{"id":11425,"date":"2024-01-31T18:21:04","date_gmt":"2024-01-31T17:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=11425"},"modified":"2024-03-01T14:50:59","modified_gmt":"2024-03-01T13:50:59","slug":"ich-bin-dieser-stadt-verfallen-sie-ist-nicht-elegant-doch-wenn-man-wieder-genauer-hinguckt-entdeckt-man-die-schaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/ich-bin-dieser-stadt-verfallen-sie-ist-nicht-elegant-doch-wenn-man-wieder-genauer-hinguckt-entdeckt-man-die-schaetze\/","title":{"rendered":"\u201eSie ist nicht elegant, aber ich bin dieser Stadt verfallen.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Direktor Dr. Matthias Hamann \u00fcber K\u00f6ln, Gef\u00fchle, Pl\u00e4ne und Hoffnungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Text: Michael Bischoff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Er ist der Neue und verspricht jede Menge Power. Seit dem 1. Januar dieses Jahres leitet Dr. Matthias Hamann (56) offiziell das K\u00f6lnische Stadtmuseum und blickt mit seinem engagierten Team voller Spannung auf die Er\u00f6ffnung am 22. M\u00e4rz 2024 im fr\u00fcheren Modehaus Sauer. Bis dahin gibt\u2019s noch sehr viel zu tun. F\u00fcr uns hat er sich ein bisschen Zeit genommen und spricht \u00fcber Gef\u00fchle, Pl\u00e4ne und Hoffnungen.<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie erlebt ein Unterfranke das quirlige K\u00f6ln? Seit wann arbeitet er hier am Rhein? Was mag er? Was irritiert ihn? Was hat er mit seinem Team im Stadtmuseum alles vor? Und warum will er hier nie wieder weg? Das alles erz\u00e4hlt er Birgitt Schippers in unserem neuen Podcast. Um es vorweg zu nehmen: Er ist l\u00e4ngst ein begeisterter K\u00f6lner geworden. Doch der Reihe nach: Wer ist eigentlich der neue Herr der K\u00f6lner Geschichte?<\/p>\n\n\n\n<p>Matthias Hamann stammt aus Ochsenfurt. Die Kleinstadt liegt im unterfr\u00e4nkischen Landkreis W\u00fcrzburg. Nach dem Abitur studiert Hamann Kunstgeschichte, Klassische Arch\u00e4ologie und Germanistik, an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und der Universit\u00e4t Bologna. Es folgen Forschungsaufenthalte in Paris und Burgund. Nach seiner Promotion 1998 arbeitet Hamann zun\u00e4chst als freier Kulturmanager und im Kunsthandel. 1999 wechselt er an das Germanische Nationalmuseum in N\u00fcrnberg, wo er von 2003 bis 2006 zum Leiter der Abteilung Marketing und Kommunikation sowie zum pers\u00f6nlichen Referenten des Generaldirektors aufsteigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SCHALTER IM KOPF UMGELEGT<\/h2>\n\n\n\n<p>Im April 2007 kommt Hamann nach K\u00f6ln und leitet hier 16 Jahre den Museumsdienst. Der Start war gar nicht so einfach, denn er erlebte eine v\u00f6llig neue Kultur des Miteinanders. \u201eIch habe ein halbes Jahr gebraucht, bis ich kapiert hatte, was ich hier anders machen muss\u201c, verr\u00e4t er schmunzelnd und erg\u00e4nzt: \u201eIch habe im Kopf einen Schalter umgelegt, und dann hat\u2019s funktioniert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bitte? Der bed\u00e4chtige Franke muss erst lernen, wie die K\u00f6lner*innen ticken.&nbsp; \u201eWenn man beispielsweise abends bei einem Empfang mit jemandem ein gutes Gespr\u00e4ch hat, hei\u00dft es nicht, dass er sich am n\u00e4chsten Tag daran erinnert. Also muss man das, was man vereinbart hat, noch einmal wiederholen. Sonst bringt das nichts. Und genau das ist ein Teil des Spiels.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcBERBORDENDE LIEBE<\/h2>\n\n\n\n<p>Was Hamann ebenfalls v\u00f6llig \u00fcberrascht, ist der k\u00f6lsche Umgang mit Zeit: \u201eBei Meetings sprechen hier alle doppelt lange. Das ist ein deutlicher Unterschied zu Franken.\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch er mag die Stadt trotzdem. \u201eIch bin ihr verfallen\u201c, gesteht er. Das liegt nicht nur am leckeren K\u00f6lsch, den im Gegensatz zu seiner Heimat kleinen Gl\u00e4sern und der k\u00f6lschen Kneipenkultur. Vor allem die Rheinl\u00e4nder*innen haben den so ruhig und bed\u00e4chtig wirkenden Franken in ihren Bann gezogen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was ihn als begeisterter Imi trotzdem immer wieder irritiert? \u201eDas ist die K\u00f6ln-Besoffenheit. Und das ist so eine Hassliebe zur eigenen Stadt.\u201c Es wird viel geschimpft, gemeckert und dann wieder miteinander geschw\u00e4rmt. \u201eManchmal ist diese Liebe aber auch \u00fcberbordend, wenn es um den FC oder den Karneval geht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">BEGEISTERUNG \u00dcBER SCH\u00c4TZE<\/h2>\n\n\n\n<p>Hamann liebt die \u2013 wie er es sagt &#8211; \u201ePrallheit\u201c von K\u00f6ln. \u201eEigentlich ist es ja eine graue Stadt. Doch wenn man genauer hinschaut, steckt sie voller Leben. Sie ist nicht wohlanst\u00e4ndig, sie ist nicht elegant und an vielen Ecken auch manchmal eine belanglose Stadt. Doch wenn man wieder genauer hinguckt, entdeckt man die Sch\u00e4tze.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das begeistert ihn. Das bewegt ihn. Am liebsten streift Hamann zu Fu\u00df mit offenem, aufmerksamem Blick durch die Stadt. Sogar vom Job nach seinem Zuhause in Braunsfeld. Dabei bevorzugt er die Parks und Nebenstra\u00dfen. Das Auto benutzt er m\u00f6glichst wenig: \u201eMan kann sich in dieser Stadt ohnehin nicht schnell bewegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was kann ihn au\u00dfer verstauten Stra\u00dfen in K\u00f6ln noch w\u00fctend machen? \u201eDas ist diese Fokussierung auf sich selbst. Das kann dazu f\u00fchren, dass man in der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit stecken bleibt.\u201c Wie meint er das? \u201eDie K\u00f6lner*innen haben eine gro\u00dfe Geschichte, machen sich diese allerdings selten bewusst.\u201c <strong>Im Klartext: \u201eK\u00f6ln macht sich oft kleiner, als es sein m\u00fcsste. Je weiter man sich von K\u00f6ln entfernt, umso gr\u00f6\u00dfer wird es.\u201c Zum Beispiel? \u201eWenn Sie einen Menschen in Japan fragen, findet er K\u00f6ln gro\u00dfartig. Wenn Sie jemanden in H\u00fcrth fragen, ist das nicht so.\u201c Und Hamann legt nach: \u201eEin fundiertes Selbstbewusstsein w\u00e4re gut \u2013 aber nicht Selbstbesoffenheit!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">GESCHICHTE(N) MIT GEF\u00dcHL<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Blick von au\u00dfen auf die Stadt und ihre Geschichte tut also richtig gut. Verschiedene Blickwinkel sind auch in der neuen Dauerausstellung wichtig. Es geht in der v\u00f6llig neu konzipierten Ausstellung dabei unter anderem um Liebe, Wut, Angst, Lust, Glauben oder Hoffnung. Diese Jef\u00f6hle sorgen f\u00fcr neue Einblicke bei den historischen Streifz\u00fcgen durch 2000 aufregende Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Hamann wei\u00df, das ist alles nicht ganz einfach. Was steht f\u00fcr Angst? \u201eBombardierungen, Seuchen, Attentate. Hier kommen auch die Schattenseiten zu Wort. Man kann K\u00f6ln nicht sch\u00f6nf\u00e4rben.\u201c Und weiter: \u201eDie K\u00f6lner waren auch oft w\u00fctend: Ob bei Aufst\u00e4nden oder gegen ihren eigenen Erzbischof. Wut \u00e4u\u00dfert sich dabei oft nicht kriegerisch, sondern verbal. Der Wortwitz der k\u00f6lschen Sprache ist eine sehr gute Waffe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">STORY-TELLING AUCH \u00dcBERS HANDY<\/h2>\n\n\n\n<p>Matthias Hamann ist gespannt, wie das neue Konzept seines Teams ankommt. Das hat jahrelang daran gearbeitet und verspricht viele \u00dcberraschungen. Hamann verr\u00e4t vorab: \u201eDas Stadtmodell aus dem fr\u00fchen 16. Jahrhundert steht im Zentrum der Schau. Wir \u00fcberh\u00f6hen es digital.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"632\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-1024x632.jpg\" alt=\"Auf dem Bild ist eine Visualisierung der neuen Ausstellung zu sehen. Im Vordergrund sind drei Personen zu erkennen, welche sich die Ausstellung anschauen. Eine Person sitzt im Rollstuhl.\" class=\"wp-image-11426\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-1024x632.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-300x185.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-768x474.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-526x325.jpg 526w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-620x383.jpg 620w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web-600x371.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/1_Der-Auftaktraum_Visualisierung-neo.studio-web.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Visualisierung des Raums der Stadtgeschichte mit dem Stadtmodell.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das bedeutet: \u201eWenn man mit seinem Handy \u00fcber bestimmte H\u00e4user oder Abschnitte geht, erfahren die Besucher*innen, was alles dahinter steckt. Zum Beispiel: Wieviel und welche Art von M\u00fcll ist fr\u00fcher angefallen? Oder wieviel Wasser hat man fr\u00fcher verbraucht? \u00dcbrigens ist das heute deutlich weniger als in der r\u00f6mischen Zeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da es in Zukunft die Pop-Up-Bar f\u00fcr Veranstaltungen nicht mehr geben wird, bleibt im Museum daf\u00fcr jetzt im Foyer ein \u201eopen space\u201c. Dort kann sich der neue Hausherr kleine Abendveranstaltungen vorstellen, wie zum Beispiel spezielle Buch-Pr\u00e4sentationen aus dem eigenen Fundus. \u201eWir haben eine herausragende Bibliothek, die au\u00dfer Wissenschaftler*innen niemand kennt.\u201c <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hamann plant auch Kooperationen mit anderen Museen und H\u00e4usern der Stadt. Er will noch viel mehr vernetzen und die Kr\u00e4fte b\u00fcndeln. F\u00fcr sein Haus sagt er: \u201eWir sind arm, doch wir sind sexy\u201c. <strong>Deswegen glaubt er auch an den Erfolg! \u201eDie K\u00f6lner*innen lieben ihr Stadtmuseum.\u201c Sein gr\u00f6\u00dfter Wunsch f\u00fcr alle Besucher*innen: \u201eDass der Reichtum, den K\u00f6ln \u00fcber viele Jahrhunderte hat, st\u00e4rker im Kopf bleibt, und nicht reduziert wird auf die Feierkultur oder das Heilige K\u00f6ln des Mittelalters.\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 1. Januar 2024 leitet Dr. Matthias Hamann (56) offiziell das K\u00f6lnische Stadtmuseum. Hier spricht er \u00fcber Gef\u00fchle, Pl\u00e4ne und Hoffnungen &#8211; und \u00fcber seine Einstellung zu K\u00f6ln.  <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":11434,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[83],"tags":[],"class_list":["post-11425","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-museum-inside","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11425","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11425"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11645,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11425\/revisions\/11645"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}