{"id":4140,"date":"2021-07-12T12:30:10","date_gmt":"2021-07-12T10:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtmuseum.result.de\/wie-zieht-man-ein-museum-um-ein-interview-mit-unserer-chefrestauratorin\/"},"modified":"2024-03-19T21:11:14","modified_gmt":"2024-03-19T20:11:14","slug":"wie-zieht-man-ein-museum-um-ein-interview-mit-unserer-chefrestauratorin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wie-zieht-man-ein-museum-um-ein-interview-mit-unserer-chefrestauratorin\/","title":{"rendered":"Wie zieht man ein Museum um? Ein Interview mit unserer Chefrestauratorin"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n\n<p>Die Sammlung des K\u00f6lnischen Stadtmuseums umfasst um die 350.000 Objekte, davon allein \u00fcber 100.000 Grafiken. Nur ein Bruchteil davon kann ausgestellt werden, das meiste lagert im Depot. Die Sammlung w\u00e4chst kontinuierlich, da es immer wieder&nbsp;Schenkungen oder Neuerwerbungen gibt. So zum Beispiel j\u00fcngst aus der Traditionsserie&nbsp;\u201eLindenstra\u00dfe\u201c&nbsp;des WDR.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Katalogisierung und Betreuung dieser Sammlung obliegt u.&nbsp;a. einem Team von Restauratorinnen und Restauratoren unter der Leitung von&nbsp;Andrea Habel-Schablitzky. Sie ist es auch, die f\u00fcr den Umzug und die&nbsp;Restaurierung&nbsp;der Objekte f\u00fcr die Dauerausstellung wesentlich verantwortlich ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt sie, wie ein Museumsumzug funktioniert und wie weit die Vorbereitungen schon gediehen sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir hatten ja schon einmal einen Teilumzug, als wir 2017 aufgrund des Wasserschadens eine Not-Evakuierung von Objekten vornehmen mussten. Das war&nbsp;nat\u00fcrlich etwas&nbsp;anderes, damals war Gefahr im Verzug und wir haben die gef\u00e4hrdeten Exponate m\u00f6glichst schnell in ein Not-Depot verbracht\u201c, erinnert sich die Restauratorin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"nicht-nur-unsere-objekte-mussen-umziehen-sondern-auch-wir\">\u201eNicht nur unsere Objekte m\u00fcssen umziehen, sondern auch wir\u201c&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eBei dem derzeitigen Umzug besteht die Herausforderung darin, dass nicht nur unsere Objekte umziehen m\u00fcssen, sondern auch wir. W\u00e4hrend wir also die neue Dauerausstellung vorbereiten und die zugeh\u00f6rigen Ausstellungsst\u00fccke&nbsp;restauratorisch und konservatorisch behandeln, m\u00fcssen wir auch&nbsp;unseren eigenen Umzug ins neue Geb\u00e4ude planen\u201c,&nbsp;erz\u00e4hlt Habel-Schablitzky. W\u00e4hrend die Werkst\u00e4tten \u201eeingepackt\u201c werden, k\u00f6nnen Restaurierungen nur in der Au\u00dfenwerkstatt im Depot sowie in den eigenen Werkst\u00e4tten freier Mitarbeitender vorgenommen werden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, wie&nbsp;einerseits eine&nbsp;Restaurierung als sehr konzentrierte T\u00e4tigkeit und&nbsp;andererseits&nbsp;ein Umzug zusammenpassen&nbsp;w\u00fcrden, hat Andrea Habel-Schablitzky eine klare Antwort: \u201eEs bedarf einer sehr guten und genauen Planung.\u201c Die Restauratorin schildert, dass das Team einen detaillierten Projektplan erstellt habe, bei dem die einzelnen Schritte m\u00f6glichst gut aufeinander abgestimmt seien. \u201eDie&nbsp;neue&nbsp;Dauerausstellung umfasst etwa 550 Objekte. Wir haben diese zun\u00e4chst in den verschiedenen Depots gesucht und gesichtet.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann musste f\u00fcr jedes Objekt entschieden werden, welche&nbsp;Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig sind und wo diese Arbeiten stattfinden k\u00f6nnen.&nbsp;Die&nbsp;Expertin erl\u00e4utert: \u201eRestaurierung&nbsp;unterteilt sich in verschiedene&nbsp;Fachbereiche. Es gibt Expert*innen f\u00fcr die verschiedenen Werkstoffe und Objekte, beispielsweise f\u00fcr Porzellan und Glas, f\u00fcr Bilder, Textilien etc.\u201c&nbsp;Jedes Material verlange seine eigenen, spezialisierten Restaurierungstechniken.&nbsp;Entsprechend m\u00fcsse die Arbeit im Team und teilweise auch an externe Mitarbeiter*innen verteilt werden. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"625\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-1024x683.jpg\" alt=\"Das Bild zeigt eine Nahaufnahme einer Miniaturdarstellung der Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-625\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1610-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"701\" data-id=\"627\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-1024x701.jpg\" alt=\"Das Bild zeigt eine Nahaufnahme der Hand der Chefrestauratorin. Sie h\u00e4lt einen Farbkasten fest und pinselt Farbe auf einen Teil des Miniaturmodells der Stadt K\u00f6ln.\" class=\"wp-image-627\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-768x525.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-1536x1051.jpg 1536w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_1615-2048x1401.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"bei-restaurierung-geht-es-nicht-darum-die-vergangenheit-auszuloschen\">\u201eBei Restaurierung geht es nicht darum,&nbsp;die Vergangenheit auszul\u00f6schen\u201c&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Besonderes Augenmerk&nbsp;wurde auf das&nbsp;Kernst\u00fcck der neuen Dauerausstellung&nbsp;gelegt:&nbsp;das&nbsp;historische&nbsp;Stadtmodell,&nbsp;das K\u00f6ln im Jahr&nbsp;1571&nbsp;zeigt&nbsp;und&nbsp;das vor&nbsp;\u00fcber 100 Jahren&nbsp;von Gerhard Fischer erbaut wurde. Da dieses Modell&nbsp;sehr schwer und&nbsp;rund dreieinhalb auf vier Meter&nbsp;gro\u00df ist, konnte es nur im Depot restauriert werden.&nbsp;Um&nbsp;hier eine Vor-Ort-Restaurierung&nbsp;zu erm\u00f6glichen, mussten zahlreiche Vorbereitungen getroffen werden. Ein staubfreies Zelt, passende Klimabedingungen&nbsp;und einiges mehr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn wir&nbsp;Exponate&nbsp;wie das&nbsp;historische&nbsp;Stadtmodell&nbsp;bearbeiten, dann \u00fcberlegen wir sehr genau,&nbsp;wie weit die Ma\u00dfnahmen gehen sollen. Es geht bei Restaurierung nicht darum, die Vergangenheit auszul\u00f6schen und die Ursprungsfassung wieder herzustellen. Stattdessen m\u00f6chten wir die Geschichte des Objektes lesbar machen und erhalten.&nbsp;Unser Stadtmodell hat schon eine Menge erlebt, was auf den dritten&nbsp;Blick auch erkennbar wird.&nbsp;Wir restaurieren das Modell nur sehr vorsichtig und wollen durchaus sichtbar machen, was mit ihm passiert ist. Ziel der Restaurierung ist es, ein beruhigtes Gesamtbild zu erzielen, nicht jeden Schaden zu beseitigen\u201c, stellt die Chefrestauratorin klar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Restaurierung des Stadtmodells wird dieses zun\u00e4chst wieder in Kisten verpackt und gelagert.&nbsp;Endg\u00fcltig aufgebaut wird es dann in der neuen&nbsp;Dauerausstellung. Auch hier gibt es eine Menge zu bedenken: Wie&nbsp;k\u00f6nnen die Objekte&nbsp;von Werkstatt oder Depot ins Museum transportiert werden?&nbsp;Wo werden&nbsp;sie&nbsp;vor der Einbringung in die Dauerausstellung zwischengelagert?&nbsp;Welche Halterungen, Vitrinen oder Tr\u00e4ger ben\u00f6tigt das Objekt in der Dauerausstellung selbst? Alle diese Details werden im Team des K\u00f6lnischen Stadtmuseums gemeinsam von  Kurator*innen und Restaurator*innen, den externen Partnerfirmen und Spezialisten besprochen und geplant.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andrea Habel-Schablitzky: \u201eSorgfalt ist in unserer Arbeit entscheidend. Nicht nur bei der Restaurierung selbst, sondern bei den gesamten Abl\u00e4ufen. Bei der Menge an Objekten ist es zum Beispiel&nbsp;essenziell&nbsp;wichtig, dass jede Bewegung eines Objektes genau dokumentiert wird. So ist immer nachvollziehbar, welches St\u00fcck sich gerade wo befindet.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Umzug der Werkst\u00e4tten und Funktionsr\u00e4ume&nbsp;in den kommenden Wochen ist ein wichtiger Schritt, um schon einmal n\u00e4her an die k\u00fcnftigen Ausstellungsr\u00e4ume zu kommen. Auch die umfangreiche Grafiksammlung wartet auf den Umzug ins Haus Sauer. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"550-objekte-mussen-eingebracht-werden-eine-herausfordernde-logistikaufgabe\">550 Objekte m\u00fcssen&nbsp;eingebracht&nbsp;werden \u2013 eine herausfordernde Logistikaufgabe&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Der letzte wesentliche Schritt wird dann die&nbsp;Einbringung&nbsp;der&nbsp;ca.&nbsp;550 Objekte sein. Auch hierf\u00fcr gibt es einen&nbsp;exakten&nbsp;Plan&nbsp;\u2013 und viele Herausforderungen: \u201eEs gibt einige Objekte, die zu sperrig sind, um durch die T\u00fcren&nbsp;transportiert zu werden. Es muss also ein anderer Zugang geschaffen werden, um diese Objekte ins Geb\u00e4ude zu bringen. F\u00fcr diese spezielle&nbsp;Anlieferung&nbsp;steht nur ein Tag zur Verf\u00fcgung.&nbsp;An diesem Tag&nbsp;m\u00fcssen alle&nbsp;gro\u00dfformatigen&nbsp;Ausstellungst\u00fccke&nbsp;gleichzeitig angeliefert werden\u201c, erl\u00e4utert Frau Habel-Schablitzky.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist bei dem Umzug des Museums sehr viel Teamarbeit gefragt. Gerade&nbsp;die Restaurator*innen&nbsp;kommunizieren mit vielen Abteilungen und Bereichen&nbsp;und sind so etwas wie die Schnittstelle zwischen den Beteiligten. Die intensive Kommunikation, die Diskussionen und der Austausch stellten laut Andrea Habel-Schablitzky vor allem unter Corona-Bedingungen eine gro\u00dfe Herausforderung dar: \u201eEs ist schon viel einfacher, wenn man r\u00e4umlich beieinander ist und sich schnell austauschen kann.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit jedem Tag, den&nbsp;die Er\u00f6ffnung&nbsp;des neuen Museums&nbsp;n\u00e4her r\u00fcckt, steigt die Spannung im Team. Die Chefrestauratorin: \u201eWir freuen uns sehr auf unseren Neustart im&nbsp;ehemaligen Modehaus Franz&nbsp;Sauer. Aber bis dahin liegt noch eine Menge Arbeit vor&nbsp;uns. Wir denken immer Schritt f\u00fcr Schritt.\u201c&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Museum ist weit mehr als seine Ausstellung. 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