{"id":11231,"date":"2024-01-22T16:22:30","date_gmt":"2024-01-22T15:22:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/?p=11231"},"modified":"2024-03-19T22:14:11","modified_gmt":"2024-03-19T21:14:11","slug":"koelle-du-bes-e-jefoehl-worauf-hoffen-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/koelle-du-bes-e-jefoehl-worauf-hoffen-wir\/","title":{"rendered":"K\u00f6lle, du bes e Jef\u00f6hl: Worauf hoffen wir?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eEt h\u00e4tt noch emmer jot jejange!\u201c So hei\u00dft es im K\u00f6lschen Grundgesetz. Das bedeutet auf Hochdeutsch \u201eEs ist noch immer gut gegangen\u201c und fasst eine Gef\u00fchlslage der Menschen optimal zusammen: Es ist die Hoffnung auf das Positive.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Mittelalter hoffen die Menschen (nicht nur in K\u00f6ln) auf das Jenseits, auf ein besseres Leben nach dem Tod. Doch w\u00e4hrend die m\u00e4chtige Kirche so ihre \u201eSch\u00e4fchen\u201c f\u00fcr lange Zeit perfekt \u201eunter Kontrolle\u201c h\u00e4lt, w\u00e4chst auch gleichzeitig im Laufe der Jahrhunderte die Hoffnung auf mehr. Auf ein besseres Leben bereits hier unten auf der Erde. Auf mehr Wohlstand, auf Gleichberechtigung, auf Frieden, auf mehr Demokratie, auf alles.<\/strong> <strong>Wie ver\u00e4ndert sich das, worauf wir hoffen? Unsere neue Dauerausstellung wirft ab M\u00e4rz 2024 darauf einen spannenden Blick.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vieles worauf unsere Vorfahren hofften, ist f\u00fcr uns heute in Mitteleuropa Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Wir w\u00e4hlen \u2013 wenn nat\u00fcrlich mit individuellen Einschr\u00e4nkungen \u2013 frei unseren Beruf, unsere Lebenspartner*innen, unseren Glauben, ja sogar unseren Lebensmittelpunkt. All das verdanken wir einer Demokratie, die vor allem in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet und erk\u00e4mpft wurde. Unsere Demokratie ist in vieler Hinsicht die Erf\u00fcllung fr\u00fcherer Hoffnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch unsere Demokratie ist nicht statisch und bleibt nicht einfach so selbstverst\u00e4ndlich. Wir alle m\u00fcssen an ihr jeden Tag weiterarbeiten und auch um sie k\u00e4mpfen. Wie wichtig das ist, zeigen aktuelle Ereignisse \u00fcberall auf der Welt und auch bei uns im eigenen Land.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">KAMPF GEGEN ERZBISCHOF<\/h2>\n\n\n\n<p>1288 erk\u00e4mpfen die K\u00f6lner*innen ihre Unabh\u00e4ngigkeit vom Erzbischof. Doch wer darf am Rhein politisch regieren? Erst 1396 kommen gr\u00f6\u00dfere Teile der B\u00fcrgerschaft an die Macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damals gegr\u00fcndeten Gaffeln entsenden Ratsleute und B\u00fcrgermeister in den Rat der Stadt. Noch sind es die wohlhabenden Gesch\u00e4ftsleute, die die Stadt regieren. In dieser politischen Elite haben Frauen dabei noch lange ebenso wenig Rechte und Chancen wie Menschen ohne B\u00fcrgerrecht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">FRANZOSEN BRINGEN FREIHEITEN<\/h2>\n\n\n\n<p>Die ersten gro\u00dfen Freiheiten bringen erst 1794 die Franzosen an den Rhein. Napoleon Bonaparte verk\u00fcndet mit 1804 den \u201eCode Civil\u201c. Von nun an gelten vor dem Gesetz Gleichheit, Gewerbefreiheit und die Trennung von Staat und Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Regeln reichen bis ins Jahr 1900 und werden teilweise ins \u201eB\u00fcrgerliche Gesetzbuch\u201c \u00fcbernommen. Klingt alles prima, gilt aber nur f\u00fcr die M\u00e4nner. Die Frauen d\u00fcrfen weiterhin nichts \u2013 und nur auf mehr Freiheit hoffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1.jpg\" alt=\"Das Gem\u00e4lde zeigt Soldaten auf Pferden, franz\u00f6sische Flaggen und K\u00f6lner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.\" class=\"wp-image-13199\" style=\"width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1-487x325.jpg 487w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-1-620x414.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am 6. Oktober 1794 besetzen franz\u00f6sische Revolutionstruppen K\u00f6ln. Die Stadt ergibt sich kampflos. Drei Tage sp\u00e4ter wird diese \u201eBefreiung\u201c mit der Errichtung eines ersten Freiheitsbaumes auf dem Neumarkt gefeiert (Errichtung des Freiheitsbaums auf dem Neumarkt, F. Rousseau, Bonn 1794\/95 (KSM, Foto: RBA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">HOFFNUNG DER FRAUEN<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Frauen m\u00fcssen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs warten, um endlich am 30. November 1918 ein Wahlrecht zu erhalten. Gehofft darauf haben sie \u00fcber Jahrhunderte. Doch auf Dauer k\u00f6nnen die M\u00e4nner sie nicht mehr aufhalten. Im Krieg haben die Frauen in den Fabriken viele urspr\u00fcnglich m\u00e4nnliche Arbeiten \u00fcbernommen. Sie haben das Land versorgt und erheben Anspr\u00fcche. Endlich wird ein Traum wahr. Da auch das Wahlalter von 25 auf 20 Jahre gesenkt wurde, stieg die Zahl der Wahlberechtigten um etwa 20 Millionen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2.jpg\" alt=\"Das Bild zeigt vier Frauen, welche in die Kamera schauen. Das Bild ist schwarz wei\u00df.\" class=\"wp-image-13202\" style=\"width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2.jpg 1024w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2-487x325.jpg 487w, https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/ksm-beitrag-hoffnung-2-620x414.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Erste Weltkrieg verleiht Forderungen nach mehr Rechten f\u00fcr Frauen zus\u00e4tzlichen Schub: Sie \u00fcbernehmen Berufe von den an der Front k\u00e4mpfenden M\u00e4nnern, arbeiten in Munitionsfabriken und sorgen f\u00fcr ihre Familien (Brieftr\u00e4gerinnen des K\u00f6lner Postamts 1, K\u00f6ln 1915\/18 (KSM, Foto: RBA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dass Hoffnungen auch sehr schnell wieder zerst\u00f6rt werden k\u00f6nnen, beweisen die Nationalsozialist*innen. Die Weimarer Republik als erster Demokratie-Versuch wird kurzerhand abgewickelt. Der Todessto\u00df der Freiheit wird von den Nazis sp\u00e4ter sogar als demokratisch legitimiert bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt mit ihnen eine diktatorische Machtstruktur, die Deutschland in den politischen Untergang f\u00fchrt. Der Zweite Weltkrieg reicht mit all seinen schrecklichen Auswirkungen bis heute tief ins Menschheitsged\u00e4chtnis. Die (geo-)politischen und moralischen Folgen sind und bleiben allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kann von einer wirklichen Gleichberechtigung noch nicht die Rede sein. So darf z.B. noch viele Jahre eine Frau nur mit Zustimmung ihres Mannes heiraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alice Schwarzer und die von ihr 1977 in K\u00f6ln gegr\u00fcndete feministische Zeitschrift EMMA gelten als Ikonen der (zweiten) Frauenbewegung. Die EMMA ist noch heute ein wichtiges Sprachrohr des deutschen Feminismus. Die bisweilen radikalen Positionen der EMMA sto\u00dfen dabei nicht selten auf r\u00fcde Kritik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">RATHAUSTURM WIRD WEIBLICHER<\/h2>\n\n\n\n<p>In den 1980er-Jahren z\u00e4hlt die Partei der \u201eGr\u00fcnen\u201c bei den Figuren am Rathausturm einmal kritisch durch. Das Ergebnis ist ern\u00fcchternd: Von den 124 Figuren der K\u00f6lner Geschichte sind nur f\u00fcnf weiblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Partei setzt durch, dass die Zahl der Frauen-Figuren am Rathausturm auf 18 steigt. Eine von ihnen ist Mathilde Franziska Anneke. W\u00e4hrend der M\u00e4rz-Revolution 1848 wird ihr Haus zum Hauptquartier der Bewegung. Nach der Niederlage flieht sie in die USA, wo sie sich Frauenrechte und gegen die Sklaverei einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr k\u00f6lsche M\u00e4nnerb\u00fcndnisse noch oft Bestand haben zeigt auch: Erst 2015 gibt es mit Henriette Reker erstmals eine Frau als K\u00f6lner Stadtoberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neugierig auf weitere Geschichten rund um die Frage \u201eWorauf hoffen wir?\u201c Besucht unsere neue Dauerausstellung!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr sch\u00f6nes Lied \u00fcber Hoffnung hat \u00fcbrigens die k\u00f6lsche Band \u201eBrings\u201c geschrieben. Der Song eroberte w\u00e4hrend der Corona-Krise erst die Herzen und dann die Charts.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong><em>\u201eWir werden frei sein<br>Wenn wir uns lieben<br>Es wird vorbei sein<br>Mit all den Kriegen<br>Wir sind Br\u00fcder<br>Wir sind Schwestern<br>Ganz egal wo wir sind<br>Glaub mir<br>Die Liebe gewinnt\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<cite>Band &#8220;Brings&#8221;<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Autor: Michael Bischoff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worauf hofften die Menschen im Mittelalter? Wie ver\u00e4ndert sich das, worauf wir hoffen? In unserer neuen Ausstellung werfen wir darauf spannende Blicke. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":11239,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[84],"tags":[],"class_list":["post-11231","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellung-emotionen","wpbf-post"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11231"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13206,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11231\/revisions\/13206"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koelnisches-stadtmuseum.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}