{"id":14037,"date":"2024-05-02T21:05:22","date_gmt":"2024-05-02T19:05:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=14037"},"modified":"2024-05-02T21:07:26","modified_gmt":"2024-05-02T19:07:26","slug":"zukunft-braucht-herkunft-oberbuergermeisterin-henriette-reker-ueber-ihre-gefuehle-und-wuensche-fuer-koeln-und-unsere-geschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/zukunft-braucht-herkunft-oberbuergermeisterin-henriette-reker-ueber-ihre-gefuehle-und-wuensche-fuer-koeln-und-unsere-geschichten\/","title":{"rendered":"Zukunft braucht Herkunft &#8211; Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker \u00fcber ihre Gef\u00fchle und W\u00fcnsche f\u00fcr K\u00f6ln und unsere Geschichte(n)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Text: Michael Bischoff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/entdecken\/stadtgeschichte-im-podcast\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/entdecken\/stadtgeschichte-im-podcast\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Das alles erz\u00e4hlt Henriette Reker der Journalistin Birgitt Schippers in unserem neuen Podcast<\/a>. Die parteilose Politikerin (67) f\u00fchrt seit der Kommunalwahl am 22. Oktober 2015 als Oberb\u00fcrgermeisterin die politischen Gesch\u00e4fte der Stadt und wurde am 27. September 2020 in ihrer Funktion wiedergew\u00e4hlt. Sie \u00fcberlebte kurz vor der ersten Wahl ein Attentat und wurde dadurch erstmals bundesweit bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Terminkalender der vielbesch\u00e4ftigten Politikerin ist randvoll. Doch f\u00fcr den Podcast des K\u00f6lnischen Stadtmuseums nahm sie sich viel Zeit. Willkommen auf einer spannenden Zeitreise, die fast 2000 Jahre zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auf Zeitreise mit Henriette Reker<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sprechen zuerst \u00fcber die Anf\u00e4nge unserer Stadt: Die Stadtrechte verdankt K\u00f6ln der machtvollen R\u00f6merin Agrippina, die J\u00fcngere. Das war 50 nach Christus. Und es sollten fast 2000 Jahre vergehen, bis zum ersten Mal eine Frau es tats\u00e4chlich an die politische Spitze der Stadt schaffte. \u201eAgrippina hatte so viel Einfluss, weil sie einen einflussreichen Mann geheiratet hatte, n\u00e4mlich Kaiser Augustus\u201c, erz\u00e4hlt Henriette Reker. \u201eHeute ist das Gott sei Dank etwas anderes. Frauen k\u00f6nnen auch Entscheidungen treffen und Einfluss haben, wenn sie nicht reich geboren oder gut verheiratet sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie selber, verr\u00e4t sie uns, habe ihr Amt \u00fcbrigens nie als besondere Herausforderung erlebt, weil sie eine Frau ist. \u201eIch bin nie diskriminiert worden. Ich konnte immer mit meinen Argumenten \u00fcberzeugen und hatte auch immer genug Selbstbewusstsein, so aufzutreten, dass man mich auch als Frau ernst genommen hat.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Emotionale Fragen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die neue Dauerausstellung im Stadtmuseum erz\u00e4hlt Geschichte anhand von emotionalen Fragen. F\u00fcr OB Henriette Reker ein \u00fcberzeugendes Konzept. \u201eDie K\u00f6lner und K\u00f6lnerinnen verbinden traditionell gro\u00dfe Gef\u00fchle mit ihrer Stadt,\u201c sagt sie und verweist auf das Karnevalslied \u201aWenn ich an K\u00f6lle denk\u2026\u2018. \u201eWir sind alle nicht nur Lokalpatrioten, sondern wir haben auch alle unsere Lieblingspl\u00e4tze, unsere Lieblingslieder. Und das ist, glaube ich, in einer Stadt, die so alt ist, typisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Emotionen verbindet sie mit K\u00f6ln? \u201eIch hab\u2018 schon ein warmes Gef\u00fchl, wenn ich an meine Heimatstadt denke. Musik bringt mich dann nat\u00fcrlich ins Schw\u00e4rmen.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was macht diese Stadt aus? Reker fasst ihre Sicht so zusammen: \u201eDass hier die gegenseitige Akzeptanz m\u00f6glich ist. Dass jeder so leben kann, wie er will. Dass die Stadt f\u00fcr Kunst und Kultur steht. Und dass die Stadt auch f\u00fcr Sportveranstaltungen steht. Das ist eben einfach was Besonderes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WAS VERBINDET UNS?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6ln steckt voller spannender Geschichte(n). Wenn Henriette Reker innerhalb der 2000j\u00e4hrigen Stadtgeschichte auf eine Zeitreise gehen k\u00f6nnte, wann und wo w\u00fcrde sie am liebsten landen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Antwort verbl\u00fcfft, denn die Tour w\u00e4re relativ kurz und w\u00fcrde nur rund 75 Jahre zur\u00fcckf\u00fchren: \u201eBeim Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg.\u201c Und warum? \u201eWeil meine Mutter zu den Tr\u00fcmmerfrauen geh\u00f6rte. Sie hat mir von diesem Gemeinschaftsgef\u00fchl erz\u00e4hlt, von dem Zusammenhalt der Menschen.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter gestand ihrer Tochter, dass die Arbeit an manchen Tagen sogar richtig Spa\u00df gemacht habe, weil sie auch etwas Neues schaffen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wiederaufbau fasziniert Reker auch aus einem anderen Grund. Denn heute sind viele Geb\u00e4ude aus der damaligen Zeit auch ein Problem: \u201eAlle sind gleich gleichzeitig gebaut, alle m\u00fcssen auch gleichzeitig saniert werden. Manchmal ist es schon interessant zu erfahren, was man sich gedacht hat, als man ein solches Bauwerk errichtet hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was bindet uns sonst noch? Glauben Sie, dass die Menschen vielleicht fr\u00fcher mehr Zusammenhalt hatten? Reker ist sich sicher. \u201eJa, ich denke schon, dass der Zusammenhalt ein anderer war. Das habe ich auch noch erlebt. Wir beziehen uns ja jetzt \u00fcberwiegend auf Familienangeh\u00f6rige oder Freunde. Aber ich glaube, dass man fr\u00fcher eben in Z\u00fcnften zusammengesessen oder in Verb\u00e4nden h\u00e4ufiger zusammengearbeitet hat.\u201c &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Reker rundet\u2019s kritisch ab: \u201eUns geht es inzwischen so gut. Wir haben so viel erreicht, dass wir uns in uns selbst zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen und viele sich nur noch um sich selbst k\u00fcmmern m\u00f6gen. Das ist sehr, sehr schade\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Starke Frauen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Liste starker Frauen in K\u00f6ln ist lang. Vor allem in den letzten Jahrzehnten haben sie sich immer erfolgreicher in Spitzen\u00e4mter von Verwaltungen, Wirtschaft, Medien, Kultur und Unterhaltung gek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer ist f\u00fcr Henriette Reker eine starke K\u00f6lnerin? F\u00fcr die Antwort muss sie nicht lange \u00fcberlegen und greift in die j\u00fcngere Geschichte. Spontan nennt sie Hertha Kraus (1897-1968) und beginnt zu erz\u00e4hlen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSie hat mit 25 Jahren beim damaligen Oberb\u00fcrgermeister Konrad Adenauer als Leiterin der F\u00fcrsorgestelle begonnen. Der hat sie nach Amerika geschickt. Dort hat sie sich informiert, wie man in Amerika mit Seniorinnen und Senioren umgeht, wie man sie wohnen l\u00e4sst oder behandelt und pflegt. Dann kam sie zur\u00fcck und gr\u00fcndete die Heimst\u00e4tten, heute Sozialbetriebe K\u00f6ln, die gr\u00f6\u00dfte Alten- und Pflegeeinrichtung Europas.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hertha Kraus war eine ganz moderne Frau, lebte mit ihrer Freundin zusammen, also offen lesbisch. Das gefiel nat\u00fcrlich nicht jedem, und schon gar nicht den Nationalsozialisten. Sie war zudem J\u00fcdin und emigrierte schlie\u00dflich dann nach Amerika. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie zur\u00fcck und hielt hier Vortr\u00e4ge. Das ist gro\u00dfartig. Sie liebte ihre Stadt, denn sonst h\u00e4tte sie vielleicht gute Gr\u00fcnde gehabt, nicht zur\u00fcckzukehren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-1024x684.jpg\" alt=\"Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker mit Journalistin Birgitt Schippers.\" class=\"wp-image-14044\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-600x401.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-487x325.jpg 487w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-03-06-ConstantinEhrchen-KSM-56-web.jpg 1300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker im Interview mit Journalistin Birgitt Schippers, Foto: C. Ehrchen, KSM<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WAS MACHT UNS ANGST?<\/h2>\n\n\n\n<p>Noch heute macht Henriette Reker im R\u00fcckblick die Nazi-Zeit Angst. &nbsp;\u201e<strong>Weil wir heute ja politische Bestrebungen sehen, die auch extremes rechtes Gedankengut haben. Ich bin sehr froh, in einer Stadt zu wohnen, die sich als einer der ersten St\u00e4dte dagegen gewehrt und demonstriert hat mit vielen Tausend Menschen gegen rechtsextreme Str\u00f6mungen.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Politikerin findet auch kritische T\u00f6ne: \u201eEin bisschen betroffen war ich, dass in K\u00f6ln nach dem 7. Oktober 2023 <em>(der brutale \u00dcberfall der Terrororganisation Hamas auf Israel \/ Anm. d. Verfassers)<\/em> nicht deutlicher gemacht wurde, dass Judenhass keinen Platz bei uns hat und dass der Bestand des Staates Israel zur Staatsr\u00e4son geh\u00f6rt. Und dass wir nat\u00fcrlich auch die Juden, die in K\u00f6ln leben, sch\u00fctzen und eng begleiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Reker ist es ein Wunder, dass nach der Nazi-Zeit so viele Juden und J\u00fcdinnen in ihre Heimatstadt zur\u00fcckkehrten und hier auch neue Synagogen errichteten. \u201eDas ist doch wirklich ein Wunder! Da geht man nach dieser schrecklichen Situation, die man hier erlebt hat, zur\u00fcck in die Stadt, wo man herkommt, und bleibt da und gr\u00fcndet wieder eine Familie\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WORAN GLAUBEN WIR?<\/h2>\n\n\n\n<p>K\u00f6ln w\u00e4chst nach der Nazi-Zeit erfolgreich neu zusammen. Das thematisiert auch das K\u00f6lnische Stadtmuseum. Es geht sogar noch weiter: In der neuen Dauerausstellung steht eine Kippa der k\u00f6lnischen Karnevalsgesellschaft \u201eKippa K\u00f6pp\u201c einem Sarik gegen\u00fcber, der Gebetsm\u00fctze eines muslimischen Imam.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist ein friedliches Miteinander der Religionen in dieser Stadt m\u00f6glich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Henriette Reker bejaht das ausdr\u00fccklich und betont: \u201eIn K\u00f6ln leben 130 Religionsgemeinschaften \u00fcberwiegend friedlich miteinander. Wir haben einen Rat der Religionen, der dabei das gesellschaftliche Commitment herstellt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem freut sie sich, \u201edass der Ruf des Imams einmal in der Woche freitagmittags f\u00fcr f\u00fcnf Minuten zum Gebet aufruft. Das ist nicht die erste Stadt in Deutschland, wo so etwas m\u00f6glich ist. Aber es ist f\u00fcr mich ein Zeichen, dass Religionsfreiheit ernst genommen wird und dass hier jeder auch glauben kann, woran er m\u00f6chte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WAS BEWEGT UNS?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Der Kabarettist Konrad Beikircher hat einmal gesagt \u201eK\u00f6lner sind unregierbar, weil sie alle einen eigenen Kopf haben!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht das die amtierende Oberb\u00fcrgermeisterin? \u201eWenn man davon ausgeht, dass Regieren hei\u00dft, irgendwie ein Edikt zu erlassen, und alle richten sich danach, dann ist das vielleicht richtig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Reker ist aber auch Realpolitikerin: \u201eTrotzdem m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich diese Millionenstadt steuern, weil es ja nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, dass hier der M\u00fcll abgeholt wird. Und dass die Kinder im Gesundheitsamt auf ihre Schulf\u00e4higkeit \u00fcberpr\u00fcft werden. Dass Menschen versorgt werden, die auf soziale Hilfsleistungen angewiesen sind. Das geschieht ja alles nicht von selbst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass viele Menschen sich auch \u00fcber viele Dinge beschweren, die nicht funktionieren, sieht sie positiv. Das beweise in ihren Augen, dass die B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen sich f\u00fcr ihre Stadt interessieren und mitreden m\u00f6chten. Das nimmt sie sehr ernst:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201e\u00d6ffentlichkeitsbeteiligung hei\u00dft f\u00fcr mich, zu erkl\u00e4ren, dass nicht alle W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Manchmal sind sie ja auch so unterschiedlich, dass sie sich widersprechen. Aber ich erkl\u00e4re dann auch den Leuten, warum ich ihre Anregungen nicht aufnehmen kann, und meistens klappt das\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WAS LIEBEN WIR?<\/h2>\n\n\n\n<p>Was lieben die K\u00f6lner*innen alles? Nat\u00fcrlich das Feiern. Gro\u00dfe Feste, kleine Feste. Karneval, Cologne Pride, Sportevents. Das ist nat\u00fcrlich in der neuen Dauerausstellung ebenfalls ein wichtiges Thema. Auch Henriette Reker l\u00e4sst sich vom positiven Reiz gerne anstecken. \u201eDie Feierkultur ist schon sehr ausgepr\u00e4gt. Darum lachen mich ja auch alle so fr\u00f6hlich an, wenn ich international unterwegs bin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Feiern geh\u00f6rt nat\u00fcrlich aus das Schwade, das Reden. Dabei verr\u00e4t uns Henriette Reker ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch von zuhause: <strong>\u201eIch bin ja mit einem Australier verheiratet. Der hat neulich mal, als ich wegen Halsschmerzen sehr ruhig war, gefragt, warum ich nicht mit ihm spreche. Er sei schon so daran gew\u00f6hnt, dass ich immer erz\u00e4hle\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Politikerin ansonsten noch so ganz privat liebt, das sind Reibekuchen. Die muss sie einmal in der Woche essen, \u201esonst ger\u00e4t mein seelisches Gleichgewicht durcheinander\u201c. Und nat\u00fcrlich trinkt sie auch K\u00f6lsch, oder? \u201eHin und wieder, wenn es nicht vormittags ist. Also tags\u00fcber kann ich das nicht, weil dann bin ich besinnungslos. Abends schmeckt es mir nach dem dritten K\u00f6lsch am besten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie beschreibt sie sich selber? \u201eIch bin ein konfessioneller Mischling. Also, ich bin evangelisch getauft und konfirmiert, war aber auf einem erzbisch\u00f6flichen Gymnasium, auf der Liebfrauenschule. Meine fr\u00fchere Direktorin, zu der ich heute noch Kontakt habe, hat mir vermittelt, dass es letztlich auf die Herzensw\u00e4rme ankommt. Dass es nichts n\u00fctzt, seine Kleider zu zerrei\u00dfen, sondern man muss sein Herz zerrei\u00dfen f\u00fcr andere\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WAS HOFFEN WIR?<\/h2>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnen wir aus der Geschichte lernen? F\u00fcr Henriette Reker ist K\u00f6ln eine B\u00fcrger*innenstadt. \u201eIn K\u00f6ln hat eben nie ein Kaiser oder K\u00f6nig reagiert. Nicht mal unser Dom geh\u00f6rt zum Erzbistum, sondern er geh\u00f6rt sich selbst. Ja, die hohe Domkirche entscheidet selbst dar\u00fcber, was am Dom passiert und mit dem Dom passiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu Henriette Rekers Wunschliste f\u00fcr die Zukunft geh\u00f6rt die Vielfalt der Stadtgesellschaft: \u201eWir haben nicht nur 130 Religionsgemeinschaften, wir haben auch fast 180 Nationen unterschiedlicher Herkunft. Ich hoffe, dass es uns gelingt, diesen Zuzug nach K\u00f6ln, diese Migration nach K\u00f6ln als Chance zu betrachten. Das ist auch ein Zeichen der B\u00fcrgerstadt, dass wir eben den Menschen sehen, egal, wo er herkommt. Eine solche Stadtgesellschaft ist eben nicht mit irgendwelchen Edikten zu regieren, sondern nur, wenn man Einvernehmen herstellt\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">AUS DER VERGANGENHEIT F\u00dcR DIE ZUKUNFT LERNEN<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Blick in die Vergangenheit verr\u00e4t viel \u00fcber die Gef\u00fchle der Menschen und diese Stadt. Das beweist die neue Dauerausstellung sehr eindringlich, informativ und unterhaltsam. Doch warum ist das K\u00f6lnische Stadtmuseum auch so wichtig f\u00fcr die Zukunft unserer Stadt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eIch bin zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass Zukunft Herkunft braucht. Deswegen ist nat\u00fcrlich auch das Stadtmuseum unglaublich wichtig f\u00fcr diejenigen, die sich immer wieder vergewissern wollen. Darum sollte man da auch viel h\u00e4ufiger hingehen als nur einmal als Sch\u00fcler und vielleicht dann als Gro\u00dfmutter oder Gro\u00dfvater.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Vergangenheit lernen, hei\u00dft f\u00fcr sie auch: \u201eEs gibt keine bessere politische Gesellschaftsform. Die schlechteste Demokratie ist immer noch besser als die \u201abeste\u2018 Diktatur\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcnscht sich Henriette Reker abschlie\u00dfend f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n\n\n\n<p>Reker: \u201eIch w\u00fcnsche mir f\u00fcr K\u00f6ln, dass wir jetzt die Transformation schaffen, denen ja alle St\u00e4dte als Herausforderung unterliegen. Das hei\u00dft, dass wir von der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erbauten Auto-Stadt zu einer Stadt werden, die attraktiv ist f\u00fcr alle. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir die Energiewende hier in K\u00f6ln so schaffen, dass wir nicht Angst haben m\u00fcssen vor Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass wir eine lebenswerte Stadt haben. Dass wir unsere Gr\u00fcng\u00fcrtel sch\u00fctzen, dass wir das genie\u00dfen, was wir haben. Vor allen Dingen w\u00fcnsche ich mir auch, dass die K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner, die hier arbeiten und leben wollen, sich das auch leisten k\u00f6nnen, dass sie eine Wohnung finden und dass sie aufgenommen werden in ihren Veedeln und ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr die Zukunft, dass es uns gelingt, diese Transformation zu schaffen, und auch anf\u00e4ngliche Schwierigkeiten \u00fcberwinden, indem wir uns das Ende vorstellen, n\u00e4mlich ein besseres Leben in dieser Stadt f\u00fcr alle\u201c.<\/strong> Dabei kann der Blick zur\u00fcck sehr hilfreich sein. 2000 Jahre K\u00f6lner Geschichte sind ein kostbarer Schatz der Erinnerungen und Gef\u00fchle. Ohne das Wissen um die Herkunft gibt es keine Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker \u00fcber ihre Gef\u00fchle und W\u00fcnsche f\u00fcr K\u00f6ln und unsere Geschichte(n). <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":14041,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[84],"tags":[],"class_list":["post-14037","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellung-emotionen","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14037","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14037"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14037\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14049,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14037\/revisions\/14049"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}