{"id":14741,"date":"2024-08-05T10:48:54","date_gmt":"2024-08-05T08:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=14741"},"modified":"2024-09-13T13:43:49","modified_gmt":"2024-09-13T11:43:49","slug":"tod-einer-power-frau-moerderische-true-crime-geschichten-im-stadtmuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/tod-einer-power-frau-moerderische-true-crime-geschichten-im-stadtmuseum\/","title":{"rendered":"Tod einer Power-Frau &#8211; M\u00f6rderische \u201eTrue Crime\u201c-Geschichten im Stadtmuseum"},"content":{"rendered":"\n<p>Text: Michael Bischoff<\/p>\n\n\n\n<p>Diese j\u00fcngste Ver\u00f6ffentlichung aus dem K\u00f6lner Greven Verlag hat den Untertitel \u201eTrue Crime 1074 bis 1894\u201c. \u201eSpiegel\u201c-Korrespondent Georg B\u00f6nisch verarbeitet darin 16 menschliche Schicksale zu packenden kriminalistischen Kurzstorys. Das m\u00f6rderische Kaleidoskop reicht durch acht Jahrhunderte von kaltbl\u00fctigen Morden bis zu F\u00e4lschern und Betr\u00fcgern. Es reicht vom Aufstand gegen Erzbischof Anno II. bis zum ersten Kl\u00fcngelprozess im Jahre 1894.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu vielen dieser Vorf\u00e4lle hat das Stadtmuseum Objekte, die an diese \u201eTrue Crimes\u201c erinnern. Es sind ber\u00fchmte Geschichten, die l\u00e4ngst Geschichte geschrieben haben. Traurige Gesichte. Der Fall von Katharina Henot ist wohl der spektakul\u00e4rste. \u201eEr ber\u00fchrt so intensiv, weil Katharina eine starke selbstbewusste Frau ihrer Zeit ist. Sie ist eine erfolgreiche Kaufmannsfrau,\u201c so Matthias Hamann. \u201eUnd sie will sich gegen Verleumdungen wehren. Das ist ihr gutes Recht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kampf um die Post<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch ihr mutiger Weg f\u00fchrt in die Katastrophe. Katharina als heimliche Chefin der Postmeisterei und ihr Bruder Hartger haben zuvor einen schweren Fehler gemacht. Als ihr Vater mit 94 Jahren stirbt, verheimlichen sie seinen Tod und f\u00e4lschen sogar dessen Unterschrift. So wollten sie verhindern, dass ihr gr\u00f6\u00dfter Konkurrent, die Taxis, erneut die K\u00f6lner Postmeisterei gesch\u00e4ftlich und politisch \u00fcbernehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte der bayerische Postmonopolist einige Jahre zuvor schon einmal geschafft, und die K\u00f6lner Henots wehrten sich dagegen zwei lange Jahrzehnte. Mit Erfolg! Kaiser Ferdinand II. gab schlie\u00dflich dem Alten, also Jakob Henot, das Amt zur\u00fcck \u2013 und damit ein h\u00f6chst lukratives Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weg in den Abgrund<\/h2>\n\n\n\n<p>Und dann folgt dieser d\u00e4mliche Betrug der Kinder, die das Erbe wie einst versprochen antreten wollen. Hartger und Katharina m\u00fcssen beim Reichskammergericht auf ihr Erbe klagen. W\u00e4hrend der Jesuit nur nach au\u00dfen als Mann an der Seite seiner Schwester steht, soll und will sie als Gesch\u00e4ftsfrau den Betrieb (weiter-) f\u00fchren. Eine Frau als erfolgreiche Gesch\u00e4ftsfrau? Ganz offiziell? Also nicht nur \u201everdeckt\u201c wie alle Jahre zuvor neben ihrem Vater im Hintergrund. Kein Wunder, dass die Richter ablehnen. Es ist eine bittere Niederlage mit Ansage\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und das nutzen Konkurrenten und Neider sofort aus. In der Stadt brodeln \u201epl\u00f6tzlich\u201c gef\u00e4hrliche Ger\u00fcchte. Henot sei eine Hexe, hei\u00dft es. Angebliche Zeuginnen sind von der Obrigkeit schnell gefunden. Die b\u00f6sartige Verleumdungs-Kampagne folgt einer grausamen Logik in einer m\u00e4nnerdominierten Zeit, erfolgreiche Frauen aus Gesch\u00e4ft und Welt zu jagen. Katharina hat keine Chance im gigantischen Intrigen- und Fake-News-Spiel ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie will sich verteidigen, droht gegen die Verleumdungen sogar Klage einzureichen und spielt damit ihren erbitterten Gegnern noch mehr in die H\u00e4nde. Was ist das f\u00fcr eine Frau, die auch noch Recht haben will? Damals undenkbar! Das Recht wird dann auch sofort weitergebrochen. Weil sie im kirchlichen Stift Andreas bei ihrem Bruder wohnt und dort nicht festgenommen werden darf, lockt man sie mit einem Trick hinaus \u2013 und wirft sie sofort in den Frankenturm.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"298\" height=\"446\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/5_Angst_GStFHenot-web.jpg\" alt=\"Gem\u00e4lde von Hartger Henot und die Apokalyptischen Reiter \" class=\"wp-image-14748\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/5_Angst_GStFHenot-web.jpg 298w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/5_Angst_GStFHenot-web-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/5_Angst_GStFHenot-web-217x325.jpg 217w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hartger Henot und die Apokalyptischen Reiter, K\u00f6ln 1637, K\u00f6lner Gymnasial- und Stiftungsfonds, Foto: RBA<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechtsbeugung, Folter und Tod<\/h2>\n\n\n\n<p>Dort wird sie brutal gefoltert. Noch \u00f6fter und brutaler, als offiziell \u201eerlaubt\u201c. Dabei steht die Schuld der Frauen bei damaligen Hexenprozessen ohnehin stets vorher fest. In K\u00f6ln finden von 1500 bis 1655 belegbare 73 sogenannte \u201eProzesse\u201c statt, dabei werden 24 \u201eHexen\u201c hingerichtet. Auch dieses Mal soll es so sein: Am 19. Mai 1627 muss Katharina auf Melaten sterben. Der Scharfrichter erspart ihr den qualvollen Tod in den Flammen, indem er ihr kurz vorher eine Schlinge um den Hals legt und fest zuzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall sorgt f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen. Bruder Hartger Henot glaubt an die Unschuld seiner Schwester und will sie beweisen. Er beabsichtigt sogar die Prozessakten drucken lassen, damit alle von der Willk\u00fcr und Ungerechtigkeit erfahren. Doch er darf es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch k\u00f6nnen die politischen und kirchlichen Machthaber die Umst\u00e4nde zum gewaltsamen Tod \u201eunter der Decke halten\u201c. Doch in den nachfolgenden Jahren ger\u00e4t die Folterpraxis der Obrigkeit schwer in die Kritik. Daf\u00fcr sorgt unter anderem der Jesuit und K\u00e4mpfer Friedrich Spee von Langenfeld mit seiner damals Aufsehen erregenden Schrift \u201eCautio Criminalis\u201c, in der er juristisch und menschlich gegen die Praxis der Hexenprozesse argumentierte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Fahne und Totenb\u00fcste<\/h2>\n\n\n\n<p>Gerechtigkeit und Freiheit f\u00fcr alle. Diese Forderung war die treibende Kraft f\u00fcr die Revolution 1848 in K\u00f6ln. Die dramatischen Umst\u00e4nde geh\u00f6ren auch zu den historischen True Crimes der K\u00f6lner Geschichte. Sie f\u00fchren beinahe zu einem Blutbad.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kurzstory zu dieser Revolution nach k\u00f6lscher Art ist im Buch ebenso packend wie unser Museums-Podcast, in dem Historiker Mario Kramp der Journalistin Birgitt Schippers die aufregenden Erlebnisse von damals schon einmal zusammengefasst hat (<a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/2XkL2cGQEiU8A2RsJCW2Rs\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/2XkL2cGQEiU8A2RsJCW2Rs\">Folge #1: 1848! Revolution in K\u00f6ln<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Stadtmuseum dokumentiert die ber\u00fchmte rote Fahne mit der Aufschrift \u201eFreiheit! Gleichheit! Br\u00fcderlichkeit! Demokratische Gesellschaft in K\u00f6ln. Gestiftet am 25. April 1848\u201c diese revolution\u00e4ren Zeiten. Das wertvolle Tuch hat \u00fcbrigens alle Wirren und Kriege der Zeit \u00fcberraschend gut \u00fcberstanden und ist heute ein wertvolles Schmuckst\u00fcck in der neuen Dauerausstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>In der K\u00f6lner Geschichte sind aber auch viele weitere spannende Fragen verborgen wie zum Beispiel: Warum wurde 1686 der b\u00fcrgerliche Weinh\u00e4ndler Nikolaus G\u00fclich und sechsfache Familienvater zu einem w\u00fctenden Rebellen? Was hat ihn so aufgeregt? Und warum sehen wir im Stadtmuseum von ihm nur noch die Nachbildung einer B\u00fcste seines abgeschlagenen Kopfes? Nun,der Mann wurde enthauptet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aufregenden Hintergr\u00fcnde findet ihr in der Dauerausstellung im Bereich \u201eWas macht uns w\u00fctend?\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"707\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-707x1024.jpg\" alt=\"Statue eines m\u00e4nnlichen Kopfes aus Metall.\" class=\"wp-image-14745\" style=\"width:auto;height:800px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-707x1024.jpg 707w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-207x300.jpg 207w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-224x325.jpg 224w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-449x650.jpg 449w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-600x870.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web-442x640.jpg 442w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/6_Wut_Guelichkopf_ksm-1982-321-web.jpg 759w\" sizes=\"(max-width: 707px) 100vw, 707px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Haupt der G\u00fclich-Schands\u00e4ule, Maximilian von Kreps, K\u00f6ln 1677, Foto: RBA<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht um den Fall der Postmeisterin Katharina Henot. 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