Kölner Stadtgeschichte: Ein Überblick

Sie suchen einen Überblick über die Kölner Stadtgeschichte? Nachfolgend finden Sie einige wichtige Stationen der einzigartigen Kölner Vergangenheit vom Frühmittelalter bis heute! 
(Text: Dr. Carl Dietmar / Rita Wagner)

 

1. Köln in Früh- und Hochmittelalter

 

1.1. Im Reich der Franken (5. bis 10. Jahrhundert)

 

Die Franken kommen! Ende der römischen Herrschaft am Rhein

In der Mitte des 5. Jahrhunderts bereitete der germanische Stamm der Franken der römischen Herrschaft am Rhein ein Ende. Eine Chronik nennt die Jahre um 460 als Zeitpunkt der fränkischen Inbesitznahme Kölns. Hier heißt es wörtlich: „In diesen Tagen nahmen die Franken die Stadt Agrippina ein und nannten sie Colonia, als ob sie als Siedler/Pächter in ihr wohnten.“

Von den großen römischen Bauten blieben vor allem der Statthalterpalast, die Speicher am Rhein und nicht zuletzt die Stadtmauer erhalten. Auch die Brücke nach Deutz war noch halbwegs intakt. Der Bereich zwischen der heutigen Hohe Straße und dem Rheinufer wurde zum bevorzugten Wohnbereich: Hier lebten fortan Alteingesessene und Eroberer, Händler und spezialisierte Handwerker nebeneinander – das zeigen neuere archäologische Funde, auf deren Basis ein lebendiges Bild der frühmittelalterlichen Stadt gezeichnet werden kann.

 
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Grabplatte der Plektrudis, Köln, 1176/1200 (St. Maria im Kapitol / RBA, rba_057918)

Games of Thrones: König Chlodwig und seine Nachfolger

In und um Köln herum etablierte sich spätestens seit 470 ein fränkisches Kleinkönigtum, dessen Herrschaftsanspruch vom Rhein bis zur Maas reichte.

Zwei Könige der Rheinfranken sind namentlich bekannt: Sigibert und sein Sohn Chloderich. Ihr Reich ging um 508/09 im fränkischen Großreich auf, das der fränkische König Chlodwig aus der Dynastie der Merowinger (466 –511) mit eiserner Faust geschaffen hatte. In der Kölner Kirche St. Gereon ließ sich Chlodwig zum König aller Franken ausrufen. Nach seiner Taufe 498 in Reims traten die Franken mehrheitlich zum röm.-katholischen Christentum über. 

Im 7. Jahrhundert wurde Köln ein bevorzugter Schauplatz der Machtkämpfe innerhalb der merowingischen Königsdynastie. In diese Auseinandersetzungen war auch Bischof Kunibert involviert, der das Bistum seit etwa 625 über vier Jahrzehnte hinweg leitete und fränkischen Königen als Berater diente. Auch die Kämpfe zwischen Plektrudis, der Frau des mächtigen Hausmeiers Pippin, und ihrem Stiefsohn Karl Martell, der die Machtstellung der Karolinger begründete, spielten sich in Köln ab.

 

Köln wird Sitz eines Erzbischofs

Durch die Sachsenkriege Karls des Großen wurde das Frankenreich bis zur Elbe erweitert. Köln – nicht länger Grenzstadt – zog aus der neuen Situation vielfachen politischen wie wirtschaftlichen Gewinn. Wichtigstes Zeugnis dieser Entwicklung war um 800 die Erhebung des seit dem 4. Jahrhundert bezeugten Bistums zum Sitz eines Erzbischofs, dem u. a. die neuen sächsischen Bistümer unterstellt wurden. Hildebold, der erste Kölner Erzbischof, ein enger Vertrauter des Kaisers, ließ wahrscheinlich den „Alten“ Dom errichten, den Vorgängerbau der gotischen Kathedrale.

Die Auseinandersetzungen der Nachfolger Karls des Großen überstand die Stadt ohne nennenswerte Schäden. Als das „Große Heer“, Verbände von Wikingern, 881/82 zahlreiche Städte des Frankenreichs brandschatzten, soll auch Köln, so berichten schriftliche Quellen, heimgesucht worden sein – was archäologische Funde indes nicht belegen können.

 

 

1.2. Unter der Herrschaft der Erzbischöfe (10. Jahrhundert bis 1288)


Eine aufstrebende Stadt

925 fällt Köln an das ostfränkische Reich, aus dem das „deutsche“ bzw. das römisch-deutsche Reich werden sollte.

Damals war Köln mit seinen etwa 10.000 Einwohner*innen schon eine aufstrebende, wohlhabende Stadt, die bereits den Ehrennamen „heiliges Köln“ (sancta Colonia) führte. Erzbischof Bruno (953–965), ein Bruder Kaiser Ottos I., baute als nicht nur geistlicher, sondern auch weltlicher Herr Kölns die Stadt weiter aus.

Aus der Reihe seiner Nachfolger ragt Heribert heraus, der 1002/03 das Kloster Deutz gründete. Erzbischof Pilgrim, der den Bau von St. Aposteln vollendete, wurde 1031 erster „Erzkanzler des Reiches für Italien“. Diesen eher zeremoniellen Titel trugen alle seine Kölner Nachfolger, solange es ein „Reichsitalien“ gab.

Die Einwohner*innen Kölns galten im Gegensatz zur Bevölkerung der ländlichen Umgebung als „frei“ und standen in keinerlei rechtlicher Abhängigkeit zu geistlichen oder weltlichen Herren. 1074 erhoben sie sich – nach einem vorausgegangenen Willkürakt – gegen Erzbischof Anno II. Der Aufstand war ein erster Versuch stadtbürgerlicher Emanzipation vom erzbischöflichen Regiment. Er wurde blutig niedergeschlagen.

In Annos Amtszeit wird ein jüdisches Viertel im Herzen der Stadt erwähnt, das 1096 im Vorfeld des ersten Kreuzzuges erstmals zerstört wurde.

 

 
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Ursulabüste, Köln, 14. Jh. (KSM / P. Hoffmann)

„Sancta Colonia“ und die 11000 Jungfrauen

Im 12. Jahrhundert wurde die sancta Colonia eine Stadt mit überreichen Schätzen an Reliquien: Erzbischof Reinald von Dassel brachte 1164 die Reliquien der Hl. Drei Könige nach Köln – ein Geschenk Kaiser Barbarossas für seine Unterstützung bei der Eroberung des aufmüpfigen Mailands. Schon vorher hatte man die Gebeine der „11000 Jungfrauen“ sowie derjenigen Gereons und seiner Gefährten „entdeckt“.

In der Folge wurde das Stadtbild um zahlreiche Kirchen und Konvente bereichert, nicht zuletzt durch die Niederlassungen der Dominikaner (wo Albertus Magnus als Lesemeister fungierte) und der Franziskaner (mit dem seinerzeit nicht minder bekannten John Duns Scotus).

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Der Löwenkampf des Bürgermeisters Grin, die Pfaffenpforte und die Schlacht von Worringen 1288, 16. Jh. (KSM / RBA, rba_d038980_01)

Schlacht von Worringen

Es kam immer öfter zu Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern und erzbischöflichem Stadtherrn, die vielfach mit Gewalt ausgetragen wurden. Dabei spielten die unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen eine große Rolle. 1106 und 1179/80 wurden die bei der Erweiterung des Stadtgebietes errichteten Befestigungen, z.B. die große Stadtmauer, gegen den Willen der Erzbischöfe gebaut.







Unter Konrad von Hochstaden (1238–1261), der 1248 den Grundstein zum gotischen Dom legte und der Stadt 1259 das Stapelrecht verlieh, und seinen Nachfolgern eskalierte der Streit weiter. Den Höhepunkt bildete am 5. Juni 1288 die Schlacht von Worringen. Die Kölner hatten sich auf die Seite des Herzogs von Brabant geschlagen, des größten Widersachers des Erzbischofs Siegfried von Westerburg (1270-1296) im Kampf um die Vohrerrschaft im europäischen Nordwesten. Die Bürger gehörten zu den Siegern der Schlacht – und die Stadtgemeinde unternahm fortan alles, um Schritt für Schritt die erzbischöfliche Herrschaft abzustreifen.

 

 

 
 

2. Köln im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert)

 

2.1. Die Herrschaft der „Geschlechter“ (1288 bis 1396)

 

Der Rat

Für die führenden Familien, die vor allem durch Fernhandel reich geworden waren – die Overstolzen, die Kleingedank, die Grin, um nur einige zu nennen – , bürgerte sich im Lauf der Zeit der Name „Geschlechter“ ein.

Viele dieser Familien, die nun die Geschicke der Stadt bestimmten, waren seit dem 12. Jahrhundert durch ihre männlichen Familienoberhäupter in oft miteinander konkurrierenden Gremien vertreten, die eine Teilhabe an der Lenkung des Gemeinwesens beanspruchten: im Schöffenkolleg des erzbischöflichen Gerichts, in der Richerzeche, der Genossenschaft der „Reichen“, und im 1216 erstmals erwähnten Rat. Letzterer hatte sich am Ende des 13. Jahrhunderts als oberstes Selbstverwaltungsorgan durchgesetzt. Die 15 jährlich wechselnden Mitglieder des Rates ergänzten sich in der Weise, dass jeder seinen Nachfolger vorschlug, gewöhnlich aus seinem „Geschlecht“.

Im 14. Jahrhundert wurde dieser Institution, nun „enger“ Rat genannt, eine Kontrollinstanz zur Seite gestellt: der „weite“ Rat mit 82 Mitgliedern. Der Rat war – neben dem Erzbischof – auch Schutzherr der jüdischen Gemeinde. Seiner Schutzverpflichtung kam er allerdings im August 1349, im Vorfeld der Pest, nicht nach – untätig sahen die Ratsherren zu, wie das jüdische Viertel gestürmt, geplündert und in Brand gesetzt, fast alle Juden und Jüdinnen ermordet wurden.

Von Zünften und Kämpfen

Seit dem 12. Jahrhundert hatten sich auch immer mehr Berufsgruppen genossenschaftlich organisiert, in Zünften (in Köln „Ämter“ genannt), die u.a. für Ausbildung und Qualitätskontrollen ihrer Produkte zuständig waren. Seit etwa 1350 traten die „Gaffeln“ auf die politische Bühne: Tischgesellschaften von Kaufleuten, die den risikoreichen Fernhandel von den Geschlechtern übernommen hatten, darunter viele äußerst wohlhabende Neubürger.

Die personelle Verflechtung von Rat, Richerzeche und Schöffenkolleg wurde in der Bevölkerung immer wieder als Ursache großer Missstände, von Korruption und Vetternwirtschaft, ausgemacht. Unregelmäßigkeiten einiger Ratsherren nahm die mächtige Zunft der Weber 1370 zum Anlass, einen Aufruhr anzuzetteln, der sie kurzzeitig sogar zu tonangebenden Gruppe in der Stadt machte.

Aufstand!
Rivalitäten innerhalb der Geschlechter führten seit 1390 zur Bildung zweier Parteien, die sich bis aufs Blut bekämpften. Die Mehrheit der Bürgerschaft hielt sich aus diesem Konflikt heraus – als aber im Sommer 1396 das Gerücht aufkam, der Rat wolle Zünfte und Gaffeln auflösen, gingen Misstrauen und Unbehagen in kalte Wut über. Als der Schöffe Constantin von Lyskirchen am 18. Juni dieses Jahres durch die Stadt ritt und die Einwohner*innen in hochmütiger Weise zur Ruhe aufforderte, wurde er von Gaffelgenossen vom Pferd gerissen – das Signal zum allgemeinen Aufstand. Aus Zunft- und Gaffelhäusern strömten Bewaffnete zusammen, die Menge zog zum Versammlungshaus des Stadtbezirks Airsburg, wo sich viele Angehörige der Geschlechter aufhielten und sich, ohne Widerstand zu leisten, den Gaffel- und Zunftgenossen ergaben.

 

2.2. Der Verbundbrief, die „ewige“ Ratsverfassung von 1396

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Verbundbrief mit 23 angehängten Siegeln, Köln, 1396 (HAStK / RBA rba_c007689)

Die Neuordnung der politischen Machtverhältnisse, die vornehmlich von den Gaffeln der Kaufleute betrieben wurde, war ein regelrechter Umsturz: Die im Auftrag eines provisorischen Rats ausgearbeitete neue Stadtverfassung bedeutete das Ende der Geschlechterherrschaft. Das wichtigste Ergebnis war der „Verbundbrief“, der am 14. September 1396 verkündet und besiegelt wurde und 400 Jahre in Kraft bleiben sollte.

Aussteller der Urkunde war die gesamte Bürgerschaft Kölns, die sich in 22 politisch-gewerblichen Genossenschaften organisiert und miteinander "verbunden" hatte; später nannte man diese Korporationen, die dem Gemeinwesen eine neue Ordnung geben sollten, einheitlich "Gaffeln". Es sollte fortan nur noch einen „ungeteilten Rat“ geben, der in allen Angelegenheiten „mogich und mechtisch“ sein sollte.

Neben den reinen Kaufleute-Gaffeln und einigen größeren Berufsgruppen wie Brauern und Bäckern setzten sich die meisten Korporationen aus mehreren, nicht unbedingt branchennahen Zünften zusammen; so die Schilderer, die nun mit den Wappenstickern, Sattelmachern und Glaswörtern ein „Amt“ bildeten.

Jeder Bürger und jeder „Eingesessene“ war verpflichtet, sich einem Amt bzw. einer Gaffel anzuschließen. Nur die Mitglieder der 22 Gaffeln waren zur Wahl der Ratsherren berechtigt. Die Kölner Stadtbevölkerung setzte sich damals aus drei Gruppen zusammen: die Bürger mit vollem Bürgerrecht (ca. 10 Prozent der Kölner*innen), die „Eingesessenen“, die zwar den Schutz der Stadt genossen, aber keine politischen Mitspracherechte hatten, und die Fremden. Bürger und Eingesessene waren zum Waffendienst für die Stadt verpflichtet. Explizit von politischer Mitwirkung ausgeschlossen waren alle nichtehelich Geborenen, der Klerus sowie alle Frauen. Letztere konnten zwar das Bürgerrecht erwerben, hatten aber weder im Rat noch in der Gaffel Mitspracherechte, für den Waffendienst mussten sie einen Ersatzmann ausrüsten.

 
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J. Toussyn: Ratsturm mit Rathaus, Westseite (KSM / RBA rba_mf089515)

Es wird geklüngelt

Der jeweils für ein Jahr amtierende Rat zählte 49 Mitglieder, von denen 36 nach einem bestimmten Verteilerschlüssel durch die einzelnen Gaffeln gewählt wurden. Die übrigen 13 Ratssitze, das „Gebrech“ (also das, was an der Gesamtzahl 49 ‚gebricht‘) wurden von den 36 Gaffel-Ratsherren vergeben. Jedoch konnte in den Rat nur gewählt werden, wer das Kölner Bürgerrecht besaß.

Als Kontrollorgan für den Rat wurden die „Vierundvierziger“ installiert, ein Gremium, das aus je zwei Vertretern der Korporationen gebildet wurde und bei wichtigen Entscheidungen wie Kriegführung oder Kreditaufnahme herangezogen werden musste. Repräsentanten der Stadt waren die zwei Bürgermeister, die vom Rat für jeweils ein Jahr gewählt wurden. Beschlüsse des Rates und öffentliche Verlautbarungen wurden den Einwohner*innen durch sogenannte „Morgensprachen“ vom Rathaus aus mitgeteilt.

 







Ein Schwachpunkt der Verfassung war, dass ein Ratsherr nach zweijähriger Wartezeit wieder in den Rat gewählt werden durfte. Das hatte zur Folge, dass letztendlich drei Gruppen von ausschließlich wohlhabenden Bürgern im dreijährigen Turnus im Rat saßen – was angesichts von Korruption und Inkompetenz – also „Klüngel“ – vieler Ratsherren immer wieder Anlass zu innerstädtischen Auseinandersetzungen mit unzufriedenen Gruppierungen sein sollte.
Die drei Bürgermeisterpaare, die sich regelmäßig abwechselten und das eigentliche Stadtregiment bildeten, wurden bald „Kränzchen“ und „Sechsherren“ genannt.

 

Frauenrechte

Die Mehrheit der Bevölkerung – Knechte und Mägde, Dienstbot*innen, niedere städtische Bedienstete wie Torwächter, Hilfsarbeiter*innen und Tagelöhner*innen – hatte keinerlei Zugang zur politischen Willensbildung; auch die Frauen der tonangebenden Kreise hatten keine politischen Mitspracherechte. Allerdings hatten Frauen in Köln zumindest mehr Rechte als in anderen Städten, etwa in erbrechtlicher, vor allem aber in wirtschaftlicher Hinsicht – sie bildeten sogar eigene Zünfte, etwa die der Goldspinnerinnen und der Seidmacherinnen. Allerdings wurden auch sie politisch in den Gaffeln durch männliche Familienangehörige vertreten. Eine Meisterswitwe durfte das Gewerbe mit Hilfe eines Angestellten (den sie oder eine der Töchter später nicht selten ehelichte) fortführen. Ganz selten nahm eine Witwe vorübergehend auch den Sitz ihres Mannes in einer Gaffel ein. Und gemäß des Rechtsinstruments des Kölner „Frauenzeugnisses“ hatten Aussagen von Frauen vor Gericht die gleiche Rechtskraft wie die von Männern.

 

2.3. Metropole im Westen: wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Stadt


Religiöse Metropole

Köln war im Spätmittalter mit etwa 40.000 Einwohner*innen die größte und bedeutendste deutsche Stadt.

Reisende und Kaufleute, die sich ihr auf dem Landweg oder per Schiff näherten, zeigten sich beeindruckt von der imponierenden Stadtsilhouette mit ihren zahllosen Kirchtürmen, überragt vom – noch im Bau befindlichen – Dom. Einer Aufstellung des Rates ist zu entnehmen, dass es in Köln neben der Kathedralkirche, den elf Stiftskirchen und den Kirchen der 19 Pfarrgemeinden annähernd 40 Männer- und Frauenklöster gab. Da sind noch nicht die zahlreichen kleinen Konvente mitgezählt, etwa die der Beginen-Gemeinschaften, in denen ledige oder verwitwete Frauen zusammenlebten.

Aufgrund der zahllosen Reliquien, die in den Kirchen und Klöstern verwahrt und verehrt wurden, war die Stadt das hillige Coellen, ein Wallfahrtsort von europäischem Rang, nur mit Rom und Santiago de Compostela vergleichbar.

 

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W. Scheiner: Fassbindergaffelhaus am Filzengraben (KSM / RBA, rba_d038760)

Wirtschaftszentrum

Der Reichtum der Stadt beruhte auf ihrer außerordentlichen Wirtschaftskraft. Kölner Kaufleute und Händler*innen machten damals in ganz Europa Geschäfte.

Köln wurde führendes Mitglied der Hanse. Aufgrund ihres europaweiten Weinhandels galt die Stadt als das „Weinhaus der Hanse“, von Kölner Handwerker*innen produzierte Waren wurden als hochwertige Exportartikel geschätzt, der Zusatz „kölnisch“ war ein Inbegriff für Qualität.

Das Exportgewerbe basierte vor allem auf der Tuchherstellung und -verarbeitung. Hier waren zeitweilig mehr als 5000 Menschen, vom Meister bis zur Hilfsarbeiterin, beschäftigt.

 

 
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S. Lochner: Altar der Stadtpatrone (Kölner Dom / RBA, rba_c002394)

Kunst

Eine Stadt mit einer derartigen Wirtschaftskraft, einer kapitalkräftigen Oberschicht und wohlhabenden geistlichen Institutionen zog natürlich auch Künstler und „Intellektuelle“ aus Nah und Fern an.

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts sind in Köln zahlreiche Maler tätig. Einige ihre Altar- und Tafelbilder werden heute als Meisterwerke spätmittelalterlicher Kunst gehandelt. Zu den wenigen Künstlern, die namentlich bekannt sind, zählt Stefan Lochner, dessen „Altar der Stadtpatrone“ heute im Dom zu bewundern ist.

 

Bildung

Seit etwa 1250 erlebte das Schulwesen einen erheblichen Aufschwung. Die Schriftlichkeit im Wirtschaftsleben wurde zunehmend wichtiger, verbunden mit einem allgemeinen Bedürfnis nach „einfachen“ Lese- und Schreibkenntnissen. Vor allem an Pfarrkirchen wurden damals Schulen eingerichtet. Wegen des hohen Frauenanteils in der Kölner Wirtschaft durften auch Mädchen einige dieser Schulen besuchen, um sich elementare Kenntnisse des Lesens und Schreibens anzueignen.

Dass die Stadt zu einem Zentrum der Wissenschaft wurde, verdankt sie ihrer Universität. Diese wurde 1388 – ein Novum – auf Initiative der Bürger gegründet und zählte schon wenige Jahre später zu den „bedeutendsten Hochschulen der Welt“ (so eine Chronik). Studenten – bis  zur Auflösung der Universität 1798 ausschließlich männlichen Geschlechts – und Hochschullehrer aus ganz Europa zog es daher nach Köln.

 

2.4. Die Stadtgesellschaft - und "die da unten"

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G. FischerStadtmodell nach der Vogelschauansicht von Arnold Mercator von 1570/71, Köln, 1913/14 (KSM / RBA, Sabrina Walz. rba_d040440)

Feiern und Leben

Innerhalb der Stadtbevölkerung bildeten die Gewerbetreibenden und Handwerker*innen – nach den Fernhändler*innen und Großkaufleuten – die wirtschaftlich bedeutendste Gruppe. Von den etwa 40 000 Einwohner*innen Kölns waren zwischen 5000 und 6000 Männer in den Zünften organisiert und damit berechtigt, an der Wahl der Ratsherren teilzunehmen.

Ihre Freizeit verbrachten die Zunftgenossen und ihre Gesellen zumeist in Gasthäusern, von denen es Hunderte im Stadtgebiet gab; allein am Rhein wurden in Dutzenden von Wirtschaften Wein und Bier ausgeschenkt. Bier produzierten am Ende des 14. Jahrhunderts mehr als 60 Brauer*innen, sie boten zumeist das lager- und transportfähige Keutebier an. Jeder erwachsene Kölner und wohl auch jede erwachsene Kölnerin trank etwa zwei Hektoliter Bier pro Jahr. Beliebt war aber auch der in den Gärten gezogene Hauswein; der Name „suuren Hungk“ spricht für sich.

Vor allem bei den vielen Festlichkeiten, Familienfeiern und kirchlichen Festen, die zu den Höhepunkten im Jahresablauf des Gemeindelebens in den Pfarreien (den „Kirchspielen“) zählten, kam die Lebensfreude nicht zu kurz. Zahllos sind die Erlasse des Rates, die sich mit den Auswüchsen des Karnevalstreibens beschäftigten; doch Jahr für Jahr wiederholten sich in den Tagen vor Aschermittwoch Szenen voller Derbheit und Ausgelassenheit, bei denen sich vor allem Handwerksgesellen und Studenten hervortaten. Aus dem Jahr 1341 stammt übrigens die erste Erwähnung des vastavend, des Karnevals.


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Leprosenmännchen, 1630 (KSM / RBA, S. Walz, rba_d035936)  

… und „die da unten“?

Zu den Menschen am Rande der Stadtgesellschaft zählten die, die „unehrliche“ Berufe ausübten, etwa die „Goldgräber“ – so nannte man die Leute, die die Kloaken reinigten und Abortgruben ausschöpften –, des Weiteren Abdecker, Totengräber, aber auch der Henker.

Neben den „unehrlichen“ Leuten gab es weitere zahlreiche Außenseiter – nichtehelich Geborene, Aussätzige, Gemüts- und Geisteskranke, Gaukler*innen und Spielleute, Frauen, die man als Hexen oder Wahrsagerinnen verfolgte, Prostituierte, aber auch Bader und Quacksalber. Männliche Prostitution gab es offiziell nicht – homosexuelle Handlungen konnten mit dem Tode bestraft werden.

Unter denen „da unten“, die der Stadt nicht zur Ehre gereichten, hatten die zahlreichen Bettler*innen noch eine bevorzugte Stellung – boten sie doch den wohlhabenden Bürgern die Gelegenheit zu christlicher Mildtätigkeit. Manche Familien hatten ihre persönlichen „Hausarmen“, die sie zeitlebens unterstützten, deren Gebete ihnen umgekehrt das Himmelreich näherbringen sollte.

 

2.5. Die Erhebung zur freien Reichsstadt und der Transfixbrief (1475 bis 1512/13)

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A. Woensam: Große Ansicht der Stadt Köln im Jahre 1531, Köln, um 1890 (KSM / RBA, rba_165407)



Eine „freie“ Stadt?

In der Schlacht von Worringen hatte sich die Stadt Köln ihre faktische Unabhängigkeit erkämpft. Köln wurde „freie“ Stadt – doch die oft beschworene „Stadtfreiheit“ war damit nicht unumstößlich errungen. Die Erzbischöfe haben ihren Anspruch auf die Stadtherrschaft nie aufgegeben.

Die rechtlich wie politisch unsichere Position der Stadt zeigte sich u. a. darin, dass ihre Vertreter bis ins 15. Jahrhundert jedem neu gewählten Erzbischof einen Huldigungseid leisteten; darin gelobten die „freien Bürger von Köln dem Erzbischof von Köln, unserem Herrn“ die Treue – aus Kölner Sicht allerdings nur in geistlichen Dingen. So kam es vor allem im 14. Jahrhundert mehrfach zu kriegerischen Konflikten mit dem Erzbischof, der sich auch mittels des Hohen Weltlichen Gerichts (der höchsten rechtlichen Instanz in Köln, deren Gerichtsherr er war) in die inneren Verhältnisse einmischen konnte. Nicht zuletzt waren die Vertreter des Erzbischofs Kölner Bürger und dementsprechend eng mit der Stadtgesellschaft verbunden.

 

Burgunderkriege und Reichstadtprivileg

Die wohl gefährlichste Bedrohung der Stellung Kölns löste nach 1470 der Kölner Erzbischof Ruprecht von der Pfalz aus, der sich mit dem mächtigen Burgunderherzog Karl dem Kühnen verbündete. Dieser versprach, er werde dem Erzbischof „abtrünnige“ Städte wie Köln und Neuss unterwerfen.

Im Verlauf des Neusser Krieges, den die Kölner unter Einsatz ungeheurer finanzieller Mittel an vorderster Front führten, gelang es Kaiser Friedrich III., den Herzog von Burgund zum Abzug aus dem Rheinland zu bewegen. Als Belohnung für ihren Beitrag verlieh der Kaiser der Stadt am 19. Oktober 1475 das „Reichstadtprivileg“. (Dies war letztlich die Anerkennung eines bereits bestehenden Zustandes, denn Köln wurde schon zuvor – wie bei Reichsstädten üblich – zu Reichstagen eingeladen.) Köln war jetzt nicht mehr nur eine von erzbischöflicher Herrschaft „freie“ Stadt, sondern zugleich eine Reichsstadt, die nur noch den Kaiser über sich hatte.

 

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Richtschwert der Stadt Köln, 14. Jh. (KSM / RBA, rba_d006819)

Gegen Cliquenwirtschaft: Der Transfixbrief

Der Neusser Krieg hat die Finanzen der Stadt auf lange Jahre zerrüttet. Die Schulden sollten durch immer neue Steuern bezahlt werden – was schon im Herbst 1481 zu Unruhen führte.

Im Dezember 1512 brach erneut ein Aufstand gegen die Herrschaftspraxis des Rates aus, diesmal mit mehr Erfolg. Nach der Hinrichtung zweier Bürgermeister und einiger Ratsherren beschlossen die siegreichen Zünfte und Gaffeln, stärker gegen die Cliquenwirtschaft bestimmter Kreise vorzugehen.

Das Ergebnis war im Dezember 1513 die Ergänzung des Verbundbriefes durch den „Transfixbrief“ (den „angehefteten“ Brief). Darin wurde u. a. festgelegt, dass fortan keine heimlichen Ratssitzungen und Vorabsprachen geduldet werden, zudem garantierte man jedem Bürger eine Art von Widerstandsrecht bei Verletzung seiner Rechte. In Artikel 22 heißt es, jeder Bürger sollte vor willkürlicher Verhaftung geschützt werden, im Bereich des „häuslichen Sonderfriedens“ sei er unantastbar – eine bemerkenswerte Bestimmung, die fast modern anmutet und bürgerliche Freiheitsrechte vorwegnimmt.

 
 

3. Köln in der Frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert)

 

3.1. Im Zeitalter von Reformation, Gegenreformation und Dreißigjährigem Krieg

 

Da wo man Bücher verbrennt….

Am 12. November 1520 wurden auf dem Domhof – in Anwesenheit der Ratsherren und vielen Schaulustigen – die Schriften Luthers verbrannt, nachdem Kölner Theologieprofessoren dessen Thesen als Irrlehre verdammt hatten. Es war ein erstes Zeichen einer Politik, die durch Festhalten an der kaiserlichen Partei und am römisch-katholischen Glauben gekennzeichnet war.

So wie man den Druck protestantischer Schriften verbot, ging man auch gegen Anhänger*innen der neuen Lehre vor. Trauriger Höhepunkt der konfessionellen Verwicklungen war 1529 die Hinrichtung zwei evangelischer Prediger, die wegen „Ketzerei“ verbrannt wurden.

Bereits 1525 hatten unzufriedene Zunftgenossen zum Umsturz aufgerufen, indem sie die Vorrechte der Geistlichkeit anprangerten und die radikale Forderung „Teilen mit den Reichen“ erhoben. Doch gerade diese populäre Parole führte zu Uneinigkeit innerhalb der Zünfte, die der Rat mit Erfolg ausnutze – im Juni 1525 brach der Aufstand in sich zusammen.

 

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H. tom Ring: Porträt des Gebhard Truchseß von Waldburg, 1579 (KSM / RBA, rba_c005636)

Sieg der Gegenreformation

Dass die Jesuiten 1544 in Köln ihre erste Niederlassung auf deutschem Boden gründeten, war kein Zufall – Köln sollte eine Bastion der Gegenreformation werden.

Protestant*innen aus Brabant und Flandern, die nach Ausbruch des niederländischen Unabhängigkeitskrieges in Köln Zuflucht suchten, wurden 1566 zunächst zwar gastfreundlich aufgenommen. Doch nachdem sich in ihrem Gefolge im Vergleich zu den lutherischen radikalere calvinistisch-reformierte Gemeinden bildeten, sah sich der Rat zum Durchgreifen veranlasst – mehrfach wurde die Ausweisung der „reformierten Ausländer“ verkündet, doch erst 1583 wurden alle „unkatholischen Fremden und Ketzer“ aus der Stadt gewiesen.

Damals war der bayerische Herzog Ernst an Stelle des zum evangelischen Glauben übergetretenen und daraufhin abgesetzten Kurfürsten Gebhard Truchsess zum Kölner Erzbischof gewählt worden. Es folgte ein langwieriger, blutiger Konflikt, der „Kölner Krieg“ – der mit dem Sieg der katholischen Partei endete.

So blieb Köln als einzige große Reichsstadt katholisch. Von nun an wurden Kölner*innen, die der „unkatholischen Ketzerei“ anhingen, gnadenlos verfolgt. Im Jahr 1601 verließen 300 Protestant*innen die Stadt, nachdem der Rat „Schutz und Schirm“ aufgekündigt hatte.


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Rathausturmfiguren, Friedrich Spee von Langenfeld und Katharina Henot (R. Spekking / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Hexenverfolgung

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) praktizierte Köln, trotz aller Sympathien für die katholische Seite, eine Form der Neutralität, die vor allem der Kölner Wirtschaft zugutekam: Man konnte mit allen Kriegsparteien Geschäfte machen. Nur einmal, im Dezember 1632, geriet Köln in echte Gefahr, als eine schwedische Armee Deutz besetzte und von da aus Köln bedrohte. Bei Gefechten in Deutz kam es zur spektakulären Explosion eines Munitionslagers in der Pfarrkirche St. Urban, deren Kirchturm völlig zerstört wurde.

Im Verlauf des Kriegs erfasste der Hexenwahn auch Köln – Dutzende von Frauen wurden seit 1626 der Hexerei beschuldigt und verbrannt, darunter die wohlhabende Postmeisterin Katharina Henoth. Vor allem diesen Fall griff der auch in Köln tätige Jesuit Friedrich Spee 1631 in einer vielbeachteten Schrift gegen die Hexenverfolgung auf.

Der Kölner Stadtrat beschloss übrigens erst fast 400 Jahre später, 2012, die Rehabilitation aller 37 der Hexerei angeklagten und verurteilten Frauen.

 

3.2. Der Niedergang der freien Reichstadt (17./18. Jahrhundert)

 

Kein frühneuzeitliches „Silicon Valley“

Während das übrige Deutschland im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde, war es Köln gelungen, die Kriegszeiten äußerlich glimpflich zu überstehen. Doch das Festhalten am katholischen Glauben und die damit verbundene Diskriminierung Andersgläubiger führte dazu, dass um 1714 viele erfolgreiche, weil wirtschaftlichen Innovationen aufgeschlossene evangelische Kaufleute die Stadt verließen und sich im damals bergischen Mülheim/Rhein niederließen – denn im Herzogtum Berg galt für christliche Glaubensbekenntnisse Religionsfreiheit.

Die konservative, an der Zunftordnung orientierte Wirtschaftspolitik des Rates verhinderte die Einführung technischer Neuerungen, sei es im Textilgewerbe oder in der Metallverarbeitung, wodurch zahlreiche Gewerbe immer weniger konkurrenzfähig wurden. Lediglich neue, nicht der nicht mittelalterlichen Zunftordnung unterliegende Bereiche wie die Tabakverarbeitung und die Produktion von Kölnisch Wasser konnten gewinnbringend arbeiten.

Die Oberschicht verarmte nicht. Aber wohlhabende Kölner*innen investierten v.a. außerhalb der Stadt, z.B. in Landgüter, in bergische Manufakturen oder in die niederländische Ostindiengesellschaft. Der Niedergang traf v. a. den Mittelstand und die arbeitende Unterschicht. Aber auch klösterliche Gemeinschaften waren betroffen, sie schrumpften mitunter bis zur Bedeutungslosigkeit.

Pest und Gülich-Aufstand

Die allgemeine wirtschaftliche Stagnation, die 1665/66 durch einen schweren Ausbruch der Pest begleitet wurde (mit fast 10.000 Toten), brachte steigende städtische Schulden mit sich – die wiederum durch Steuererhöhungen ausgeglichen werden sollten.

Anfang der 1680er-Jahre warfen Gaffeln und Zünfte dem Rat wieder einmal Korruption und Vetternwirtschaft vor. Unter Führung des Bandwirkers Nikolaus Gülich wagte man 1683 den gewaltsamen Umsturz. Das aus Anhänger Gülichs formierte neue Regime konnte sich zwei Jahre halten, ehe es seinen Gegnern unterlag. Gülich selbst wurde im Februar 1686 hingerichtet.

 

„…die abscheulichste deutsche Stadt“

Das 18. Jahrhundert gilt allgemein als Epoche des Niedergangs, der sich auch im Stadtbild verfestigte. Zahlreiche, oft tendenziöse Berichte von Besucher*innen schildern die Stadt als schmutzig und rückständig. Hier ein Beispiel eines aufgeklärten Protestanten: „Von außen bietet Cöln einen prächtigen Anblick, doch alle Pracht schwindet, sobald man einen Fuß unter das Tor gesetzt hat. Die Straßen und die Bewohner sind gleich finster – Cöln ist in jedem Betracht die abscheulichste deutsche Stadt“. Wenigstens um ein Jahrhundert seien die Kölner*innen hinter dem übrigen Deutschland zurück: „Bigotterie, Unsittlichkeit, Grobheit, Sprache, Kleidung, Meubelen, kurz alles unterscheidet sie stark von ihren Landsleuten.“ Und weiter: „Nebst dem Hass gegen Neuerungen und der gewöhnlichen Ohnmacht und Trägheit ihrer Regenten herrscht hier das unsinnige Zunftsystem mit ungleich mehr Stärke als in irgendeiner anderen Reichsstadt.“

Selbst der kaiserliche Resident kritisierte kurz nach 1750 die Zustände – „die mit dem Prädikat von sich selbst beadelnden Patricii, die als Bürgermeister und Ratsherren die Geschäfte führen, pflegen alles nur nach ihrer eingebildeten Hoheit und nach dem Interesse ihrer Familien abzumessen.“ Der hochweise und hochedle Rat, wie er sich bezeichne, sei alles andere als weise und noch weniger edel. Bei der Besetzung öffentlicher Ämter gäben nicht Verdienst und Rechtschaffenheit den Ausschlag, sondern lediglich Geld und Konnexionen; fast jeder, dem es gelinge, ein solches Amt zu erwerben, suche sich auf Kosten der Stadt schadlos zu halten und zu bereichern.

Während die Pariser*innen am 14. Juli 1789 die Bastille stürmten, wurde in Köln den Protestant*innen endgültig die öffentliche Ausübung ihrer Religion untersagt. Alles Engagement der aufgeklärten Kölner Oberschicht und selbst von Kaiser Joseph II. (1741-1790) war erfolglos gegen die Engstirnigkeit des Kölner Zunftbürgertums. Dazu bedurfte es einem Umsturz der europäischen Machtverhältnisse.

 

4. Köln im 19. Jahrhundert

 

4.1. Unter französischer Herrschaft (1794 bis 1814)

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Napoleon Ier, um 1805 (KSM / RBA, W. F. Meier, rba_c019915)  

La Revolution

Die Änderung dieser wenig erfreulichen Zustände kam von außen: Am 6. Oktober 1794 besetzten Truppen des revolutionären Frankreichs das linke Rheinufer und damit auch Köln – kampflos.

Was die Kölner Bevölkerung als eine vorübergehende Episode ansah, wurde zum Dauerzustand – spätestens, als die französischen Machthaber im September 1797 den alten reichsstädtischen Rat durch einen provisorischen Magistrat ersetzten, der erstmals auch Beigeordnete mit Fachkenntnissen umfasste. Als erstes führten die Besatzer eine geregelte Straßenreinigung ein, zudem ordnete das Militär die allgemeine Beleuchtung der Straßen und Plätze an. U. a. mit Hilfe des hochangesehenen Professors Ferdinand Franz Wallraf wurden zahlreiche Straßen und Plätze umbenannt.


Wirklich grundlegende Änderungen folgten: die Einführung der staatsbürgerlichen Gleichheit, die Auflösung der Gaffeln, die Abschaffung des Zunftzwanges und die Umstellung des Münzsystems auf Francs und Centimes. Hinzu kam die Einführung der Religionsfreiheit, die die Zuwanderung von Juden und Jüdinnen und vor allem Protestant*innen darunter viele bergische Textilfabrikanten, möglich machte.


Durch all diese Maßnahmen wurden der Kölner Wirtschaft zunächst starke Impulse gegeben. Vor allem floss endlich wieder Kapital in großgewerbliche Betriebe.

Unter einer Maßnahme litt allerdings der Handel: der Verlegung der Zollgrenze an den Rhein. Die von den Franzosen erhobene „Douane“ war so hoch, dass die traditionellen Handelsströme zwischen beiden Rheinufern abrupt unterbrochen wurden. Nur der Schmuggel gedieh.

 

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F. Rousseau: Die Errichtung eines Freiheitsbaumes auf dem Kölner Neumarkt am 9. Oktober 1794 (KSM / RBA)

„Gute“ Franzosen/Französinnen

Zum Aufschwung trug auch die Säkularisation bei: der Übergang kirchlichen Eigentums in die Verfügungsgewalt des Staates. Die überwiegende Zahl von Kirchen und Klöster sowie deren erheblicher Grundbesitz wurden im Sommer 1802 beschlagnahmt, zweckentfremdet, „umgenutzt“, verkauft oder einfach abgebrochen. Charakter und Gesicht Kölns wurden durch die Säkularisation entscheidend verändert. Allerdings: Selbst unter den katholischen Kölner:innen (der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung) stieß die Säkularisation auf Zustimmung – schließlich profitierte man davon.

Seit 1801 gehörte „la ville de Cologne“ offiziell zur französischen Republik – und die Kölner:innen wurden „gute“ Franzosen und Französinnen. Als Napoleon kurz vor seiner Kaiserkrönung die Stadt im September 1804 besuchte, wurde er begeistert empfangen. Auch die Kölner*innen feierten ihn als den Mann, der nach den Wirren der Revolution Frieden und Gesetzmäßigkeit gebracht habe.

Das Kurfürstentum Köln existierte nicht mehr, auch das Erzbistum wurde aufgelöst, aber mit der Errichtung des Bistums Aachen schuf man religiösen Frieden. Im Januar 1804 konnten gar die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die 1794 mit dem übrigen Domschatz vor den Revolutionären in Sicherheit gebracht worden waren, in den Kölner Dom zurückkehren.

Nicht zuletzt verdankte man Napoleon den Code Civil, der auch nach Abzug der Franzosen in Kraft blieb und auf dem in wesentlichen Teilen das spätere Bürgerliche Gesetzbuch beruhte.

Zahlreiche Kölner dienten als französische Staatsbürger schließlich in den napoleonischen Armeen und machten u. a. den gescheiterten Russland-Feldzug Napoleons mit. 1813 jedoch übernahmen Russen, Österreicher und Preußen erfolgreich die militärische Initiative – im Verlauf ihres Vormarsches in Richtung Frankreich wurde Köln am 14. Januar 1814 von russischen und preußischen Truppen eingenommen.

 

4.2. Die preußische Stadt bis zur Reichseinheit (1814/15 bis 1871)

 

Preußische (Provinz-)Stadt

Köln, im Sommer 1814: Die 20 Jahre unter französischer Herrschaft galten nun als Zeit der „Fremdherrschaft“. Als sich die Hoffnungen auf die Wiederherstellung der reichsstädtischen Freiheit nicht erfüllte – und auch die Wiedereröffnung der Universität nicht erfolgte – , machte sich jedoch Enttäuschung breit. Der Wiener Kongress beschloss 1815, die Rheinlande dem Königreich Preußen zuzuschlagen. Als dann aus Berlin verlautete, dass das rückständige Allgemeine Preußische Landrecht im Rheinland eingeführt werden sollte, formierte sich Widerstand – eine Kommission stieß überall auf den Wunsch nach Beibehaltung der nicht zuletzt am bürgerlichen Gleichheitsanspruch orientierten Zivil- und Strafprozessordnung. Berlin musste nachgeben: Das Recht der „Fremdherren“, das man nun „Rheinisches Recht“ nannte, blieb in Kraft, damit auch Geschworenengerichte, die französische Verwaltungsordnung (bis 1846) und der Code civil (bis Ende 1899).

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Simon Meister zugeschrieben: Der Kölner Rosenmontagszug des Jahres 1836, 1836 (KSM / RBA)
 

Von der „Zwangsheirat“ zur „Vernunftehe“

Dass aus der Zwangsheirat von 1815 allmählich eine Vernunftehe wurde, lag an Männern wie dem ersten Regierungspräsidenten Friedrich zu Solms-Laubach, der den Wünschen und Problemen der Rheinländer*innen viel Verständnis entgegenbrachte. Vor allem in einer Hinsicht gingen die Preußen klüger vor als ihre Vorgänger: Anders als die Franzosen akzeptierten die Preußen den Karneval und unterstützten sogar die Gründung eines „Festordnenden Comitees“, das im Winter 1822/23 ins Leben gerufen wurde.







Probleme des industriellen Zeitalters

Doch die preußische Administration versagte schlichtweg, als das industrielle Zeitalter anbrach – die Regierung in Berlin hatte keine Rezepte gegen die wirtschaftliche und soziale Krise, die seit 1830 offensichtlich wurde. Die Lage weiter Bevölkerungskreise verschlechterte sich dramatisch. Zugleich entwickelte sich ein liberales bürgerliches Lager als Vertreter der neuen wirtschaftlich erfolgreichen rheinischen Kreise an Rhein und Ruhr.

 

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Rote Fahne der Demokratischen Gesellschaft, Köln, April 1848 (KSM / RBA, rba_KSM1888_23_B)

Revolution in Köln

1848/49 war Köln ein Zentrum der Revolution – hier wurde der „Kölner Arbeiterverein“ gegründet, hier erschien die „Neue Rheinische Zeitung“ mit Karl Marx als Chefredakteur. Eine Kundgebung im September 1848 gilt als Höhepunkt der Revolution in Köln: Mehr als 10 000 Menschen kamen in den Worringer Rheinauen zusammen, Redner forderten unter dem Beifall der Menge die „rote Republik“. Im Haus von Mathilde und Fritz Anneke verkehrte die europäische revolutionäre Elite, Mathilde gab nach Verhaftung der übrigen Linken kurzzeitig eine revolutionäre Zeitung als „Frauenzeitung“ heraus.

Doch letztlich scheiterten alle revolutionären Bestrebungen. Allein schon die Präsenz der preußischen Garnison in der Festungsstadt Köln ließ keine Veränderungen zu. Das erkannte auch Marx, in der letzten Ausgabe seiner Zeitung schrieb er: „Wir warnen Euch vor jedem Putsch in Köln – nach der militärischen Lage wäret Ihr rettungslos verloren."



Stimmungsumschwung

Nach dem Sieg der Preußen über Dänemark 1864 schlug die Stimmung um: 1865 feierte man 50 Jahre der Vereinigung mit Preußen – und der liberale Abgeordnete Heinrich von Sybel sprach wohl den meisten Rheinländer*innen aus der Seele: „Die preußische Krone hat das Rheinland zum Leben erweckt; ein festeres Band der Zusammengehörigkeit lässt sich nicht denken.“

 

 

4.3. Großstadt im Kaiserreich (1871 bis 1918)

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V.C. Lerche: Dombaufest zur Vollendung des Kölner Doms, Historischer Festzug vor dem Zelt Kaiser Wilhelm I., 1884  (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud / RBA, rba_c001933)    


Domvollendung

Nach den siegreichen Kriegen von 1866 und 1870/71 schwenkten die Kölner*innen auf die Linie eines überschwänglichen „borussischen“ Patriotismus ein. 1875, auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes, verlieh das „katholische“ Köln dem Reichskanzler Otto von Bismarck die Ehrenbürgerschaft.

Am 15. Oktober 1880 wurde Kaiser Wilhelm begeistert empfangen, als das Fest der Domvollendung anstand – in Abwesenheit des Erzbischofs Paulus Melchers, der noch immer im Exil weilte. Die Feier war in erster Linie ein Fest des preußischen Staates, der den Weiterbau der Kathedrale seit 1842 mit immensen Summen ermöglicht hatte.

 
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Kölner Hauptbahnhof, um 1900 (KSM / RBA, rba_mf165702)

Die Stadt wächst 

Seit 1815 war Köln preußische Festungsstadt. Das Militär hatte nicht nur zahlreiche Kasernen in der Stadt errichtet, sondern auch die mittelalterliche Stadtmauer mit einem Gürtel neuer Forts umgeben. Als sich im Zuge der Industrialisierung immer mehr Firmen in der Stadt ansiedelten, damit auch Arbeitskräfte anlockten, wuchs die Stadt um ein Vielfaches: Köln hatte um 1850 bereits mehr als 100.000 Einwohner*innen.

1859 wurde die Stadt durch den Bau der ersten Eisenbahnbrücke über den Rhein und einen neuen Zentralbahnhof neben dem Dom zum Verkehrsknotenpunkt im Westen. Um Platz für weiteres städtisches Wachstum zu schaffen, kaufte die Stadt 1881 die mittlerweile militärisch nutzlose Stadtmauer vom preußischen Fiskus und ließ sie niederlegen – hier entstanden der Ringboulevard und neue Stadtviertel.

 

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Jakob Scheiner: Köln aus der Vogelschau, Köln-Deutz 1886 (KSM / RBA)

Industriebetriebe und soziale Gegensätze

Industriebetriebe (und Steuerzahler*innen) strebten zudem ins direkte Umland. 1888 wurden mit der Eingemeindung von Ehrenfeld und Landgemeinden wie Müngersdorf und Nippes neue Stadtteile geschaffen; mit Deutz und Poll griff Köln erstmals ins Rechtsrheinische aus. Das Stadtgebiet wuchs um das Zehnfache, die Einwohner*innenzahl stieg auf über 250.000. Als 1911 auch Kalk und Vingst, 1914 Mülheim eingemeindet wurden, hatte sich Köln zu einer Großstadt entwickelt, die auf beiden Rheinseiten über ein etwa gleich großes Stadtgebiet verfügte.




Mit der wachsenden Bevölkerungszahl verschärften sich aber auch die sozialen Gegensätze – doch das preußische Dreiklassenwahlrecht mit seiner Bevorzugung der Besitzenden sorgte dafür, dass die SPD, die Partei der Arbeiterklasse, in der Stadtverordnetenversammlung nicht zum Zuge kam. Das Dreiklassenwahlrecht bevorzugte die Besitzenden, wählen durften zudem nur Männer.

 

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„Munitionstransport Cöln-Paris 1914“, Fotopostkarte, Köln, 1914 (Privatbesitz Volker Standt)

Frontstadt im Westen

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Köln zur Drehscheibe von Truppentransporten und Nachschub an die Westfront – und ein wichtiger Standort für Lazarette. Der Krieg verursachte auch in der Stadt schließlich große Versorgungsprobleme. Dabei bewies der Erste Beigeordnete Konrad Adenauer seine Fähigkeiten und wurde 1917 Nachfolger des nach Berlin berufenen Oberbürgermeisters Max Wallraf.

Im Mai 1918 erlebten die Kölner*innen erstmals einen Luftangriff auf ihre Stadt, nachdem bereits 1914 von Köln aus der erste Luftangriff des Krieges – auf die belgische Stadt Lüttich – gestartet worden war. Von den etwa 100.000 Kölnern, die zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, fielen mehr als 10.000, zahllose wurden schwer verletzt.

 

 
 

5. Köln im 20. Jahrhundert

5.1. In der Weimarer Republik (1918 bis 1933)

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E. Horst: Oberbürgermeister Konrad Adenauer, 1928 (KSM / J. Fröhlich)

Besetzte Stadt

Mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 endeten die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges. Zwei Tage zuvor hatte der Kaiser abgedankt und war geflohen, in Berlin war die Republik ausgerufen worden.

Auch in Köln kam es zu revolutionären Unruhen, die aber durch die Gründung des Arbeiter- und Soldatenrates in geordnete Bahnen gelenkt wurden, nicht zuletzt dank des Geschicks des jungen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer, der den Vorsitz des Wohlfahrtsausschusses übernahm. Er hatte auch erste sozialdemokratische Beigeordnete berufen.

Adenauers erste Herausforderung war im Dezember 1918, neben dem Rückzug des deutschen Westheeres durch die Stadt nach Osten, die Einquartierung von 30.000 britischen und alliierten Soldaten, die – so sah es das Waffenstillstandsabkommen vor – als Besatzungstruppen in Köln stationiert werden sollten. Bis Januar 1926 sollte die Stadt der Hauptort der britischen Zone bleiben.

Adenauer gelang es relativ schnell, eine von gegenseitigem Respekt geprägte Arbeitsatmosphäre mit den Besatzungsbehörden zu schaffen.


An den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung und den Stadtratswahlen durften auch Frauen teilnehmen. Neben 102 Männern saßen erstmals ab Herbst 1919 auch erstmals zwölf weibliche Abgeordnete im Kölner Stadtrat. 1923 berief Adenauer mit Hertha Kraus die erste Stadtdirektorin (ins Wohlfahrtsamt).

 

Die Adenauer-Jahre

Trotz aller widrigen Umstände erlebte Köln in den Jahren nach Kriegsende bis Mitte der 1920er Jahre eine kulturelle Blütezeit: Um das Paar Max Ernst und Luise Straus-Ernst herum war Köln eines der deutschen Dada-Zentren, mit Heinrich Hoerle und Franz Seiwert traten die Rheinischen Progressiven hervor. 1924 wurden auf Betreiben Adenauers die Kölner Werkschulen eröffnet, die zu einem rheinischen Zentrum für Kunst und Design wurden.

 

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Inflationsgeld der Stadt Köln, 1923 (KSM / RBA)

Weltwirtschaftskrise

Damals stürzte bereits die durch den New Yorker Börsenkrach ausgelöste, langanhaltende Weltwirtschaftskrise auch in Köln viele Menschen in Not und Armut. Die Arbeitslosenzahl stieg von 55.000 im Dezember 1929 auf mehr als 100.000 im Juli 1932. Im Herbst 1932 war die Stadt – vor allem als Folge der hohen Wohlfahrtslasten – zahlungsunfähig.








Die NSDAP


Von der finanziellen Krise, die sich auch lähmend auf das Kulturleben der Stadt legte, profitierte die NSDAP, die bei der Kommunalwahl von 1929 erstmals vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung gewinnen konnte. Mit aggressiver Propaganda und offenem Straßenterror erreichten die Nazis bei den Reichstagswahlen vom Juli 1932 bereits 24,5 Prozent der Stimmen in Köln.

 

 

5.2. Die Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945)

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Hannes Maria Flach: Einmarsch der deutschen Truppen, Vorbeimarsch am Hotel  Fürstenhof (Excelsior), 1936 (KSM / RBA, rba_d054191)

Verfolgung und Ausgrenzung

Am 30. Januar 1933 wurde der NSDAP-Führer Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Zuvor war in der Kölner Villa des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder eine gemeinsame Regierung Hitler/Franz von Papen ausgehandelt worden. Sechs Wochen später „ergriffen“ die Nationalsozialisten auch in Köln die Macht. Einen Tag nach der Kommunalwahl vom 12. März, aus der die NSDAP mit 39,6 Prozent als stärkste Kraft (aber nicht mit Mehrheit – die verschafften sich die Faschisten, indem sie die Mandate der KPD nicht anerkannten) hervorgegangen war, besetzten NSDAP-Mitglieder das Rathaus. Gauleiter Josef Grohé verkündete die Absetzung Adenauers als Oberbürgermeister – der daraufhin die Stadt verließ und sich vorübergehend verbergen musste – und präsentierte seinen Parteigenossen Günter Riesen als neues Stadtoberhaupt. Die Mehrheit der Kölner Bevölkerung nahm diesen illegalen Akt widerspruchslos hin – wie auch die folgenden Maßnahmen der Nationalsozialisten: den Boykotttag gegen jüdische Geschäfte, Praxen und Kanzleien am 30. März/1. April.

Auch die Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Gruppen verlief reibungslos, die Universität hatte sich im vorauseilenden Gehorsam schon selbst gleichgeschaltet, die Gewerkschaften wurden zerschlagen, die Presse auf NS-Kurs gebracht. Selbst die Karnevalist*innen ließen sich in den Dienst der NS-Propaganda stellen und verspotteten in den Rosenmontagszügen regelmäßig die ausgegrenzten und entrechteten jüdischen Menschen.

Als Hitler am 7. März 1936, einen Tag nach der Rheinlandbesetzung (das deutsche Militär war in das Rheingebiet einmarschiert, das gemäß Versailler Vertrag demilitarisiert bleiben sollte), Köln besuchte, wurde er als „Befreier“ umjubelt. Nach seinem nächsten Besuch im März 1938 äußerte der Diktator, in keiner anderen Stadt habe man ihm solche Ovationen bereitet wie in Köln.

Das Pogrom am 9. November 1938 – verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichnet – war dann der Auftakt zur systematischen Verfolgung der Juden, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges in den Holocaust mündete. Mehr als 11.000 Kölner Jüdinnen und Juden fielen der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern, Massenerschießungen oder dem Hungertod in den Gettos im Osten zum Opfer. Seit Mai 1940 wurden auch von Köln aus Sinti und Roma in Lager, die vornehmlich in Polen eingerichtet worden waren, deportiert und dort ermordet.

 

 
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Luftaufnahme der US-Army, Köln, 1945 (KSM / RBA)

Der Zweite Weltkrieg


Vom Zweiten Weltkrieg, ausgelöst durch den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939, war Köln zunächst nicht betroffen. 1941 registrierte man in der Stadt vereinzelte britische Luftangriffe – doch erstmals am 30. Mai 1942 durchlebte die Bevölkerung einen umfassenden Angriff: Damals legten mehr als 1000 britische Bomber die Innenstadt in Trümmer, es gab „nur“ 500 Tote und 5000 Verletzte – der Auftakt zum Bombenkrieg, in dessen Verlauf Köln exakt 262-mal von alliierten Flugzeugen angegriffen wurde, mehr als 20.000 Menschen starben dabei.

Selbst in dieser Situation regte sich kaum Widerstand – nur zahlreiche Jugendliche, die etwa den „Edelweißpiraten“ nahestanden, und ausländische Zwangsarbeiter entzogen sich dem Regime; viele von ihnen bezahlten ihre Sabotageakte mit dem Tod – selbst vor öffentlichen Hinrichtungen schreckten die Nazis nicht zurück.

 

 
 

5.3. Nachkriegszeit, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder (1945 bis 1960)

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Hermann Claasen: Kinder in der Nachkriegszeit, 1946/47 (KSM / RBA)


Am Ende des Krieges

Am Ende des Krieges war die Innenstadt zu 90 Prozent zerstört, gerade einmal 40.000 Menschen hausten im linksrheinischen Köln noch in Kellern und Bunkern. 

Relativ schnell wurde die Stadtverwaltung wieder tätig, an ihrer Spitze stand Adenauer, den die Amerikaner aus seinem „Exil“ in Rhöndorf zurückriefen und als Oberbürgermeister einsetzten (bis Oktober 1945). Im Sommer 1945, als immer mehr evakuierte oder geflüchtete Einwohner*innen in die Stadt zurückkehrten, war die Wasser- und Stromversorgung notdürftig in Gang gebracht, doch Verwaltung und Besatzungsmächten gelang es nicht, eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und Heizmaterial sicherzustellen. Adenauer kümmerte sich nicht zuletzt um die Wiederaufnahme des Konzert- und Kulturlebens; bereits im Dezember nahm die Universität ihren Betrieb auf – lange Jahre sollte ihre unzerstörte Aula zudem als Ersatz für Opern- und Schauspielhaus dienen – , in den Schulen hatte der Unterricht schon im Juli im Schichtbetrieb wieder begonnen. In den Sommer 1945 fiel die Wiedergründung von Parteien und Gewerkschaften, neugegründet wurde die CDU, die bei der ersten Kommunalwahl im Oktober 1946 die meisten Sitze gewann.

 

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Trümmerräumung, um 1945 (KSM / RBA, W. F. Meier, rba_d000054)  

Trümmerbeseitigung


Der schwierige Wiederaufbau, der mit der Beseitigung und Verwertung der Trümmer begann, orientierte sich in erster Linie an den Grundbedürfnissen der Bevölkerung, verlief somit vor allem in den 50er Jahren – nach Ansicht von Architekturkritikern – zumeist ohne ein planerisches Gesamtkonzept. Die Schaffung von Wohnraum hatte Vorrang.

 

 
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K. H. Schmölz: Schreinsprozession zum Domjubiläum, Köln, 1948 (KSM / RBA)

Die Stadt erwacht zu neuem Leben

1948 – die Hungerjahre waren vorbei, die Währungsreform brachte neues stabiles Geld – gewann die Stadt internationales Ansehen zurück, als die 700-Jahr-Feier des gotischen Doms begangen wurde. Ein Jahr später zog der erste Rosenmontagszug wieder durch die Stadt, die Zuschauer*innen bejubelten die Parade vielfach noch von Trümmerbergen aus. 1950 feierte die Stadt ihr 1900-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen. Die dadurch dokumentierte „Normalisierung“ des kommunalen Lebens fand ihren Ausdruck auch im 56. Katholikentag, der 1956 zahllose Gläubige nach Köln führte; damals konnte der allseits beliebte Erzbischof Josef Frings wieder ein Pontifikalamt im durch Kriegseinwirkungen beschädigten Dom zelebrieren.
 

1956 begann zudem der Wiederaufbau des Rathauses, ein Jahr zuvor war der Gürzenich wiederhergestellt worden, 1957 fand die Bundesgartenschau im Rheinpark statt. 1959 wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die wiederaufgebaute Synagoge in der Roonstraße eingeweiht. Im selben Jahr ist auch das von Wilhelm Riphahn entworfene neue Opernhaus auf dem Offenbachplatz eröffnet worden. Damals hatte die Stadt erstmals wieder so viele Einwohner*innen wie vor dem Krieg – 750.000.

Der CDU-Politiker Ernst Schwering, seit 1952 Oberbürgermeister (nachdem er und SPD-Mann Robert Görlinger sich seit 1948 im Jahresturnus im Amt „abgewechselt“ hatten), wurde 1956 abgewählt – erstmals wurde die SPD stärkste Fraktion im Rat; und so wählte die Ratsmehrheit den SPD-Bürgermeister Theo Burauen zum neuen Oberbürgermeister. Daneben gab es nach britischem Vorbild seit 1946 als Chef der Stadtverwaltung einen Oberstadtdirektor. Seit 1953 war dies Max Adenauer.

 
 

5.4. Die 1960er- und 1970er-Jahre

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K.H. Schmölz: Antoniter-Kirche auf der Schildergasse mit Nord-Süd-Fahrt im Vordergrund (KSM / RBA, rba_712902)    


Aufbruchstimmung, FC-Meisterschaften und Demonstrationen

Mehr als vier Jahrzehnte, von 1956 bis 1999, stellte die SPD ununterbrochen den Oberbürgermeister, von 1956 bis 1973 Theo Burauen, von 1973 bis 1980 John van Nes Ziegler, von 1980 bis 1999 Norbert Burger (alle drei erhielten später die Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln).

Vor allem die 1960er Jahre waren von Aufbruchstimmung, Wachstum und Fortschrittsglauben geprägt; die Kölner Wirtschaft meldete Umsatzrekorde. Im August 1961 wurden 1348 Arbeitslose gemeldet. Die Zahl der offenen Stellen betrug 12.600, so dass viele Unternehmen, speziell die Fordwerke, zunehmend Arbeitskräfte aus südlichen Ländern einstellten – der Beginn eines multikulturellen Köln.

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KVB-Demo 1966 (Privatarchiv Kurt Holl / Alfred Koch)

Die Stadt sonnte sich 1962 im Besuch des französischen Präsidenten Charles de Gaulle, im Juni 1963 dem des US-Präsidenten Kennedy und 1965 war auch Queen Elizabeth zu Gast. 1962 und 1964 feierte der 1. FC Köln seine ersten beiden Meisterschaften. Der Kölner Heinz Kühn (SPD) wurde 1966 NRW-Ministerpräsident. Im gleichen Jahr kündigten sich die Studierendenproteste mit einer ersten Demonstration an, es ging gegen Fahrpreiserhöhungen der KVB; 1967 protestierten auch in Köln viele Menschen, vor allem Studierende, gegen den Besuch des Schahs, ein Jahr später gegen die Notstandsgesetze.

 
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Die Bläck Fööss 1973 (Archiv Bläck Fööss)

Verkehr, Kunst und Karneval

1968 wurde die erste Kölner U-Bahn-Linie eröffnet, 1970 weihte Bundespräsident Heinemann die neue, moderne Abfertigungshalle des Flughafens Köln/Bonn ein, 1972 war endlich das neue Rathaus mit der großzügigen Piazzetta fertiggestellt, 1974 öffnete das Römisch-Germanische Museum am Dom seine Pforten. Seit 1967 waren die Kunsthalle und der benachbarte Kunstverein mit zahlreichen herausragenden Ausstellungen eine feste Institution im Kölner Kulturleben geworden.

Viele Künstler*innen bereicherten mit alternativen Aktionen, mit „Happening und Fluxus“ (so der Titel einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein) das kulturelle Leben. 1972 wurde Heinrich Böll, der oft mit seiner Vaterstadt haderte, mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Im Bereich der „Volkskultur“ kündigte sich eine ‚Revolution‘ an: Im Sommer 1970 hatte die kölsche Mundartband Bläck Fööss ihre erste Single veröffentlicht – Auftakt einer Renaissance der kölschen „Sproch“ und des kölschen Karnevals insgesamt. Die 1974 veröffentlichte LP der Gruppe – mit Titeln wie „Drink doch ene met“ und „In unserm Veedel“ – erreichte bundesweit beachtliche Verkaufszahlen. 1979 erschien auch die erste LP der Kölsch singenden Rockband Bap. 

 

Probleme der 1970er-Jahre

Anzeichen einer wirtschaftlichen Stagnation war bereits 1973 der autofreie Sonntag im Rahmen der „Ölkrise“; am Ende der 1970er-Jahre lag die Arbeitslosenquote mit sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Pleite der Privatbank Herstatt im Juli 1974 bescherte vielen Kölner Sparer*innen erhebliche finanzielle Verluste. Die ganze Stadt war erschüttert, als der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im September 1977 in Braunsfeld von RAF-Terroristen entführt wurde und dabei vier Menschen erschossen wurden; auch Schleyer sollte schließlich von der RAF ermordet werden. Ein Jahr später nahm die Stadt Abschied vom über alle Konfessionsgrenzen populären Erzbischof Josef Kardinal Frings – mit seiner Volksnähe verkörperte Frings, der 1969 vom Amt zurückgetreten war, den liberalen rheinischen Katholizismus.

 

E) Die 1980er- und 1990er-Jahre

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Annette Frieck: Stollwerck-Besetzung, Wandmalerei, 1980

Arbeitslosigkeit und Stollwerck-Besetzung

Die Mitte der 1970er-Jahre einsetzende allgemeine Rezession schlug sich auch im folgenden Jahrzehnt in Köln vor allem in den Arbeitslosenzahlen nieder – im Februar 1988 betrug die Quote 16 Prozent, mehr als 62.000 Kölner*innen hatten keine Arbeit. Ende 1991 stand die Stadt mit 4,4 Milliarden DM „in der Kreide“, bei einem Haushaltsvolumen von fast 5 Milliarden DM.

Auch in Köln war die Jugend wieder unruhig – es kam zu Besetzungen von zum Abriss vorgesehen Häusern und auch gegen eine neue Stadtautobahn regte sich – erfolgreich – massiver Widerstand. Bis heute in Erinnerung blieb die Stollwerck-Besetzung, als versucht wurde, die zum Abriss bestimmten Gebäude der alten Stollwerck-Fabrik in der Südstadt für neue Lebensformen des Wohnens, Arbeitens und der Kultur zu nutzen.

Positive Schritte für die Stadt in dieser Zeit waren beispielsweise: der Bau des Wallraf-Richartz-Museums/Museums Ludwig, das im September 1986 eingeweiht wurde, die Eröffnung des Rheingartens oder die Planungen für den Mediapark; im Oktober 1980 hatten Deutsche Welle und Deutschlandfunk in neuen Funkhäusern am Raderberggürtel ihren Betrieb aufgenommen. Im gleichen Jahr zog ein Teil der Kölner Justiz in einen neuen Hochhauskomplex an der Luxemburger Straße. Und 1982 konnte endlich der Rheinufertunnel eröffnet werden, der den Verkehr am vielbefahrenen Rheinufer entlastete.

 
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Besuch von Papst Johannes-Paul II. in Köln, 1980 (RBA, rba_mfL006212_9A)

Papst Johannes Paul II. und Tutanchamun

1980 feierte Köln das Jubiläum der Domvollendung, in Anwesenheit von Papst Johannes Paul II., der auch das Grab des selig gesprochenen Albertus Magnus aufsuchte, der vor 700 Jahren gestorben war. Die Ausstellung „Tutanchamun“ lockte damals mehr als 1,3 Millionen Besucher*innen ins Zeughaus. Im September 1984 wurde das Kölnische Stadtmuseum nach 4 Jahren mit neuer Einrichtung wieder eröffnet. Ein weiterer Höhepunkt war 1985 das „Jahr der Romanischen Kirchen“, in dem Köln seine einzigartigen hochmittelalterliche Sakralbauten von den Kriegsschäden befreit präsentierte.

 
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W. Niedecken: Liedext "Arsch huh, Zäng ussenander" (KSM/ RBA rba_d053216)

Im wiedervereinten Deutschland

Die Wiedervereinigung, die der Mauerfall 1989 einleitete, sollte der Region von Köln bis Bonn, seit 1949 „provisorische“ Hauptstadt, diesen Standort- und nehmen, nachdem durch Parlamentsbeschluss Berlin zur Hauptstadt bestimmt worden war. Immerhin konnte sich Köln seit 1992, nach eigener Zählung, als Millionenstadt fühlen.

In diesem Jahr setzten die Kölner*innen – nach Anschlägen u. a. in Rostock – ein starkes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit: Mehr als 100.000 Menschen bekundeten am 9. November 1992 beim Konzert der Künstler-AG „Arsch huh – Zäng ussenander“ auf dem Chlodwigplatz ihre Solidarität mit ausländischen Mitbürger*innen.

 

Medienhochburg

Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich die Stadt, die mit dem Zeitungsverlag DuMont Schauberg traditionell eine große Rolle auf dem Printsektor spielte, zu einer Medienhochburg, dank WDR, RTL, VOX, VIVA und vieler TV-Produktionsfirmen, die sich hier niederließen und ein Drittel aller deutschen Fernsehproduktionen herstellten – und Arbeitsplätze für mehr als 50.000 Menschen schufen.

 
 

5.6. Umbrüche und Herausforderungen seit der Jahrtausendwende

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Oberbürgermeisterin Henriette Reker (Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Am 1. Oktober 1999 übernahm mit Harry Blum erstmals seit 1956 wieder ein CDU-Mann das Amt des Oberbürgermeisters, er war – nach Änderung der Gemeindeordnung – das erste direkt gewählte Stadtoberhaupt. Doch Blum starb wenige Monate später; in einer Stichwahl setzte sich dann der CDU-Ratspolitiker Fritz Schramma durch und amtierte bis 2009. Danach wurde mit Jürgen Roters erneut ein SPD-Mann Oberbürgermeister, seine Amtszeit endete 2015; seitdem steht mit der parteilosen Juristin Henriette Reker, von CDU und Grünen unterstützt und 2020 wiedergewählt, erstmals eine Frau an der Spitze der Stadt, die 2019 genau 1.091.819 Einwohner vermeldete, darunter 438.000 mit „Migrationshintergrund“ (von denen 212.000 keinen deutschen Pass haben). Im Frühjahr 2021 weist Köln erstmals eine rein weibliche (und parteilose) Stadtspitze auf: neben der Oberbürgermeisterin gibt es mit Andrea Blome eine Stadtdirektorin und mit Prof. Dörte Diemert eine Kämmerin.

 
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Parade Cologne Pride (Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Zu den dramatischen Ereignissen der letzten Jahrzehnte zählt u.a. der Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009, als Folge des U-Bahn-Baus in der Severinstraße. Zwei Menschen verloren dabei ihr Leben, 85 Prozent des Archivguts wurden verschüttet; die Restaurierung der beschädigten Archivalien wird Jahrzehnte dauern, immerhin wird das Archiv ab Juni 2021 in einen Neubau am Eifelwall ziehen können.

In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Köln zu einer lebendigen Stadt, wo die Diversität intensiv gelebt wird. Dazu tragen nicht nur die aus vielen Ländern zugewanderten Menschen bei, auch die schwul-lesbische Szene fühlt sich hier angenommen.



Neben dem Rosenmontagszug hat sich die Parade zum Christopher Street Day im Sommer zum Publikumsmagneten entwickelt.

 

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