H: 4,2 cm, B: 54 cm, T: 31 cm.&nbsp;Terrine und Servierl\u00f6ffel: Emanuel Gottlieb Oernster, Augsburg, 1755,&nbsp;Silber, teilvergoldet, getrieben, gegossen, graviert; Email.&nbsp;Terrine: H:&nbsp;34&nbsp;cm, B:&nbsp;47&nbsp;cm; L\u00f6ffel: Gesamt-L: 44&nbsp;cm, Kelle: L: 8,7&nbsp;cm.&nbsp;Inv.-Nr. HM&nbsp;1929\/412&nbsp;a\u2013c.&nbsp;Ankauf von Frau von Weise, D\u00fcsseldorf, f\u00fcr 3.000 Reichsmark. Foto: rba_d033533<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor: Rita Wagner M. A.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Terrine Nach Aufl\u00f6sung der Gaffeln gelangte diese Prunkterrine in K\u00f6lner Privatbesitz und wurde mit dem Wappen der Familie Herweg graviert. Terrine, Schale und L\u00f6ffel waren im 18.&nbsp;Jahrhundert f\u00fcr die reiche K\u00f6lner Kaufmannsgaffel Himmelreich in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1545,"parent":159,"menu_order":0,"template":"","class_list":["post-181","sammlung","type-sammlung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/181","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/sammlung"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2296,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/181\/revisions\/2296"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/sammlung\/159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}