Das empfindliche Abbild eines empfindsamen Gelehrten

Ferdinand Franz Wallraf (1748 – 1824), bedeutender Stadtgelehrter und Kunstsammler in Köln, ließ sich gegen Ende seines Lebens von dem Kölner Künstler Ludwig Hagbold (1784 – 1846) in Wachs bossieren. Das empfindliche Kunstwerk gelangte 1891 wohlbehalten in den Bestand des Historischen Museums.

<strong>Ludwig Hagbolt: Ferdinand Franz Wallraf</strong>, verm. um 1822.<br />Foto: rba_d033359
Ludwig Hagbolt: Ferdinand Franz Wallraf, verm. um 1822.
Foto: rba_d033359

 


Franz Ferdinand Wallraf wurde am 20. Juli 1748 in Köln geboren, und er blieb als »Urgestein« in dieser Stadt, die er nur verließ, wenn es unumgänglich war. Er war ein Multitalent, denn er hatte zur Bewältigung (fast) jeder Lebenslage den passenden Beruf. Nach dem Besuch des Gymnasiums Montanum von 1760 bis 1765 folgte das Studium an der Artistenfakultät der Universität, das er 1767 als Magister Artium abschloss. Schon 1769 war er Professor am Gymnasium Montanum, 1772 geweihter Priester, 1778 Baccalaureus und 1780 Lizentiat der Medizin. 1784 wurde er Kanoniker an St. Maria im Kapitol und damit verbunden Lehrstuhlinhaber für Botanik, Naturgeschichte und Ästhetik an der Medizinischen Fakultät der Kölner Universität. 1786 wurde er zum Professor der Botanik ernannt, zwei Jahre später zum Doktor der Medizin. Dem Höhepunkt seiner Karriere mit der Ernennung zum Rektor der Universität im Jahr 1793 folgten ein Jahr später die Besetzung der Stadt durch die französischen Revolutionstruppen und 1797 die Absetzung von seinem Posten, da er sich weigerte, den Eid auf die Verfassung der Französischen Republik abzulegen.

Den nächsten Einschnitt in seinem Leben markierte die Säkularisation 1802/03, die die Beschlagnahme ungezählter kostbarster sakraler Kunstwerke und deren Abtransport nach Paris durch die Franzosen, die Verschleuderung eines Teils davon auf dem freien Markt und die Vernichtung des Restes nach sich zog. Nun versuchte Wallraf unter Aufbietung all seiner Kräfte, darunter auch der finanziellen, zu retten, was noch zu retten war. Er selbst verarmte, aber es entstand eine reichhaltige Sammlung, die er 1818 der Stadt als Schenkung nach seinem Ableben anbot, allerdings unter der Bedingung einer kleinen Leibrente. Nach einer Bedenkpause von einem Jahr stimmten die Ratspolitiker zu. Den dann eher schnöden Umgang mit dem stolzen Erbe nach Wallrafs Tod am 18. März 1824 musste dieser glücklicherweise nicht mehr erleben: Bereits im April 1826 verkaufte die Museumskommission des Rates die ersten »entbehrlichen« Stücke, und der Ausverkauf setzte sich noch bis ins folgende Jahrhundert fort. Der 1827 von der Stadt für die Sammlung erworbene und bis zum 8. Juli des Jahres eilig hergerichtete »Kölner Hof« in der Trankgasse war ein beschämendes Provisorium, bis dann endlich 1861 dank der Stiftung des Kaufmanns Johann Heinrich Richartz ein angemessenes Domizil fertiggestellt werden konnte.

Der Schöpfer der Wachsbossierung, die Wallraf in großer Detailtreue, gezeichnet von Schicksalsschlägen, skeptisch bis nachdenklich blickend, gegen Ende seines Lebens zeigt, war Ludwig Hagbold (Hagbolt) (1784–1846), Bruder von Jacob Herrmann (1775–1849), ebenfalls Wachsbossierer. Beide erfuhren ihre Ausbildung durch Kaspar Bernhard Hardy (1726–1819), Geistlicher und künstlerischer Tausendsassa, seinerzeit weit über Köln hinaus bekannt unter anderem für seine virtuos gefertigten Wachsbossierungen. Ludwig machte 1817 auf der »Ausstellung der Kölnischen Kunst- und Industrie-Erzeugnisse« im Kölner Rathaus auf sich aufmerksam. Er trat als qualitätvoller Porträtist hervor und war mit Wallraf persönlich bekannt. Die damals berühmte Sayner Hütte in Neuwied setzte einige seiner Entwürfe in Gusseisen um.

Das Porträt Wallrafs gelangte 1891 ins Historische Museum – ob als Schenkung oder durch käuflichen Erwerb, konnte bislang nicht ermittelt werden.

 

Porträtrelief »Ferdinand Franz Wallraf«, Ludwig Hagbolt, verm. um 1822, Wachs, bossiert; mit Rahmen H: 24,1 cm, B: 19,1 cm, Inv.-Nr. HM 1891/35. Provenienz unklar. Foto: rba_d033359

 


Autor: Dr. Johannes Ralf Beines

 

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