So wie einst Real Madrid

<strong>Autogrammkarte: Der 1. FC Köln in der Spielzeit 1963/64. <br /></strong>Foto: rba_d033555_02
Autogrammkarte: Der 1. FC Köln in der Spielzeit 1963/64.
Foto: rba_d033555_02

Im Jahr 1964 sollte in Erfüllung gehen, was Franz Kremer bereits 1948 nicht müde wurde, den Mitgliedern seines damaligen Vereins Klettenberger BC von 1901 und denen der rivalisierenden Spielvereinigung Sülz 07 immer wieder anzukündigen. Mit der ehrgeizigen Frage »Wollen Sie mit mir Deutscher Meister werden?« gab er die Marschroute vor und machte um seine Visionen und Ziele keinen Hehl. Er überzeugte so die Vertreter der beiden Vereine zur Fusion und damit zur Gründung des 1. FC Köln. Autorität und Erfolgshunger zeichneten Franz Kremer, den ersten Präsidenten des neu gegründeten Vereins, aus.

Obwohl der Club an einem Freitag, dem 13., im Februar 1948 gegründet worden war, waren es erfolgreiche Jahre in der Oberliga West, die 1963, bei Beginn der ersten Bundesliga-Saison, hinter dem 1. FC Köln lagen. Eng verbunden mit fünf Westdeutschen Meisterschaften und einer Deutschen Meisterschaft sind große Namen. Man denke nur – um einige wenige zu nennen – an Hennes Weisweiler, Frans de Munck, Georg Stollenwerk, Fritz Ewert, Karl-Heinz Thielen oder das gefürchtete Duo Jupp Röhrig als Vorlagengeber und Hans Schäfer als Vollstrecker.

Lange und verbissen kämpfte Franz Kremer für die Einführung einer einheitlichen Spielklasse. Ziel war es, die fünf bestehenden Oberligen zu einer zusammenzuführen – der Bundesliga. Sowohl sportliche als auch wirtschaftliche und infrastrukturelle Kriterien waren für eine Qualifikation der Vereine zur höchsten Spielklasse ausschlaggebend. Der 1. FC Köln, zu jener Zeit der einzige Verein mit professioneller Struktur und Mannschaft, qualifizierte sich als einer von 16 Vereinen für den Start in der neu gegründeten Spielklasse. Tausende von Menschen besuchten nicht nur die Spiele des 1. FC Köln. Fußball wurde durch die Bundesliga republikweit zum Kassenschlager. Denn die Liga passte in das Modell des Deutschlands der Nachkriegszeit. War es doch der DGB, der seit 1956 mit dem Slogan »Samstags gehört Vati mir« schrittweise für die Einführung der 40-Stunden-Woche bei fünf Tagen Arbeit kämpfte. Nun konnte die neu gewonnene Freizeit genutzt werden – sei es, indem man das Stadion aufsuchte oder den Wirtschaftswunderkleinwagen aus der Garage fuhr und polierte. Dank der Radiosendung »Sport und Musik«, die von Kurt Brumme im WDR moderiert wurde, war es möglich, den Spielen live am Radio zu folgen.

Als der in Köln allseits beliebte Zlatko »C?ik« C?ajkovski vor der Saison den Verein verließ, um zum FC Bayern München zu wechseln, den er 1965 in die Bundesliga führen würde, kam Georg Knöpfle vom SV Werder Bremen als neuer Trainer an den Rhein. Mit neuem Trainer und neuen, jungen Spielern wie Wolfgang Overath und Wolfgang Weber startete man also in die erste Bundesliga-Saison. Am ersten Spieltag schlug man den 1. FC Saarbrücken mit 2:0. Overath dankte Trainer Knöpfle seinen Platz in der Startelf auch direkt mit dem Treffer zum 1:0 in der 22. Minute. Damit schoss er das erste Tor des 1. FC Köln in der Bundesligageschichte. Am Ende der Saison sollten es für Wolfgang Overath acht Tore sein. Bester Kölner Torschütze in dieser Saison war mit 16 Treffern Karl-Heinz Thielen, doch über allen stand mit 30 Treffern in 30 Spielen der Hamburger Uwe Seeler.

Mit 17 Siegen, elf Unentschieden und zwei Niederlagen beendete der Club mit dem Geißbock auf der Brust die Saison auf Platz eins und sicherte sich so die erste Deutsche Meisterschaft der Bundesligageschichte vor dem Meidericher SV. Die weißen Trikots und die Spielweise ließen an das große Real Madrid erinnern – das weiße Ballett.

Die von einem unbekannten Schenker im Jahr 1965 dem Haus übergebenen Autogrammkarten zeigen die 17 Spieler der Meistermannschaft und ihren Trainer Georg Knöpfle – ohne den heute üblichen Stab an Betreuern, Physiotherapeuten und Zeugwarten. Beim Betrachten der Karten und der sportlichen Leistungen des FC von heute schleicht sich vor allem den jüngeren Fans des Vereins eine Textzeile der Wise Guys ein: »Ich will einmal im Leben Deutscher Meister sein, das wär‘ von vornherein zu schön, um wahr zu sein«. Was nicht ist, kann ja noch werden.

 

Autogrammkarte: Der 1. FC Köln in der Spielzeit 1963/64, Köln, 1963, Offsetdruck nach Fotografie; H: 10,9 cm, B: 13 cm. Inv.-Nr. KSM 1965/189, 1 + 2. Schenkung, 1965. Foto: rba_d033555_02


Autor: Annas/Wiegand, Geißböcke; Baroth, Jungens; König, 1. FC.

 

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