Hort der Orden-Horden

Gezeigt wird im Kölnischen Stadtmuseum nur ein winziger Teil der großenteils noch nicht inventarisierten Orden. Zu viele Orden sind es, die seit 1823, dem Jahr des ersten organisierten Karnevals, jährlich als Auszeichnung für verdiente Karnevalisten vergeben werden. Frühe Orden zeugen von wunderbarem Kunsthandwerk, spätestens im 20. Jahrhundert entwickeln sie sich im Zuge der maschinellen Fertigung zum reinen Konsumobjekt.

<strong>Kölner Karnevalsorden</strong>, <br />20. Jahrhundert. Foto: rba_d033471
Kölner Karnevalsorden
20. Jahrhundert. Foto: rba_d033471

Wie viele Karnevalsorden es im Stadtmuseum genau gibt, weiß niemand. Kistenweise Orden sind bislang nicht inventarisiert oder gesichtet, da der Aufwand der Suche, Vermessung, Datierung und Aufnahme in die Datenbank sicherlich ein Personenjahr an Arbeit bedeuten dürfte. Was sicher ist: Es sind viele, und jedes Jahr werden es mehr.

Die Orden kommen über die verschiedensten Wege ins Museum, manche einzeln als Geschenk von Gesellschaften oder verdienten Karnevalisten, andere als komplette Sammlungen aus Privatbeständen, wenn die früheren Besitzer ihre Leidenschaft aufgeben oder aus dem Leben scheiden. Eine solche Privatsammlung kam auch im Jahr 2000 ins Haus: 315 Orden, vornehmlich aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurden dem Stadtmuseum von einem anonymen »Kölner Bürger« geschenkt.

Eine Entwicklung, die schon im 19. Jahrhundert begann, ist auch anhand dieser Sammlung deutlich nachzuvollziehen. Karnevalsorden werden mehr und mehr zum Konsumobjekt. Im 19. Jahrhundert verbilligte die aufkommende Industrieproduktion die Orden und minimierte die handwerkliche Herstellung. Heute, in Zeiten des Internet-Versandhandels mit seinen vorgefertigten Orden-Designs und Produktionsstätten in Übersee, verlieren sich viele der Metallanhänger in seichten Spaßdarstellungen ohne erkennbare Aussagekraft. Viele Karnevalsorden haben sich ihrer ursprünglichen Bedeutung und Geltung entledigt.

In Sachen Orden hatten für die Kölner Karnevalisten die Narren von Kleve und die Gecken von Dülken Vorbildcharakter. Der in Köln seit 1823 organisierte Karneval verstand sich auch als augenzwinkernde Antwort auf den militärisch-steifen Habitus der seit 1815 auch über Köln herrschenden Preußen. Doch ein Orden – karnevalistischer Natur oder nicht – bleibt eine Auszeichnung, die mit Verdienst, Treue und Würde verbunden ist. Denn die Manifestation von Rang und Hierarchie spiegelt sich im Karnevalsorden wie in allen anderen Abzeichen auch. Kein Wunder also, dass die Orden gerade in einer Zeit so populär wurden, in der Köln als kleiner Teil des großen Preußen kaum noch eine politische Rolle spielte.

So erklärt sich auch, warum offener Dissens in der Ordensgestaltung fast nie vorkam. Im Gegenteil richteten sich die Orden vielfach nach der politischen Strömung der Zeit: Patriotismus nach der Reichsgründung 1871, Rassismus nach dem Herero-Aufstand 1904, Durchhalteparolen während des Zweiten Weltkriegs, Geschichtsvergessenheit im Wirtschaftswunder und immer wieder der Aufgriff von Histörchen zur kölnischen Selbstvergewisserung.

In der Präsentation des Historischen Museums gab es schon 1902 Karnevalsorden zu bewundern. Im »Allgemeinen Führer« von 1902 ist in der Eigelsteintorburg in »Zimmer 5 – Vereinswesen im 19. Jahrhundert, Karneval« von einer »Reihe Karnevalsorden im Pultschrank« die Rede. Und auch heute sind Karnevalsorden in der Dauerausstellung des Kölnischen Stadtmuseums zu sehen. Denn der Karnevalsorden ist nicht per se trivial. Es gibt wunderbar gearbeitete, kunsthandwerkliche Stücke aus dem 19. Jahrhundert, trefflich gestaltete Orden mit politischem Gehalt und solche, die die Erinnerung an geschichtliche Ereignisse auf würdevolle Art und Weise wachhalten. Leider sind sie in der Unterzahl.

 

Kölner Karnevalsorden, Metall, Kunststoff, Textil. Inv.-Nr. KSM 2000/51, 59, 166, 170, 174, 175, 320, 325, 328, 339, 358, 374, 375, 378, 398, 420, 428, 460, 464, 482, 483, 488, 565, 572. Foto: rba_d033471


Autor: Sascha Pries M.A.

 

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