{"id":8781,"date":"2023-03-22T13:52:59","date_gmt":"2023-03-22T12:52:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=8781"},"modified":"2024-03-19T20:39:50","modified_gmt":"2024-03-19T19:39:50","slug":"bar-rikade-ausstellung-zu-koelner-kampf-um-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/bar-rikade-ausstellung-zu-koelner-kampf-um-freiheit\/","title":{"rendered":"1848 \u2013 Der K\u00f6lner Kampf um Freiheit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-ksm-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"Vz#50uUS4w0ZDe7QlXgllvpP\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alle Infos auch im Podcast!<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Es sind die aufregendsten sieben Monate des 19. Jahrhunderts in K\u00f6ln. Dazu geh\u00f6ren ein Fenstersturz aus dem Rathaus, die weltber\u00fchmten Polit-Legenden Karl Marx sowie Friedrich Engels als Journalisten, der beliebte Armenarzt Andreas Gottschalk und die Frauenrechtlerin Franziska Mathilde Anneke, au\u00dferdem: leere Barrikaden in der Altstadt. Sie alle sind Teil der spektakul\u00e4ren Ereignisse, die vor 175 Jahren ganz Europa elektrisieren: Die Revolution 1848.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>SOZIALE SPANNUNGEN STEIGEN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um rund 200 dramatische Tage voller politischer Geschichte(n), gro\u00dfer Schicksale und friedlichem Kampf. Wir werfen Schlaglichter auf eine Zeit, in der die K\u00f6lner*innen politisch \u00fcber sich hinauswachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie kommt es im friedlichen K\u00f6ln zu einer Revolution? Ausgerechnet in einer Stadt, die relativ friedlich durch das Mittelalter gekommen war, sich 1794 kampflos den Franzosen ergeben und im September 1804 sogar Kaiser Napoleon nebst Gattin empfangen und gefeiert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In K\u00f6ln leben kurz vor den dramatischen M\u00e4rztagen von 1848 rund 90.000 Einwohner*innen. Nur wenige Tausend M\u00e4nner gestaffelt nach Einkommen und Wohlstand d\u00fcrfen im Stadtrat eine politische Stimme abgeben. Ein paar wenige Reiche und M\u00e4chtige bestimmen und regieren die Stadt alleine.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"775\" height=\"784\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie.jpg\" alt=\"Auf dem Bild ist eine Barrikade der M\u00e4rzrevolution mit wehender Fahne und K\u00f6lner Dom im Hintergrund zu sehen.\" class=\"wp-image-8855\" style=\"width:522px;height:528px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie.jpg 775w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-297x300.jpg 297w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-768x777.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-321x325.jpg 321w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-620x627.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-300x303.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-600x607.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_176577-Kopie-120x120.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 775px) 100vw, 775px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Barrikade in K\u00f6ln am 25. September 1848, Druck und Zeitungsauszug (\u00a9 KSM\/RBA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Masse der K\u00f6lner*innen sind einfache Handwerker*innen und Arbeiter*innen. Durch den Einsatz von neuen Maschinen (vor allem in der Tuchweberei) verlieren immer mehr Menschen ihre Jobs, rutschen in der v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Stadt an die Armutsgrenze und k\u00e4mpfen ums \u00dcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1848 verzeichnen die Armenlisten rund 25.000 Bewohner*innen. Das Elend w\u00e4chst unaufhaltsam. Zwar erlaubt die preu\u00dfische Regierung beispielsweise Kinderarbeit in Fabriken (und Bergwerken) erst ab dem 9. Lebensjahr, doch nicht aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden: Die preu\u00dfische Armee sorgte sich um ausreichenden, gesunden Nachwuchs. Ansonsten, l\u00e4sst sie es \u201elaufen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>SOZIALER FUNKE Z\u00dcNDET IN PARIS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die soziale und demokratische Schieflage in K\u00f6ln ist kein regionaler Einzelfall. Und so ist es auch kein Wunder, dass der soziale Sprengstoff im schon immer aufgekl\u00e4rteren und mutigeren Paris als erster explodiert. Am 26. Februar 1848 bricht dort die Revolution aus und der K\u00f6nig muss zur\u00fccktreten. Der franz\u00f6sische Funke erreicht K\u00f6ln bereits am 3. M\u00e4rz 1848 \u2013 der Tag nach Weiberfastnacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am sp\u00e4ten Freitagnachmittag demonstrieren rund 5000 w\u00fctende und aufgebrachte K\u00f6lner vor dem Rathaus. Es sind Handwerker*innen, Arbeiter*innen, Gesell*innen und Tagel\u00f6hner*innen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Der bekannte und beliebte Armenarzt Andreas Gottschalk (1815-1849) vom \u201eBund der Kommunisten\u201c wird schlie\u00dflich ins Rathaus vorgelassen und fordert im Namen des Volkes:<br>Das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr alle, Rede- und Pressefreiheit, die Aufhebung des stehenden Heeres und die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Volksbewaffnung, ein freies Vereinigungsrecht, den Schutz der Arbeit und die Sicherstellung menschlicher Bed\u00fcrfnisse f\u00fcr alle sowie die vollst\u00e4ndige Erziehung der Kinder auf \u00f6ffentliche Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stadtrat lehnt zun\u00e4chst alle Forderungen ab. Als die w\u00fctende Menge vor dem Rathaus immer weiter anw\u00e4chst, versuchen preu\u00dfische Soldaten die aufgebrachten Menschen zu vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt zur Panik vor den Bewaffneten. Da es keine Fluchtwege gibt, dr\u00e4ngen sich viele Demonstrierende ins Rathaus. Aus Angst vor den immer w\u00fctender werdenden Protestierenden springen zwei Stadtpolitiker aus dem Fenster. Die Folge ist glimpflich: Ein Beinbruch, mehr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>ERST KARNEVAL, DANN POLITIK<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"479\" height=\"717\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung.jpg\" alt=\"Auf dem Bild ist die letzte Ausgabe der Neuen Rheinischen Zeitung von 1849 zu sehen; gedruckt in roter Tinte.\" class=\"wp-image-8858\" style=\"width:359px;height:538px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung.jpg 479w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung-217x325.jpg 217w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung-434x650.jpg 434w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung-300x449.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Rheinische-Zeitung-428x640.jpg 428w\" sizes=\"(max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Neue Rheinische Zeitung, die letzte rote Ausgabe, K\u00f6ln, 1849 (\u00a9 KSM\/RBA)&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch ab jetzt geht\u2019s rund. Zun\u00e4chst feiern die K\u00f6lner*innen zwar noch ihren hei\u00dfgeliebten Karneval zu Ende, doch das soziale Feuer lodert weiter. Weil die Versammlungs- und Pressefreiheit erstmals doch erlaubt werden, entstehen \u00fcberall politische Diskussionsrunden und -Zirkel.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge gr\u00fcnden die K\u00f6lner ihre erste B\u00fcrgerwehr (20 Kompanien, 6000 M\u00e4nner) und Andreas Gottschalk (1815-1849) den ersten K\u00f6lner Arbeiterverein (8000 Mitglieder). Er wird schnell einer gr\u00f6\u00dften in Deutschland. Mit der Gr\u00fcndung der \u201eDemokratischen Gesellschaft\u201c im Caf\u00e9 Stollwerck wehen die ersten roten Fahnen in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in den Aufruhr kommen Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) zur\u00fcck nach K\u00f6ln und sorgen mit der Neuen Rheinischen Zeitung f\u00fcr kritische Begleitt\u00f6ne. Sie berichten \u00fcber das soziale Elend in Deutschland. Kein Wunder, dass ihre b\u00fcrgerlich-liberalen Unterst\u00fctzer allm\u00e4hlich drohen, den Geldhahn zuzudrehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon kurz vor der Revolution hatte Marx in seinem kommunistischen Manifest aufgerufen: \u201eProletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!\u201c Schon damals ein publizistischer Paukenschlag gegen die Ausbeutung der Gesellschaft, der Jahrzehnte sp\u00e4ter noch f\u00fcr weitreichende globale Ver\u00e4nderungen sorgen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>K\u00d6LNER NAMEN MACHEN GESCHICHTE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auffallend in K\u00f6ln ist, wie unterschiedlich die Blick- und Ausrichtungen der einzelnen Gruppen sich unterscheiden \u2013 von monarchisch, b\u00fcrgerlich, demokratisch bis radikal sozialistisch. &nbsp;Doch K\u00f6ln wird vor allem f\u00fcr kurze Zeit, so Historiker Mario Kramp, zum Zentrum der radikalen Linken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Namen stehen stellvertretend f\u00fcr die politischen Ereignisse der damaligen Monate:<\/p>\n\n\n\n<p>Zu ihnen geh\u00f6ren der K\u00f6lner Maler <strong>Wilhelm Kleinenbroich<\/strong> (1812-1895), ein Revolution\u00e4r und Mitglied in Gottschalks Arbeiterverein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schriftsteller Moses Hess (1812-1875) fordert die Aufhebung der Klassenunterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Franziska Mathilde Anneke<\/strong> (1817-1884) gilt als Vork\u00e4mpferin der Frauen-Emanzipation und veranstaltet in ihrem Haus das \u201ekommunistische Kl\u00fcbchen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"564\" height=\"844\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1.jpg\" alt=\"Auf dem Bild ist ein Portr\u00e4t von Franziska Mathilde Anneke zu sehen.\" class=\"wp-image-8861\" style=\"width:282px;height:422px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1.jpg 564w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1-217x325.jpg 217w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1-434x650.jpg 434w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1-300x449.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Franziska-Mathilde-Anneke.-Jugendbildnis-Deutschland-um-1848-rba_L013328_52-1-428x640.jpg 428w\" sizes=\"(max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Franziska Mathilde Anneke (\u00a9 RBA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ferdinand Lassalle<\/strong> (1825-1864) wird Wortf\u00fchrer der deutschen Arbeiter*innenbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Franz Raveaux <\/strong>(1810-1851) gilt als Sohn eines K\u00f6lner Franzosen 1848 als der popul\u00e4rste Mann in K\u00f6ln. Kein Wunder, er engagiert sich neben der Politik auch noch f\u00fcr Reformen im Karneval und den Weiterbau des Doms.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jurist <strong>Hermann Becker<\/strong> (1820-1885) wird nicht nur wegen seiner Haare als \u201eder rote Becker\u201c bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Linken-Chef <strong>Robert Blum <\/strong>(1807-1848) gilt als Streiter f\u00fcr Einheit und Freiheit in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Parteikollege <strong>Jakob Venedy <\/strong>(1805-1871) engagiert sich zun\u00e4chst vom Pariser Exil aus, dann auch in K\u00f6ln f\u00fcr die revolution\u00e4ren Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaufmann <strong>Gustav Mevissen <\/strong>(1815-1899) gilt als Linksintellektueller, fordert Reformen, ergreift aber auch Partei f\u00fcr den preu\u00dfischen K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bankier <strong>Ludolf Camphausen<\/strong> (1803-1890) lehnt alle Forderungen nach einem deutschen Nationalstaat ab. Er will die Revolution ausbremsen und den Ausgleich mit der Obrigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unternehmer <strong>Heinrich von Wittgenstein<\/strong> (1797-1869) ist zwar Pr\u00e4sident der Armenverwaltung, des Festkomitees K\u00f6lner Karneval und des Dombau-Vereins. Doch als erster Regierungspr\u00e4sident tritt er nach dem Misstrauensvotum der B\u00fcrgerwehr bereits 1848 zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Heinrich Merkens<\/strong> (177-1854) steht als Pr\u00e4sident der Handelskammer und Direktor der Rheinischen Eisenbahngesellschaft f\u00fcr die Gleichstellung j\u00fcdischer Menschen und des Freihandels.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PREUSSISCHE REGIERUNG SCHL\u00c4GT ZUR\u00dcCK<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bald wehen \u00fcberall in K\u00f6ln Fahnen in Schwarz-Rot-Gold. Das sind auch die Farben der K\u00f6lner B\u00fcrgerwehr, die sich in den aufkeimenden K\u00e4mpfen allerdings auffallend zur\u00fcckh\u00e4lt. Denn dass die preu\u00dfische Regierung sich den K\u00f6lner Aufstand nicht lange aus der Ferne tatenlos anschauen kann, liegt auf der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgen Verhaftungen und weitere Proteste. Engels hatte zwar gro\u00dfe Demonstrationen mit roten Fahnen organisiert, doch die Lage spitzt sich <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"762\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-1024x762.jpg\" alt=\"Auf dem Bild ist ein Spottblatt zur M\u00e4rzrevolution 1848 in K\u00f6ln zu sehen. Der Titel in der oberen Bildmitte ist &quot;Alaaf C\u00f6ln!&quot; Darauf folgen vier Bilder, drei davon mit Bildunterschrift: Zuerst &quot;Freiheit und Republik&quot;, dann &quot;Brarrikade an der Schildergasse&quot; und schlie\u00dflich &quot;Entwaffnung der B\u00fcrgerwehr&quot;. Auf dem letzten Bild ist ein Grabstein mit der Aufschrift&quot; Hier ruhen in Frieden die C\u00f6lner Barrikaden&quot; zu sehen, auf den ein Hund und eine uniformierte Person ihre Notdurft verrichten.\" class=\"wp-image-8870\" style=\"width:512px;height:381px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-1024x762.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-768x572.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-437x325.jpg 437w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-620x461.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein-600x447.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/rba_d033414-klein.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Spottblatt \u201e1848 \u2013 Alaaf C\u00f6ln!\u201c, Lithografie, 1848\/49<br>(\u00a9 KSM \/ RBA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>zu. In der Altstadt errichten die Revolution\u00e4r*innen schlie\u00dflich am 25. September gegen die preu\u00dfischen Soldaten \u00fcberall Barrikaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch als keine Truppen erscheinen, gehen die kampfbereiten Bewacher*innen am Abend in die Brauh\u00e4user und feiern. Die erwarteten Truppen kommen allerdings erst in den fr\u00fchen Morgenstunden und finden keine Gegenwehr \u2013 die Revolution geht in einem ganz anderen Rausch unblutig zu Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Am gleichen Tag m\u00fcssen alle B\u00fcrger*innen ihre Waffen abgeben. Die preu\u00dfische Staatsmacht greift r\u00fccksichtslos durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig die Nationalversammlung in Frankfurt im Dezember aufl\u00f6st, flammen in Deutschland noch einzelne Proteste auf. Marx ruft die K\u00f6lner*innen zur Ruhe und Besonnenheit auf. So bleibt es am Rhein friedlich. Ein paar Monate sp\u00e4ter im Mai 1849 wird er aus der Stadt ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest ist Geschichte: Die Staatsmacht verbietet kritische Zeitungen und den Arbeiterverein, bespitzelt polizeilich Vereine oder l\u00f6st sie sofort auf. Beim sogenannten K\u00f6lner Kommunistenprozess 1852 werden viele Beteiligte verurteilt, oder sie fl\u00fcchten noch rechtzeitig ins Exil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mathilde Franziska Anneke (1817-1884) ist eine von ihnen. In den USA engagiert sie sich f\u00fcr Frauenrechte und gegen die Sklaverei. Anneke gr\u00fcndet eine deutschsprachige M\u00e4dchenschule. Die Vork\u00e4mpferin der Emanzipation stirbt 1884 in Milwaukee.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Carl Schurz (1829-1906) macht als Gegner der Sklaverei in den USA Wahlkampf f\u00fcr Abraham Lincoln. Er wird Botschafter in Spanien. Dann k\u00e4mpft er, wie viele deutsche 48er, im B\u00fcrgerkrieg f\u00fcr die Union. 1877 wird er US-Innenminister. Als angesehener Politiker stirbt er 1906 in New York.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">&nbsp;<strong>Schwarz-Rot-Gold gegen Schwarz-Wei\u00df-Rot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfassung des Parlaments in der Frankfurter Paulskirche wird zum Vorbild f\u00fcr die Weimarer Republik. Schwarz-Rot-Gold werden 1919 wieder Nationalfarben und von den Deutschnationalen verunglimpft. Die Republik scheitert. Die Nazis \u00fcbernehmen die Macht \u2013 unter schwarz-wei\u00df-roten Hakenkreuzflaggen. Der Zweite Weltkrieg beendet die deutsche Diktatur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach 1945 kn\u00fcpfen die M\u00fctter und V\u00e4ter des Grundgesetzes wieder an die republikanischen Ideale und die Erkl\u00e4rung der Grundrechte des deutschen Volkes von 1848 an. Sie sind bis heute richtungsweisend.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Text: Michael Bischoff)<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 175 Jahren, im M\u00e4rz 1848, springt der revolution\u00e4re Funke aus Paris nach K\u00f6ln \u00fcber. Tausende protestieren. Auch Marx und Engels sind in K\u00f6ln aktiv. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":13064,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[85],"tags":[],"class_list":["post-8781","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-koeln-stories","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8781"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13068,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8781\/revisions\/13068"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13064"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}