Das grosse Fressen in der guten Stube

<strong>Einladungskarte zur feierlichen Eröffnung der festen Rheinbrücke zu Cöln, </strong>1859. <br />Foto: rba_d033410
Einladungskarte zur feierlichen Eröffnung der festen Rheinbrücke zu Cöln, 1859.
Foto: rba_d033410

Mit leerem Magen sollte man diese Menükarte besser nicht studieren: Liest man doch von Austern aus Ostende, Lachs mit Champignons, Hummer und Schinken an portugiesischem Madeirawein oder mit Trüffeln. Doch was war der Anlass für das üppige Festmahl? Hierüber geben Bild und Schrift auf der Banderole im oberen Teil der von David Levy Elkan gestalteten Menükarte Aufschluss: »Eröffnung der festen Rheinbrücke zu Cöln am 3. Oct. 1859«.

Seit der Römerzeit hat es keine feste Brücke mehr über den Rhein gegeben, die linkes und rechtes Rheinufer miteinander verband. Zu lange schon behalf man sich mit Provisorien – zuletzt 1822 mit dem Bau einer etwa 400 Meter langen hölzernen Pontonbrücke in Höhe der heutigen Deutzer Brücke. Diese musste jedoch mehrmals am Tag für den passierenden Schiffsverkehr geöffnet oder im Winter, wegen des Treibeises auf dem Rhein, ganz abgebaut werden. Hinzu kommt, dass das Schienen- und Verkehrsnetz an beiden Seiten des Rheins im Laufe des 19. Jahrhunderts stetig anwuchs und sich weiterentwickelte. Vom linken Rheinufer aus, vom Bahnhof der Rheinischen Eisenbahn in der Kölner Altstadt, fuhren Züge bis nach Antwerpen. Vom Bahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn in Deutz konnte man den Norden und Osten des Reiches reisen. Der Umstand, dass beide Kopfbahnhöfe waren, brachte für die Reisenden, die in Köln ankamen und weiterfahren wollten, jedoch einige Unannehmlichkeiten mit sich. So mussten sie zwischen den Bahnhöfen aussteigen und, um zu einem der anderen Bahnhöfe zu kommen, behelfsmäßig den Rhein überqueren. Grenze war der Rhein zwar nicht mehr – aber immer noch Hindernis.

Um diesem Umstand ein Ende zu setzen, drängten die Eisenbahngesellschaften darauf, die verschiedenen im Verkehrsknotenpunkt Köln endenden Linien durch eine neue feste Eisenbahnbrücke zu verknüpfen. Aus künstlerischen Überlegungen heraus bestimmte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. als Förderer des Dombaus, dass die Brücke in die Achse des Domchors gelegt werden sollte, um den Dom so zum Blickpunkt des einfahrenden Verkehrs zu machen. Die Bauarbeiten begannen am 1. Juni 1855, die Grundsteinlegung am 3. Oktober 1855 nahm der König höchstselbst vor. Nach vierjähriger Bauzeit konnte die Brücke am 3. Oktober 1859 durch seinen Bruder Prinzregent Wilhelm eröffnet werden. Die Eisenkonstruktion 

stammt vom Ingenieur Hermann Lohse, der danach die erste Elbbrücke zwischen Hamburg und Harburg baute. Die Brückenportale aus Sandstein im pseudomittelalterlichen Stil entwarf Heinrich Strack – passend zur Rheinromantik. Ein merkwürdiger Käfig, gerahmt von zinnenbekrönten Türmen. Dieser Form wegen und weil die Brücke auf beiden Seiten mit Toren geschlossen werden konnte, nannten die Kölner sie »Muusfall« (Mausefalle). In ihrer Architektur verband sie die Moderne mit der Romantik – von ihrer Bedeutung her schloss sie das Rheinland ein zweites Mal, jetzt infrastrukturell an Preußen an.

Die Bedeutung des Baus der Brücke für Preußen betonte David Levy Elkan auch in der Gestaltung der Speisekarte. Die Brücke bildet ein überspannendes Element über der figürlichen Darstellung von Vater Rhein und seiner Töchter als Allegorien der Nebenflüsse. Zu den Füßen von Vater Rhein liegt der Drache, der den Nibelungenschatz bewachen soll. Die Wappen der Rheinprovinz und der Stadt Köln flankieren das zentrale Wappen Preußens. 50 Jahre nach der Eröffnung der Brücke sollte sie zu eng für das stetig steigende Verkehrsaufkommen werden – erst recht, seitdem 1894 der neue Hauptbahnhof in Betrieb genommen war, sodass sie 1911 durch die größere Hohenzollernbrücke ersetzt wurde.

Verfolgten die Einweihung der Brücke vor Ort noch über 60.000 Besucher, so war der Kreis der erlesenen Gäste beim anschließenden Festessen im Gürzenich mit 450 Gedecken deutlich erlesener. Zu ihnen gehörte auch Julius Jäger, der in jungen Jahren als Maschinist am Bau der Brücke mitwirkte. 49 Jahre später, im Jahr 1918, war die Brücke längst durch die Hohenzollernbrücke ersetzt, doch die Erinnerung an das Fest bei Julius Jäger noch nicht verblasst. Er übergab die Menükarte, seine Platzkarte und seine Einladung dem Historischen Museum – für 12 Mark.

 

Einladungskarte zur feierlichen Eröffnung der festen Rheinbrücke zu Cöln, Farbliothografie von  David Levy Elkan, Düsseldorf, 1859, H: 23,2 cm, B: 14,5 cm, Inv.-Nr. HM 1918 /7d = G 27118. Ankauf von Julius Jäger, Köln, 1918, für 12 Mark. Foto: rba_d033410


Autor: Stefan Lewejohann

 

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