{"id":9444,"date":"2023-05-18T12:24:39","date_gmt":"2023-05-18T10:24:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=9444"},"modified":"2024-03-19T20:37:51","modified_gmt":"2024-03-19T19:37:51","slug":"das-geheimnis-der-koelner-stadtschluessel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/das-geheimnis-der-koelner-stadtschluessel\/","title":{"rendered":"Das Geheimnis der K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel in der POP-UP-BAR"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-ksm-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/3jPYE4xQcdZVHvEZpouDTu?si=NYGlzlO9SvG-E9aKjk1OoQ&amp;utm_source=oembed\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alle Infos auch in unserer neuen Podcast-Folge!<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Doch der Reihe nach: Wof\u00fcr waren die Schl\u00fcssel? Sie sichern die Tore einer der gr\u00f6\u00dften und wichtigsten Metropolen von Europa. In K\u00f6ln leben im Mittelalter rund 40.000 Menschen \u2013 f\u00fcr damals eine imposante Zahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie alle leben, arbeiten und handeln innerhalb einer Stadtmauer, die f\u00fcr Sicherheit und Superlative sorgt: Dieser gigantische Mauerring war rund neun Kilometer lang, umschloss eine riesige Fl\u00e4che von \u00fcber 400 Hektar (das entspricht rund 560 Fu\u00dfballfeldern) und gilt bei seiner Vollendung im 13. Jahrhundert nach Rom und Konstantinopel als gr\u00f6\u00dfte Stadtbefestigung Europas.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><br>\u201eSie war noch gewaltiger als die Stadtbefestigung von Paris\u201c, so Historiker Mario Kramp. \u201eDie Mauer war damals wahrscheinlich zu gro\u00df dimensioniert.\u201c Er vermutet, dass die Stadt auf ein Wachstum setzte, das dann aber doch nicht so schnell eintrat wie erwartet. In den weiteren Jahrhunderten bleiben deswegen viele Grundst\u00fccke unbebaut. Im 18. Jahrhundert bestehen 13 Prozent der Stadtfl\u00e4che aus Wein- und Kr\u00e4uterg\u00e4rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zur Stadtmauer. Seit ihrem Abriss 1881 sind von dem gewaltigen Mauerring nur noch Fragmente \u00fcbriggeblieben. Darunter die Severinstorburg, das Hahnentor und die Eigelsteintorburg.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Pop-UP-Bar_Stadttorschluessel_museenkoeln_P02.svg\" alt=\"Die Abbildung zeigt das Ausstellungsplakat\" class=\"wp-image-9448\" style=\"width:484px\"\/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><br><strong>WIE VIELE STADTTORE WAREN ABZUSICHERN?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein R\u00e4tsel der sch\u00fctzenden XXL-Mauer ist bis heute ungel\u00f6st: Wie viele Tore, Eing\u00e4nge und damit m\u00f6gliche Schl\u00fcssel hatte die Stadt \u00fcberhaupt? Die Forschungsliteratur vermutet allein auf der Landseite zwischen neun und vierzehn Toren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Von S\u00fcden nach Norden sind das ein Tor am Bayenturm, dann folgen &nbsp;Severinstor, Ulretor, Pantaleonstor, Schaafentor, Bachtor, Weyertor, Hahnentor, Ehrentor, Friesentor, Gereonstor, Eigelsteintor, Kahlenhausener Tor und das letzte am Kunibertsturm.<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Am direkten Rheinufer entlang folgen weitere gr\u00f6\u00dfere und kleine Tore und Zug\u00e4nge zum Wasser. Ihre Zahl schwankt zwischen 19 und 32.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese gigantische Befestigungsanlage muss \u00fcber die Jahrhunderte f\u00fcr Unsummen an Geld nicht nur st\u00e4ndig repariert und erneuert werden. Sie soll vor allem f\u00fcr Sicherheit sorgen. Daf\u00fcr sind die Tore die entscheidenden Wege und \u201eNervenstr\u00e4nge\u201c in die Stadt hinein und hinaus \u2013 ob f\u00fcr B\u00fcrger*innen, H\u00e4ndler*innen, Bauern, B\u00e4uerinnen oder auch feindliche Truppen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"227\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-227x300.jpg\" alt=\"Die Hahnentorburg\" class=\"wp-image-9463\" style=\"width:431px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-227x300.jpg 227w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-776x1024.jpg 776w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-768x1014.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-1164x1536.jpg 1164w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-1551x2048.jpg 1551w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-246x325.jpg 246w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-492x650.jpg 492w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-600x792.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-485x640.jpg 485w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Abb.-29-Hahnentor-Foto-Kramp-2021_4-1-scaled.jpg 1939w\" sizes=\"(max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hahnentorburg, \u00a9 M. Kramp<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size\">                                                        <br><strong><strong>ALTERT\u00dcMLICHE VORH\u00c4NGESCHL\u00d6SSER<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie schlie\u00dft man eigentlich eine so gro\u00dfe Stadt ab? \u201eMit Vorh\u00e4ngeschl\u00f6ssern\u201c, verbl\u00fcfft Mario Kramp. \u201eDie sind von ganz altert\u00fcmlicher Bauart, f\u00fcr die man riesige Steckschl\u00fcssel ben\u00f6tigte. Beim Hineinstecken spreizte sich eine Feder. So \u00f6ffnete sich erst das Schloss und dann konnte man die gewaltigen Tore ebenfalls aufstemmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Da diese<\/strong> <strong>Schl\u00f6sser aus Sicherheitsgr\u00fcnden alle 14 Tage ausgetauscht werden m\u00fcssen, gibt es schnell eine v\u00f6llig un\u00fcbersichtliche Anzahl von Schl\u00fcsseln daf\u00fcr. Ob diese Security-Regel des Rates auch immer eingehalten wird, wei\u00df bis heute niemand.<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong><strong>WER HATTE DIE SCHL\u00dcSSELGEWALT?<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr w\u00e4hlt der Rat damals zwei Rentmeister als oberste Dienstherren. Die werden f\u00fcr ihren wichtigen Job von der Stadt richtig bezahlt und \u00fcben ihn bis 1437 lebensl\u00e4nglich aus. Danach wird das Amt auf zwei Jahre beschr\u00e4nkt. Da zwei Rentmeister nat\u00fcrlich nicht alle Tore st\u00e4ndig unter Kontrolle haben k\u00f6nnen, reichen sie die Verantwortung an die Burggrafen weiter. Die wiederum besch\u00e4ftigen daf\u00fcr Torw\u00e4chter und B\u00fcchsenmacher \u2013 alles nat\u00fcrlich damals eine reine M\u00e4nnersache.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie meisten Burggrafen wohnten direkt in oder bei den Toren und waren daf\u00fcr verantwortlich, dass die jeden Morgen p\u00fcnktlich ge\u00f6ffnet und abends wieder ordnungsgem\u00e4\u00df verschlossen wurden,\u201c so Mario Kramp.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alltag haben sich die K\u00f6lner \u00fcbrigens schnell auf nur f\u00fcnf gr\u00f6\u00dfere Torburgen f\u00fcr den t\u00e4glichen Durchgangsverkehr konzentriert. Das sind das Severinstor, Weyertor, Hahnentor, Ehrentor und Eigelsteintor. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als K\u00f6ln sich w\u00e4hrend des Truchsessischen Krieges in den 1580er Jahren in Gefahr sieht, werden aus Sicherheitsgr\u00fcnden alle Schl\u00fcssel zentral zusammengezogen und neben dem Stadtsiegel in einem \u201eHochsicherheitsschrank\u201c in der Rentkammer des Rathauses aufbewahrt. Doch wie viele lagern damals in jenem bestens bewachten Panzer-Schrank? Auch dazu gibt es leider keine verl\u00e4sslichen Quellen. Fest steht nur: Zum \u00d6ffnen des Schrankes ben\u00f6tigt man 23 weitere Schl\u00fcssel\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong><strong>DIE FRANZOSEN STEHEN VOR DEM TOR<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die m\u00e4chtige Stadtmauer von K\u00f6ln wird im Mittelalter niemals wirklich richtig angegriffen. Kein Wunder, dass der Befestigungsring im 18. Jahrhundert von au\u00dfen zwar immer noch imposant und unversehrt aussieht, doch sich vor Ort als br\u00f6ckeliges Gem\u00e4uer entlarvt. Eine Sanierung w\u00e4re dringend n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die K\u00f6lner Kanonen sollen sich beim Einmarsch der Franzosen als mittelalterliche Oldies entpuppt haben, deren milit\u00e4rische Effizienz Historiker Kramp stark bezweifelt. Bereits 1759 soll sich der franz\u00f6sische Kommandant in K\u00f6ln beklagt haben: \u201eWer diese Kanonen gebrauchen wolle, w\u00fcrde sich wohl eher selber t\u00f6ten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch zur\u00fcck zum 4. Oktober 1794: W\u00e4hrend die Franz\u00f6sische Armee auf K\u00f6ln vorr\u00fcckt, um die kaiserliche Armee anzugreifen, zieht die sich \u00fcber den Rhein in Richtung Osten zur\u00fcck. Am 6. Oktober fl\u00fcchten die letzten kaiserlichen Soldaten auf das andere Rheinufer nach M\u00fclheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren stinksauer auf die K\u00f6lner. Der Grund: Sie hatten zur Verteidigung der Stadt um die (alten) Kanonen gebeten, die im Zeughaus lagerten. \u201eDoch die B\u00fcrger hatten die Kaiserlichen hingehalten. Sie h\u00e4tten entweder keine Leute f\u00fcr den Transport oder keine Zeit. Au\u00dferdem seien die Kanonen viel zu schwer,\u201c so Kramp.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hintergrund f\u00fcr die k\u00f6lsche Inhalte-Taktik: Die Ratsmitglieder m\u00f6chten ihre Stadt unbedingt kampflos \u00fcbergeben, um ein Blutbad und die Zerst\u00f6rung zu vermeiden. Ein Spiel auf Risiko, denn was will der Gegner? Will er brandschatzen, morden und pl\u00fcndern? Oder m\u00f6chte er vor allem \u201enur\u201c ganz symbolisch \u2013 die Schl\u00fcssel zur Stadt und damit die Macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend der Rat der Stadt in den fr\u00fchen Morgenstunden hektisch tagt, reitet der Poststallmeister Johann Peter Augustin Elsen den Franzosen auf der Aachener Stra\u00dfe mutig entgegen. Er ist zwar Mitglied der b\u00fcrgerlichen Opposition, hat aber f\u00fcr seinen Vorsto\u00df weder einen Auftrag noch eine Legitimation. So staunen die beiden Gener\u00e4le Hatry und Morlot als milit\u00e4rische Vorhut nicht schlecht \u00fcber den beherzten B\u00fcrger und erbitten von ihm f\u00fcr die Kapitulation die ber\u00fchmten Schl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"907\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-907x1024.jpg\" alt=\"The originals of the Cologne city keys handed over in 1794, on loan from the French National Archives \" class=\"wp-image-9460\" style=\"width:680px;height:768px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-907x1024.jpg 907w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-266x300.jpg 266w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-768x867.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-1360x1536.jpg 1360w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-288x325.jpg 288w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-576x650.jpg 576w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-600x678.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_-567x640.jpg 567w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/1_Stadtschluessel_.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 907px) 100vw, 907px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausstellungshighlight: die 1794 \u00fcbergebenen Originale der K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel aus dem franz\u00f6sischen Nationalarchiv(\u00a9 Archives Nationales (France) \/ Pierre Grand)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Elsen jagt zur\u00fcck in die Stadt und der verbl\u00fcffte junge B\u00fcrgermeister von Klesp\u00e9 begibt sich kurz darauf als Vertreter des erkrankten \u00e4lteren Kollegen B\u00fcrgermeister Franz Kaspar Joseph von Herrestorff mit einer Delegation vor die Tore der Stadt, um den Wunsch zu erf\u00fcllen. Daf\u00fcr muss er mit seiner Begleitung Kommandant Championnet treffen, der ebenfalls auf dem Weg nach K\u00f6ln ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schl\u00fcssel\u00fcbergabe findet am Schlagbaum vor dem Hahnentor (dort kreuzt heute die Br\u00fcsseler die Aachener Stra\u00dfe) statt. Ob es zu einer zweiten \u00dcbergabe in M\u00fcngersdorf kommt, ist geschichtlich nicht sicher. Fest steht nur: Die 40.000 K\u00f6lner B\u00fcrger*innen haben damit ab sofort ihre Sonderstellung als Freie Reichsstadt verloren \u2013 die Franzosen besetzen die Stadt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>NEUN K\u00d6LNER TROPH\u00c4EN IN PARIS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und die Schl\u00fcssel? Die kommen als Troph\u00e4en nach Paris und werden dort bejubelt. Doch welche der vielen sind es eigentlich? Fest steht: B\u00fcrgermeister von Klesp\u00e9 hat den Franzosen nur \u201eneun Kantschl\u00fcssel antiker Bauart\u201c, die an einem Eisenring h\u00e4ngen, \u00fcbergeben. Wahrscheinlich geh\u00f6ren sie zu den Vorh\u00e4ngeschl\u00f6ssern von neun Haupttoren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel landen im Nationalarchiv neben weiteren u.a. auch aus Aachen und J\u00fclich. Dort liegen sie neben den Nationalheiligt\u00fcmern der Franz\u00f6sischen Republik: Der Verfassung von 1791, der Erkl\u00e4rung der Menschenrechte von 1789, dem Ur-Kilogramm sowie dem Ur-Meter aus Platin.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau dort im Hochsicherheitsschrank werden die Stadtschl\u00fcssel im Laufe der n\u00e4chsten Jahrzehnte als Kriegsbeute buchst\u00e4blich vergessen. Die meisten europ\u00e4ischen Stadtmauern und ihre Tore sind auf dem Weg in die Moderne l\u00e4ngst gefallen und haben v\u00f6llig ihre Bedeutung verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst in den 1980er Jahren fordern deutsche St\u00e4dte von Paris ihre Schl\u00fcssel zur\u00fcck \u2013 als Zeichen der deutsch-franz\u00f6sischen Freundschaft. Da diese Original-Schl\u00fcssel von den Franzosen allerdings nie geraubt, sondern freiwillig von den Deutschen \u00fcbergeben worden waren, konnten die \u201eGeschenke\u201c nicht einfach zur\u00fcckgegeben werden. So werden von (fast) allen Kopien angefertigt und zur\u00fcck in ihre Heimat geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00e4hrend beispielsweise Trier und Aachen jetzt mit Stolz ihre einzigartigen besonderen Repliken pr\u00e4sentieren, interessiert sich in K\u00f6ln kein Mensch f\u00fcr die neun Stadtschl\u00fcssel in Paris. Warum bittet niemand um die Originale oder wenigstens aufw\u00e4ndig produzierte Kopien der kostbaren Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p>Der verbl\u00fcffende Grund: Man hatte damals im Jahr 1794 nie ALLE Stadtschl\u00fcssel aus der Hand gegeben. Man konnte es gar nicht, weil die Zahl un\u00fcberschaubar und allein ihre Verwaltung ein b\u00fcrokratisches Chaos war. Das bedeutete: K\u00f6ln hatte immer genug eigene Original-Schl\u00fcssel \u00fcbrig \u2013 bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deswegen freut sich das Stadtmuseum \u00fcber ein ganz besonderes Highlight in der POP-UP-BAR: In der Ausstellung werden jetzt die originalen neun Schl\u00fcssel pr\u00e4sentiert, die 1794 an die Franzosen \u00fcbergeben wurden. Es ist eine Leihgabe des Pariser Archives Nationales.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"9469\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9469\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-487x325.jpg 487w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-90.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"9466\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9466\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-487x325.jpg 487w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023-05-04-ConstantinEhrchen-KSM1794-96.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Unsere Pop-up-Bar mit dem Highlight-Exponat: der Original-Schl\u00fcsselbund, \u00a9 C. Ehrchen<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong><strong>ZUGABE MITADENAUER UND BAUER<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist die Geschichte der K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel aber noch lange nicht beendet. Wie ist ein Schl\u00fcssel in ein Museum nach Moskau gekommen? Welchen hat Konrad Adenauer versteckt? Und welche Schl\u00fcssel tr\u00e4gt eigentlich der K\u00f6lner Bauer allj\u00e4hrlich im Karneval? Und warum? Diese und mehr Fragen beantwortet Kurator Mario Kramp nicht nur in unserem neuen Podcast mit Birgitt Schippers, sondern auch in dem spannenden Buch \u201e1794 K\u00f6ln \u2013 Paris. Das Geheimnis der K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel\u201c (235 S., Verlag Ralf Liebe, 24 Euro). Es entstand in engem Austausch mit dem Archives Nationales.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Text: Michael Bischoff)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00f6lner Stadtschl\u00fcssel = turbulente Geschichten von Paris bis Moskau mit K\u00f6lner Pointen!<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":13059,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[85],"tags":[81,80,82],"class_list":["post-9444","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-koeln-stories","tag-franzoesische-republik","tag-stadtgeschichte","tag-stadtmauern","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9444"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13063,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9444\/revisions\/13063"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}